Multitalent NAS

Günstige Netzwerkspeicher fürs kleine Netz

Test & Kaufberatung | Test

Speichert man Daten nicht auf einer lokalen Festplatte, sondern auf einem Netzwerkspeicher, hat man sie immer dort im Zugriff, wo man sie gerade braucht – auch von unterwegs. Moderne Network-Attached-Storage-(NAS-)Systeme machen sich außerdem noch für andere Dinge nützlich: als Medienzulieferer für den Fernseher, TV-Recorder oder zur Überwachung des Stubentigers.

Spätestens wenn aus dem Single-Haushalt plötzlich eine WG wird oder der Nachwuchs auch einen PC bekommt, darf eine zentrale Datenablage im Haushalt nicht mehr fehlen. So kann man Bilder, Filme und Musik bequem untereinander austauschen oder im heimischen Büro an gemeinsamen Projekten arbeiten, ohne dafür immer eine externe Festplatte von einem Raum in den anderen zu schleppen. Besonders praktisch für diesen Zweck sind NAS-Geräte (Network Attached Storage), die in einem Gehäuse den Speicherplatz mehrerer Festplatten zusammenfassen und im Netz verfügbar machen.

Damit jeder nur auf das Zugriff bekommt, was ihn wirklich etwas angeht, verwalten sie die Zugriffsrechte für verschiedene Anwender – doch damit nicht genug: Mit ein paar Mausklicks sind zusätzliche Dienste konfiguriert, etwa für Fernzugriff übers Internet, Torrent-Downloads, oder Medienstreaming zum Fernseher. Und wenn mal etwas fehlt, lässt sich das dank der erweiterbaren Linux-Firmware bei den meisten Geräten als Software-Erweiterung nachrüsten. Dabei kann man aus einem ausgesprochen üppigen Angebot an Open-Source-Anwendungen schöpfen.

Die Bedienung bleibt dennoch nicht auf der Strecke. Per Web-Browser sind moderne Geräte über eine Art Linux-Desktop bedienbar – genauso einfach wie unter Windows. Und für den Zugriff von unterwegs gibt es Apps für Smartphone oder Tablet. Damit lassen sich dann Bilder, die man unterwegs knipst, gleich direkt auf das NAS hochladen oder man streamt Musik vom NAS daheim aufs Handy. Manche Geräte lassen sich auch aus der Ferne verwalten. Warnmeldungen erhält der Administrator direkt aufs Mobilgerät.

Alle hier vorgestellten Geräte booten ein Linux und sprechen mindestens das Protokoll der Windows-Dateifreigabe SMB/CIFS. Damit sind sie nicht nur von Windows-, sondern auch Linux- und Mac-OS-Rechnern im lokalen Netz individuell ansprechbar. Zusätzlich gibt es bei den NAS verschiedene Wege, um als registrierter Nutzer von unterwegs über das Internet auf einzelne Ordner zuzugreifen. Das bezeichnen die Hersteller häufig als Private-Cloud-Funktion. Wörtlich nehmen darf man das aber nur bei wenigen Herstellern. Häufig meinen sie damit nur eine Fernzugriffsfunktion auf die gespeicherten Daten beziehungsweise Datensynchronisation übers Internet. Teilweise wird der Zugriff dabei über Vermittlungsdienste des Herstellers abgewickelt – hier muss man darauf vertrauen, dass der Hersteller nicht mitliest. Manche Geräte bieten zwar auch einen VPN-Zugang. Da es aber immer wieder Sicherheitslücken in der NAS-Firmware gibt, diese aber nicht so oft aktualisiert wird, sollte man den VPN-Zugang lieber an anderer Stelle im Netzwerk einrichten.

Ebenso wie VPN findet man auch nur bei besseren Geräten echte Cloud-Funktionen wie eine Synchronisationsmöglichkeit für Telefonnummern, E-Mails und Termine. Eine Datensynchronisation in Dropbox-Manier aus fremden Programmen oder Apps heraus funktioniert mit den proprietären Lösungen der NAS-Hersteller gar nicht erst. Doch weil sich die Firmware einiger Geräte um Zusatzfunktionen erweitern lässt, ist es beispielsweise möglich, einen Dienst wie OwnCloud nachzuinstallieren, mit dem aus dem NAS dann ein ernst zu nehmender Dropbox-Ersatz wird [1]. Wie das geht und welche Möglichkeiten in Ihrem NAS noch so schlummern, erfahren Sie im Artikel ab Seite 128. Zuvor finden Sie ab Seite 122 Tipps und Tricks zur Einrichtung von NAS.

