Ein Licht geht auf

E-Book-Reader mit lesefreundlichen Displays und LED-Leuchte

Test & Kaufberatung | Test

E-Book-Reader brauchen kaum Strom und sind leicht. Doch bisher hatten Tablets ihnen etwas voraus: Man kann darauf auch im Dunkeln schmökern. Die neue Reader-Generation vereint die Vorteile beider Welten mit einer zuschaltbaren LED-Beleuchtung.

Kommen Sie näher! Zoomen Sie doch mal rein. Finger auseinander! Sie wissen schon, Pinch to Zoom heißt das. Oder ein Doppeltipp genau hier, dann wirds größer. Geht nicht? Oh – Sie lesen ja immer noch auf Papier.

Keine Sorge, wir finden es völlig in Ordnung, dass Ihre c’t noch raschelt. Aber ein richtiges Buch aus totem Baum ist wirklich nicht mehr zeitgemäß. Es gibt gute Gründe, auf E-Books umzusteigen. Die Lesegeräte sind ausgereift, haben Platz für Hunderte E-Books und bieten Funktionen, die kein Papier der Welt beherrscht. Einige können sogar Multitouch. Und das Angebot an kostenlosen und kostenpflichtigen E-Books ist riesig.

E-Books lesen macht aber nur Spaß mit der passenden Hardware. Es gibt zwar auch Lese-Apps für Smartphones und Tablets, doch am besten taugen dafür immer noch die Lesegeräte mit Spezial-Displays, die augenfreundliches Lesen, lange Laufzeit und Lesespaß auch am Strand in der prallen Sonne versprechen.

Acht Geräte treten das Rennen um den Platz auf der Sessellehne an. Im Preisbereich ab 100 Euro warten drei Reader mit echten Neuerungen auf: Der Amazon Kindle Paperwhite, der Bookeen HD Frontlight und der Kobo Glo haben hochauflösende Displays und ergänzen das lesefreundliche E-Ink-Display um eine zuschaltbare LED-Beleuchtung. Auf dem Sony Reader PRS-T2 wiederum kann man mit einem Stift Notizen in E-Books kritzeln.

Den günstigeren Geräten fehlen solche Schmankerl: Dafür punkten das Einstiegsmodell von Amazon (im Folgenden Kindle 5 genannt), der Kobo Mini, das Pocketbook Basic und der Trekstor Pyrus mit Preisen ab 60 Euro – und dürften deshalb in diesem Jahr unter so manchem Weihnachtsbaum liegen.

Displaytechnik

Alle Testgeräte verwenden als Displaytechnik sogenannte elektronische Tinte, bei fast allen stammt sie aus dem Hause E-Ink. Auf ihnen sehen Texte wie gedruckt aus und bleiben auch im Sonnenlicht ausgezeichnet lesbar. Die neueste E-Ink-Generation heißt Pearl und ist inzwischen in fast allen teureren Readern eingebaut. Sie bietet schnelle Schaltzeiten und den höchsten Kontrast.

Unter den Testgeräten setzen nur noch der Kobo Mini und das Pocketbook Basic den Pearl-Vorgänger Vizplex ein, der sich vor allem durch einen graueren Hintergrund bemerkbar macht. Den schwächsten Kontrast zeigt der Trekstor Pyrus, dessen Panel der Hersteller schlicht „Digital Ink“ nennt. Doch so richtig schwarz auf weiß sieht E-Ink auch auf den Pearl-Geräten nicht aus: Man hat auch hier noch das Gefühl, auf Recycling-Papier zu lesen. Am kontrastreichsten sind noch der Sony Reader und der Kindle 5, danach folgen der Paperwhite und die übrigen Reader mit Pearl-Display.

Nach dem Seitenwechsel bleiben blasse Rückstände der Vorseite stehen. Auf schlechten Readern sieht das in etwa so aus wie eine gedruckte Zeitung, bei der die Buchstaben der Rückseite durchschimmern. Um diese Reste komplett zu entfernen, invertieren die Reader den Seiteninhalt alle paar Seiten, was einige beim Lesen stört. Das Invertieren kann man abschalten oder zumindest reduzieren. Für schönes Lesen reicht es auf den Pearl-Readern, alle 5 bis 10 Seiten zu invertieren, bei den Vizplex-Readern sollte man es lieber „immer“ einstellen. Auf dem Trekstor Pyrus ist es so schlimm, dass Texte ohne Invertieren nicht mehr ordentlich lesbar sind.

