Shenzhen an der Elbe

Das System Foxconn funktioniert auch in der EU

Wissen | Reportage

Im tschechischen Pardubice produziert Foxconn Computer für HP. An den Montagelinien stehen Frauen und Männer aus Vietnam, der Mongolei und Bulgarien. Sie arbeiten in Zwölf-Stunden-Schichten, auch nachts, unter extremem Leistungsdruck, für 500 Euro im Monat – wenn es gut läuft.

Duyên ist 65 Jahre alt und arbeitet seit sieben Jahren in der Foxconn-Fabrik in Pardubice. Acht bis zehn Stunden am Tag verpackt sie Desktop-PCs. Angestellt ist sie bei einem Subunternehmer von Foxconn, der sie im „Hotel Harmony“ untergebracht hat, einem Plattenbau an einer Ausfallstraße. Dort teilt sie sich mit drei anderen Vietnamesinnen ein 32-Quadratmeter-Apartment. Ihre Kinder und Enkel sieht sie einmal im Jahr.

Wie lang sie noch hier arbeiten will? So lange es geht. Die Arbeitsbedingungen? Foxconn und der Subunternehmer sind gut und nett. Ist die Arbeit denn nicht sehr anstrengend? Duyên lächelt. Es gab dieses Jahr weniger Arbeit als letztes Jahr. Es kam sogar vor, dass Foxconn sie eine ganze Woche lang nicht brauchte. Das ist ihre größte Sorge: Dass Foxconn sie nicht braucht.

Menschen wie Duyên sind die Antwort auf die Frage, wie Foxconn in der EU profitabel Computer in Handarbeit zusammenbauen lassen kann. Es gibt in der Region Pardubice bei Weitem nicht genügend Tschechen, die sich für 500 Euro im Monat einem Arbeitsregime unterwerfen, das stumme Disziplin, extreme Flexibilität und ständige Produktivitätssteigerungen verlangt.

Aber in Vietnam, in der Mongolei, in Bulgarien gibt es mehr als genügend Menschen, die das tun müssen, um ihre Familien zu ernähren. Sie sprechen kein Tschechisch, kennen ihre Rechte kaum, brauchen Dolmetscher für Behördengänge. Viele hangeln sich jahrelang von einem befristeten Vertrag zum nächsten und müssen sofort das Land verlassen, wenn sie ihre Arbeit verlieren. Doch sie beschweren sich nicht. Erst, wenn man sie um ihren Lohn betrügt, begehren sie auf.

In Verruf geraten ist Foxconn wegen der Zustände in seinen Fabriken in Shenzhen und anderen chinesischen Städten. Wegen monotoner, kleinteiliger Arbeit, in Zwölf-Stunden-Schichten, zu Löhnen, die nur mit Überstunden zum Leben reichen. Gibt es solche Verhältnisse auch in Pardubice, drei Autostunden von Dresden entfernt?

Seit dem Jahr 2000 produziert Foxconn PCs in der 90 000-Einwohner-Stadt an der Elbe. In einem zweiten Werk im 40 Kilometer entfernten Kutná Hora laufen Server vom Band. Beide Standorte produzieren für den europäischen Markt und machen Foxconn nach Skoda zum größten Exporteur Tschechiens.

Foxconn zahlt seinen Arbeitern hier zwei bis drei Mal so viel wie denen in China. Aber der Seeweg aus China dauert sechs bis acht Wochen. Aus Tschechien können hingegen innerhalb weniger Tage individuell konfigurierte Server und PCs an die westeuropäische Kundschaft geliefert werden. Deswegen haben sich viele Elektronikhersteller in Osteuropa angesiedelt: Flextronics fertigt Lenovo-Computer in Ungarn, Foxconn Sony-Fernseher in der Slowakei, Celestica Leiterplatten in Rumänien. Der Trend zeigt ostwärts: Die jüngsten Fabriken stehen in der Ukraine.

Der Betriebsrat hat einen eigenen Eingang im Erdgeschoss des Foxconn-Hauptgebäudes. Er ist Teil der tschechischen Metallarbeiter-Gewerkschaft, Foxconn hat ihn vom Vorbesitzer der Fabrik geerbt, dem Elektronikhersteller Tesla. 250 der 4500 Arbeiter sind Mitglied der Gewerkschaft.