Hardware-Auswahl

Ausgestattet mit einer speziell angepassten Linux-Firmware und besonders energieeffizienter Hardware sind Netzwerkspeicher für kleine Netze – sogenannte SOHO-NAS-Geräte (Small Office and Home Office) – nicht nur viel günstiger in der Anschaffung als ein ausgewachsener Server, sondern sie arbeiten auch leiser und stromsparender. Ein Server für ein kleines Netz braucht nämlich nicht besonders viel Rechenleistung: Bereits Geräte mit ARM-Prozessoren lassen die Daten per Gigabit-Ethernet bis zu dreimal so schnell wie via USB 2.0 fließen. Im Leerlauf schlucken NAS-Geräte dieses Typs weniger als 20 Watt. Legt man die Festplatten bei ausbleibenden Zugriffen schlafen, sind es sogar weniger als zehn Watt, was die Stromrechnung bei einem Tarif von 26,5 Cent pro Kilowattstunde lediglich mit knapp 25 Euro im Jahr belastet.

NAS-Geräte mit stromsparenden x86-Prozessoren wie Intels Atom bieten sich als Alternative an. Von der höheren Rechenleistung profitiert man im NAS-Betrieb jedoch nur bei Spezialaufgaben: wenn aufwendige Paritätsberechnungen für RAID 5 oder 6 und Datenverschlüsselung ins Spiel kommen, sehr viele Zusatz-Apps installiert werden oder extrem viele Netzwerkanfragen gleichzeitig zu beantworten sind. NAS-Geräte mit einer Atom-CPU sind aber wesentlich teurer – nicht nur in der Anschaffung: die Stromkosten verdreifachen sich in etwa. Da für die typischen Aufgaben eines Netzwerkspeichers im kleinen Netz die Leistung eines ARM-NAS ausreicht, widmen wir uns in diesem Test ausschließlich Geräten dieser Bauart.

Als Heimanwender kann man sparen, wenn man ein Gerät mit höchstens zwei Einschüben wählt, wie wir sie hier vorstellen. Bei den gegenwärtigen Kapazitäten von 3,5"-Festplatten lassen sich so auf einen Schlag 8 Terabyte Speicher ins Netz hieven – das reicht selbst für größere Multimedia-Archive und Backups. Mit Ausnahme des Seagate-NAS werden fünf der sechs hier vorgestellten Server (auch) ohne Festplatten geliefert.

Empfehlenswert für den Einsatz in NAS-Leergehäusen, bei denen man die Platte selbst wählen kann, sind für den Dauerbetrieb ausgelegte Festplatten mit geringer Drehzahl für stromsparenden Betrieb. Speziell für kleine NAS-Systeme haben Seagate die NAS HDDs und Western Digital die Red-Serie mit jeweils 2 bis 4 Terabyte entwickelt. Diese Platten sind zwar ein wenig teurer als herkömmliche SATA-Festplatten, bringen aber Firmware-Optimierungen für stabileren RAID-Betrieb mit, bieten eine verlängerte Garantie, vibrieren weniger und laufen leiser. Letzteres gilt im Besonderen für die Red-Platten von Western Digital, die wir in der 3-TByte-Version (WD30EFRX) auch für diesen NAS-Test wieder gewählt haben.

Speicher organisiert

Mehr Datensicherheit im NAS verspricht die Konfiguration von RAID 1 (Mirroring), bei dem die Daten der einen Festplatte auf die andere gespiegelt werden. Für die Daten-Redundanz geht hierbei der Speicherplatz einer Festplatte zum Speichern von Nutzdaten verloren, dafür droht beim Ausfall einer einzelnen Festplatte kein Datenverlust. Falls auch noch das NAS die Grätsche macht, lassen sich Daten von Festplatten aus einem RAID 1 im Notfall meist auch noch problemlos an einem Linux-Rechner auslesen. Von allen anderen RAID-Modi raten wir beim Heimeinsatz ab. Auch die von manchen NAS angebotene JBOD-Einstellung (Just a Bunch of Disks), bei dem mehrere Festplatten zu einem riesengroßen Datenträger verkettet werden, kann bei Festplattenausfall für Ärger sorgen. Konfigurieren Sie die Festplatten im NAS – sofern möglich – lieber als Einzellaufwerke (Single Disks), wenn Sie die volle Plattenkapazität nutzen möchten.