Die höhere Auflösung vom Kindle Paperwhite, Kobo Glo und HD Frontlight (alle 213 dpi) macht sich vor allem bei kleinen Schriftgrößen bemerkbar, doch bei normalem Abstand und längerem Lesen fällt der Unterschied kaum auf – auch auf den Readern mit 167 dpi ist das Lesen sehr angenehm. Weil alle Displays leicht verkratzen und durch starken Druck – zum Beispiel im vollgepackten Rucksack – brechen, ist bei E-Book-Readern eine Hülle empfehlenswert.

LED-Beleuchtung

Kindle Paperwhite, Kobo Glo und HD Frontlight eint eine Besonderheit: Sie haben am Displayrand zuschaltbare LED-Lampen, deren Licht über eine auf dem Display liegende Diffusionsschicht verteilt wird. Damit kann man ohne Leselampe wie mit einem Tablet oder Smartphone auch dann weiterlesen, wenn es dunkel wird.

Auf dem Kobo Glo verteilt die Diffusionsbeschichtung das Licht der unten eingebauten LEDs am gleichmäßigsten. Die dunkelste Stelle auf dem Display leuchtet noch mit 80 Prozent der hellsten Stelle, das ist mit der Ausleuchtung eines mittelmäßigen Tablet-Displays vergleichbar. Mit maximal 111 cd/m2 ist der Glo außerdem vergleichsweise hell. Das entspricht in etwa der Helligkeit, mit der ein Bürolicht auf den Schreibtisch fällt – fürs Lesen im Dunkeln ist das mehr als genug.

Ein ganzes Stück schlechter verteilt der HD Frontlight das Licht. Zwar sitzen hier an allen vier Bildschirmrändern LEDs (max. 125 cd/m2). Doch die Ausleuchtung ist mit 59 Prozent miserabel, das fällt selbst ungeschulten Augen sofort auf. Zudem stört am unteren Displayrand ein Schatten, der sich über die ganze Breite zieht. Stellt man den Reader auf eine niedrigere Helligkeitsstufe, liest es sich aber auch hier mit Licht angenehm.

Am natürlichsten sieht die Beleuchtung auf dem Kindle Paperwhite aus: Er leuchtet mit maximal 73 cd/m2 zwar lange nicht so hell wie die anderen. Doch die Stufen jenseits der 50 cd/m2 braucht man sowieso selten. Der Clou liegt vielmehr in den niedrigen Helligkeitsstufen: Die ersten zehn Stufen liegen zwischen 0,3 cd/m2 und 3 cd/m2 – die anderen Reader fangen erst bei 4 cd/m2 an. Das Justieren der LEDs in diesem Bereich sieht so aus, als würde man die Buchseiten sanft bleichen, statt ein Licht anzumachen. Das ist nicht nur in dunkler Umgebung nützlich, sondern verschönert die Seite auch bei guten Lichtverhältnissen.

Dass die Beleuchtung so natürlich aussieht, liegt aber auch am höheren Kontrast bei eingeschalteter LED. Ein paar Wermutstropfen gibt es aber auch hier: Der Kindle leuchtet mit 68 Prozent ungleichmäßig aus und am unteren Rand stören kleine Schatten zwischen den LEDs. Komplett abstellen kann man die Beleuchtung auf dem Kindle beim Lesen nicht, doch aufgrund der niedrigen Helligkeit merkt man das nur im Dunkeln.

Einen Helligkeitssensor hat keiner der Reader, man muss also immer händisch feintunen.

Laufzeiten

E-Ink-Reader versprechen traumhaft lange Laufzeiten. Und tatsächlich schafften alle im Test unter Laborbedingungen über 8000 Seitenwechsel, bevor der Akku leer war. Das lässt sich zwar nicht eins zu eins in Buchseiten umrechnen. Aber es reicht dicke für mehrere Romane, zumindest wenn der Reader nicht im Hintergrund per WLAN oder UMTS Daten synchronisiert. Einige Reader schafften auch deutlich mehr: Die beiden Kindles und der Kobo Glo kommen auf über 30 000 Seiten – rekordverdächtig.