Im Büro des Betriebsratsvorsitzenden Tomáš Formánek stehen Schreibtische und Aktenschränke aus sozialistischer Zeit. Immerhin bezahle Foxconn seine Fahrten nach Kutná Hora und eine Assistenz, erklärt er. Sein Büro ist der einzige Teil des Geländes, den wir betreten dürfen. Ins Werk lässt Foxconn uns nicht, obwohl wir seit Mai mehrfach um Genehmigung gebeten haben. Unsere schriftlich eingereichte Fragen beantwortete Foxconn nicht. Die folgende Schilderung der Arbeitsbedingungen beruht auf den Angaben von Tomáš Formánek und mehreren Arbeitern.

Die PC-Komponenten kommen mit dem Schiff aus China nach Hamburg und von dort mit dem LKW nach Pardubice. Die Montage ist in kleine Schritte aufgeteilt: Ein Arbeiter installiert das Mainboard, der zweite die Festplatte, ein dritter verkabelt Komponenten. Sie können an allen Stationen der Linie eingesetzt werden. Aber während einer Schicht tun sie meist von Anfang bis Ende dasselbe.

Zu den Stückzahlen, die die Arbeiter erreichen müssen, kursieren Angaben wie „53 PCs pro Stunde mit einem siebenköpfigen Team“ [1]. Die Zahl sei denkbar, sagt Formánek, das hänge aber immer von Modell und Ausstattung ab. Von Zeit zu Zeit erhöhe Foxconn die Normen, ohne die Gewerkschaft zu fragen. Er betont, dass die Arbeiter für die schnellere Produktion neu eingewiesen werden und dass Foxconn die Produktivität auch mit technischen Maßnahmen erhöht.

„Wer es nicht schafft, wird von den anderen gezwungen“

Tomáš Formánek, Foxconn-Betriebsrat

Ein Bonussystem motiviert und diszipliniert die Belegschaft. Laut Formánek erhalten 90 Prozent der Angestellten irgendeinen Bonus. Kriterien an der Montagelinie sind die Erfüllung der Normstückzahl, „Ordnung am Arbeitsplatz“ und die Bewertung des Arbeiters durch den Gruppenleiter. Insgesamt liegt der maximale Monatsbonus bei 3000 Kronen (116 Euro).

Das Perfide: In den ersten beiden Kategorien wird die ganze Linie gemeinsam bewertet. Arbeitet einer zu langsam, wird allen der Bonus gekürzt. „Wer es nicht schafft, wird von den anderen gezwungen“, sagt Formánek.

Inklusive Boni und Überstunden verdienen Foxconn-Angestellte an der Montagelinie rund 14 000 Kronen netto (540 Euro). Der Stundenlohn liegt bei ungefähr 3,50 Euro. Das ist deutlich mehr als der tschechische Mindestlohn, aber nur 60 Prozent des landesweiten Durchschnittslohns. Deswegen empfindet kein Arbeiter den Bonus als Sonderzahlung, jeder Abzug wirkt wie eine Strafe.

Arbeiter berichten uns, dass sie an der Montagelinie nicht trinken, nicht mit ihren Kollegen sprechen, sich nicht hinsetzen und nicht an eine Wand anlehnen können. Entweder verbiete der Gruppenleiter jede Ablenkung oder die geforderten Stückzahlen seien anders nicht erreichbar.

In einem Branchenbericht aus dem Jahr 2007 heißt es, die Produktivität in Pardubice liege auf chinesischem Niveau. Sichere Quellen dafür gibt es nicht. Doch sicher ist, dass solche Arbeitsbedingungen in Tschechien unbekannt waren, bis Foxconn kam.

Mehrere Arbeiter berichten, dass es in den Pardubicer Werken von Panasonic und Kiekert, einem deutschen Autozulieferer, besser sei. Ein Pole sagt: „Bei Kiekert durfte ich Wasser und mein Handy zur Montagelinie mitnehmen. Man konnte sich auch mit dem Nachbarn absprechen, wenn man auf die Toilette musste.“

An der Montagelinie sind Zwölf-Stunden-Schichten üblich – tagsüber und nachts, wie in China. Alle zwei Stunden gibt es 15 Minuten Pause, hinzu kommt eine halbstündige Essenspause. Acht-Stunden-Schichten gibt es auch, aber vor allem für die Tschechen.

Es kommt vor, dass Schichten drei Stunden vor Beginn per SMS abgesagt werden. „Wir mussten unterschreiben, dass wir keinen Lohnersatz bekommen. Wer nicht unterschrieb, bekam keinen Bonus“, sagt eine Tschechin. Sie zeigt uns ihren Schichtplan: Sie kann an jedem zweiten Samstag und Sonntag kurzfristig eingesetzt werden.

