Kauf-Action

Action-Cams – Hilfen bei der Kaufentscheidung

Test & Kaufberatung | Test

Sie sind für besondere Anlässe konstruiert – und ihre Ausstattung ist keineswegs alltäglich. Die richtige Action-Cam zu finden ist deshalb gar nicht einfach. Neben technischen Eckwerten ist vor allem das erhältliche Zubehör entscheidend.

Sprünge mit dem BMX-Rad, eine Fahrt mit dem Skateboard oder dem ferngesteuerten Flitzer bekommen aus der Egoperspektive eine ganz andere Rasanz. Herkömmliche Camcorder sind für solche Einsätze viel zu klobig – und überleben selten einen Sturz. Für Smartphones gibt es zwar Schutzhüllen, aber auch sie eignen sich nur bedingt für Action-Einsätze. In diese Bresche springen die kleinen und robusten Spezial-Kameras, die einen regelrechten Boom erleben und die klassischen Camcorder in den Schatten stellen – zumindest die brauchbaren Exemplare, die es nicht auf dem Grabbeltisch gibt. Die Preisspanne aktueller Action-Cams reicht von unter 75 bis über 450 Euro.

Vergleicht man Action-Cams mit klassischen Camcordern der unteren Preisklasse, stößt man auf relevante Unterschiede: Auf der einen Seite die Camcorder mit optischem Zoom und Display – auf der anderen Seite Action-Cams mit Festbrennweite und ausgeprägter Weitwinkelwirkung, die vor allem bei günstigen Geräten zu kräftigen Verzeichnungen (stürzende Linien) und Vignettierung (Randabschattung) führt. Auch wenn mancherorts die Verzerrungen der Action-Cam-Optiken als eigener Stil deklariert werden, sind sie realistisch betrachtet doch nur unschöne Bildfehler. Immerhin kann man sie mit geeigneter Software, etwa DeFishr, ausbügeln.

Viele billige Action-Cams zeichnen, bedingt durch nicht exakt eingebaute Linsen, ein in Teilbereichen unscharfes Bild auf, hier sollte man sich das Bild am besten schon vor dem Kauf genau anschauen. Solche Patzer unterlaufen selbst Einstiegs-Camcordern nur noch selten.

Wenn von Action-Cams die Rede ist, fällt meist der Name „GoPro“. Dieser Hersteller hat mit seiner „Hero-Serie“ die Gattung der Action-Cam geprägt wie kein anderer. Deren Erfolg rief viele Nachahmer auf den Plan; sie brachten erfreulich viele Konkurrenzmodelle samt Zubehör auf dem Markt. Es gibt Halterungen für fast jeden erdenklichen Einsatzzweck, rutschfest, selbstklebend oder mit Gurten, für Helme, glatte Flächen, für den Fahrradlenker, den Segelbaum oder das Surfbrett. Viele davon lassen sich nicht nur mit der GoPro, sondern auch mit Action-Cams anderer Hersteller verwenden.

Die Möglichkeiten, so ein Produkt an die jeweiligen Freizeitaktivitäten anzupassen, scheinen unerschöpflich. Die Hersteller haben schnell die Marktchancen der unterschiedlichen Bedürfnisse erkannt. Die meisten Action-Cams werden ab Werk in mehreren Editionen angeboten, die explizit auf bestimmte Sportarten zugeschnitten sind.

Aufzeichnungsformat

Über das Aufnahmeformat machen sich viele Einsteiger in das Videohobby kaum Gedanken. Wer nur Pannen, Pech und Pleiten ins Internet stellen möchte, darf diesen Abschnitt getrost überspringen. Möchte man dagegen seine Aufnahmen schneiden oder direkt für mehrere Abspielgeräte bereitstellen, lohnt sich die Beschäftigung mit der Technik. Denn dabei ist entscheidend, dass alle genutzten Geräte die gleiche Sprache sprechen, weshalb Fernseher, Medienspieler und Schnittsoftware das Aufzeichnungsformat der Action-Cam korrekt „verstehen“ müssen. Sonst kommt man um zeitfressende und meist qualitätsmindernde Umwandlungen in ein anderes Videoformat nicht herum.