Die extrem langen Laufzeiten verkürzen sich mit LED-Beleuchtung: Auf maximale Helligkeit eingestellt lief der Kindle nur noch etwa 13 Stunden lang. Das ist bei den anderen Readern ähnlich: Wenn man im Urlaub das Netzteil zu Hause lassen möchte, sollte man die LED nur in Ausnahmefällen benutzen und möglichst weit herunterregeln.

Lesestoff

Abgesehen von der Displaytechnik liegt der größte Unterschied zwischen verschiedenen Readern darin, welche E-Book-Formate sie lesen können. Tools wie Calibre konvertieren Bücher ohne Kopierschutz (DRM) zwar ganz prima für alle Geräte. Bei E-Books mit DRM, wie sie in den meisten Shops verkauft werden, legt man sich mit dem Kauf eines Readers fest. Hier gilt: Wer einen Kindle hat, muss seine E-Books bei Amazon kaufen. Alle anderen Reader greifen auf das Angebot einer Vielzahl von Shops zurück, denn sie unterstützen Epub mit Adobe DRM, das bei ebook.de, Weltbild, Thalia und Co. gebräuchlich ist.

Kobo geht einen dritten Weg: Der Kobo-Shop bietet wie der von Amazon E-Books mit eigenem Kopierschutz an. Gleichzeitig öffnet der Reader aber auch Epubs mit Adobe DRM, und Bücher von Kobo kann man sich für andere Reader als Adobe-DRM-Buch herunterladen.

Alle Reader lassen sich über den PC befüllen, komfortabler geht es aber direkt auf dem Reader. Die meisten Lesegeräte haben einen Zugang zu einem bestimmten E-Book-Portal vorinstalliert, das man per WLAN oder UMTS erreicht. So kauft man direkt auf dem Gerät Bücher oder lädt kostenlose Bücher aus dem Netz. Nur die beiden Reader ohne WLAN, der Pocketbook Basic und der Trekstor Pyrus, sind auf den PC als Ladestation angewiesen.

Amazon Kindle 5

Vor fünf Jahren läutete der erste Kindle das E-Book-Zeitalter ein, inzwischen hat Amazon die fünfte Generation seines E-Book-Readers auf den Markt gebracht. In Deutschland gibt es zwei Modelle: den Einsteiger-Kindle – hier der Einfachheit halber Kindle 5 genannt – und den teureren Kindle Paperwhite mit Beleuchtung und Touchscreen.

Der Kindle 5 paart eine Basis-Ausstattung mit dem Shop-Komfort von Amazon. Nirgendwo kommt man so einfach und komfortabel an neuen Lesestoff. Kaufbücher, aber auch private Dokumente speichert Amazon online und synchronisiert sie inklusive Lesefortschritt und Notizen zuverlässig zwischen allen mit dem Account verknüpften Geräten – so kann man das Buch mit der Kindle-App auf dem Smartphone weiterlesen. Allerdings nimmt man auch die starke Kontrolle durch den Konzern in Kauf: Der Händler wertet das Nutzerprofil für Werbezwecke aus und hat in Einzelfällen auch schon mal E-Books aufgrund von Urheberrechtsverletzungen ohne Nachfrage vom Reader gelöscht.

Für fast alle Bücher im Shop gibt es Leseproben, Beschreibungen und Rezensionen. Bücher lassen sich innerhalb von 14 Tagen zurückgeben, das geht bei keinem anderen Anbieter. Darüber hinaus darf man als Amazon-Prime-Mitglied einen Teil der Amazon-Auswahl kostenlos ausleihen, aber nur eins pro Monat. Als einziger Anbieter hat Amazon auch Zeitungen und Zeitschriften im Sortiment, als deutschsprachige unter anderem die Zeit, die Süddeutsche, die FAZ und die Welt. Für alle gibt es 14-tägige Probeabos.

Touchen geht beim Kindle 5 nicht, stattdessen navigiert man mit einen 4-Wege-Knopf. Am meisten stört das, wenn man auf einer Seite ein Wort zum Nachschlagen markieren oder Suchbegriffe eintippen möchte. Dann führt man den Cursor wie mit einem Konsolen-Controller mühsam von Buchstabe zu Buchstabe.