„Der Dolmetscher musste sich einen Monat verstecken“

Kateřina Kotrlá von der Hilfsorganisation „Most“

Noch flexibler müssen die Angestellten der Subunternehmer sein. Diese stellen Formánek zufolge 1200 der insgesamt 4500 Arbeiter. Sie mieten Montagelinien im Werk und produzieren dort für Foxconn.

Die Agentur Express People nennt diesen Service „Outsourcing – Full Profi“ und erklärt: „Express People übernimmt Produktionsabteilungen, stellt Arbeiter und leitet sie. Diese Arbeiter sind bei Express People angestellt.“ Dadurch könne der Kunde auf Schwankungen in der Produktion reagieren.

Was in den Verträgen zwischen Foxconn und den Agenturen steht und welche Verträge die Agenturen ihren Angestellten geben, weiß Formánek nicht. Aber das Ziel ist klar: Foxconn erhält Just-in-Time-Arbeitskräfte.

Früher arbeiteten Agenturleute bei guter Auftragslage angeblich sechs Tage lang hintereinander in Zwölf-Stunden-Schichten. „Manche brachen ohnmächtig zusammen“, sagt ein bulgarischer Arbeiter im Dokumentarfilm Behind the Screen (3SAT, 27. September). Bei schlechter Auftragslage sitzen sie tagelang im Wohnheim, ohne Lohnausgleich. Vietnamesische Arbeiter berichten uns von Kollegen, die nur noch 3000 bis 7000 Kronen (125 bis 290 Euro) im Monat verdienen, weil es zu wenige Aufträge gibt.

Im Büro einer Agentur wollen wir nachhaken. Ein Manager ist spontan zu einem Gespräch bereit, doch sein Kollege drängelt. Wir sollen unsere Telefonnummer hinterlassen und um zwei Uhr wiederkommen. Kurz danach klingelt das Handy, der Termin wird abgesagt.

Foxconn hat es mit den Agenturen geschafft, die Gesamtzahl der Arbeiter von rund 8000 im Jahr 2008 auf 4500 zu reduzieren. Geräuschlos. In der Lokalpresse fanden wir zwar Berichte über die angeblich schlechte Hygiene der Wanderarbeiter, aber keinen Hinweis auf den massiven Stellenabbau.

In der Innenstadt, ein paar Hundert Meter vom Bahnhof entfernt, steht das „Hotel Veselka“. Wir lassen uns ein Zimmer zeigen: vier Betten, ein Kühlschrank. Im Moment ist wenig los, aber bei voller Auslastung teilen sich auf jedem Flur achtzig Menschen eine Küche, ein paar Duschen und Toiletten. Kaum sind wir draußen, macht uns ein Mann nachdrücklich klar, dass wir hier nicht erwünscht sind.

Das Veselka ist das berüchtigtste Agentur-Wohnheim in Pardubice. Schimmel und Schmutz haben die Bewohner auf YouTube dokumentiert. Die Hotels Harmony und Hurka sind besser, aber auch hier wohnen jeweils vier Arbeiter auf ein paar Quadratmetern zusammen.

Vor dem Hurka steht eine in sechs Sprachen beschriftete Tafel: „Wo Sie Hilfe finden.“ Aufgestellt wurde sie von der Hilfsorganisation „Most“ (Brücke). Sie unterstützt die ausländischen Arbeiter mit Sprachkursen und Dolmetschern, hilft bei Behördengängen, Arztbesuchen, Verträgen. Geldgeber sind der tschechische Staat und die EU.

„Manche brachen ohnmächtig zusammen“

Janko, ehemaliger Agentur-Arbeiter bei Foxconn

In einem der drei kleinen Zimmer des Most-Büros sitzt heute eine junge Frau aus der Mongolei. Sie hat bei Foxconn einen dreijährigen Mutterschaftsurlaub unterschrieben, wusste aber nicht, dass der tschechische Staat nur zwei Jahre lang zahlt. Jetzt steht sie ein Jahr ohne Geld da. Zum Glück hat ihr Mann noch Arbeit bei Foxconn.

Einem vietnamesischen Arbeiter zeigen wir das Logo der Gewerkschaft. Er kennt es, weiß aber nicht, was es bedeutet. Das sind die Leute, die die Einhaltung der Produktionsziele überprüfen, glaubt er.

Vietnamesen und Mongolen haben kaum eine Chance, sich in Pardubice niederzulassen. Seit 2012 müssen Nicht-EU-Ausländer alle sechs Monate ihre Aufenthaltsgenehmigung verlängern und jedes Mal 100 Euro dafür zahlen. Deswegen rekrutierten die Agenturen zuletzt verstärkt in Rumänien und Bulgarien.

