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Kalender und Kontakte über OwnCloud synchronisieren

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Telefonnummern, Mail-Adressen und Termine auf allen Geräten, immer griffbereit und synchron – Cloud sei Dank. Doch nicht jeder will seine sensiblen Daten auf Servern von Google und Co. ablegen. Muss man auch nicht, denn mit der OpenSource-Webanwendung OwnCloud kann jeder binnen weniger Minuten seinen eigenen Synchronisations-Server aufsetzen.

Erfreulicherweise ist die eigene Cloud mit nur einmaligem und moderatem Aufwand eingerichtet und im Alltag merkt man weder am Smartphone noch am PC einen Unterschied zu kommerziellen Cloud-Diensten – hat aber volle Kontrolle über seine Daten. Die in diesem Artikel vorgestellten Lösungen beziehen sich auf einen einzelnen Nutzer, der am PC sowie iPhone oder Android-Smartphone den Umstieg in die eigene Cloud wagen will. Prinzipiell kann OwnCloud auch mehrere Benutzer verwalten, sodass man mit einem Server problemlos die gesamte Familie und ein paar Freunde mit ins Boot holen kann.

Für viele Nutzer kommt eine OwnCloud-Installation auf einem eigenen Server oder die Anschaffung eines geeigneten NAS aus Kostengründen oder Bequemlichkeit nicht infrage. Glücklicherweise reicht für den Betrieb der OwnCloud ein 08/15-Webhosting-Paket, wie man es bei diversen Anbietern ab rund fünf Euro im Monat bekommt. Zwingend erforderlich ist ein Paket mit PHP und MySQL oder sqlite. Die 5 GByte Speicherplatz gängiger Hosting-Angebote reichen für die OwnCloud-Installation und für Kontakt- und Kalenderdaten völlig aus. Wer OwnCloud aber auch als Dropbox-Ersatz nutzen will, kommt indes um teurere Pakete mit entsprechend größerem Speichervolumen nicht herum.

Viele billige Hosting-Pakete haben aber einen Haken: Bei ihnen ist ein SSL-Zertifikat nur gegen Aufpreis erhältlich. Wer eine verschlüsselte HTTPS-Verbindung zur eigenen Cloud aufbauen will, muss somit monatlich einige Euro mehr berappen. Als Alternative taugt auch ein SSL-Proxy, der bei vielen Hostern auch im günstigsten Basispaket verfügbar ist. Damit OwnCloud damit funktioniert, muss man jedoch Änderungen an ihren PHP-Dateien und eventuell an der htaccess-Datei des Servers vornehmen. Im OwnCloud-Forum finden sich dafür diverse Anleitungen (siehe Link).

Wer sich die Eingriffe nicht zutraut, kann OwnCloud auch ohne eine sichere Verbindung nutzen, sollte sich dann aber lieber nicht von fremden oder öffentlichen Rechnern darauf einloggen, da sonst alle Daten, inklusive Passwort, in falsche Hände geraten können. Das Gleiche gilt bei der mobilen Nutzung, wenn man über ein öffentliches WLAN auf die OwnCloud zugreift. Problem dabei: Da die Kontakte und Kalenderdaten regelmäßig im Hintergrund synchronisiert werden, bekommt man nicht einmal mit, dass sich das Smartphone mit der eigenen Wolke verbindet. Wer auf Nummer sicher gehen will, darf also nicht vergessen, die Synchronisation in öffentlichen WLANs am Mobilgerät abzuschalten.

In der Standardkonfiguration speichert OwnCloud die Daten in einer sqlite3-Datei in ihrem Verzeichnis. Verwendet man die Cloud als alleiniger Nutzer und will damit nur Kontakte und Termine abgleichen, reicht die Performance der sqlite3-Lösung völlig aus. Man braucht also nicht zum teureren Webhosting-Paket mit MySQL-Datenbanken zu greifen.

Wer die OwnCloud für mehrere Nutzer einrichtet und vielleicht auch als Dateispeicher nutzen will, sollte dagegen auf eine MySQL-Datenbank zurückgreifen. Wichtig ist dann ein Webpaket, bei dem das SQL-Timeout nicht bei mickrigen 60 oder sogar nur 30 Sekunden liegt. In solchen Fällen schlägt nämlich nahezu jeder Upload größerer Dateien fehl, da der Server während des Hochladens den Datenbankzugriff beendet, worauf die OwnCloud den Upload erneut startet. Das Spielchen wiederholt sich dann so lange, bis man die Datei von Hand aus dem Upload-Ordner löscht.