Aufgrund des fehlenden Touchscreens hat der Kindle 5 die ältere für Tasten optimierte Bedienoberfläche, die im Vergleich zu anderen Geräten etwas altbacken aussieht und nicht besonders übersichtlich ist. Blättern kann man nur mit Tasten am Rand, die man leicht von der Seite drücken muss. Den Seitenwechsel erledigt der Kindle in einer halben Sekunde besonders schnell.

In den Büchern gibt es allerlei nette Zusatzfunktionen: So kann man sich beispielsweise beliebte Textstellen anderer Leser anschauen und Zitate auf Twitter und Facebook veröffentlichen. Zusätzlich zu einer Gerätesperre kann man auch eine Kindersicherung aktivieren: Dann darf der Nachwuchs zwar lesen, aber nichts kaufen.

Amazon Kindle Paperwhite

Der Kindle Paperwhite ist Amazons High-End-Reader. Abgesehen von der LED-Leuchte und dem höher auflösenden Display unterscheidet er sich vom Kindle 5 vor allem durch seinen kapazitiven Touchscreen. Sei es das gut integrierte Wörterbuch, die Notizfunktion oder die Einstellmenüs für den Text – auf dem Paperwhite sieht alles schicker aus als auf dem Kindle 5 und anderen Readern. Flugs hangelt man sich von Seite zu Seite und von Buch zu Buch, weil der Touchscreen immer flott reagiert, zuverlässig das Tippen erkennt und sehr schnell umblättert.

Der Reader liegt gut in der Hand und eignet sich auch ganz prima zum einhändigen Lesen – obwohl er mit stattlichen 220 Gramm etwas schwer ist. Der Paperwhite hat ein paar weitere Zusatzfunktionen: X-Ray zeigt beispielsweise an, in welchen Kapiteln eine Person besonders häufig vorkommt und Rechtschreibfehler im Buch meldet man Amazon direkt vom Kindle aus. Außer einer Prozentanzeige und einer undurchschaubaren Positionsberechnung kalkuliert Amazon auch relativ exakt, wie viel Stunden noch bis zum Schluss des Kapitels oder Buchs verbleiben. Die Pinch-to-Zoom-Geste wechselt die Buchstabengröße.

Video: Amazon Kindle Paperwhite

Den Paperwhite gibt es mit WLAN für 130, mit WLAN und Mobilfunk-Modul für 190 Euro. Mit Letzterem greift man in Dutzenden Ländern kostenlos auf den Kindle Shop und die Synchronisationsdienste von Amazon zu, ohne dass weitere Kosten entstehen. In den USA, Großbritannien und anderen Ländern surft man auch sonst kostenlos im Netz. In Deutschland ist außer dem Shop nur das Online-Lexikon Wikipedia erreichbar.

Bookeen HD Frontlight

Der HD Frontlight ist abgesehen von der Beleuchtung im Prinzip identisch mit dem Cybook Odyssey, den wir vor einigen Ausgaben getestet haben [1]. Mit dem zuverlässigen kapazitiven Touchscreen bedient man den Reader flott, auch Gesten mit zwei Fingern versteht er: Pinch-to-Zoom klappt genauso wie das Drehen eines Fingers um den anderen, um von hoch auf quer zu wechseln.

Das Display schaltet für ein E-Ink-Panel ziemlich schnell. So fliegen Buchcover animiert ins Bild hinein und Menüs lassen sich wie auf einem Tablet oder Smartphone scrollen. Das ist zwar ganz nett, nervt aber an mancher Stelle: Beim Einstellen der Schriftgröße vertippten wir uns beim Scrollen immer mal wieder.

In den E-Books kann man viele Schriften und Größen einstellen, der Reader trennt optional Wörter und es gibt einen Nachtmodus, der weiße Schrift auf schwarzem Grund zeigt. Die einstellbaren Kopf- und Fußzeilen sehen schön aus und verleihen dem E-Book das Aussehen eines Papierbuchs. In PDFs lässt sich der Rand automatisch abschneiden, außerdem beherrscht der HD Frontlight PDF Reflow. Dann umbricht er den Text neu, was zumindest bei einfacheren E-Books gut funktioniert. Wer viel Dokumentation oder andere als PDF veröffentlichte Dokumente liest, mag das sehr bald nicht mehr missen. Leider sind aber viele PDFs darauf schlecht vorbereitet und deswegen im Reflow-Modus nicht gut lesbar.

