Handys fürs Grobe

Robuste Smartphones mit Android

Test & Kaufberatung | Test

Sogenannte Outdoor-Smartphones vertragen Wasser, Dreck und darüber fahrende Autos – perfekt für die Baustelle, das Skifahren und die Bergwanderung.

Schon mal ein Smartphone mit dem Auto überfahren, in Eiswasser versenkt oder mit Matsch eingerieben? Den meisten Smartphones droht so ein Schicksal äußerst selten, doch arbeitet man auf Baustellen, verbringt seinen Urlaub im Freien oder hat man es auch beim Sport dabei, haben die Geräte eine kurze Lebenserwartung. Schützen kann man sie nur durch spezielle Hüllen (siehe Seite 114).

Um diesen Katastrophen noch besser vorzubeugen, gibt es sogenannte Outdoor-Smartphones. Sie haben Gehäuse mit massiven Gummi-Stoßdämpfern, ihre Anschluss-Buchsen und Akkuklappen sind mit Dichtungen gegen Flüssigkeiten und Staub geschützt und die Displayscheiben sind aus kratzfestem Glas gefertigt. Getestet haben wir das CAT B10, das fast baugleiche Utano Barrier T180 und das Simvalley SPT-800.

Nicht ganz so hart im Nehmen sind das Sony Xperia go und das Panasonic Eluga. Ihre Elektro-Innereien sind gegen Staub und Wasser nach IP-Standard geschützt (siehe Kasten auf Seite 111), nicht aber gegen Schläge. Aber sie sind kleiner, leichter und haben sich einen Rest Eleganz bewahren können. Von außen deuten lediglich die wasserdichten Klappen vor den Anschluss-Buchsen auf den Schutz hin.

Die dritte Gruppe von Geräten im Test (Motorola Razr i und Alcatel One Touch 997D Ultra) hat der Hersteller während der Produktion mit wasserabweisenden Chemikalien bedampft. Das soll elektrische Bauteile versiegeln und Kurzschlüsse verhindern. Flüssigkeiten und Staub können weiterhin in die Gehäuse eindringen. Die Hersteller ordnen ihnen keinen IP-Standard zu und geben auch nicht an, ob sie nur hohe Luftfeuchtigkeit oder auch Spritzwasser und Untertauchen überleben.

Das takwak tw700 ist eher als Outdoor-Navigationsgerät mit Telefonfunktionen und Android zu betrachten. Es kann als Walkie-Talkie funken und hat als einziges im Test ein resistives Touch-Display.

Test-Parcours

Wegen ihrer unterschiedlichen Schutzstufen mussten nicht alle Modelle den gesamten Test-Parcours absolvieren. Um herauszufinden, wie dicht die vor Wasser geschützten Geräte sind, haben wir sie 3 Minuten in 30 Zentimeter Wassertiefe versenkt. Den Fall aus der Hosentasche, also etwa 1 Meter, vollzogen nur die stoßgeschützten Outdoor-Telefone. So durchliefen lediglich die Geräte von CAT, Utano und takwak die gesamte Testprozedur.

Video: Outdoor-Smartphones

Besondere Smartphones erfordern besondere Tests. Im Klimaschrank setzten wir alle Modelle Temperaturen von –18 Grad bis +90 Grad Celsius aus. Orientierung ist in der Natur nur per GPS möglich – wir haben daher per GPS-Tracking mittels der App GPSSend geprüft, wie genau sich die Handys orten.

Temperaturtests

Über 70 Grad Celsius im Schatten haben Wissenschaftler in der Lut-Wüste im Iran gemessen, fast –90 Grad Celsius im Nordosten Russlands. Frost halten auch unsere Testkandidaten nicht aus, die Arbeitstemperaturen liegen laut Herstellerangaben aber deutlich über beziehungsweise unter den Bereichen anderer Smartphones (rund 5 bis 35 Grad Celsius). Bei größerer Kälte spielt der Akku nicht mehr mit und Displays frieren ein. Wie weit die Geräte zumindest noch zum Telefonieren taugen, haben wir in unserer Klimakammer geprüft und sie dabei per Headset bedient.