„In den ersten Jahren ging es vor allem um Behördengänge und Verträge“, sagt Most-Chefin Kateřina Kotrlá. Ab 2008 hätten sich die Leute über die Arbeitsbedingungen beschwert: „Fast keine Pausen, zu wenig Möglichkeiten, etwas zu trinken oder auf die Toilette zu gehen.“ Zurzeit höre sie hauptsächlich Beschwerden über die steigenden Arbeitsnormen und sinkende Löhne der Agenturangestellten.

Kotrlá berichtet von den kriminellen Methoden einiger Agenturen: „Oft stimmten die Arbeitszeiten nicht mit dem überein, was auf der Lohnsteuerkarte stand, damit die Agentur weniger Steuern zahlt.“ Eine Agentur habe ständig ihren Namen geändert, um nicht an ihre Arbeiter gebunden zu sein. „Schwangere standen ohne Mutterschutz da.“ Eine weitere habe Krankenversicherungskarten gefälscht.

Kotrlá erzählt von acht Bulgaren, die sich 2010 über ausgebliebene Löhne für geleistete Arbeit beschwerten: Die Agentur setzte sie sofort auf die Straße und drohte mit Entlassung weiterer Bulgaren, falls sie mit der Presse sprechen. Drei redeten trotzdem. „Der Dolmetscher musste sich einen Monat verstecken“, sagt Kotrlá. Doch der Bericht in der Lokalzeitung wirkte. Ein tschechischer Foxconn-Manager schaltete sich ein. Plötzlich wurden alle Arbeiter der Agentur sozialversichert und fünf der Gekündigten wieder eingestellt. Allerdings verließ der tschechische Manager Foxconn kurz darauf – unfreiwillig, vermuten Kotrlá und Formánek. Offenbar hatte er zu viel mit der Öffentlichkeit gesprochen.

„Am Anfang war es schon sehr wild mit den Agenturen. Die wollten nur Profit machen“, sagt Hana Procházkova, Leiterin des Arbeitsamtes von Pardubice. „Darauf waren wir nicht vorbereitet.“ Aber viele Agenturen hätten aufgehört, seit die Regierung die Regeln für Agenturgründungen verschärft habe.

Ohne Wanderarbeiter komme Foxconn nicht aus. Der Lohn sei für Tschechen zwar akzeptabel, sagt Procházkova. „Das Problem ist, Leute zu finden, die in diesem Tempo und unter diesem Arbeitsregime arbeiten wollen.“ Wie Formánek vertritt sie vor allem die Interessen einheimischer Arbeiter. Ihre Behörde achte darauf, dass bei Entlassungen zuerst die Ausländer gehen, sagt sie.

„Die Agenturbeschäftigung entstand durch den EU-Beitritt“

Rodulf Hahn, Direktor des Arbeitsinspektorats

Die Agenturangestellten stünden unter hohem Druck, sagt auch Rudolf Hahn, Direktor des tschechischen Arbeitsinspektorats SUIP. Dazu müsse aber gesagt werden, „dass das tschechische Arbeitsrecht bis 2004 Agenturbeschäftigung nicht erlaubte und dieses Arbeitnehmerverhältnis durch die EU-Beitrittsbedingungen entstand.“

Hahns Behörde hat Foxconn und die Agenturen seit 2011 schon 25-mal kontrolliert, teils ohne Voranmeldung. Die hohe Zahl der Kontrollen liege an Beschwerden von Arbeitern, die man nicht immer nachvollziehen könne, sagt er. Die Frage der Vermietung der Montagelinien werde untersucht, sei aber kein Hauptthema. Die letzte nennenswerte Strafe musste Foxconn 2010 zahlen – knapp 20 000 Euro wegen Missachtung der Ruhezeiten für Arbeiter.

Kristina Larischová von der Prager Vertretung der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung bezeichnet die Arbeitsinspektion als „nicht effizient genug“. Es gebe in Tschechien zwar eine ausreichende Regulierung der Leiharbeit, die Durchsetzung sei aber mangelhaft. Immer noch könnten Agenturen ihre Arbeiter ausbeuten und schnell neue Unternehmen gründen, um Sanktionen auszuweichen.

Auch HP kontrolliert in Pardubice. Der US-Konzern schreibt, man habe das Problem der Bonusabzüge „identifiziert und angesprochen“ und ein Prüfverfahren für die Agenturen eingeführt. Arbeitszeiten, Löhne und Gesundheitsschutz hätten sich in den vergangenen Jahren signifikant verbessert. Was sich konkret geändert hat, verrät HP nicht.