Das Gehäuse ist etwas rundlich und fühlt sich groß und ein bisschen unhandlich an. Minuspunkte gibts für die Verarbeitung: Die hervorstehende An-/Austaste ist klapprig und lässt sich etwas schwerfällig bedienen, und am USB-Anschluss riss während der Testphase das Plastikgehäuse ein.

Unser Testgerät stammt vom Buchhändler Thalia, der einen Link zum Touch-optimierten Shop installiert. Beim Stöbern im Angebot nerven zwar Wartesekunden, abgesehen davon findet man aber schnell zum gewünschten Buch und fühlt sich ähnlich gut beraten wie im Kindle-Shop. Bereits gekaufte Bücher sind über das Online-Konto mit wenigen Tippern heruntergeladen.

Kobo Glo

Der Kobo Glo hat ein minimalistisches Design: Ein Rechteck mit abgerundeten Ecken, das gut in der Hand liegt.

Mechanische Blättertasten gibt es nicht, doch mit dem Touchscreen lässt sich der Reader gut bedienen, auch einhändig. Weil es sich um einen Infrarot-Touchscreen und keinen kapazitiven handelt, kann man dazu auch einen Stift oder jeden anderen Gegenstand nehmen, Gesten mit zwei Fingern klappen aber nicht. Gelegentlich erkennt der Touchscreen den Tipper nicht. Die eingeblendete Tastatur ist eher träge und verschluckt immer wieder Buchstaben.

Bei einem unserer Testgeräte klapperte nach einigen Wochen der Akku. Wir konnten ihn aber mit etwas Mühe nach Entfernen des Rückendeckels wieder festkleben.

Wie Amazon verknüpft Kobo seine Reader eng mit seinem Shop: Hat man sich mit seinem Konto angemeldet, lädt der Reader bereits gekaufte oder bei Kobo gespeicherte Bücher, synchronisiert den Lesefortschritt und hinterlegt Zahlungsinformationen. Obendrein ermittelt Kobo nette Lesestatistiken und vergibt virtuelle Auszeichnungen als Leseanreiz – die kann man auch auf Facebook posten. Die Auswahl an deutschsprachigem Lesestoff liegt deutlich unter Kindle und Thalia, sodass sich bei fehlenden Büchern der Blick in andere Shops mit Epub-Angebot lohnt.

In den schicken Menüs findet man sich gut zurecht, nur sind einige Elemente zu klein geraten, sodass man auch mal danebentippt. Über den Menüpunkt „Entdecken“ oder „Bücher finden“ lotst der Kobo einen in den Buchshop. Auch der ist schön und übersichtlich gestaltet, er gibt Empfehlungen, bietet Leseproben an und ermöglicht Wunschzettel. In einigen Ansichten fehlt eine Preisangabe, sie wird erst während des Kaufprozesses angezeigt.

In den E-Books stellt man das Meiste per Schieberegler ein, die Schriftgröße, den Zeilenabstand und die Buchstabendicke zum Beispiel. Dabei reagierte der Reader häufig lahm und stürzte gelegentlich sogar ab. Auch mit komplexen oder großen Dateien – zum Beispiel Comics im PDF-Format oder sehr langen Büchern – hatten unsere Kobos so ihre Probleme und hängten sich dann immer wieder auf. PDFs machen ohnehin wenig Spaß: Einen Reflow-Modus gibts nicht und es lässt sich kaum etwas einstellen. Immerhin kann man in den Quermodus wechseln, was in anderen Dateiformaten nicht geht.

Silbentrennungen fügt der Kobo automatisch ein, die Funktion wirkt aber unausgereift. So kommen falsche Trennungen vor, die den Lesefluss jäh unterbrechen. An anderer Stelle werden eindeutig mögliche Trennungen nicht vorgenommen.