Das Alcatel 997D zeigte sich nicht „saunatauglich“ und meldete bereits bei 50 Grad Celsius, dass ihm zu warm sei, bei 60 Grad schaltete es sich ab. Razr i und SPT-800 waren bei 80 Grad telefonisch nicht mehr erreichbar, liefen aber noch. Xperia go, tw700 und Eluga schalteten bei 80 Grad ab. Am meisten Hitze konnten CAT B10 und das Utano Barrier vertragen, sie waren auch bei 90 Grad Celsius telefonisch erreichbar und per Headset bedienbar.

Minustemperaturen sind in unseren Breitengraden allerdings üblicher. Bereits bei –12 Grad waren 997D, B10, SPT-800 und Xperia go nicht mehr erreichbar, –18 Grad trotzten nur das tw700 und das Barrier T180. Im eigentlich baugleichen B10 steckt ein anderer Akku, der wohl für den frühzeitigen Ausstieg verantwortlich ist.

Alcatel One Touch 997D

Alcatels One Touch 997D machte bereits im Test der Dual-SIM-Geräte [1] eine gute Figur, wir haben es wegen seiner internen P2i-Beschichtung noch einmal in diesen Test aufgenommen. Das Android-4-Gerät soll laut Hersteller in diesem Jahr ein Update auf die Version 4.1 erhalten.

Trotz Dual-Core-Prozessor und 1 GByte RAM ruckelt das App-Menü, das restliche Android läuft flüssig. Eine Besonderheit ist die Videoausgabe per MHL-Anschluss, eine andere die Dual-SIM-Funktionen: Im zugehörigen Optionsmenü stellt man getrennt für ausgehende Sprach- und Videoanrufe sowie für SMS-Nachrichten ein, ob eine bestimmte SIM-Karte als Standard gilt oder das Gerät jedes Mal nachfragen soll. Die Trennung zwischen den Karten findet sich auch im Telefonbuch, das die Zuweisung von Kontakten zu einer bestimmten SIM erlaubt. Da der Hersteller keine Garantie auf den Schutz gegen Wasser, Dreck oder mechanische Belastungen gibt, unterzogen wir das One Touch 997D auch nicht diesen Tests.

CAT B10

CAT ist für Bagger und Planierraupen bekannt und versucht sich nun auch an Smartphones. Das dicke, schwere B10 ist bis auf den Bildschirm rundum mit Gummi beschichtet und macht den Eindruck, als könne es einen Atomkrieg überstehen. Die Falltests verkraftete es tadellos. Und auch als ein Kleinwagen über das Telefon fuhr, wies es keine Schäden auf. Laut Hersteller hält es einem Druck von einer Tonne stand. Die Frontscheibe ist aus kratzfestem Glas gefertigt und der Hersteller beklebt sie zusätzlich mit einer unauffälligen Schutzfolie. Von Kratzern auf der Scheibe war nach den Tests keine Spur.

Damit kein Wasser eindringt, verschließen Stöpsel die Anschlüsse für USB-Kabel und Kopfhörer. Die USB-Buchse liegt so tief im Gehäuse, dass nur das mitgelieferte Kabel mit besonders dünnem Stecker passt. Der Rückendeckel ist mit Gummidichtungen versehen, dahinter liegen der Akku, die beiden SIM-Karten-Slots und der Schacht für eine MicroSD-Speicherkarte. Zwei Schlitzschrauben verschließen ihn; ein Werkzeug zum Öffnen liegt bei. Möchte man regelmäßig die SD- oder SIM-Karte wechseln, wird das Aufschrauben des Deckels zur nervenden Fummelei. Bereits Kreuzschlitzschrauben hätten hier für mehr Komfort gesorgt. Soll das Handy vollkommen dicht sein, muss man die filigranen M2-Schrauben mit Kraft bis zum Anschlag anziehen. Im Test drang Wasser ein, weil wir die Klappe nur handfest zugeschraubt hatten.