Fast alle Action-Cams zeichnen in MPEG-4 AVC (H.264) auf. Unterschiedlich sind aber Auflösung (Pixelanzahl, etwa HD, Full HD oder VGA), Bildwiederholrate (die Anzahl Bilder pro Sekunde, die das Gerät speichert), die Methode der Zeilenbehandlung (Interlaced/Progressive) und nicht zuletzt die Videoqualität, die am Ende herauskommt.

Wer auf eine gute Bildqualität Wert legt, sollte sich Kameras mit Full-HD-Videoauflösung mit 1920 × 1080 Pixeln ansehen, wie wir sie im folgenden Vergleichstest vorstellen. Action-Cams mit Full HD sind ab rund 100 Euro zu haben. Dabei sollte man aber auch auf die Bildwiederholrate achten: Günstigere Modelle bieten hier oft nur 25 oder 30 Vollbilder/s (25/30p) an. Gerade schnelle Bewegungen wirken dann jedoch ruckelig. Besser sehen Videos in 50p oder 60p aus. Einige Action-Cams können (meist bei reduzierter Auflösung) mit 120 oder gar 240 Vollbildern pro Sekunde filmen – praktisch für Zeitlupeneffekte.

Um Kameras, die nur Interlaced-Videos aufzeichnen, sollte man einen Bogen machen. Diese Aufnahmen, aus zeitlich versetzten, zeilenverweise verwobenen Halbbildern zusammengesetzt, fransen bei horizontalen Bewegungen sichtbar aus.

Licht und Schatten

Action-Cams bieten wie Smartphones bei Tageslicht eine ordentliche Bildqualität, doch bei schwächeren Lichtverhältnissen werden die Unterschiede krass – besonders bei Kerzenlicht. Dann entsteht deutliches Bildrauschen, was wie ein bunter Schleier im Clip zu sehen ist. Dazu kommt eine verringerte Schärfe: Details im Bild sind schwer bis gar nicht mehr zu sehen.

Wünschenswert ist also eine hohe Lichtempfindlichkeit, um abends, in der Nacht oder auch beim Tauchen Videos zu drehen. Doch das bietet kaum eine günstige Action-Cam. Für Aufnahmen ohne ausgeprägte „Action“, etwa Tauch-Videos in größerer Tiefe und bei schwachem Licht, sollte man sich darum eher im klassischen Camcorder-Segment umschauen und ein spezielles Unterwassergehäuse in Betracht ziehen.

Monitor

Displays zur Videovorschau sind bei Action-Cams aus Preis- und Platzgründen selten zu finden. Bei einigen Geräten lassen sich aber optional erhältliche Mini-Monitore aufstecken. Die helfen bei der Kontrolle des Bildausschnitts, damit man nicht auf gut Glück drauflosfilmen muss. Doch kein Mountainbiker oder Skateboard-Fahrer wird unterwegs auf den Monitor schauen, sondern die Kamera am Helm oder Sportgerät befestigen. Greift man zu einer etwas teureren Action-Cam mit Live-Vorschau über Ad-hoc-WLAN, kann man zumindest vor dem Aufnahmestart den Bildausschnitt per Android- oder iOS-App kontrollieren. Die Qualität der WLAN-Vorschau hängt stark von der jeweiligen Action-Cam ab: Von ruckelnder Diaschau mit mehreren Sekunden Zeitversatz bis zur fast verzögerungs- und ruckelfreien Videovorschau ist alles vertreten.

Zur Qualitätsbeurteilung der Aufnahmen taugen weder die Mini-Monitore noch die Live-Previews auf dem Handy. Viele Monitore sind zudem so lichtschwach, dass man im normalen Tageslicht kaum etwas darauf erkennen kann. Doch ganz ohne Bildkontrolle wird die Videoaufzeichnung zum Experiment mit vielen verpassten Momenten.

