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Windows 8 auf USB-Laufwerken installieren

Praxis & Tipps | Praxis

Mit „Windows To Go“ unterstützt Microsoft endlich ganz offiziell das Installieren auf ein USB-Laufwerk, allerdings nur bei der Enterprise-Version von Windows 8. Doch es funktioniert auch mit allen anderen Windows-8-Versionen.

Die Installation von Windows auf einem USB-Laufwerk steht auf vielen Wunschlisten weit oben, doch in der Vergangenheit ließ sich das stets nur mit ziemlichem Gefrickel hinbekommen [1, 2, 3]. Erst bei Windows 8 hat Microsoft den Wunsch erhört: Als „Windows To Go“ können Sie das Betriebssystem auf einem USB-Stick oder einer USB-Festplatte installieren. Offiziell ist das allerdings nur für Firmen vorgesehen, die einen Software-Assurance-Vertrag mit Microsoft abschließen, und auch denen nur beim Einsatz von „Windows 8 Enterprise“. Dort wird ein Assistent mitgeliefert, der mit wenigen Mausklicks einen USB-Stick mit einer Windows-8-Installation versieht. Den darf man herumtragen und an immer wieder anderen Rechnern booten, ohne dass (dank Key Management Service) die Zwangsaktivierung dazwischenschlägt. Auf diese Weise können Firmen ihren Mitarbeitern mobil einsetzbare persönliche Arbeitsumgebungen auf USB-Medien mitgeben.

Doch auch Privatanwender oder Benutzer in kleineren Unternehmen ohne Volumenlizenzvertrag können Windows auf einem USB-Laufwerk installieren. Denn es gelingt auch mit den Versionen „Windows 8“ („Core“) und „Windows 8 Pro“, selbst wenn „Windows To Go“ hier offiziell fehlt. Zwar verhindert die Zwangsaktivierung, dass Sie eine Windows-Installation auf einem USB-Laufwerk an immer wieder wechselnden PCs booten. Doch auch der Einsatz an nur einem PC bietet viele Vorteile. Beispielsweise können Sie so ein USB-Windows als sichere Umgebung ausschließlich fürs Online-Banking nutzen. Oder Sie halten ganz bequem verschiedene Betriebssystem-Installationsvarianten für Experimente, zur Problemdiagnose oder zur Reparatur beschädigter Systeme vor.

Es gibt drei verschiedene Wege zu einem USB-Windows. Methode 1 nutzt den Assistenten und eignet sich für Firmen mit passenden Verträgen sowie für alle, die es nur vorübergehend schnell mal ausprobieren wollen. Methode 2 installiert mit einem Kommandozeilenbefehl ein sauberes Windows auf dem USB-Laufwerk, Methode 3 hingegen erzeugt das USB-Windows als Klon einer bereits laufenden Windows-Installation (oder einer Musterinstallation). Die Methoden 2 und 3 sind weitgehend skriptfähig und taugen für alle Windows-8-Versionen, also nicht nur für Enterprise.

Stickwahl

Suchen Sie zuerst ein passendes USB-Laufwerk aus. Microsoft empfiehlt in [4] den Einsatz speziell für Windows To Go zertifizierter USB-3.0-Sticks und eine USB-3.0-Festplatte, ohne allerdings auf die technischen Details und Hintergründe einzugehen. Sie sollen hohe Lese- und Schreibgeschwindigkeiten, Langlebigkeit und Bootfähigkeit bieten. Erforderlich ist zudem mindestens ein USB-2.0-Anschluss.

Die Praxis zeigt, dass so ziemlich jede USB-2.0-Festplatte mit mindestens 32 GByte Platz für Windows To Go taugt. Schwieriger wird es bei USB-3.0-Platten, denn auf unseren Testrechnern scheiterte bei denen nur allzu oft das Booten, auch wenn sie unter Windows alle korrekt erkannt wurden. Ganz wunderbar und vor allem schnell funktionierte es mit einer Samsung SSD 830, die extern mit einem SATA-USB-3.0-Adapter an ein Lenovo G870 angeschlossen wurde. Der Adapter war allerdings ein Vorserienmodell von Asus, welches nie in den Handel kam und nur durch Zufall noch bei einem Kollegen in der Schublade lag.