Kobo Mini

Vom Glo unterscheidet sich der Kobo Mini vor allem in der Größe, durch die fehlende Beleuchtung und durch das etwas kontrastärmere, niedriger auflösende Display. Mit 5 Zoll Display-Diagonale hat er die kleinste Anzeige im Test. Der Reader ist schön leicht und handlich und wird auch bei längerem Lesen nicht zu schwer. Dafür muss man öfter blättern, weil nicht so viel Text aufs Display passt.

Das Gehäuse gibt es in Schwarz und Weiß, die Schale der Rückseite kann man austauschen: Schwarz, Silber, Hellblau, Pink und Dunkelblau stehen zur Auswahl. Schon nach drei Mal Wechseln leierte unsere Rückseite aus und saß dann etwas locker.

Die Software des Mini unterscheidet sich nur wenig von der des Glo: Die gute Shop-Anbindung samt Synchronisation und die vielen Einstellmöglichkeiten gehören zu beiden ebenso wie die gelegentlichen Abstürze. Der Mini hat aber andere Schriftarten an Bord, das Schachspiel, einige Optionen und das eine oder andere Wörterbuch fehlen. Möglicherweise liegt das aber auch am unterschiedlichen Versionsstand: Kobo feilt derzeit dauernd an der Firmware und bringt im Wochentakt Updates heraus, die Glo und Mini unterschiedlich schnell erreichen.

Pocketbook Basic

Den Pocketbook Basic bedient man wie den Kindle 5 mit einem 4-Wege-Button. An seinen Seiten unterhalb des Displays liegen die Blättertasten. Damit lässt sich der Reader auch einhändig gut bedienen, die Tasten haben aber einen etwas schwachen Druckpunkt. Weil er flott auf die Eingaben reagiert, kommt man auch ohne Touchscreen gut klar, nur das Eintippen von Wörtern dauert lange.

Das Plastikgehäuse sieht ein wenig billig aus und ist ziemlich wuchtig, mit 170 Gramm zählt der Reader aber noch zu den leichteren. In puncto Hardware liegt er ohne Touchscreen und ohne WLAN am unteren Ende des Testfelds. Die Software hat dafür die meisten Anpassungsmöglichkeiten: Man kann Dateinamen verändern, Dateien nach verschiedensten Kriterien sortieren und gruppieren und fast jede Tastenbelegung anpassen.

Dazu gibts diverse Extras: vier Spiele, einen Kalender und einen Taschenrechner zum Beispiel. Die Vielfalt und Auswahl machen die Reader-Software aber an mancher Stelle kompliziert. Auch in der E-Book-Anzeige bietet Pocketbook die meisten Einstellungen: Der Reader erkennt besonders viele E-Book-Formate und selbst als ZIP verpackte Dateien. Er stellt insgesamt 18 Schriftarten dar und von Zeilenabstand über Silbentrennung bis zur Textkodierung kann man fast alles justieren.

Reader PRS-T2

Der Stift des Sony Reader PRS-T2 ist nicht nur zum Tippen gut: Mit ihm fertigt man Skizzen an, schreibt Notizen in Bücher und kritzelt in PDF-Dokumenten herum. Die Ergebnisse synchronisiert man über die Sony-Software mit dem PC.

Einen Parkplatz für den Stift hat der Reader nicht, sodass man nicht so recht weiß, wo man den schlanken Plastikgriffel hinsteckt. Das Gehäuse wirkt schick, der Reader fühlt sich leicht und schlank an und liegt von den größeren Lesegeräten am besten in der Hand.

Dank Infrarot-Touchscreen kann man statt Finger und Stift jeden stumpfen Gegenstand zum Tippen und Zeichnen benutzen. Weil man beim Blättern über den Touchscreen wischen muss, statt wie bei allen anderen Readern einfach zu tippen, dürften viele dazu lieber die mechanischen Tasten benutzen. Die haben einen guten Druckpunkt.

Der Sony Reader fühlt sich in den Menüs und Büchern gemeinsam mit den Kindle-Readern am flottesten an, er blättert mit einer halben Sekunde recht schnell. Auch Zoomen und Verschieben der Position in PDFs klappt flott und vergleichsweise flüssig, zumindest bei kleineren Dateien.