Der Zusammenbau eines typischen Desktop-PC kostet nur fünf bis zehn Euro. Für spürbar bessere Arbeitsbedingungen müsste man also nur ein paar Euro drauflegen. Trotzdem ist der Gedanke naiv: HP steht im schrumpfenden PC-Markt mit dem Rücken zur Wand, Foxconn operiert mit Gewinnmargen von zwei bis drei Prozent. Die meisten Verbraucher achten vor allem auf den Preis. Und diejenigen, die eine Alternative suchen, finden keine.

Den Preis für die billigen Computer bezahlen deshalb die schwächsten in der Lieferkette: Wanderarbeiter wie die Vietnamesin Duyên . Sie können jederzeit durch Menschen aus noch ärmeren Ländern ersetzt werden, haben keine Gewerkschaft und keine politische Lobby, und können es sich schlicht nicht leisten, sich zu beschweren. (cwo)

Literatur
  1. [1] Rutvica Andrijasevic, Devi Sacchetto, Integration verschiedener Arbeitsregime? Foxconn in Tschechien, gongchao.org/de/islaves-buch/
Das sagen die Arbeiter

Minh1 aus Vietnam: „Ich habe einer vietnamesischen Agentur 6500 Dollar für das Flugticket und die Vermittlung nach Tschechien gezahlt. Andere haben bis zu 18 000 Dollar gezahlt. Aber der Lohn hier ist zu niedrig. Ich bekomme nur 500 bis 550 Euro im Monat, am Anfang waren es 580. Vor zwei Jahren hat Foxconn angefangen, vietnamesische Arbeiter zu entlassen, 800 sind schon weg.“

Eva aus Tschechien: „Diese Woche habe ich vier Zwölf-Stunden-Schichten. Am Montag tagsüber, Mittwoch und Donnerstag nachts, am Samstag wieder tagsüber.

Am Anfang konnten wir einige Dinge zur Montagelinie mitnehmen, zum Beispiel ein Handy und etwas zu trinken. Jetzt dürfen wir nichts mehr dabeihaben und uns nicht setzen. Die Bedingungen werden immer schlimmer. Immerhin bin ich nun in einer anderen Abteilung und kann mir leisten, zwei Minuten zu spät aus der Pause zu kommen.

Das Gehalt ist sicher und wird pünktlich überwiesen. Außerdem ist das Essen in der Kantine günstig. Die größten Probleme sind die anstrengenden Zwölf-Stunden-Schichten und das Verhalten der Gruppenleiter. Das sind 25- bis 30-jährige Männer, die keinen Respekt vor Älteren haben. Eine Alternative zu Foxconn habe ich nicht.“

Giang aus Vietnam: „Ich habe auch in Taiwan und Korea gearbeitet. Hier in Tschechien arbeite ich weniger und bekomme weniger Lohn. In den Pausen werden die Arbeitsplätze fotografiert. Wenn der Abfall nicht im Mülleimer liegt, gibt es Strafen.“

Boris aus Bulgarien: „Mit der Agentur und Foxconn hatte ich keine Probleme. Die Bulgaren hier haben für Tschechischkurse keine Zeit. Die arbeiten entweder oder sie schlafen.“

Tomasz aus Polen: „Die 15-Minuten-Pausen waren zu kurz. Bis ich es durch die Halle zum Spind und nach draußen geschafft hatte, war die Hälfte der Zeit um. Wenn man in der Eile einen Schlüssel an der Montagelinie liegen ließ und sich das wiederholte, wurde der Bonus gestrichen. Meistens wurde die ganze Montagelinie bestraft.

Ich bin nicht rechtzeitig aus dem Urlaub zurückgekehrt und wurde entlassen. Das habe ich mit Absicht gemacht. Ich bin nicht der Typ für die Montagelinie, ich war immer müde. Es gibt Leute, denen das nichts ausmacht.“

1 Alle Namen von der Redaktion geändert

Artikel kostenlos herunterladen

weiterführende Links

Kommentare

Kommentare lesen (33 Beiträge)

Infos zum Artikel

33Kommentare
Kommentare lesen (33 Beiträge)
  1. Avatar
  2. Avatar
  3. Avatar
Anzeige

Anzeige

weiterführende Links
  1. Zu diesem Artikel hat die Redaktion noch folgendes zusammengestellt:

    Links (2)

Anzeige