Auf der Suche nach kaufbarem Ersatz, den wir Ihnen empfehlen können, haben wir einiges ausprobiert, unter anderem ein externes USB-3.0-Gehäuse „Quickstore Portable Pro“ von Sharkoon, welches aber nur bei jedem zweiten Booten vom Notebook erkannt wurde. Noch schlimmer mit einem Delock Konverter (61883): Damit erschien beim Anschalten des Notebooks nicht mal der Schriftzug des Herstellers, und wenn man ihn einstöpselte, während das BIOS-Setup-Programm lief, fror dieses ein. Mit einem anderen Adapter von Delock (61882) begann zwar der Bootvorgang, brach dann aber mittendrin mit Bluescreens ab. Tadellos geklappt hat es dann mit einem externen Gehäuse von Silverstone (RVS02) – was aber leider nicht heißen muss, dass das alles auch bei Ihrem PC so ist. Denn letztlich hängt es eben nicht nur vom Laufwerk und dem Adapter, sondern auch noch vom BIOS des PC ab, was bootet. Jedenfalls machen die Erlebnisse deutlich, warum bislang erst eine einzige USB-3.0-Platte den offiziellen Segen von Microsoft hat: die „My Passport Enterprise“ von Western Digital, die aber vor dem Einsatz eine Behandlung mit dem von WD mitgelieferten „Compass Utility“ benötigt, um akzeptable Geschwindigkeiten zu erreichen [5].

Bei USB-Sticks siehts noch anders aus. Das erste Problem: Windows erkennt auf Sticks immer nur eine einzige Partition, ein USB-Windows braucht aber zwei (dazu später mehr). Die von Microsoft zertifizierten USB-Sticks verfügen daher über eine modifizierte Firmware, die das Medium gegenüber dem USB-Controller als „Fixed Media“ ausgibt. Damit betrachtet der Windows-USB-Treiber den Stick als Festplattenlaufwerk und bindet alle verfügbaren Partitionen ein.

Bei USB-3.0-Sticks lauert noch ein zweites Problem, das von Microsoft mit keiner Silbe erwähnt wird: Stecken Sie sie besser nicht direkt in eine USB-2.0-Buchse. Ein USB-3.0-Anschluss muss gemäß Spezifikation bis zu 900 mA Strom auf der 5 Volt-Ebene bereitstellen, und der von Microsoft zertifizierte Stick „DataTraveler Workspace für Windows To Go“ von Kingston beispielsweise macht von dem großen Stromangebot auch regen Gebrauch. Als Folge wird er übrigens im Betrieb ziemlich heiß und bleibt es selbst bei einem heruntergefahrenen System, sofern die USB-Anschlüsse dann noch unter Spannung stehen. USB-2.0-Buchsen stellen aber nur maximal 500 mA bereit. Ein am USB-2.0-Port eines Rechners angestöpselter USB-3.0-Stick wird diesen Port also leistungsmäßig permanent überlasten. Kingston schreibt daher beim DataTraveler die Verwendung eines Y-Adapterkabels zur zusätzlichen Stromversorgung vor [6].

Nachdem Sie sich für ein USB-Laufwerk entschieden haben, kann es losgehen. Vorsicht, es wird bei den nächsten Schritten komplett gelöscht, erstellen Sie also bei Bedarf vorher noch ein Backup.

Methode 1: Assistent

Der „Windows To Go“-Assistent steckt in allen 32- und 64-Bit-Varianten von Windows 8 Enterprise. Falls Sie ihn schon in einer der Vorabversionen von Windows 8 ausprobiert haben, sollten Sie ihm eine neue Chance geben – Microsoft hat ihn zwischenzeitlich gravierend überarbeitetet (sodass jetzt beispielsweise auch das Booten im UEFI-Modus gelingt).

Er steckt auch in den beiden 90-Tage-Testversionen, deren ISO-Abbilder Microsoft zum kostenlosen Download bereitstellt (siehe c’t-Link am Ende des Artikels). Melden Sie sich für den Download mit einem Microsoft-Konto an und geben Sie sich als „zum Kreis der Entwickler gehörend“ aus. Da der Testzeitraum nicht verlängert werden kann, installieren Sie die Testversion am einfachsten in einer virtuellen Maschine, die Sie kostenlos beispielsweise mit Virtualbox oder VMware dem Player aufsetzen können [7]. Wer plant, das USB-Windows später an einem UEFI-PC zu booten, braucht zwingend die 64-Bit-Version von Windows-8-Enterprise.

Vor dem Start des Assistenten legen Sie das Windows-Setup-Medium ein und stöpseln das ausgewählte USB-Laufwerk an. Falls Sie in einer VM installiert haben, reichen Sie es an das Gastbetriebssystem durch, bei Virtualbox geht das über das Menü „Geräte/USB-Geräte“, beim VMware Player finden Sie den Befehl im Menü „VM/Removable Devices“. Unter Umständen ist das mehrmalige Einstecken des USB-Sticks am USB-Anschluss erforderlich, bevor das Medium in der Virtualisierungssoftware erkannt, vom Wirt getrennt und korrekt in der virtuellen Maschine sichtbar wird.

