Schatzkisten

Alte Smartphones sinnvoll nutzen

Praxis & Tipps | Praxis

Sie sind zu schade zum Wegschmeißen, aber liegen trotzdem ungenutzt in der Schublade: ausrangierte Smartphones. Dabei können sich Geräte, die heutigen Smartphone-Ansprüchen nicht mehr genügen, als flexible und gut ausgestattete Kleinstcomputer auf vielfältige Weise nützlich machen. Leistungsfähigeren Alt-Smartphones verhilft ein Android-Update in Eigenregie zu einem neuen Frühling.

Die Kehrseite des schnellen Fortschritts bei der Smartphone-Technik sammelt sich in Schubladen und Kisten: ausrangierte Smartphones – zu schade zum Wegschmeißen, aber heutigen Ansprüchen nicht mehr gewachsen. Dabei haben alte Smartphones durchaus noch ihren Wert: Websites wie wirkaufens.de und handyspenden.de, die Altgeräte für eine weitere Nutzung aufbereiten, zahlen für zwei bis drei Jahre alte Oberklasse-Smartphones in gutem Zustand 30 bis 60 Euro.

Aber warum verkaufen? Geräte wie das Samsung Galaxy S, Google Nexus One oder HTC Desire mögen gegen aktuelle Top-Smartphones mit ihren Quadcore-Prozessoren und Riesen-Displays alt aussehen, können aber durchaus noch mit aktuellen Mittelklasse-Geräten mithalten und würden für viele Anwender ausreichen – wenn es denn eine halbwegs aktuelle Android-Version dafür gäbe. Leider verkaufen Samsung, HTC und Co. lieber neue Smartphones, als Updates für zwei bis drei Jahre alte Geräte bereitzustellen [1].

Zum Glück gibt es für fast alle Android-Smartphones alternative Firmwares, sogenannte Custom ROMs. Mit CyanogenMod kann man viele ältere Smartphones, die der Hersteller längst aufgegeben hat, auf Android 4 (Ice Cream Sandwich und Jelly Bean) oder mindestens die letzte Gingerbread-Version (Android 2.3.7) aktualisieren – und so wieder benutzbar machen. Ab Seite 148 zeigen wir das beispielhaft für einige Geräte und geben Tipps, wie es auch mit Ihrem Alt-Smartphone klappt.

Ältere Billig-Smartphones wird man freilich auch mit einer neueren Android-Version nicht mehr als Alltagsgerät benutzen wollen: die Displays zu klein, die Prozessoren zu lahm, der Speicher zu knapp. Oder vielleicht doch? Für den Strand, die Downhill-Tour oder die Skipiste ist das neue 500-Euro-Smartphone vielleicht doch zu schade, das Altgerät aber besser als nichts. Und bietet womöglich sogar Vorteile: Die resistiven Displays alter Billig-Smartphones sind zwar arg hakelig, lassen sich aber auch mit Handschuhen bedienen. Beim Joggen trägt ein altes Mini-Smartphone weniger auf als ein modernes Phablet; und wenn das Uralt-Handy beim Aufzeichnen des Surf-GPS-Tracks ins Wasser fällt, ist der Verlust zu verschmerzen.

Aber eigentlich ist auch ein Uralt-Smartphone viel zu schade dafür, im Meer versenkt zu werden. Wenn man mal kurz vergisst, dass es sich um ein Telefon handelt, ist so ein Smartphone nämlich ein ziemlich gut ausgestatter Computer, gegen den der in Bastlerkreisen beliebte Raspberry Pi ganz schön alt aussieht: Display und Touchscreen, WLAN und Mobilfunk, Kamera, GPS, USV (vulgo: Akku), Lautsprecher, Mikrofon, Kopfhörerbuchse – all das muss man beim Pi erst mal nachrüsten, während es selbst das billigste Android-Smartphone mitbringt. Ein flexibles, netzwerkfähiges Betriebssystem mit einer großen Auswahl an Anwendungen ist schon vorinstalliert. Und mit dem 700-MHz-ARM11-Prozessor des Pi können auch alte Billig-Androiden mithalten. Selbst die deutlich besseren I/O-Fähigkeiten des Raspberry Pi lassen sich über günstige Zusatz-Hardware wie das ioio-Board ausgleichen.

Und so mutiert das ausrangierte Smartphone mit der richtigen App zur Überwachungskamera, macht die Stereoanlage netzwerkfähig oder sorgt als Hotspot für WLAN im Auto. Mit ein bisschen Basteln wird das Handy zum Herzstück eines flexiblen Internet-Radios oder eines elektrischen Türöffners, arbeitet als sparsamer Linux-Server oder schlägt Alarm, wenn das Auto geklaut wird. Auf den folgenden Seiten haben wir eine Reihe von Projekten zusammengestellt, die zeigen, was mit alten Smartphones alles möglich ist. (odi)

Haben Sie auch eine Idee, was man mit alten Handys anfangen kann? Stellen Sie Ihr Projekt im Forum vor:

Literatur
  1. [1] Achim Barczok, Christian Wölbert, Der Update-Frust bleibt, Android-Smartphones im Update-Check, c’t 9/13, ct.de/-1834133

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  • Technik unterm Tannenbaum (ct 26/2013, Seite 92)
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