Die Hardware ist auf dem Niveau von Low-End-Smartphones: Der 800-MHz-Prozessor schafft es nicht, das veraltete und anspruchslose Android 2.3.5 flüssig zu animieren. Im internen Speicher sind von Anfang an nur 100 MByte frei, sodass man eine SD-Karte kaufen muss, um mehr Apps installieren und Musik speichern zu können. Wegen der niedrigen Auflösung ist die Darstellung des Displays grobpixelig. Bei einem Baustellen-Handy, mit dem man nur Telefonieren und SMS schreiben möchte, ist das nicht so schlimm. Was mehr stört, ist die geringe Helligkeit: Bei nur 154 cd/m2 sieht man draußen sein eigenes Spiegelbild öfter als den Bildschirminhalt. Das liegt auch am großen Abstand zwischen Display und Scheibe.

Die Dual-SIM-Funktionen sind eher rudimentär, man kann den verschiedenen Karten nicht einmal eigene Namen zuweisen. Schnelle Datendienste stehen nur über den ersten SIM-Schacht zur Verfügung, der zweite unterstützt ausschließlich GSM. Während eines laufenden Gesprächs ist man auf der anderen „Leitung“ nicht erreichbar.

Motorola Razr i

Motorolas Razr i ist kein Outdoor-Smartphone im klassischen Sinne, sondern lediglich durch die P2i-Beschichtung „wasserfest“. Der Hersteller gibt darauf keine Garantie und so verschonten wir das Gerät beim Wassertest. Das Gehäuse besteht zum großen Teil aus Aluminium, für die Rückseite nutzt Motorola Kevlar, das Display wird von Gorillaglas geschützt – kleinere Stürze sollte es problemlos wegstecken können. Es liegt mit 4,3 Zoll großem Display gut in der Hand und lässt sich problemlos einhändig bedienen.

Die Besonderheit des Android-4-Smartphones steckt im Inneren: Statt eines ARM-Prozessors setzt Motorola Intels x86-Prozessor Atom Z2480 mit 2 GHz Taktfrequenz ein [2]. Der sorgt für gute Werte bei Single-Core-Benchmarks, kann jedoch trotz Multithreading mit schnellen Mehrkern-Prozessoren nicht mithalten. So sind immer wieder kleine Ruckler zu spüren.

Panasonic Eluga

Panasonic wollte endlich wieder im Handy-Markt mitmischen. Dabei herausgekommen ist das gelungene Eluga: ein schlankes, elegantes und wasserdichtes Dual-Core-Smartphone. Seine Rückseite besteht aus einer gebogenen Aluminiumplatte, die man nicht öffnen kann. Die Vorderseite wirkt wie ein schwarzer Spiegel, denn die Display-Ränder sind im ausgeschalteten Zustand nicht erkennbar. Die Tasten für die Display-Sperre und die Lautstärke liegen äußerst ungünstig auf der abgerundeten Seite des Gehäuses, sodass man regelmäßig beim Drücken abrutscht und die zweite Hand das Handy währenddessen halten muss. Die drei typischen Android-Tasten sind Sensorfelder unter dem Display.

Das AMOLED-Display strahlt vor Farben und Schwarz ist auch wirklich schwarz. Nachteil der Technik sind bunt ausgefranste Buchstabenkanten, die aber nur bei sehr naher Betrachtung auffallen. Ansonsten ist die Darstellung scharf. Bei der Helligkeit liegt das Eluga im Mittelfeld und kann einige cd/m2 mit dem hohen Kontrast wettmachen.

Der Akku hat nur eine geringe Kapazität, und so fallen die Laufzeiten kurz aus – das stört unterwegs besonders. Um sie zu verlängern, hat Panasonic die Stromspar-App eco mode installiert. Je nachdem, wie voll der Akku ist, kann sie Funktionen wie GPS und automatische Synchronisation abstellen und die Display-Beleuchtung dimmen. Wie weit der Akku dafür entleert sein muss, legt man selbst fest. Per Widget zeigt sie den Batteriestatus auf dem Startbildschirm an. Zeigt das AMOLED-Display weiße Flächen – wie auf vielen Webseiten –, verbraucht es besonders viel Strom. So fallen die Laufzeiten bei unseren WLAN-Messungen besonders kurz aus. Da Panasonic keine Smartphones mehr in Deutschland anbieten will, wird das Eluga voraussichtlich nur noch begrenzte Zeit hierzulande erhältlich sein.