Rufen Sie nun den Assistenten auf. Es reicht, auf der Windows-8-Startseite blind „Windows To Go“ einzutippen, dann die Kategorie „Einstellungen“ in der Suchleiste zu markieren und den gleichnamigen Treffer auszuwählen. Der Assistent startet mit der Suche nach geeigneten USB-Medien. Gefundene Medien listet er auf, eventuell mit zusätzlichen Hinweisen auf Kompatibilitätsprobleme. Der Anschluss eines USB-3.0-Sticks an eine USB-2.0-Buchse veranlasst ihn zu der nicht ganz zutreffenden Empfehlung, ein Windows-To-Go-zertifiziertes USB-3.0-Laufwerk zu verwenden. USB-Sticks mit einer Kapazität kleiner 32 GByte lehnt er genauso als unpassend ab wie USB-Medien, die kein „Fixed“-Bit aufweisen und somit für Windows To Go unbrauchbar sind.

Nun braucht der Assistent ein geeignetes Installationsabbild. Das finden Sie auf Ihrem Installationsmedium in der Datei Install.wim im Ordner Sources. Wählen Sie diese Datei im Assistenten über die Schaltfläche „Suchort hinzufügen“ aus. Die Software akzeptiert aber wirklich nur Installationsabbilder von Windows 8 Enterprise oder den entsprechenden Testversionen. Der Rest ist selbsterklärend, unter anderem bietet der Assistent in einem Zwischenschritt an, den Inhalt des To-Go-Laufwerks mit Bitlocker zu verschlüsseln.

Anschließend partitioniert der Assistent das USB-Laufwerk neu und kopiert die benötigten Dateien darauf. Das kann je nach Schnelligkeit des Systems, der USB-Schnittstelle und der Speichermedien schon mal eine Viertelstunde und länger dauern.

In einem Abschlussdialog bietet der Assistent die „Startoption für Windows To Go“ an. Falls Sie annehmen, erzeugt er auf der ersten primären Partition der eingebauten Festplatte eine leere Systemdatei namens BOOTTGT. An dieser Datei erkennt der Windows-Bootloader, dass er nicht weiter von der internen Platte, sondern von USB booten soll. Bei unseren Tests gelang das aber nur auf am bereits erwähnten Lenovo G780. Auf allen anderen PCs mussten wir trotzdem BIOS-Einstellungen oder das UEFI-Bootmenü von Hand anpassen, um das Booten vom USB-Medium zu ermöglichen.

Der Startoptions-Dialog lässt sich auch nachträglich aufrufen. Tippen Sie „to go“ blind auf der Startseite ein und wählen in der Kategorie „Einstellungen“ den Treffer „Windows To Go-Startoptionen ändern“. Sie finden den Dialog anders als den Windows-To-Go-Assistenten auch in Windows 8 Core und Pro.

Wie jede herkömmliche Windows-Installation richtet sich auch das USB-Windows beim ersten Start ein. Dazu gehört die Geräteinstallation sowie anschließend die Wahl der Kachelfarben, das Eingeben des Rechnernamens und so weiter. Auch ein neues Benutzerkonto ist zu erstellen. Sofern zu diesem Zeitpunkt bereits eine Internetverbindung besteht, empfiehlt Windows Ihnen das Verwenden eines Microsoft-Kontos, Sie können aber trotzdem über die kleine Schaltfläche am unteren Rand ein „Lokales Konto“ auswählen. Wenn Sie das USB-Windows später erneut starten, entfällt das alles (gegebenenfalls mit Ausnahme der Geräteinstallation) und es bootet deutlich schneller.

Falls Sie die Windows-8-Enterprise-Testversion als Basis verwendeten, erscheint auf dem Desktop in der rechten unteren Ecke ein Hinweis auf den abgelaufenen Testzeitraum, doch diese Meldung wird nach der automatischen Online-Aktivierung spätestens nach dem Neustart durch den Countdown des 90-Tage-Testzeitraums ersetzt.

Besitzer einer Volumenlizenz, die ein dazugehöriges Installationsabbild verwendeten, können mit dem Software-License-Manager slmgr in einer administrativen Eingabeaufforderung einen Volumenlizenzschlüssel eingeben und aktivieren.