Bei Netzwerkspeichern von Netgear erweist sich die ab Werk vorgewählte Einstellung X-RAID als sinnvoll, wenn der Speicherverbund später einmal durch schrittweises Austauschen der kleineren gegen größere Laufwerke wachsen soll – ohne dass man dafür zuvor den ursprünglichen RAID-1-Verbund unter Datenverlust auflösen muss. Einer Sonderform des RAID bedient sich Synology: Im sogenannten Synology Hybrid RAID (SHR) verknüpfen die NAS auch verschieden große Festplatten zu einem redundanten Speicherverbund.

Anders als beim klassischen RAID, bei dem sich die Gesamtspeicherkapazität stets an der kleinsten beteiligten Festplatte orientiert, nutzt das Hybrid RAID eine geschickte Kombination verschiedener RAID-Modi, um Daten redundant zu halten, aber gleichzeitig möglichst wenig Speicherplatz zu verschenken. So lässt sich beim Hinzustecken oder Austauschen eines größeren Laufwerkes gegen ein kleineres die höhere Kapazität des neuen Laufwerkes schon früher nutzen. Seine Wirkung entfaltet SHR aber erst ab mindestens drei Festplatten. Synology-Geräte mit höchstens zwei Festplatteneinschüben – wie hier vorgestellt – verhalten sich im SHR-Modus wie im klassischen RAID 1.

Buffalo LinkStation 421

Nachdem Buffalo jahrelang nur Komplettgeräte mit eingebauter Platte anbot, gibt es die Geräte jetzt auch als Leergehäuse zum Selbstbestücken. Bei der neuen LinkStation 421 scheint es jedoch ratsam zu sein, sich an die Platten-Kompatibilitätsliste (siehe c’t-Link) zu halten: eine zunächst testweise verwendete ältere Seagate-Platte aus der Barrucuda-7200.10-Serie, die nicht auf der Kompatibilitätsliste stand, verweigerte, das NAS zu formatieren. Auch mit kompatiblen Platten verläuft die Einrichtung zäh: Die Synchronisation eines aus zwei 3-Terabyte-Platten aufgebauten RAID 1 dauerte knapp 24 Stunden.

Nach dem Aufrufen des Web-Interface erscheint zunächst eine vereinfachte Administrationsoberfläche, über die man nach dem Einloggen ein paar Grundfunktionen wie den BitTorrent-Client und Medienserver konfigurieren kann. Auch hinter den erweiterten Einstellungen verbirgt sich nur Standardkost. WebAccess aktiviert den Fernzugriff auf das NAS. Lokale Ordner, die man für den WebAccess-Zugriff freigegeben hat, lassen sich dann auch von entfernten Standorten außerhalb des Heimnetzes über das Internet abrufen, wenn man das NAS zuvor unter einem Namen beim Remote-Access-Dienst buffalonas.com registriert hat.

Über den Web-Browser lassen sich auch Dateien hochladen – mit einer aktuellen Firefox-Version klappte das jedoch nicht. Vom Smartphone und Tablet bekommt man den „WebAccess“ per App. Es gibt noch eine zweite App namens Smartphone Navigator, die sich jedoch als weitgehend nutzlos entpuppte. Sie soll neben der Änderung der IP-Adresse auch die Anpassung der WebAccess-Einstellungen erlauben – ohne Japanisch-Kenntnisse gelingt zumindest letzteres in der aktuellen Version nicht. Des Japanischen muss man auch mächtig sein, wenn man über das NAS-Finder-Tool NASNavigator2 am PC eine Ordnersynchronisierung mit dem NAS konfigurieren möchte. Nach dem Aktivieren der DHCP-Client-Funktion im Web-Interface verunsichert das NAS mit der Nachricht: „Diese Einstellungen bewirken, dass Sie keine IP-Adresse vom DHCP-Server erhalten“.