Simvalley SPT-800

Olivgrün oder knallgelb, mit dicken Gummilippen und festen Abdeckungen für die USB-Buchse: Das Simvalley SPT-800 spielt optisch in einer Liga mit den CAT- und Utano-Geräten. Das Gehäuse ist jedoch nicht wasserdicht, sondern nur spritz- und strahlwassergeschützt (IP56). Wir sahen zwei Serien des Modells: Während der Akkudeckel unseres ersten Testgeräts nur von einem popeligen Plastikschieber in Position gehalten wurde, kam das zweite Gerät mit einem verschraubten Metalldeckel – der hielt im Gegensatz zur Plastikversion auch bei den Fallversuchen den Akku in Position, erhöht das Gewicht aber um 30 Gramm. Spritzwasser konnte dem Gerät ebenso wenig anhaben wie heftige Stürze oder das Überfahren mit einem Auto, ein Bad in unserem Redaktionspool nahm es uns erwartungsgemäß übel – das darf es auch, es ist nicht als wasserdicht ausgewiesen.

Die Dual-SIM-Funktionen liegen auf dem Niveau des Alcatel-Gerätes, auch beim SPT-800 kann man Kontakte einer bestimmten SIM-Karte zuweisen oder die 3G-Funktion zwischen den Karten wechseln – nur ein SIM-Slot ist 3G-fähig. Die Fotos und Videos der Kamera sind kaum zu gebrauchen. Für Apps stehen nur knapp 150 MByte interner Speicher zur Verfügung, die MicroSD-Karte darf bis zu 64 GByte groß sein.

Eine weitere Besonderheit ist die Notruffunktion, Garantruf genannt. Drückt man den Notrufknopf an der rechten Gehäuseseite, erschallt eine laute Gefahrenmeldung für die Umgebung; das Gerät sendet zudem eine Notfall-SMS an bis zu fünf Rufnummern, schaltet danach auf automatische Rufannahme und aktiviert die Freisprechfunktion. Geht innerhalb von fünf Minuten kein Anruf ein, ruft es die konfigurierte Notrufnummer an, im Normalfall die europaweit gültige 112.

Zur Outdoor-Ausstattung gehören zudem eine helle Taschenlampe mit drei LEDs und die Software Outdoor Navigation Pro.

Sony Xperia go

Hard- und Software des Sony Xperia go ist auf dem aktuellen Stand: Es hat einen flotten Dual-Core-Prozessor und Android 4.0.4 – und damit genug Performance, um es als vollwertiges Smartphone benutzen zu können. Beim Scrollen und Zoomen auf Webseiten und Landkarten sieht man nur selten Ruckler. Die Display-Diagonale von 3,5 Zoll reicht noch, um komfortabel zu surfen und zu navigieren. Wegen der geringen Bildschirmauflösung sieht Schrift allerdings unscharf aus. Beeindruckend ist die mit Abstand höchste Helligkeit im Test; selbst bei Sonnenschein bleibt die Darstellung erkennbar. Insgesamt stehen 6 GByte (erweiterbarer) Flash-Speicher zur Verfügung – 2 GByte für Apps, 4 GByte für Medien.

Das Xperia go ist flach, kompakt und schick, zudem mit 108 Gramm auffällig leicht. Zwar ist die Display-Scheibe kratzfest, für das Plastik-Gehäuse gilt das aber nicht. Die Outdoor-Fähigkeiten beschränken sich darauf, dass das Smartphone wasser- und staubdicht nach IP67 ist. Kartenschächte, USB- und Kopfhöreranschluss sind mit unauffälligen Stöpseln gesichert. Hinter den Rückendeckel kann zwar Wasser vordringen, dahinter ist aber alles versiegelt. Den Akku kann man deswegen nicht selbst austauschen.