Methode 2: Sauberes Windows To Go

Microsoft unterstützt die Installation auf USB-Medien zwar nur bei Windows 8 Enterprise, doch dahinter steckt letztlich bloß, dass den anderen Versionen der Assistent fehlt und dass der Aktivierungszwang zuschlägt, wenn man das USB-Laufwerk an einen weiteren PC steckt. Dann kann man zwar neu aktivieren, doch besteht bei häufigem Wechsel des PC die Gefahr, dass Microsoft den Key irgendwann sperrt. Sonstige Hindernisse konnten wir keine finden. Das Einrichten erfordert lediglich ein paar Handgriffe in der Eingabeaufforderung und geht mit allen x86- und x64-Versionen von Core bis Enterprise.

Bereiten Sie zuerst das USB-Laufwerk wie im Kasten auf S. 164 beschrieben vor. Legen Sie anschließend einen Windows8-Installationsdatenträger in das DVD-Laufwerk ein. Wenn Sie das USB-Windows später im UEFI-Modus booten wollen, muss es eine x64-Variante sein, sonst geht auch x86. Alternativ binden Sie ein ISO-Abbild per Doppelklick im Explorer ein oder verbinden einen USB-Stick mit dem Rechner, der die Installationsdateien enthält. Auf allen finden Sie im Ordner Sources eine Install.wim mit dem Installationsabbild. Falls zu Ihrem PC mit vorinstalliertem Windows 8 keine Installationsmedien mitgeliefert wurden, finden Sie die Install.wim eventuell in der Recovery-Partition, die aber jeder Hersteller anders organisiert. Medion beispielsweise legt die Recovery-Dateien auf dem Laufwerk d: ab, im Ordner Sources sollten Sie eine Install.wim finden. Eventuell finden Sie via Datenträgerverwaltung eine Partition namens Recovery oder ähnlich, der Sie bloß einen Laufwerksbuchstaben zuweisen müssen.

Eine Ausnahme gibt es leider: Wenn es sich um eine online erworbene Windows-8-Pro-Upgrade-Lizenz handelt, liegt unter Sources statt der Install.wim eine Install.esd, mit der die nachfolgenden Schritte nicht funktionieren, weil die Daten darin verschlüsselt sind (ESD steht für „Electronic Software Distribution“). Falls Sie betroffen sind: Verwenden Sie Methode 3, die funktioniert trotzdem.

Wenn die Install.wim vorhanden ist, merken Sie sich den Buchstaben des Laufwerks, das die Datei enthält, sowie den des USB-Mediums. Anschließend öffnen Sie eine Eingabeaufforderung mit administrativen Rechten, am einfachsten durch das blinde Eintippen von „cmd“ und Bestätigen mit Strg+Umschalt+Enter. Dort erledigt das Kommandozeilenprogramm dism.exe die Aufgabe (die Abkürzung steht für „Deployment Image Servicing and Management“). Tippen Sie folgendes in einer Zeile ein::

dism /apply-image /imagefile:x:\sources\install.wim⤦
  /index:1 /applydir:f:\

Der Befehl setzt voraus, dass in x: das Setup-Medium liegt und f: das USB-Laufwerk ist. Passen Sie die betreffenden Parameter bei Bedarf an. Über den Parameter /index:1 wählen Sie das erste Abbild aus der Install.wim aus – es können durchaus mehrere drinstecken [8]. Enterprise-Medien enthalten trotzdem üblicherweise nur eines, bei allen anderen ist das erste meist „Windows 8 Pro“, mit /index:2 übertragen Sie dann stattdessen Windows 8 Core. Ob das auch bei Ihrem Installationsmedium so ist, hängt vom Hersteller der Abbilddatei ab. Herausfinden können Sie es mit dem Kommandozeilen-Programm Imagex aus dem Windows Assessment and Deployment Kit (ADK) (früher als Windows Automated Installation Kit WAIK bekannt) – oder einfach durch Ausprobieren.

Das Übertragen der Windows-Dateien durch DISM auf das Ziellaufwerk kann je nach Geschwindigkeit des Zielmediums durchaus eine Viertelstunde und länger dauern. Der Fortschritt wird im Fenster der Eingabeaufforderung angezeigt.

Enthielt das USB-Medium vorher bereits ein Windows To Go, ist die Boot-Partition vorhanden und Sie können den nachfolgenden Zwischenschritt überspringen. Bei einem neu partitionierten USB-Stick hingegen fehlen die Boot-Dateien auf der 350-MByte-FAT32-Partition. Die ergänzt ein weiterer Befehl in der administrativen Eingabeaufforderung:

bcdboot f:\windows /s e: /f all /l de-de

Die Parameter wählen den Windows-Ordner auf dem USB-Medium f: aus und erzeugen auf Laufwerk e: einen dazu passenden Bootloader; passen Sie die Buchstaben bei Bedarf wieder an. Die Option /f all weist bcdboot an, auch einen EFI-Bootsektor auf die Partition zu schreiben, /l de-de sorgt dafür, dass der Loader später deutsch spricht.

