Hoffnungsträger

Das erste Smartphone mit BlackBerry-OS 10

Test & Kaufberatung | Test

Mit dem Z10 bringt BlackBerry nicht nur ein schickes Smartphone mit einem modernen Betriebssystem, sondern krempelt auch sein Business-Modell um: Ins Netz geht es nun ohne spezielle BlackBerry-Option.

Das BlackBerry Z10 kommt in einem mattschwarzen Gehäuse ohne die typische BlackBerry-Tastatur, ja, ohne einen einzigen Knopf auf der Vorderseite. Oben sitzt der Ein-Taster, rechts die Tasten für Lautstärke und Spracheingabe, links MicroUSB- und HDMI-Buchsen. Der griffige Akkudeckel verbirgt den wechselbaren 1800-mAh-Akku sowie die Slots für Micro-SIM und MicroSD-Karte.

Die Innereien des Z10 entsprechen der aktuellen Smartphone-Mittelklasse mit Zweikern-Prozessor und 4,2-Zoll-Display mit HD-Auflösung. Es ist in der Sonne recht gut ablesbar – das liegt vor allem an der extrem hohen maximalen Helligkeit –, sehr blickwinkelstabil, zeigt einen hohen Kontrast (1500:1) und bildet einen großen Farbraum ab (SRGB).

Steuerung

Zentrales Steuerungselement ist die Anzeige der gerade laufenden Anwendungen, Active Frame genannt. Diesen erreicht man aus jeder Anwendung heraus mit einem Wisch von der unteren Displaykante nach oben. Das Z10 zeigt dann vier aktive Apps, nach einem weiteren Wisch nach oben weitere vier. Die Mini-Ansichten im Active Frame präsentieren etwa die nächsten anstehenden Termine, die letzte WhatsApp-Nachricht oder weisen auf Neuheiten in BlackBerrys App-Shop hin; ein Tipp auf das kleine Kreuz schließt die App.

Wischt man in dieser Übersicht nach links, gelangt man zur Übersicht der installierten Apps; ein Wisch nach rechts führt in den BlackBerry Hub, den gemeinsamen Nachrichteneingang. Welche Nachrichten dort angezeigt werden, stellt man über einen weiteren Rechtswisch ein: Alle Nachrichten, nur BBM (der BlackBerry Messenger), SMS, Mails von verschiedenen Konten, Facebook, Twitter, Anrufe oder Mailbox-Nachrichten. Zum schnellen Blick auf den Nachrichteneingang nutzt man die Kombination „nach oben, nach rechts“ – lässt man den Finger auf dem Display, gelangt man über die umgekehrte Wischbewegung zurück in die zuletzt genutzte App. Diese Geste klappt allerdings nicht, wenn die aktuell genutzte App im Querformat arbeitet.

Video: Die Wischgesten des Blackberry Z10

Im Active Frame und den App-Listen blendet das System am oberen Rand eine Statuszeile mit Uhrzeit und Akkufüllstand ein, am unteren Displayrand eine Leiste mit drei Icons: Telefon, Kamera und Suche. Die Such-App durchsucht zunächst nur das Telefon, sie findet dabei auch passende Punkte in den Einstellungsmenüs oder der Browser-Historie. Mit einem Tipp auf das passende Icon lässt sich die Suche einfach auf weitere Quellen erweitern, etwa Karten, die BlackBerry World, Foursquare oder eine der großen Internet-Suchmaschinen. In Apps bringen Wischbewegungen nach links oder von oben teilweise weitere Menüs zum Vorschein, etwa die Optionen.

Apps

Karten-App, Browser, WLAN-Hotspot, Video- und MP3-Player sind ebenso an Bord wie Clients für Facebook, Twitter, LinkedIn und Foursquare. Speicherplatz in der Cloud gibt es per Box.net oder Dropbox, Info-Schnipsel landen in EverNote – alle ins System integriert. Die Einrichtung von Exchange- oder IMAP-Accounts gelingt schnell und einfach. Richtet man ein Gmail-Konto ein, nutzt das Z10 automatisch auch die Kontakte und Kalendereinträge des Google-Dienstes.

Die vierzeilige Tastatur ist lernfähig und blendet zwischen den Tasten in einer sehr kleinen Schrift Vorschläge ein, die der Nutzer einfach in den Text schnipsen kann – und das in maximal drei Sprachen gleichzeitig. Die Funktion steht jedoch nicht in jeder Anwendung zur Verfügung.

Nur auf feste Kommandos reagiert die eingebaute Sprachsteuerung. So startet man etwa Apps, füttert Google mit einer Suchanfrage oder diktiert mit der Spracheingabe Mails. Das funktioniert meistens recht gut. Die Sprachausgabe hört sich recht synthetisch an.

Der Browser basiert auf Webkit und unterstützt Tabs, HTML5 und Flash. Im JavaScript-Benchmark Sunspider kommt er auf 1753 Punkte – gute Mittelklasse. Es lässt sich flüssig bedienen, rendert schnell und eignet sich auch für längere Surfsessions.

Die Navigations-App – mit Karten von TomTom – hinkt hinter der Konkurrenz her: Keine Navigationsanweisungen, keine Satellitenbilder, wenige Details für Radfahrer oder Fußgänger, kein Offline-Modus.