Trotz Anpassungen der Bedienoberfläche behält der Hersteller den dunklen Stil von Android 4 bei. Zusätzliche Widgets zeigen, was die Kontakte in den sozialen Netzwerken treiben, wer zuletzt angerufen hat und welche Apps und Medien einem gefallen könnten. Die Walkman-App kann nicht viel mehr als der bei Android mitgelieferte Musik-Spieler.

takwak tw700

Das Outdoor-Gerät takwak tw700 spielt in einer eigenen Liga: Der Hersteller bewirbt es weniger als Smartphone, sondern mehr als Outdoor-Navigationssystem mit Smartphone-Fähigkeiten. Es ist nicht nur wasser- und staubdicht, sondern auch stoßgeschützt – die vordere Kante ist mit Aluminium ummantelt.

Ungewöhnlich sind die ausklappbare Antenne und der zugehörige Knopf an der rechten Seite. Sie dienen zur direkten Verbindung mit günstigen Handfunkgeräten im 466-MHz-Band. Damit kann man sich etwa bei mangelhafter Mobilfunkversorgung über bis zu 5 km Entfernung unterhalten. Walkie-Talkie-typisch kann immer nur ein Gesprächsteilnehmer reden. Die zugehörige App läuft im Hintergrund.

Das tw700 kommt mit der völlig veralteten Android-Version 2.2.3. Googles App-Sammlung mitsamt Play Store ist auf dem Gerät nicht verfügbar. Als Alternative steht der Store von AndroidPit bereit, der jedoch nicht so gut gefüllt ist. Beim Test klappte die Installation einiger Apps nicht, obwohl sie mit der Version 2.2 kompatibel sein sollten.

Für die wichtigsten Outdoor-Aktivitäten hat takwak vorgesorgt, die zentrale App des Gerätes nennt sich twOutdoor. Hier plant man seine Routen, zeichnet Tracks auf und verwaltet die Karten. Sie arbeitet mit OSM- oder topologischen Karten – eine topologische Kachel in der Größe von etwa 70 × 100 Kilometern kann man kostenlos vom takwak-Server laden, weitere sind zum Preis von jeweils 4 Euro erhältlich. Bei der Software handelt es sich um eine angepasste Version von MagicMaps Scout für Android. Nutzen mehrere Mitglieder einer Wandergruppe ein tw700, so lassen sich diese zu einer Gruppe zusammenfassen. Die Navi-App zeigt die Positionen der anderen Geräte auf der Karte an, dazu ist eine Datenverbindung notwendig. Auf den Kompass sollte man sich nicht verlassen: Norden lag bei unserem Testgerät gelegentlich auf der Südhalbkugel.

Im Alltag fällt auf, dass das tw700 für kräftige Hände gebaut ist. Nicht nur die Tasten muss man kräftig drücken, auch das Display verlangt etwas Kraft – anders als andere aktuelle Smartphones hat das takwak kein kapazitives Display, sondern ein resistives. Multitouch-Bedienung ist damit nicht möglich, aber es erkennt zuverlässig Eingaben mit Handschuh. In der Sonne ist es recht gut ablesbar. Beim Scrollen durch die Menüs nutzt man besser den Fingernagel, anderenfalls ruft man gelegentlich versehentlich einen falschen Eintrag auf.

Auch beim Fotografieren vermiest das resistive Display den Spaß: Durch den notwendigen festen Druck auf den Auslöser verwackeln die Fotos regelmäßig. Einen Kopfhöreranschluss hat takwak eingespart. Ebenso einen schnellen Netzzugang, es ist nur EDGE vorhanden – aber UMTS gibt’s in der Pampa sowieso nicht.