Im Anschluss können Sie das USB-Windows booten. Richten Sie es wie gewohnt ein, es erscheint zusätzlich eine Abfrage des Produkt-Keys. Den können Sie aber auch später noch eingeben. Wichtig: Sofern als Quelle kein Enterprise-Abbild diente, können Sie das USB-Windows nach dem Aktivieren nur auf dem zugehörigen Rechner verwenden. Booten Sie es an anderen Rechnern, will es neu aktiviert werden. Bei unseren Tests war die Aktivierung dadurch aber nicht verloren: Sobald das USB-Laufwerk wieder am Ursprungs-PC hing, hielt sich das USB-Windows wieder für aktiviert.

Methode 3: Capture the Wim

Bei der dritten Methode wird nicht der Inhalt eines Setup-Mediums auf das USB-Laufwerk verfrachtet, sondern ein Klon der Windows-Installation auf der internen Festplatte. Auf diese Weise erhält man unter anderem eine identische Testumgebung, die zudem noch abgesehen vom USB-Laufwerk selbst auf komplett identischer Hardware läuft. Admins können auch durchkonfigurierte Musterinstallationen als Basis verwenden (wahlweise mit Sysprep, funktioniert noch wie in [9] beschrieben). Und für jene, die kein Installationsabbild besitzen, ist es ohnehin der einzige Weg zu einem dauerhaft lauffähigen USB-Windows.

Zuerst kopieren Sie die Windows-Installation auf der internen Festplatte mit dem DISM-Befehl in eine eigene Wim-Datei. Das ist nicht ganz trivial, weil es bei laufendem Windows nicht funktioniert. Macht aber nichts, denn auf der Festplatte befindet sich nicht nur Windows 8, sondern auch ein Notfall-Windows (wie schon bei den Vorgängern [10]), und von dem aus klappt es. Neu ist die Methode, dieses Notfall-Windows aufzurufen: Starten Sie Windows 8 dazu neu, halten Sie aber beim Klicken auf „Neu starten“ die Umschalt-Taste gedrückt. Es erscheint ein mit der Maus bedienbares Auswahlmenü, in dem Sie nacheinander „Problembehandlung“, „Erweiterte Optionen“ und „Eingabeaufforderung“ auswählen. Nun startet der PC neu. Als Nächstes wählen Sie Ihr Konto aus und tippen das Passwort ein. Falls Sie keines haben, klicken Sie einfach auf „Fortsetzen“.

Finden Sie zuerst heraus, welchen Laufwerksbuchstaben Ihre Windows-Partition derzeit hat, denn das kann ein anderer als der gewohnte sein. Mangels Explorer geht es am einfachsten, indem Sie „notepad“ in die Eingabeaufforderung tippen, woraufhin der bekannte kleine Texteditor startet. In dessen Öffnen-Menü klicken Sie auf „Computer“, dort sehen Sie die Laufwerke.

Haben Sie Ihr Laufwerk gefunden – als Beispiel verwenden wir d: –, können Sie Notepad wieder schließen. Tippen Sie nun folgenden Befehl in die Eingabeaufforderung ein:

d:\windows\system32\dism /capture-Image⤦
 /imagefile:d:\cap.wim /capturedir:d: /name:"cap"

Der Befehl ruft das dism von Windows 8 auf, obwohl das Notfall-Windows auch ein dism an Bord hat – nur beherrscht das nicht alle Funktionen. Die Parameter weisen dism an, ein Abbild von Laufwerk d: in einer Datei namens cap.wim zu erzeugen, das den Namen „cap“ trägt. Passen Sie die Namen nach Lust und Laune an. Die Option /name: wäre hier eigentlich überflüssig, weil er nicht weiter verwendet wird, doch ohne eine solche Angabe verweigert dism die Arbeit. Das Erfassen des Abbilds kann längere Zeit dauern, der Fortschritt wird angezeigt.

Danach können Sie das Notfall-Windows verlassen und wieder Windows 8 starten. Bereiten Sie das USB-Laufwerk wie im Kasten beschrieben vor.

