Trends & News | News

Kollektive Bewegungen in biologischen Systemen

Das Zentrum für interdisziplinäre Forschung (ZiF) der Universität Bielefeld veranstaltet in der Woche vom 5. bis zum 9. November einen fünftägigen internationalen Workshop, der sich mit der Analyse und Modellierung von kollektiven Bewegungen in biologischen Systemen befasst („Collective Motion in Biological Systems: from Data to Models“).

Bekanntestes Beispiel ist das Schwarmverhalten von Vögeln und Fischen, dessen Gesetzmäßigkeiten bereits Berücksichtigung bei der Steuerungsprogrammierung von autonom agierenden Fluggeräten (Mikrokopter, Drohnen) gefunden haben. Das Phänomen der kollektiven Bewegung existiert aber auch auf der zellulären und organismischen Ebene.

Diskutiert wird bei dem Workshop unter anderem, wie die Informationsübertragung bei verschiedenen Interaktionsformen (visuell, chemisch, vibratorisch) zu einem bestimmten kollektiven Muster führt. Darüber hinaus stellen Computerwissenschaftler und Biologen Methoden zur Rekonstruktion und Modellierung von Interaktionen zwischen Systemindividuen vor. Einen weiteren Schwerpunkt bildet die theoretische Auseinandersetzung mit Organisationsprinzipien: Gibt es womöglich universelle Prinzipien, die erklären könnten, warum unterschiedliche Interaktionsmechanismen zu ähnlichem kollektiven Verhalten führen? Die Teilnahme an der öffentlichen Veranstaltung, die in englischer Sprache abgehalten wird, ist kostenlos. (pmz)

NXP Innovation Day: das „Internet der Dinge“ als Wachstumsmotor

Der niederländische NXP-Konzern (früher Philips Semiconductors), mit einem Jahresumsatz von 4,2 Milliarden US-Dollar drittgrößter Halbleiterhersteller in Europa hinter STMicroelectronics und Infineon, hat im Rahmen eines „Innovation Day“ in Amsterdam seine strategische Ausrichtung im Bereich Forschung & Entwicklung für die kommenden Jahre skizziert. Das Unternehmen konzentriert sich nach Angaben von Wouter Leibbrandt, Senior Director von NXP Research und Leiter des Advanced Applications Lab, dabei vor allem auf die Bereiche chipbasierte Sicherheitslösungen, Verkehrstelematik, Smart Home und Smart Metering, den Health-Care-Markt sowie das sogenannte „Internet der Dinge“ (Internet of Things, IoT), also die Vernetzung und Kommunikation von Elektronikgeräten untereinander – von Industriemaschinen über Autos bis hin zu Haus- und Küchengeräten.

NXP erwartet, dass bis zum Jahr 2020 weltweit bis zu 50 Milliarden IoT-Geräte im Einsatz sein werden. Dazu beitragen sollen unter anderem die neuen Smart-Lighting-Lösungen des Konzerns: Einzelne Energiespar- und LED-Lampen von Beleuchtungsnetzwerken in Büroumgebungen oder Privathaushalten werden mit Funk-Mikrocontroller, IPv6-Adresse und der auf dem WPAN-Standard IEEE 802.15.4 (Wireless Personal Area Network) aufbauenden „JenNet-IP-Software“ ausgestattet und sind individuell ansteuerbar. Über eine Gateway-Anbindung lassen sich gewünschte Beleuchtungsszenarien für einzelne Bereiche dann beispielsweise per Smartphone-App initiieren; möglich ist auch die Kopplung mit Multisensor-Chips, die zudem NFC-fähig sind.

NFC (Near Field Communication) ist ein Feld, das NXP seit der gemeinsamen Entwicklung mit Sony im Jahr 2002 intensiv beackert: In 90 Prozent aller NFC-fähigen Smartphones steckt Unternehmensangaben zufolge NXP-Technik, mehr als 100 Millionen NFC-Controllerchips vom Typ PN544 wurden bislang verkauft. Die neue NFC-Chip-Generation (NXP PN547) soll bei stark reduzierter Antennengröße und Leistungsaufnahme größere Übertragungsdistanzen als bisher ermöglichen. Wachstumspotenziale für NFC sieht der Konzern unter anderem im Videospiel-Segment: Bereits heute können Kinder (respektive ihre Eltern) im Laden Spielfiguren kaufen, die NFC-Tags enthalten. Die darauf gespeicherte Information lässt sich zuhause dann über einen mit dem PC verbundenen Tag-Reader einlesen, sodass die Figur anschließend als virtuelles Double in einem Videospiel nutzbar ist. Eine Kooperation mit Activision Blizzard trägt bereits Früchte: Nach Zahlen des Marktforschungsunternehmens GfK konnte Activision im ersten Halbjahr 2012 fast einhundert Millionen Euro mit NFC-fähigen „Skylander“-Spielfiguren umsetzen.

Geschäftsimpulse erhofft sich NXP auch vom automatischen Notrufsystem „eCall“, das ab 2015 in alle EU-Neufahrzeuge eingebaut werden muss: Bei einem schweren Unfall soll das Fahrzeug selbsttätig einen Notruf mit der aktuellen Fahrzeugposition absetzen. Mit der „Automotive Telematics On-board Unit Platform“ (ATOP) hat NXP bereits ein Produkt im Portfolio, das die technischen eCall-Anforderungen (GPS-Empfänger, GSM-Modul, Steuergerät, Antenne) erfüllt. ATOP wird derzeit im Rahmen des niederländischen Telematik-Projekts „SMART-In-Car“ getestet. Interessant ist das System nicht zuletzt für Betreiber für Pkw-Flotten, die damit ein sehr mächtiges Tool zur Kontrolle von Auto und Fahrer erhalten: Denn außer Standortinformationen werden auch zahlreiche über den CAN-Bus verarbeitete Fahrzeugdaten transferiert, etwa die aktuelle Geschwindigkeit, die Motordrehzahl, ob das Licht eingeschaltet wurde oder ob der Scheibenwischer aktiv ist.

Über gesetzgeberisches Eingreifen würde sich der Chiphersteller sicherlich auch im Wohnbereich freuen, wo NXP ein Potenzial von „150 bis 200 Einzelgeräten pro Haushalt“ sieht, die über eine intelligente Hausvernetzung miteinander verknüpft und per Smart-Metering-Lösung effizienter betrieben werden könnten. Doch die Realität sieht anders aus: „Home-Automation ist zwar sexy“, räumte Leibbrandt in Amsterdam ein, „nennenswerte Umsätze erwirtschaften wir derzeit aber nur im Bereich der gewerblichen Gebäudeautomation.“ Hier konzentriert sich NXP auf die Entwicklung von selbstorganisierenden „Ultra Low Power (ULP) Wireless Sensor Nodes“, die zudem in der Lage sind, benötigte elektrische Energie über Energy-Harvesting-Methoden selbst zu gewinnen. (pmz)

Artikel kostenlos herunterladen

Infos zum Artikel

0Kommentare
Kommentieren
Kommentar verfassen
Anzeige

Anzeige

Anzeige