Ruckler und Verzögerungen beim App-Start sind auf den langsamen Prozessor zurückzuführen. Beim Test fiel uns eine geringe Standby-Zeit auf, nach einer Nacht im Leerlauf war der Akku leer. Der Hersteller verspricht mit einem Update Abhilfe. Vielleicht beschleunigt er damit auch den GPS-Empfänger – bei unseren Tests brauchte das Gerät mehrere Minuten, um eine Position zu finden.

Unsere Härtetests überstand das Gerät auf den ersten Blick unbeschadet: Im Akkufach war zwar etwas Wasser eingedrungen, das Telefon ließ sich jedoch einwandfrei bedienen. Das Überfahren mit einem Auto führte zu einigen Kratzern im Alu-Rahmen. Einige Stunden später hatte das eingedrungene Wasser doch noch Schaden angerichtet; das Display reagierte auch nach langer Trockenphase nur noch sporadisch auf Eingaben.

Utano Barrier T180

Die Verwandtschaft ist zwar nicht auf den ersten Blick ersichtlich, aber das Utano-Smartphone ist praktisch baugleich mit dem CAT B10. Rahmen und Kanten sind größtenteils mit Gummi überzogen, und wo keine Stoßstangen angebracht sind, leuchtet orangenes Plastik. Es ist ebenfalls schwer und klobig, sein Gehäuse aber abgerundeter. Anschlüsse und Öffnungen sind ebenfalls mit Dichtungen verschlossen und den Rückendeckel schraubt man mit zwei filigranen Schrauben zu.

Elektronik und Display sind identisch zum CAT B10, es ist also ebenfalls lahm und veraltet. Das Display ist genauso dunkel und schlecht unter freiem Himmel abzulesen.

Die Fall- und Wassertests absolvierte das Barrier schadenfrei. Als wir es mit einem Auto überrollten, sprang die Scheibe. Allerdings behauptet der Hersteller auch nicht, dass es solchen Druck aushalten soll. Ob es den Test durch Zufall oder wegen baulicher Unterschiede zum CAT B10 nicht überstanden hat, ist nicht nachvollziehbar. So stammen die Display-Abdeckungen angeblich von zwei verschiedenen Zulieferern. Die meisten Extrem-Situationen dürfte das Utano-Phone überleben.

Fazit

Sucht man ein widerstandsfähiges Smartphone, muss man sich zwischen Outdoor-Fähigkeiten und schneller, schicker Hardware entscheiden. Ein sowohl modern ausgestattetes als auch den Elementen trotzendes Smartphone gibt es nicht.

Stattdessen muss man Kompromisse eingehen. Die beste Mischung aus Outdoor- und Smartwelt bieten das Sony Xperia go und das Panasonic Eluga. Beide sind mit Dual-Core-Prozessoren leistungsfähig genug, um Android flüssig zu animieren und alle Apps ruckelfrei laufen zu lassen. Dass man sie ins Wasser werfen kann, garantiert der Hersteller mit der IP-Zertifizierung. Nur herunterfallen dürfen sie nicht. Für preiswerte 190 Euro macht man beim Kauf des Eluga nichts falsch.

Wer maximalen Schutz benötigt, muss sich mit dem CAT B10 oder Utano Barrier T180 anfreunden. Sie sind praktisch unverwüstlich und versagen im Freien nur wegen ihrer geringen Display-Helligkeit. Sie als vollwertiges Smartphone zu verwenden, macht wegen der schlechten Performance keinen Spaß. Möchte man nur telefonieren und SMS schreiben, sollte man lieber zu preiswerteren Einfach-Handys mit IP-Schutz greifen. 30 Euro mehr für das B10 im Vergleich zum Barrier T180 zu zahlen lohnt sich nicht, da die Geräte praktisch baugleich sind.

Eine preiswerte Alternative ist das Simvalley SPT-800 vom Versandhändler Pearl Agency. Es ist zwar nicht gegen Untertauchen, sondern „nur“ gegen Strahlwasser geschützt, überstand aber ebenfalls alle anderen Tests.

Das takwak tw700 ist ein vielseitiges Outdoor-Gadget, mit dem man unter anderem telefonieren kann. Als Smartphone versagt es wegen seines resistiven Displays ohne Multitouch-Erkennung.