Der nächste Schritt verfrachtet den gerade erzeugten Inhalt der WIM-Datei auf das USB-Laufwerk. Widerstehen Sie unbedingt dem Drang, direkt danach schon mal auszuprobieren, ob das auch klappt! Denn das würde ohne weitere Vorbereitung nicht nur mit Bluescreens enden, sondern womöglich auch mit dem Demolieren der Windows-Installation auf der internen Festplatte. Der Befehl, den Sie diesmal in die administrative Eingabeaufforderung in eine Zeile eintippen:

dism /apply-image /imagefile:c:\cap.wim /index:1⤦
 /applydir:f:\

Die Laufwerksbuchstaben passen Sie bei Bedarf wieder an. Anschließend erzeugen Sie in der gleichen Eingabeaufforderung den Bootloader mit dem Befehl:

bcdboot f:\windows /s e: /f all /l de-de

Jetzt ist zwar das Abbild mitsamt Bootloader auf dem USB-Laufwerk, doch würde ein Bootversuch scheitern. Erstens sind die nötigen USB-Treiber beim Bootvorgang noch nicht reaktiviert, was zu Bluescreens führen würde. Und zweitens hält die Windows-Installation auf dem USB-Laufwerk die interne Festplatte weiter für das Bootlaufwerk und würde deshalb mitten im Bootvorgang dorthin wechseln, was beim ersten Mal zwar noch gelingen mag, auf Dauer aber ziemlich sicher zu Bluescreens und gar Datenverlusten führt. Zwei Eingriffe in die Registry lösen diese Probleme.

Tippen Sie blind auf der Startseite „regedit“ ein und starten Sie den Registry-Editor regedit.exe (braucht Administratorrechte). Markieren Sie in der linken Spalte des Registrierungs-Editorfensters den Zweig HKEY_LOCAL_MACHINE (nachfolgend als HKLM bezeichnet), und klicken dann in der Menüleiste unter „Datei“ auf „Struktur laden“. Navigieren Sie im angezeigten Dialog zum USB-Windows-Laufwerk und dort zum Ordner Windows\System32\config. Dort wählen Sie die Datei „system“ (jene Datei ohne Endung) und bestätigen die Öffnen-Schaltfläche. Anschließend geben Sie einen beliebigen Schlüsselnamen an, zum Beispiel „togo“. Der Registry-Editor hat nun den Zweig HKLM des USB-Windows unter dem Schlüsselnamen togo im Registrierungszweig HKLM eingehängt.

Den ersten zu ändernden Schlüssel finden Sie nun unter HKLM\togo\HardwareConfig: DWORD-Wert BootDriverFlags. Er steuert das Laden der USB-Treiber beim Hochfahren. Setzen Sie ihn auf „14“ (hexadezimal). Das veranlasst das USB-Windows später, beim Hochfahren die nötigen USB-Treiber rechtzeitig zu laden.

Als Nächstes widmen Sie sich dem Schlüssel HKLM\togo\MountedDevices. Er enthält die Informationen, welche Laufwerke die USB-Installation bereits kennt. Löschen Sie den Schlüssel kurzerhand komplett, dann wird das USB-Windows die Laufwerke beim nächsten Hochfahren neu erkennen und zuordnen, sodass nicht mehr die Gefahr des Wechsels während des Bootens auf die interne Platte besteht.

Nun markieren Sie den Schlüssel HKLM\togo und klicken im Menü „Datei“ auf „Struktur entfernen“. Ist der Befehl ausgegraut, haben Sie nicht den richtigen Schlüssel erwischt.

Danach können Sie endlich das USB-Windows booten. Es ist bereits aktiviert und enthält die Benutzerkonten des Originalsystems samt installierten Programmen und Benutzerdateien – halt ein echter Klon. Je nach USB-Laufwerk/-Adapter merkt es womöglich nicht mal, dass es nicht von der internen Platte bootet.

Feinschliff

Egal, wie Sie das USB-Windows erstellen: Sobald es merkt, dass es von einem USB-Laufwerk läuft, verhält es sich mitunter anders als gewohnt. Im Rechner verbaute TPM-Module werden nicht verwendet. Außerdem sind die Funktionen zum Auffrischen und Zurücksetzen des Betriebssystems deaktiviert.

Auch der Store ist deaktiviert. Sie können ihn aber bei laufendem USB-Windows wieder öffnen. Sofern als Basis keine Core-Version diente, reicht ein Eingriff in die Gruppenrichtlinien. Tippen Sie auf der Startseite „gpedit.msc“ ein und starten Sie den gleichnamigen Suchtreffer (braucht Administratorrechte). Das öffnet den Gruppenrichtlinien-Editor. Darin hangeln Sie sich in der linken Navigationsleiste durch: Computerkonfiguration\Administrative Vorlagen\Windows-Komponenten\Store. Wählen Sie in der rechten Spalte „Installieren von Apps in Windows To Go-Arbeitsbereichen durch den Store zulassen“ per Doppelklick aus und aktivieren Sie diese Richtlinie über das entsprechende Optionsfeld.