Aufgesetzt

Die Installation der eigenen Cloud ist recht simpel und erfordert kaum Admin-Wissen: Von der OwnCloud-Webseite lädt man dafür die Datei setup-ownCloud.php herunter, schiebt sie per FTP ins Root-Verzeichnis des eigenen Webspace und ruft sie anschließend im Browser über Webadresse/setup-ownCloud.php auf. Das Skript fragt anschließend nach dem gewünschten Installationsordner und richtet einen neuen Nutzer ein. Wenige Minuten später ist OwnCloud einsatzbereit.

Bei günstigen Hosting-Angeboten kann das Installations-Skript allerdings an einem zu kurzen PHP-Timeout scheitern. In diesem Fall lädt man das gesamte OwnCloud-Paket als ZIP-Archiv von der Webseite der Entwickler herunter. Nach dem Entpacken braucht man die Dateien und Ordner lediglich per FTP in ein gewünschtes Verzeichnis auf dem Webserver hochzuladen und kann die OwnCloud anschließend im Browser aufrufen, worauf sie automatisch die Benutzereinrichtung startet. Manche Hoster bieten auch eine 1-Klick-Installation an, sodass man die OwnCloud direkt von der Konfigurations-Webseite des Hosters installieren kann.

Nach der Ersteinrichtung müssen im zweiten Schritt die Kalender- und Kontaktdaten von Google in den eigenen Cloud-Speicher umziehen. Glücklicherweise lässt sich das über Googles Exportfunktion jeweils in einem Rutsch erledigen, ohne dass man jeden einzelnen Eintrag extra anfassen muss. Für die Kontakte loggt man sich auf seinem Gmail-Konto ein und wechselt über die Gmail-Schaltfläche oben links auf der Webseite in die Kontaktansicht. Unter der Schaltfläche „Mehr“ findet sich die Exportfunktion. In dem sich öffnenden Pop-up-Fenster wählt man nun die Gruppe „Meine Kontakte“ und exportiert die Daten im vCard-Format.

Die gespeicherte VCF-Datei lässt sich einfach per Drag & Drop in die OwnCloud importieren, indem man deren Kontaktansicht im Browser aufruft und die Datei dort ablegt. Bei unseren Tests wurden dabei Einträge wie Mobil- und Festnetznummern, das Geburtsdatum und verknüpfte Profilseiten im Web ins korrekte Listenfeld übertragen. Bei E-Mail-Adressen klappte das nicht – sie wurden bei jedem Kontakt stets als „dienstlich“ zugeordnet. Wer sich daran stört, muss je nach Anzahl der Kontakte einige Zeit für eine manuelle Korrektur einplanen. Die Kontaktgruppen überleben die Migration leider auch nicht, sodass man jeden Kontakt einmalig einzeln wieder in die Gruppen Freunde, Kollegen, Familie et cetera einsortieren muss.

Beim Import des Google-Kalenders geht dagegen nichts schief: Auf Googles Kalender-Webseite gelangt man über das Zahnrad oben rechts ins Einstellungsmenü und wechselt dort in den Reiter „Kalender“. Dort lässt sich der gewünschte Kalender als ICS-Datei exportieren. Diese muss lediglich in die OwnCloud hochgeladen werden und lässt sich dort im Browser anklicken, worauf OwnCloud automatisch anbietet, die Termine in den eigenen Kalender zu übertragen. Die ICS-Datei kann man anschließend wieder löschen.

Auf ein praktisches Feature der Google-Synchronisation muss man mit dem selbst gehosteten Kalender nicht verzichten: Sofern man in den eigenen Kontakten das Geburtsdatum eingetragen hat, zeigt auch die OwnCloud in der Kalender-Ansicht anstehende Geburtstage als Termin an.

Zum Mitnehmen

Für die Synchronisation von Terminen und Kontakten setzt OwnCloud auf die Standards CalDAV und CardDAV. Unter iOS geht der Datentausch damit bequem und vor allem kostenlos. In den Systemeinstellungen braucht man lediglich unter „Mail, Kontakte und Kalender“ jeweils einen CalDAV- und einen CardDAV-Account hinzuzufügen und die OwnCloud-Daten einzutragen. Die Adresse für den Kalender lautet hier Webadresse/remote.php/caldav/principals/Nutzername/ und für das Adressbuch Webadresse/remote.php/carddav/principals/Nutzername/.