Der P2i-Schutz vom Alcatel One Touch 997D Ultra und Motorola Razr i ist nur als Versicherung zu betrachten, die im Falle eines Missgeschicks die Überlebenswahrscheinlichkeit erhöht. Das Razr i zeigt gute Leistung, für die man zahlen muss. Für weit weniger Geld erhält man das langsamere One Touch 997D Ultra mit gutem Preis/Leistungsverhältnis, das aber nicht mit dem des Panasonic Eluga mithalten kann. (hcz)

Literatur
  1. [1] Lutz Labs, Doppelherz, Android-Smartphones mit zwei SIM-Steckplätzen, c’t 24/12, S. 114
  2. [2] Lutz Labs, Antriebswechsel, Android-Smartphone Motorola Razr i mit Intel-Prozessor, c’t 22/12, S. 70
  3. [3] Nico Jurran, McGyvers Lieblinge, GPS-Uhren für Bergsteiger und Outdoor-Sportler, c’t 23/12, S. 70
  4. [4] MIL-Standard 810G: http://www.everyspec.com/MIL-STD/MIL-STD-0800-0899/MIL-STD-810G_12306/
Schutzklassen

IP57, MIL 910F und IEC 60068 – solche kryptischen Bezeichnungen sind häufig auf den Kartons von Outdoor-Geräten zu finden. Sie geben an, gegen welche Umwelteinflüsse die Geräte geschützt sein sollen.

IP steht hier für Ingress Protection (Eindringschutz). Die erste Ziffer kennzeichnet den Staub- und Berührungsschutz, die zweite den Wasserschutz – der bei Smartphones wichtiger ist. Fehlt eine Schutzart, so wird die fehlende Ziffer durch ein X ersetzt (etwa IP5X für Schutz gegen Staub in schädlicher Menge und vollständigem Berührungsschutz, aber kein Schutz gegen das Eindringen von Wasser).

IPX7 enthält nicht automatisch einen Schutz gegen Spritz- oder Strahlwasser, solche Kombinationen erkennt man durch Doppelangaben wie IPX5/IPX7. Die Schutzklassen sind Herstellerangaben, sie müssen nicht von einem externen Prüfinstitut bestätigt werden – wirbt der Hersteller damit, wird man sie als „zugesicherte Eigenschaft“ betrachten können.

Die MIL-Standards stammen vom amerikanischen Militär. Sie gehen weit über die IP-Klassen hinaus und definieren etwa einen Schutz gegen Beschleunigungskräfte, Vibrationen, Stöße und Säuren. Aktuell ist die Version 810G [4]. Die seltene Angabe eines MIL-Standards auf der Verpackung eines zivilen Gerätes bezieht sich nur auf einen sehr kleinen Teil der Spezifikationen und ist zudem in Europa wenig verbreitet. Einige Hersteller von Schutzhüllen bewerben ihre Stoßfänger mit dem MIL-Standard 810F-516; dieser bezieht sich nur auf die Stoßfestigkeit. Angaben über Testverfahren findet man jedoch nicht.

Ein Sonderfall ist die Spezifikation nach IEC 60068-2-32, die takwak für das tw700 angibt. Diese definiert jeweils eine Fallprüfung aus 50 Zentimeter Höhe in sechs verschiedenen Lagen.

Noch ungewöhnlicher ist die Beschichtung, mit der Motorola und Alcatel das schädliche Wasser von ihren Geräten fernhalten möchten. Sie stammt von dem amerikanischen Unternehmen P2i. Es handelt sich dabei um eine wasserabweisende Nano-Beschichtung, die nach der Produktion der Elektronik aufgebracht wird. Die nur wenige 10 Nanometer dicke Schicht soll die Oberflächenspannung von Flüssigkeiten absenken und so Wasser oder Feuchtigkeit abstoßen. Wasserdicht werden die Geräte damit nicht. Die Beschichtung schützt zwar gegen Korrosion, aber nicht gegen einen Kurzschluss an offenen Kontakten (etwa beim Akku).

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