Falls Sie das USB-Windows aus einer Core-Version erzeugt haben, fehlt der Gruppenrichtlinien-Editor. Starten Sie stattdessen regedit.exe und navigieren darin zum Schlüssel HKLM\SOFTWARE\Policies\Microsoft und erzeugen dort einen neuen Unterschlüssel namens WindowsStore. Darin erstellen Sie im rechten Teilfenster einen neuen DWORD-Wert (32 Bit) namens EnableWindowsStoreOnWTG mit dem Wert „1“. Ein Neustart von Windows ist nicht erforderlich, wohl aber der der Store-App (mit der Maus am oberen Rand anfassen und nach unten durchziehen).

Auch den stillgelegten Ruhezustand können Sie über eine Gruppenrichtlinie reaktivieren, Sie finden sie bei laufendem USB-Windows im Gruppenrichtlinieneditor unter Computerkonfiguration\Administrative Vorlagen\Windows-Komponenten\Portables Betriebssystem. Alternativ erzeugen Sie im Registry-Editor unter HKLM\System\CurrentControlSet\Policies einen neuen Unterschlüssel namens Microsoft, darunter einen weiteren namens PortableOperatingSystem und darin wiederum einen DWORD-Wert (32 Bit) namens Hibernate mit Wert „1“. Anschließend starten Sie das USB-Windows neu und tippen dann in eine mit administrativen Rechten laufende Eingabeaufforderung den Befehl powercfg -h on ein. Der Ruhezustand tauchte bei unseren Versuchen dann zwar immer noch nicht als Menüpunkt an den einschlägigen Stellen auf, der PC ließ sich nun aber mit dem Befehl shutdown -h in einer Eingabeaufforderung schlafen legen.

Das USB-Windows sperrt aus Sicherheitsgründen den Zugriff auf die eingebauten Festplatten des Rechners. Doch auch das lässt sich ändern, Administratorrechte vorausgesetzt, und zwar in der Datenträgerverwaltung. Dort sehen Sie die lokalen Festplatten mit der Markierung „offline“ – klicken Sie an dieser Stelle im Kontextmenü auf „online“. Werden den Partitionen des Datenträgers nicht automatisch Laufwerksbuchstaben zugeordnet, holen Sie das über deren Kontextmenüs nach.

Dualboot

USB-Festplatten bieten so viel Platz, dass sie mehrere Windows-Installationen aufnehmen können. Mit dem Assistenten geht das aber nicht, denn er verwendet immer die gesamte Kapazität des Laufwerks. Es gelingt trotzdem. Booten Sie dafür zuerst die Windows-Installation von der internen Festplatte. Rufen Sie dort die Datenträgerverwaltung auf und verkleinern Sie die Windows-Partition auf dem USB-Laufwerk beispielsweise auf 40 GByte. Den frei gewordenen Platz füllen Sie mit einer neuen Primärpartition (Sie können bei ausreichend Platz auch noch weitere Partitionen anlegen). Die neue Partition formatieren Sie mit NTFS und weisen einen Laufwerksbuchstaben zu. Anschließend verfrachten Sie mit Methode 2 oder 3 ein weiteres USB-Windows hinein (bei Methode 3 die nötigen Nacharbeiten in der Registry nicht vergessen!).

Den zusätzlich nötigen Eintrag im Bootmenü des USB-Laufwerks erstellen Sie am komfortabelsten mit dem Programm EasyBCD (siehe c’t-Link). Die „Community Edition“ ist für den privaten Einsatz kostenlos, die Registrierung ist freiwillig (die Felder können leer bleiben). Sofern noch nicht geschehen, rufen Sie zuerst die Datenträgerverwaltung auf und weisen der 350 MByte großen Startpartition per Kontextmenü einen Laufwerksbuchstaben zu. Schalten Sie zudem in den „Ordneroptionen“ des Explorers unter Ansicht die Anzeige versteckter Dateien und geschützter Systemdateien ein („ordner“ auf der Startseite eintippen, Einstellungen auswählen).