Android kann von sich aus mit CalDAV und CardDAV nichts anfangen. Kontakte gelangen mithilfe der App CardDAV-Sync aufs Smartphone. Die kostenlose Variante beschränkt sich auf die wesentlichen Daten wie Telefonnummern und E-Mail-Adressen. Wer zusätzliche Kontaktfelder synchronisieren möchte, kann dafür auf die Pro-Version für 1,90 Euro zurückgreifen. Kalendereinträge synchronisiert die App CalDAV-Sync, die man für 2,55 Euro in Googles Play Store bekommt. Eine kostenlose Version gibt es davon nicht.

Bei der Einrichtung unterscheiden sich beide Apps nur unwesentlich: Nach dem Start muss man lediglich Benutzernamen und Passwort sowie die URL vom Adressbuch- und vom Kalender-Server eintragen. Letztere verrät die OwnCloud in ihrer Weboberfläche. Dafür klickt man in der Kontaktansicht beziehungsweise im Kalender erst auf das Zahnrad und dann neben dem Adressbuch oder Kalender auf das Icon mit der Weltkugel.

Im Einstellungsmenü beider Apps lässt sich anschließend festlegen, welche Kalender und Adressbücher synchronisiert werden sollen. Zudem kann man einstellen, in welchen Zeitabständen auf dem Server automatisch nach aktualisierten Daten gesucht werden soll. Die Synchronisation in festen Intervallen ist ein Nachteil der eigenen Wolke: Wenn man bei Google im Web Kalendereinträge oder Kontakte ändert, so werden diese sofort auf Android-Gerät gepusht – bei OwnCloud wird das Smartphone gegebenenfalls erst nach mehreren Stunden aktualisiert. Zwar kann man ein kurzes Intervall von beispielsweise 30 Minuten festlegen, muss dann im Gegenzug eine kürzere Akkulaufzeit ertragen. Der Weg vom Smartphone zum OwnCloud-Server funktioniert dagegen mit beiden Apps in Echtzeit.

Von dieser Einschränkung abgesehen, integrieren sich beide Apps nahtlos ins Android-System: Beim Anlegen neuer Kontakte kann man festlegen, ob sie bei Google oder in der eigenen Cloud gespeichert werden sollen. Der OwnCloud-Kalender funktioniert sowohl mit Androids bordeigener Kalender-App als auch mit Apps anderer Anbieter. In deren Einstellungen lässt sich jeweils festlegen, welche Kalender synchronisiert und angezeigt werden sollen.

Am PC lässt sich der Zugriff auf die Cloud-Daten mittels Thunderbird recht einfach umsetzen. Um mit dessen Kalender-Erweiterung Lightning auf die OwnCloud zuzugreifen, klickt man mit der rechten Maustaste in die Kalenderübersicht und wählt „Neuer Kalender“ und danach „Im Netzwerk“. Im folgenden Fenster muss nun noch das Format auf CalDAV gesetzt und die URL zum Cloud-Kalender eingetragen werden.

Für den Kontaktabgleich benötigt Thunderbird die Erweiterung Sogo Connector, die die Unterstützung von webbasierten Kontakten nachrüstet. Nach der Installation des Add-on lässt sich im Adressbuch-Fenster über das Dateimenü mittels „Neu“ und „Remote-Adressbuch“ ein neues Adressbuch anlegen und ein passender Name sowie der CardDAV-Pfad der OwnCloud eingeben.

Kontakte finden sich im neuen Adressbuch danach aber noch nicht. Thunderbird stößt die Synchronisation erst nach einem Neustart an und erfragt dann auch Nutzername und Passwort. Hierbei bietet es sich an, beides im Passwortmanager des Mailprogramms zu speichern, damit der Abgleich künftig ohne Rückfrage im Hintergrund abläuft.

Ganz oder gar nicht

Die hier vorgestellten Wege funktionierten bei unseren Tests im Alltag problemlos – aber leider nicht simultan mit der Google-Cloud. Zwar lassen sich Kalender- und Kontaktverwaltung von OwnCloud und von Google sowohl auf Android-Geräten als auch in Thunderbird gleichzeitig nutzen, neue Daten wandern aber stets nur in die eine der beiden Wolken.

Wer die OwnCloud parellel als Backup nutzen oder Google nicht sofort den Rücken zukehren will, muss etwas mehr Aufwand betreiben: Jeder neu angelegte Termin oder Kontakt muss dann zwei Mal von Hand eingetragen und in der jeweiligen Cloud abgelegt werden. Einen Weg, die ownCloud-Daten am PC oder Handy automatisch mit den Google-Daten abzugleichen, haben wir leider nicht gefunden. (spo)

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