Schluss mit lustig war, als ein Sommergewitter die Stromversorgung des Geräts kurzfristig lahmlegte. Nach dem Wiedereinschalten war es über den Browser nicht mehr erreichbar und der NASNavigator offenbarte, dass sich die LinkStation im „EM-Modus“ befand. Erst das komplette Neuaufspielen der Firmware mithilfe des „LSUpdater“ erweckte das Gerät wieder zum Leben. Allerdings wollte der Updater die Firmware nur nach der Formatierung der montierten Festplatte an das NAS schicken. Im Handbuch widmet Buffalo dem Thema Fehlercodes ein eigenes Kapitel. Nur wenn man etwas Erfahrung mit Morsezeichen hat, kann man anhand der mehr oder minder hektisch blinkenden LED und mithilfe des Handbuchs erahnen, welches Problem das NAS gerade plagt. Wenn die LinkStation aber mal funktioniert, überträgt sie Daten beim Lesen schneller als alle anderen NAS im Test – mit vollem Gigabit-Tempo.

Netgear ReadyNAS 102

Netgear hat für seine NAS-Geräte kürzlich eine komplett neue Version seines ReadyNAS-Betriebssystems veröffentlicht. Die zentrale Neuerung von ReadyNAS OS 6.0 ist die Einführung des bislang noch experimentellen Btrfs-Dateisystems, das anstelle des bei anderen NAS-Geräten üblicherweise verwendeten ext3/4 beziehungsweise XFS einige Vorteile bietet: Bei Btrfs sichern Checksummen die Metadaten- und Datenblöcke ab. Das kann die Gefahr unbemerkter Datenverfälschung (Silent Data Corruption) mindern. Auf Hardware-Ebene fehlt dem ReadyNAS 102 dafür aber ein ECC-Speicherschutz, wie ihn die teureren Geräte mit x86-CPU bieten  – der von Netgear gewählte Marvell-Chip unterstützt das nicht.

Praktisch bei Btrfs ist außerdem die Schnappschuss-Funktion des Dateisystems, die bei versehentlichem Ändern oder Löschen von Daten vor Verlust schützt. Um sie für einzelne Ordner zu aktivieren, muss man die Checkbox „Kontinuierliche Sicherung“ in den Ordneroptionen anklicken, die stündlich, täglich oder wöchentlich erfolgen kann. Die verschiedenen Schnappschüsse bewahrt das ReadyNAS dann so lange auf, bis der Speicherplatz zur Neige geht und beginnt erst dann mit dem Löschen der ältesten Versionen. Über eine Zeitachse im Web-Frontend lassen sich Schnappschüsse gezielt auswählen und wiederherstellen.

ReadyDrop erlaubt es, Daten eines bestimmten NAS-Ordners mit Netzwerk-Clients zu synchronisieren. Registriert man sich auf readycloud.netgear.com, bekommen autorisierte Nutzer nicht nur über den Browser Datenfernzugriff aufs NAS, der Administrator kann es auch komplett aus der Ferne verwalten. Einfacher gelingt der Datenaustausch aus der Ferne, wenn man sich per ReadyNAS Remote via VPN mit dem NAS verbindet. Dazu muss man allerdings eine spezielle Client-Software installieren, die anschließend Freigabeordner wie lokale Datenträger unter Windows und Mac OS einbindet.

Da hinter ReadyNAS OS ein vollwertiges aktuelles Debian-Linux steckt, können Bastler aus dem Vollen der Repositories schöpfen und nahezu jede erdenkliche Funktion nachrüsten. Dafür erhält man Root-Rechte beim Aktivieren des SSH-Zugangs, allerdings leistet Netgear im Fehlerfalle keinen Support. Auf der sicheren Seite ist man mit der Installation der von Netgear freigegebenen Zusatz-Apps über den Genie+Marketplace, der eine Registrierung erfordert. Gut 40 Zusatz-Apps können auch ohne vorherige Anmeldung über die NAS-Oberfläche installiert werden. Diese tauchten dort jedoch erst nach einem Firmware-Update auf Version 6.1.1. auf, die uns kurz vor Redaktionsschluss erreichte. Das Update rüstet auch eine Funktion zur Komplettverschlüsselung der Festplatten nach. Dann sinkt der Durchsatz allerdings auf mickrige 13 MByte/s. Ein Printserver und eine Standby-Funktion für die Festplatten fehlen nach dem Update leider weiterhin.

Qnap TS-220/TS-221

Von Qnap haben wir gleich zwei Geräte in den Test genommen, die sich aber nur in Details unterscheiden. Im TS-221 steckt eine schnellere Marvell-CPU (2,0 statt 1,6 GHz) und doppelt so viel RAM (1 GByte statt 512 MByte), was sich in unseren Messungen aber weder auf Geräusch, Geschwindigkeit oder elektrische Leistungsaufnahme nennenswert ausgewirkt hat. Weil auch die Software-Funktionen die gleichen sind, kann man gut zur TS-220 greifen, wenn man sich nicht an der weißen Gehäusefarbe und an den Plastik- statt Metallträgern für die Festplatten stört. Das teurere TS-221 empfiehlt Qnap aber für diejenigen, die besonders viele Apps auf dem NAS laufen lassen oder eine besonders umfangreiche Medienbibliothek auf dem NAS verwalten wollen.