Für PDFs in DIN A4 sind große Tablets besser geeignet als kleine E-Book-Reader. Wer sie aber gelegentlich auch auf dem Reader anzeigen möchte, ist mit dem PRS-T2 am besten beraten. Er bietet die meisten Ansichtoptionen und beherrscht auch den PDF-Reflow-Modus sehr gut. Nur bei größeren und komplexen Dateien wird er darin bisweilen sehr lahm.

Einen eigenen Shop hat Sony in Deutschland immer noch nicht integriert, aber der PRS-T2 hat Zugang zu ebook.de (vorher libri.de). Der Shop ist eine Touch-optimierte Webseite im Browser, und deshalb weniger komfortabel als die Shops von Amazon und Kobo. Seiten laden immer wieder neu und die Zurück-Funktion führt nicht immer dorthin, wo man eigentlich hinwollte. Hat man einmal zum richtigen Buch gefunden, klappt die Kaufabwicklung aber ohne Probleme. Die drahtlose Verbindung lässt sich nicht nur zum Shoppen, sondern auch für Facebook-Postings und Tweets verwenden.

Trekstor Pyrus

Der Trekstor Pyrus ist mit einem Einstiegspreis von 60 Euro der Preisbrecher unter den aktuellen Readern und wird in einigen Online-Shops und Buchhandlungen auch als eBook Reader 4 ink verkauft. Die etwas teurere Variante mit WLAN stand uns zum Test noch nicht zur Verfügung.

Für den kleinen Preis muss man Abstriche machen. Das gummierte Gehäuse wirkt zwar stabil, die Tasten unterhalb des Displays haben aber einen extrem zähen Druckpunkt. Mit den Tasten links und rechts vom Display blättert man dagegen gut.

Die Menüs sind unübersichtlich, zudem werden Texte sehr unsauber gerendert – selbst wenn der Reader bei jedem Seitenwechsel invertiert. Dazu reagiert er vergleichsweise lahm auf Eingaben, was besonders bei Texteingaben in der Suche stört. Beim Öffnen von Büchern wird man immer wieder vom Ladesymbol gebremst – einige komplexe Epubs und PDFs brauchten über 30 Sekunden.

PDFs rendert der Reader unansehnlich, egal ob im Originallayout oder im Reflow-Modus. E-Books im Epub-Format sehen zumindest in der Standardschrift aber ok aus.

Fazit

Keine Frage – alle hier getesteten Reader eignen sich zum Lesen langer Texte. Doch Unterschiede gibts vor allem bei der Hard- und Software-Qualität und dem Shop-Komfort.

Das beste Gesamtpaket stellt der Kindle Paperwhite dar. Er hat die beste Beleuchtung, ein scharfes Display und eine gute Shop-Anbindung. Mit Preisen ab 130 Euro ist er aber auch ziemlich teuer. Nicht jeder mag den festen Griff von Amazon: Der Kobo Glo wäre dank gutem Shop und komfortabler Bedienung unter den übrigen Readern eigentlich der heißeste Kindle-Konkurrent, bei ihm stören aber (noch) die häufigen Abstürze. Wer auf LED verzichten kann, ist mit dem Sony Reader gut beraten: Er kostet inzwischen 100 Euro und bietet nette Zusatzfunktionen.

Der 60-Euro-Reader Trekstor Pyrus ist nur etwas für ganz Sparsame. Wer wenig Geld ausgeben möchte, der bekommt schon ab 80 Euro einen ordentlichen Reader. Von ihnen ist der Kindle 5 der komfortabelste, der Pocketbook Basic der anpassungsfähigste und der Kobo Mini der handlichste. (acb)

Literatur
  1. [1] Achim Barczok, Buch mit Touch, E-Book-Reader mit Multitouch, c’t 16/12, S. 66
Kommentar: Warum ich auf einem Tablet lese

Im Wesentlichen aus zwei Gründen: Bequemlich- und Knauserigkeit. Ich besitze schon ein Tablet, das ich praktisch immer dabei habe. Ein zweites Gerät nur fürs Lesen mitzuschleppen wäre mir zu umständlich und ist in meinen Augen eine Geldverschwendung.

Natürlich muss ich das Tablet viel öfter ans Ladegerät hängen, aber das ist mir schon längst in Fleisch und Blut übergegangen. Zumindest ist es bisher noch nie vorgekommen, dass ich wegen eines leeren Akkus mal nicht lesen konnte.