Stummfilm oder Ton

Wer Wert auf guten Ton legt, sollte beim Kauf einer Action-Cam auf einen separaten Mikrofoneingang achten. Was die Action-Cams direkt aufzeichnen, klingt in der Regel bemüht, aber nicht gut. Die meisten Modelle sind robust und oft spritzwassergeschützt gebaut, und wo kein Wasser rein soll, wird es auch für den Schall schwer. Spätestens im Unterwassergehäuse kann man den Original-Ton der meisten Modelle vergessen.

Befestigt und fixiert

Bei den Camcordern arbeiten die optischen Bildstabilisatoren inzwischen so gut, dass viele Freihandaufnahmen aussehen, als seien sie vom Stativ gefilmt. Bei den Action-Cams dagegen bieten derzeit nur wenige einen wirksamen Bildstabilisator, etwa die Sony HDR-AS 15, die mit durchaus beachtlichen Ergebnissen aufwartet.

Ohne Stabilisator kommt es auf eine möglichst erschütterungsarme Fixierung an: Ohne passende Halterung ist die beste Action-Cam nur die Hälfte wert. Gerade bei Sportarten wie Mountainbiking oder Snowboarden erweist sich eine Befestigung am Körper als sinnvoll, da dies die Vibrationen deutlich besser dämpft als eine Befestigung am Sportgerät. Und die Kamera bleibt typischerweise in der Horizontalen – auch wenn das nicht immer als stilistisch gelungen gilt.

Die Action-Cam-Hersteller liefern verschiedene Befestigungen mit oder bieten sie optional an. Trotzdem kommt man mitunter nicht um einige Bastelei herum. Dann helfen Panzerband, Kabelbinder (und Schere) samt Mikrofonklammern weiter. Selbstklebende Befestigungsplatten gelten dabei als Verschleißartikel: Die 3M-Kleber haften extrem gut, die Platten lassen sich nur mit einiger Gewalt wieder entfernen – meist mit bleibenden Schäden auf beiden Seiten. Selbst wenn man die Halterung noch einmal verwenden könnte: Das beidseitige 3M-Klebeband haben wir nur als Pads, nicht als Ware von der Rolle gefunden.

Anders als „normale“ Camcorder oder Fotokameras haben viele Action-Cams kein 1/4-Zoll-Gewinde zum Aufschrauben auf ein Stativ. Dabei ist dieser Stativanschluss eine sichere erprobte Lösung – gepaart am besten mit einer drehbaren Optik, die den Blickwinkel unabhängig von der Montage macht.

Zum Laden des Akkus über USB lohnt sich die Anschaffung eines Steckernetzteils (5 V, 1 A). Apropos Akku: Wer längere Sessions mit der Action-Cam plant, sollte beim Kauf auf wechselbare Akkus achten – idealerweise funktioniert das Gerät sogar mit überall erhältlichen Standard-Batterien.

Einpacken oder weglegen

Soll die Action-Cam auch mal einen normalen Camcorder ersetzen, ist ein Modus mit geringerem Weitwinkel bei weniger ausgeprägten Verzeichnungen und der erwähnte Mikrofoneingang ratsam.

Sind starke Erschütterungen zu erwarten, lohnt sich die Anschaffung einer Kamera mit Bildstabilisator. Alternativ kann man mit einer Software (beispielsweise Mercalli Easy von ProDad auf der Heft-DVD von c’t 14/2013) auch nachträglich viele Ruckler und Wackler beseitigen, wenn auch auf Kosten der Auflösung.

Selbst den meist fehlenden Zoom kann man zwar prinzipiell mit Software-Tricks ersetzen, doch rückt das die oft eher mittelklassige Bildqualität zu sehr in den Vordergrund: Selbst im Vergleich mit Camcordern der Einsteigerklasse muss man hier seine Ansprüche deutlich zurückfahren. So sehr die Action-Cams neues Terrain eröffnen: Es sind Spezial-Kameras, über deren Einsatzbereich man sich vor dem Kauf im Klaren sein sollte, um nicht enttäuscht zu werden. (uh)

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Infos zum Artikel

Kapitel
  1. Aufzeichnungsformat
  2. Licht und Schatten
  3. Monitor
  4. Stummfilm oder Ton
  5. Befestigt und fixiert
  6. Einpacken oder weglegen
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