Die Administration erfolgt bei beiden Geräten im Browser auf einem Linux-Desktop, auf dem die einzelnen Menüpunkte wie Apps angeordnet sind. Die Geräte sind jetzt Multitasking-fähig, was praktisch ist, wenn man als Administrator mehrere Dinge gleichzeitig erledigen möchte. Die Datensynchronisationsfunktion Qsync, mit der sich das NAS über die Grenzen des heimischen Netzwerkes hinaus als eine Art private Dropbox nutzen lässt, befindet sich noch im Beta-Stadium. Die Installation einer speziellen Client-Software vorausgesetzt, synchronisiert es Dateien zwischen dem NAS und Windows- oder Mac-OS-Clients sowie per App mit iOS- und Android-Geräten – im Test funktionierte das noch nicht zuverlässig. Offenbar braucht Qsync noch Reifezeit.

Um Daten auf dem NAS in den Qsync-Ordner zu verschieben, muss man die sogenannte FileStation bemühen – eine Art lokaler Windows-Explorer für das NAS. Per Drag and Drog lassen sich auch Dateien aus Windows-Ordnern über die FileStation im Browser direkt auf das NAS schieben, ohne den Zielordner vorher als Netzlaufwerk zu verbinden. Die FileStation kann auch Videodateien zum Abspielen auf Mobilgeräten transkodieren, was jedoch unerträglich lange dauert und ordentlich Systemressourcen belegt – im Test stiegt die CPU-Belastung auf über 90 Prozent. Überwachen lässt sich das wie auch vieles andere im lokalen Systemmonitor des NAS oder mit der Smartphone-App Qmanager. Für den Fernzugriff übers Internet bietet Qnap einen Remote-Access-Dienst namens myqnapcloud.com. Alternativ kann man aber auch eine sichere VPN-Verbindung aufbauen. Dazu unterstützen die Geräte außer dem beliebten – aber knackbaren – PPTP auch OpenVPN.

In Qnaps App-Store gibt es für das NAS so viele Zusatzanwendungen wie bei keinem anderen NAS-Hersteller. Videos von Webcams zeichnet die vorinstallierte Surveillance Station Pro auf – per VMobile-App holt man das Live-Bild auch aufs Smartphone oder Tablet. Recht neu ist die sogenannte Digital TV Station. Letztere setzt einen kompatiblen DVB-T-Stick (siehe Kompatibilitätsliste über c’t-Link) voraus. Damit funktionieren Qnap-NAS dann als Videorecorder für terrestrisches Digitalfernsehen. Mithilfe des VLC-Players (c’t-Link) lassen sich aufgezeichnete Inhalte übers Netzwerk direkt vom NAS im Browser abspielen. Mit der App QFile HD (kostenlos für iOS-Geräte) klappt das auch vom Smartphone oder iPad, sofern man die Aufnahmen zuvor transkodiert hat.

Seagate Central

Bei Seagates Central handelt es sich um eine einzelne Festplatte mit Netzwerkanschluss und nur sehr einfachen NAS-Funktionen. Im Auslieferungszustand enthält die Platte einen öffentlichen Ordner als Standardfreigabe. Weil die Central bei Samba-Freigaben kein Filesharing unterstützt, droht Datenverlust, wenn mehrere Nutzer dieselbe Datei öffnen. Über die Web-Oberfläche lassen sich Nutzer konfigurieren, aber keine Benutzergruppen. Jeder bekommt dabei automatisch einen privaten Ordner gleichen Namens zugeordnet, auf den nur er nach Passworteingabe zugreifen kann. Das Erstellen weiterer Ordner beliebigen Namens ohne Anlegen von Benutzern ist nicht vorgesehen. Wer mag, kann die Central mit einem Facebook-Konto verknüpfen. Dann sichert sie regelmäßig dort abgelegte Fotos und Videos auf die eingebaute Platte.