Schon auf meinem alten 10-Zoll-Tablet habe ich Bücher gelesen, da störte allerdings das recht hohe Gewicht, genauso wie das dicker gebundener Bücher. Ich bin offenbar wohl doch eher ein Taschenbuchtyp.

Nun habe ich ein Nexus 7, mit seinem 7-Zoll-Display für mich das fast perfekte digitale Lesegerät. Es ist genausoso handlich und kaum schwerer als ein Taschenbuch – ich kann es ohne Ermüdungserscheinungen bequem in einer Hand halten. Die Auflösung von rund 200 dpi ist gerade hoch genug, dass ich kaum einzelne Pixel voneinander trennen kann und sich echtes Buchlesegefühl einstellt.

Die Hintergrundbeleuchtung des LC-Displays ist für mich als Spätleser eigentlich ideal, trotzdem lese ich lieber bei Licht, weil mir sonst nach kurzer Zeit die Augen brennen. Das einzige Manko ist die spiegelnde Oberfläche. Ich habe schon mit dem Gedanken gespielt, eine Display-Folie zu kaufen. (Volker Zota)

Kommentar: Warum ich auf dem E-Book-Reader lese

Purismus! Ich mag den Purismus der E-Book-Reader. Ein Buch lesen bedeutet mir immer noch, nicht zwischendrin mal schnell E-Mail checken, nicht von aufpoppenden Nachrichten abgelenkt zu werden. Ein Buch lesen, gedruckt oder elektronisch, verlangt Konzentration, lässt mich versinken. Lesen auf dem Tablet verführt immer wieder zu Unterbrechungen, auch wenn gerade keine Nachricht nach Aufmerksamkeit heischt.

Aber meine Vorliebe für E-Book-Reader hat nicht nur quasi inhaltliche Gründe. Das Gewicht selbst eines iPad Mini oder Nexus 7 ist unpraktisch, verglichen mit einem Kindle Paperwhite. Im Bett oder in der Badewanne, beim Lesen mit einer Hand zählt jedes Gramm. Auch dass man mit dem beleuchteten Bildschirm bei neueren Readern nicht wie bei Tablets die Zimmerbeleuchtung ersetzt, sondern sich die Anmutung von weißem Papier bei gleichzeitiger Nachttauglichkeit ergibt, macht beim Lesen Freude. Übrigens: Bei Schmökern wie Neal Stephensons Error oder Romanen wie Unendlicher Spaß von David Foster Wallace ist das Gewicht ein schlagendes Argument gegen die Printausgabe und für die elektronische Variante.

Natürlich wäre es schön, nicht zwei oder gar drei Geräte mit sich rumschleppen zu müssen. Wie wäre es mit einem Doppel-Tablet – eine Seite LCD, eine Seite E-Ink? Vielleicht würde ich dann auch das höhere Gewicht akzeptieren. Auch das aber bliebe ein Kompromiss. Umschaltbare Displays wären was: Wenn ich auf den Reader-Modus schalte, ändert sich nicht nur das Display, auch die Internet- und sonstigen Tablet-Funktionen sind ausgesetzt. Oder die E-Ink-Displays werden irgendwann mal so allgemeinnutzungstauglich wie AMOLED- oder Retina-Bildschirme, die Geräte noch leichter als heutige Reader – und die -Software schaltet das Gerät auf Wunsch in einen ruhigen Lese-Modus.

Aber das ist Zukunftsmusik. Heute ist ein E-Book-Reader ideal für mich – wenn ich lesen will. (Jürgen Kuri)

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Kapitel
  1. Displaytechnik
  2. LED-Beleuchtung
  3. Laufzeiten
  4. Lesestoff
  5. Amazon Kindle 5
  6. Amazon Kindle Paperwhite
  7. Bookeen HD Frontlight
  8. Kobo Glo
  9. Kobo Mini
  10. Pocketbook Basic
  11. Reader PRS-T2
  12. Trekstor Pyrus
  13. Fazit
  14. Schöner lesen
  15. Kommentar: Warum ich auf einem Tablet lese
  16. Kommentar: Warum ich auf dem E-Book-Reader lese
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