Mit der Office-Suite Documents To Go bearbeitet man Word-, Powerpoint- und Excel-Dateien. Weitere Apps erhält man über die BlackBerry World, die etwa 100 000 Apps enthält. So gibt es etwa WhatsApp, aber kein Google+, der DB-Navigator soll demnächst kommen. Hardwarenah programmierte Apps, etwa Spiele, listet der App-Shop nur wenige. Recht weit oben in der Hitliste steht etwa Need for Speed undercover – die Grafik dieses schon einige Jahre alten Spiels überzeugt heute nicht mehr. Über den Shop sind auch Musik, Filme und Videos verfügbar, für Lesestoff sorgt Amazons Kindle-App. Ein guter Teil der Apps stammt von Android-Programmierern, die ihre Apps mit nur wenig Arbeit auch unter BlackBerry 10 zum Laufen bringen konnten.

Die Synchronisationssoftware BlackBerry Link steht für Windows und Mac OS zur Verfügung, sie gleicht die Multimedia-Dateien zwischen Smartphone und lokalem PC ab. Eine Synchronisation per USB oder WLAN mit einem lokal installierten Outlook ist anders als bei älteren BlackBerrys nicht vorgesehen.

Multimedia

Die Fotos der 8-Megapixel-Hauptkamera machen bei guten Lichtverhältnissen einen ordentlichen Eindruck. Wenn es dunkler wird, nimmt trotz LED-Unterstützung das Rauschen zu, auch geraten die Fotos recht kontrastarm. Insgesamt liegt die Kamera auf dem Niveau aktueller Oberklasse-Smartphones. Gewöhnungsbedürftig ist der Touch-Fokus: Tippt man einfach nur auf die passende Stelle, nimmt das Z10 sofort ein Foto auf – zum Verändern des Fokuspunktes muss man diesen auf dem Display verschieben. Zum Auslösen lässt sich auch eine der Lautstärketasten nutzen.

Als Optionen stehen Bildstabilisator, Timeshift-Modus, Geo-Tagging und verschiedene Szenen-Modi bereit; ISO-Einstellungen, Selbstauslöser oder kleinere Auflösungen sucht man vergebens. Das Kamerageräusch ist nicht abschaltbar.

Der HDMI-Ausgang spielte bei unseren Tests zwar Full-HD-Videos ruckelfrei ab, erzeugte aber einen Trauerrand um das Bild herum.

Abgeschlossen

Der Lockscreen zeigt das Datum, anstehende Termine und kleine Icons an, die über verpasste Anrufe, neue Kurznachrichten oder Mails informieren. Einen schnellen Weg vom Lockscreen zu den neuen Nachrichten gibt es nicht, lediglich die Kamera lässt sich direkt starten.

Mit einem Wisch von oben gelangt man in den Nachtmodus. Dann schaltet sich das Smartphone bis auf den Weckton stumm (bleibt aber erreichbar). Das Z10 zeigt eine dunkelrote Analoguhr mit Wecker. Beendet wird der Nachtmodus – oder der Alarm – durch einen Wisch nach unten.

Business-Tauglichkeit

Admins Liebling wird das Z10 erst mit BlackBerry Balance, einem System, das private und geschäftliche Apps und Daten sauber voneinander trennt. Balance setzt einen BlackBerry Enterprise Server in der Version 10 voraus.

Nach der Einrichtung hat man praktisch zwei Smartphones: Der private Teil bleibt privat, der berufliche Teil ist verschlüsselt und wird vom Administrator in der Firma kontrolliert. Der Wechsel zwischen den Welten geschieht per Fingertipp. Im Business-Teil hat das Unternehmen das Sagen: welche Apps installiert werden, welche Sicherheitsrichtlinien gelten oder wie oft der Anwender das Passwort zu wechseln hat. Alles geht aber nicht: So lassen sich hier nur native BlackBerry-Apps installieren, keine Android-Portierungen.

Wenn das Z10 mit einem BlackBerry-Server verbunden ist, kann der Admin es orten, aus der Ferne sperren oder den Business-Teil komplett löschen. Mit einem auch für Privatanwender verfügbaren BlackBerry Protect genannten Service lässt sich eine Sicherung aller Kontakte, Kalendereinträge, Notizen, Lesezeichen und Nachrichten anlegen und bei Bedarf wieder einspielen.

Laufzeiten

Seit Erscheinen der ersten Z10-Geräte auf dem kanadischen Markt gibt es Berichte über sehr kurze Akkulaufzeiten. Ist am Smartphone die automatische Netzwahl eingeschaltet, aber kein LTE-Netz verfügbar, soll die Suche nach dem schnellen Funknetz viel Energie kosten. Bei Messungen im definierten Szenario unserer UMTS-Femtozelle konnten wir dies nicht nachvollziehen, allerdings erhielt unser Testgerät im Testzeitraum auch zwei Systemupdates. Damit dürfte BlackBerry den Fehler beseitigt haben, die Laufzeiten liegen im guten Mittelfeld.

Fazit

Mit dem Z10 holt BlackBerry zum iPhone und den aktuellen Android-Smartphones auf. Hard- und Software sind auf aktuellem Stand, bei Apps und Medien muss BlackBerry aber noch nachlegen. Der Preis dürfte manchen Privatnutzer vom Kauf abhalten – aber immerhin muss man keinen Strafzoll mehr an seinen Mobilfunk-Provider zahlen. Unternehmenskunden hingegen müssen das Update auf BES 10 mitmachen, wenn sie weiter auf die BlackBerry-Infrastruktur setzen wollen. (ll)

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  1. Steuerung
  2. Apps
  3. Multimedia
  4. Abgeschlossen
  5. Business-Tauglichkeit
  6. Laufzeiten
  7. Fazit
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