Im Internet stellt Seagate eine Windows-Software namens Dashboard bereit (siehe c’t-Link), die Backups von Windows-Clients anfertigt und diese auf dem NAS ablegt. Die Software erstellt dateibasierte, inkrementelle Backups einzelner Dateien, Verzeichnisse oder kompletter lokaler Datenträger eines Windows-PC. Standardmäßig geschieht dies permanent im Hintergrund, sodass neue oder geänderte Daten umgehend auf dem NAS landen. Alternativ kann man auch eine einmalige Schnappschusssicherung oder eine wiederkehrende Sicherung zu bestimmten Zeitpunkten einstellen. Dabei bezieht sie auch zur Laufzeit geöffnete Dateien mit ein, ausgeschlossen vom Backup sind aber der Programme- und der Windows-Systemordner sowie versteckte Dateien. Damit ersetzt die Funktion kein Voll-Backup. Immerhin hält die Software verschiedene Dateiversionen vor, die sich einzeln wiederherstellen lassen.

Ein Fernzugriff auf das NAS ist über den Remote-Access-Dienst TappIn von Globalscape möglich. Den Dienst benötigt man auch für den Zugriff mit den Media Apps übers Internet, die Seagate für iPhone und Android bereitstellt. Sogar eine App für Smart-TVs von Samsung gibt es, über die sich Filme direkt am Fernseher abspielen lassen. Leider erlaubt keine der Apps einen Zugriff auf passwortgeschützte Ordner.

Unter Windows traten im Test mitunter erhebliche Verzögerungen auf, als wir Laufwerke per SMB über die Windows-Funktion „Netzlaufwerk verbinden“ einbinden wollten. Während intensiver Benchmarks verschwanden die Netzwerkordner plötzlich und waren erst nach einem Reboot des NAS wieder ansprechbar.

Synology DiskStation DS214

Bei Synologys DS214 handelt es sich um eine beschnittene Version der schon länger erhältlichen DS213. Sie arbeitet mit einer nur mit 1 statt 2 GHz getakteten Marvell-CPU und ihr fehlen der SD-Kartenleser und ein eSATA-Port. Dafür erlaubt das Gerät nun den werkzeuglosen Festplatteneinbau. Dazu muss man die Laufwerke nur in die robusten Kunststoffträger schieben, seitlich Plastikschienen zur Verriegelung festclippen – fertig. Als Besonderheit hat die CPU laut Synology außerdem wieder einen Krypto-Beschleuniger an Bord für schnellere Berechnungen bei Software-Datenverschlüsselung. Letztere kann bei der DS214 für einzelne Ordner aktiviert werden. Trotz des Krypto-Beschleunigers reduzierte sich der Durchsatz bei Datentransfers in verschlüsselte Ordner aber um mehr als die Hälfte von 60 auf nur noch rund 20 MByte/s im RAID 1.

Die Geräte von Synology bieten einen ähnlichen Funktionsumfang wie jene von Qnap – manche Funktionen tragen sogar gleiche Namen. Einige Dinge, die Qnap gerade erst für seine Geräte nachgerüstet hat, können die Synology-Server aber schon länger: Dazu zählt der Multitasking-fähige Linux-Desktop im Browser, wobei die Menüpunkte hier nicht als Apps angeordnet sind. Mit der sogenannten Cloud Station bietet das NAS eine Dropbox-ähnliche Datensynchronisationsfunktion, die zwar höchstens 10 GByte große Dateien synchronisiert, den Beta-Status aber schon verlassen hat und im Test zuverlässig funktionierte. Im Synology-Paketzentrum finden sich noch weitere interessante Software-Erweiterungen, um das NAS etwa als Mailserver, für den Zugriff per OpenVPN oder zur Kontrolle von Webcams als Surveillance Station einzurichten. Mit wenigen Mausklicks ist auch ein Wordpress-Blog auf dem NAS installiert und ins Internet gestellt.

Bereits in der DiskStation Manager (DSM) Firmware integriert ist eine Unterstützung für CalDAV. Damit lässt sich das NAS als Kalenderserver nutzen, der Termine mit iOS-Geräten synchronisiert. Android-Geräte kann man mit Zusatz-Software für CalDAV fit machen. Mit dem Zusatzpaket Video Station und einem DVB-T-Stick können auch Synology-NAS DVB-T-Fernsehsignale empfangen, aufzeichnen und ins Netz streamen. Synology bietet außerdem Apps für iOS- und Android-Geräte, um die Aufnahmen aus der Ferne vom Smartphone oder Tablet zu betrachten und sogar Aufnahmen von unterwegs zu programmieren (siehe c’t-Link). Mit der DS Video App lassen sich auch Live-TV-Streams vom iPad aus verfolgen. Da die DS214 allerdings kein Video-Transkoding unterstützt, muss man zu diesem Zweck außer der DS Video App, die Zugriff auf die DVB-T-Funktionen des NAS gewährt, auf dem iPad noch zusätzliche Abspielsoftware wie Oplayer Lite installieren.