Starten Sie das Programm EasyBCD und wählen Sie im Menü Datei den Befehl „BCD Speicher auswählen“. Dann navigieren Sie auf dem USB-Laufwerk in der 350-MByte-FAT32-Partition zum Ordner „Boot“, wählen die Datei BCD und laden diese durch Anwahl der Öffnen-Schaltfläche. Anschließend tragen Sie das zweite USB-Windows unter „Neuen Eintrag hinzufügen“ im Bootmenü ein, fertig. Anschließend können Sie Windows 8 herunterfahren und den Rechner vom USB-Medium booten. Im Bootmenü sollten dann beide Windows-Installationen auswählbar sein. (axv)

Literatur
  1. [1] Axel Vahldiek, XP-Stick, Windows XP von USB-Laufwerken booten, c’t 2/06, S. 188
  2. [2] Axel Vahldiek, Vista extern, Windows Vista von USB-Platte booten, c’t 3/09, S.180
  3. [3] Axel Vahldiek, Windows extern, Windows 7 auf USB-Laufwerken installieren, c’t 13/10, S. 168
  4. [4] Erklärung: http://technet.microsoft.com/de-de/library/hh831833.aspx#wtg_hardware
  5. [5] Boi Feddern, Terapacks to go, Externe 2,5-Zoll-Festplatten mit USB-3.0-Schnittstelle, c’t 9/13, S. 138
  6. [6] Erklärung: www.borncity.com/blog/2012/03/20/windows-8-to-go-und-usb-3-0-sticks-teil-ii/
  7. [7] Axel Vahldiek, Windows unter Windows, Virtualisierungsprogramme im Vergleich, c’t 6/13, S. 156
  8. [8] Axel Vahldiek, All-in-One, Alle Windows-7-Versionen auf einer DVD, c’t 10/10, S. 168
  9. [9] Axel Vahldiek, Immer wieder Vista, Vista-Installationen auf andere PCs übertragen, c’t 8/08, S. 168
  10. [10] Axel Vahldiek, Eingebaute Selbstheilung, Was Windows 7 für den Notfall mitliefert, 13/11, S. 134
USB-Laufwerk vorbereiten

Windows startet nur dann von einem USB-Laufwerk, wenn es korrekt partitioniert ist. Wer nicht den Assistenten verwenden will, muss sich selbst darum kümmern.

Ein Windows-To-Go-Datenträger enthält eine 350 MByte große, aktive FAT32-Primärpartition zur Aufnahme der Startdateien und des Notfall-Windows sowie eine zweite NTFS-Partition mit der Windows-Installation. Theoretisch bestünde zwar die Möglichkeit, die 350 MByte große FAT32-Partition wegzulassen und die Startdaten (Bootmanager, BCD-Store) auf die Windows-NTFS-Partition zu packen. Doch wenn der PC im UEFI-Modus booten soll, muss die Bootpartition zwingend mit FAT32 formatiert sein.

Verbinden Sie das USB-Laufwerk mit Ihrem Windows-8-Rechner, drücken Sie Windows+X und wählen die „Datenträgerverwaltung“ aus. Darin löschen Sie alle vorhandenen Partitionen auf dem USB-Medium und legen zwei neue an: die 350 MByte kleine zuerst, die Sie mit „FAT32“ formatieren (Achtung, Windows schlägt „FAT“ vor, also FAT16). Anschließend setzen Sie sie per Kontextmenü auf „aktiv“. Dahinter erzeugen Sie eine zweite mit dem gesamten restlichen Platz, die als Dateisystem „NTFS“ zugewiesen bekommt.

Für eine leichtere Wiedererkennung bei den weiteren Handgriffen hat es sich bewährt, beiden Partitionen in ihren Eigenschaften im Kontextmenü sprechende Namen zu geben, etwa „USB-Boot“ für die kleine und „USB-Win“ für die große. Weisen Sie den beiden Partitionen außerdem über „Laufwerksbuchstaben und -pfade ändern“ Laufwerksbuchstaben zu.

Boot-Hürden

Da das Setzen der Windows-To-Go-Startoptionen nicht immer funktioniert, kann das Booten von USB durchaus einige Hürden aufwerfen. Auf BIOS-Systemen lässt sich über herstellerspezifisch belegte Tasten wie ESC, F2, F10, F11 oder ähnlichen oft das BIOS-Bootmenü zur Auswahl des USB-Bootmediums anzeigen. Sonst können Sie die Bootreihenfolge im BIOS-Setup ändern.

Bei UEFI-Systemen schauen Sie in den Herstellerunterlagen nach, wie sich von einem USB-Medium booten lässt. Unter Umständen muss in der UEFI-Shell das Boot-Gerät explizit angegeben werden. Bei Geräten mit Windows-7- oder 8-Logo schreibt die Zertifizierung für das Betriebssystem die Unterstützung von USB-Bootmedien vor.

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