Kurz vor Redaktionsschluss teilte uns Synology mit, dass sich die Auslieferung der DS214 bis etwa Anfang November verzögert. An der Hardware-Ausstattung soll sich nichts mehr ändern, wahrscheinlich gibt es bis dahin aber eine neue Firmware. Prüfen Sie vor dem Kauf sicherheitshalber noch einmal, ob sich nicht doch noch ein Ausstattungsmerkmal verändert hat.

Fazit

Mit einem NAS bekommt man mehr als nur einen einfachen Dateiserver fürs lokale Netz: Es kann die Synchronisierung von Daten, Terminen und Kontakten auch übers Internet hinweg übernehmen, ohne dass man die Daten einem Server in der Fremde anvertrauen muss, und eignet sich prima als Medienzuspieler, manche darüber hinaus auch noch zur TV-Aufnahme. Nicht alle Funktionen sind von vornherein so in der Firmware implementiert, wie man es gerne möchte, doch mit Zusatzanwendungen aus dem App-Store der Hersteller, der Linux-Community oder mit eigenem Programmiertalent gelangt man zumindest bei besseren Geräten oft zum Ziel.

Das Bastlerherz höher schlagen lässt vor allem Netgears ReadyNAS, das viel Leistung für wenig Geld bietet. Einer der Pluspunkte ist das Dateisystem Btrfs mit Snapshots. Schade, dass Netgear bei einigen normalerweise selbstverständlichen Funktionen wie Festplatten-Standby oder Printserver gespart hat. Die teureren Geräte von Qnap und Synology bieten ab Werk mehr Funktionen, sind aber nicht so flexibel erweiterbar und teurer. Für Synologys NAS spricht noch die Dateiverschlüsselungsfunktion, der bequeme Festplatteneinbau und der besonders leise Betrieb. Allerdings kommt das NAS mit etwas Verspätung in den Handel.

Buffalos LinkStation hätte mehr Entwicklungszeit vertragen und wirkt insgesamt unfertig. Haarsträubend sind die Reaktionen des Gerätes im Fehlerfalle: Bei Stromausfall schaufelt man sich leicht ein Datengrab. Da nützt es dann auch wenig, dass das NAS nicht nur das leiseste im Test war, sondern als einziges auch noch volles Gigabit-Tempo erreicht – zumindest beim Lesen. Seagates Central lockt mit günstigem Preis und ist als simple Netzwerkplatte für Backups zu gebrauchen. Allerdings darf man sie nicht mit mehreren Aufgaben gleichzeitig überfordern – wohl auch deshalb fehlt wie beim Buffalo-Gerät jegliche Erweiterungsmöglichkeit per Zusatz-Apps.

Generell gilt: Wenn Sie von vornherein planen, sehr viele Zusatzapps und große Medienbibliotheken unterzubringen, wählen Sie lieber gleich ein Exemplar mit größerer Rechenleistung und RAM-Ausstattung, etwa Qnaps TS-221 statt des TS-220. Anders als die Software ist die Hardware nämlich nicht nachträglich erweiterbar. Sobald Verschlüsselung oder Video-Transkoding zu den Anforderungen zählen, sind die hier vorgestellten NAS mit ARM-CPU überfordert oder ungeeignet. Leistungsstärkere Geräte, etwa mit Atom-CPU, sind dann die bessere Wahl – leider sind diese aber auch deutlich teurer und stromhungriger. (boi)

Literatur
  1. [1] Dr. Oliver Diedrich, Die Cloud im NAS, Cloud-Dienste auf dem eigenen NAS, c’t 19/12, S. 156

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Infos zum Artikel

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Kapitel
  1. Hardware-Auswahl
  2. Speicher organisiert
  3. Buffalo LinkStation 421
  4. Netgear ReadyNAS 102
  5. Qnap TS-220/TS-221
  6. Seagate Central
  7. Synology DiskStation DS214
  8. Fazit
  9. Multitalent NAS
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