Prozessorgeflüster

Von Urbis et Orbis

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AMD erschließt neue, vielversprechende Geschäftsfelder im Embedded-Bereich und Intel bei der Wafervermarktung. Intel erfindet zudem neue dubiose Power-Angaben und lässt unter Next Generation Xeon schon mal was vom Ivy Bridge EP verlauten.

Auf der Analystenkonferenz Ende 2012 hat AMD-Chef Rory Read schon deutlich gemacht, dass er AMDs Zukunft verstärkt im Embedded-Bereich sieht, den er zügig von 5 auf 25 Prozent Umsatzanteil ausbauen will. Sogenannte semi-custom APUs sollen AMD neue Marktanteile erschließen, Chips, die man nach den Wünschen der Auftraggeber maßschneidert. Mehr Umsatz muss auch her, im letzten Quartal lag er mit 1,16 Milliarden US-Dollar um 32 Prozent unter dem des Vorjahres bei einem Verlust von 473 Millionen Dollar. Zum Vergleich: IT-Schwergewicht IBM legte mit 5,83 Milliarden Dollar Gewinn ein Rekordquartal hin und könnte damit AMD mehr als drei Mal aufkaufen.

Doch es gibt Lichtblicke: Die nächsten Generationen der großen Spielkonsolen Sony Playstation 4 „Orbis“ und Microsoft Xbox 720 „Durango“ sind bestens geeignet, mit solchen semi-custom APUs bestückt zu werden. Bei beiden wird inzwischen der auf der Hotchips 2012 vorgestellte energieeffiziente Jaguar als erste Wahl gehandelt, dessen spezielle Konsolen-Implementierung bei AMD intern unter dem Projektnamen Thebes für PS4-Orbis und Kryptos für Xbox-Durango laufen soll. Für die PS4 ist, so der mehrheitliche Tenor, der früher mal geplante Einsatz des Nachfolgers des aktuellen Bulldozer/Piledriver-Prozessors namens Steamroller inzwischen vom Tisch, obwohl Steamroller sicher etwas mehr Performance eingebracht hätte – aber eben auch mehr Hitze.

Out sind bei den großen Konsolenherstellern offenbar der Prozessorhersteller IBM sowie die Grafikchipfirma Nvidia. Letztere sah sich daher zu der Schutzmaßnahme genötigt, ihre eigene Spielekonsole Shield vorzustellen. Inwieweit Ex-AMDler Nvidia mit internen AMD-Informationen über obige und andere Auftraggeber und laufende Projekte auf die Sprünge geholfen haben, ist jetzt ein Thema des Bezirksgerichtes in Massachusetts. AMD hat dort vier ehemalige Mitarbeiter, die jetzt bei Nvidia beschäftigt sind, verklagt. Sie sollen illegal 100 000 geheime Dokumente mitgenommen haben.

Die Internetspatzen zwitschern sowohl für Urbis – sorry, Durango – als auch für Orbis von acht Jaguar-Kernen mit 1,6 GHz, bei der PS4 hatten andere Vögel vier Steamroller-Kerne mit 3,2 GHz Takt ausgemacht. Bei beiden vermutet man ferner eine Radeon-8000-ähnliche GPU mit 800 MHz, mit 18 (Orbis, 1,84 TFlops) beziehungsweise 12 Compute Units (Durango, 1,23 TFlops). Durango wäre GPU-mäßig demnach etwas schwächer ausgelegt, soll aber zusätzliche Beschleunigerhardware für Audio- und Video-En/Decoding sowie spezielle Data Move Engines ins Spiel bringen.

Beim Speicher wird Orbis mit 4 GByte schnellem DDR5 gesehen, Durango hingegen mit langsamerem DDR3-Speicher, aber dafür gleich mit 8 GByte. Zudem soll hier Embedded SRAM mit 32 MByte Kapazität für zügige Zugriffe sorgen, das im Unterschied zum EDRAM der aktuellen Xbox 360 sowohl an der GPU als auch an der CPU angebunden ist.

Für AMDs Jaguar als direkten Nachfolger des Atom-Konkurrenten Bobcat ist das ein wichtiger neuer Markt, musste man sich doch nolens volens von dem nicht mehr existenten der Netbooks verabschieden. Jaguar baut prinzipiell auf der gleichen Out-of-Order-Architektur des Bobcat auf, besitzt aber mehr Kerne und eine erhebliche Erweiterung im Instruktionssatz (SSE4.1, SSE4.2, AVX, FMA, Popcount, CRC32 …).

SDP: Sehr Dubiose Power

Von AVX ist bei Intels Atom nichts zu sehen, das ist vielmehr die Domäne von Ivy Bridge. Intel versucht jetzt, mit Nämlichem bis hinab in die energiesensiblen Bereiche der Atoms und Jaguars einzudringen und hat auf der CES die besonders sparsamen Y-Versionen mit nur 7 Watt vorgestellt. Nur was sind das für 7 Watt, die PC-Chef Kirk Skaugen unters Volk brachte? – Nein, nicht etwa die Thermal Design Power (TDP), die bislang üblicherweise bei Intel angegeben wurde und die für die Auslegung von Kühlung und Stromversorgung gedacht ist, sondern die sogenannte SDP: Scenario Design Power. Ähnlich wie die einst mal von AMD erfundene ACP (Average CPU Power) soll SDP irgendwie geartete typische Anwendungsfälle (offenbar Touch-Applikationen) charakterisieren – ein Whitepaper dazu gibts noch nicht. Dumm nur, wenn man das einfach mit TDP-Werten anderer Prozessoren vergleicht und mehr noch, wenn, wie bei mir, ausgerechnet der Linpack-Benchmark ein typischer Anwendungsfall ist. Inzwischen findet man in Intels Datenbank ark.intel.com SDP-Angaben auch für andere Prozessoren, nur scheinen die Einträge noch etwas roh zu sein. Da sinkt die Energieaufnahme eines Core 2 Duo E4300 von TDP 61 W auf SDP 12 W, beim Atom Z500 steigt hingegen der Wert von 0,65 W TDP auf 0,96 W SDP. Eine Fülle weiterer Prozessoren ist laut ARK sogar unschlagbar effizient, etwa der Core 2 Duo T2300 mit gerade mal 0 W SDP.

Intel plant jetzt auch neue Einsatzfelder für Silizium-Chips: individuell geprägte Wafer als illustres Geschenk für besondere Anlässe. Im Rahmen einer Feierstunde im Centre for Theoretical Cosmology (CTC) in Cambridge bekam jedenfalls der Astrophysiker Stephen Hawking zu seinem 70. Geburtstag einen 300-mm-Wafer in 32-nm-Technik geschenkt, in den hundert Mal „Happy Birthday Stephen Hawking“ im obersten Kupfer-Layer eingraviert war – okay, mit einem Jahr Verspätung, denn Hawking ist inzwischen 71. Stolz weist Intel auch darauf hin, dass in dem von Hawking gegründeten Kosmologieinstitut ein neuer Supercomputer mit 1856 Intel-Xeon-E5-Kernen und 31 Xeon-Phi-Coprozessoren steht: COSMOS Mk IX, eine SGI UV2000, die es mit ihren 75 TFlops Spitzenleistung zwar nicht in die aktuelle Top500-Liste der Supercomputer geschafft hat, die aber anders als die üblichen Cluster mit einem Single System Image arbeiten kann und so mit 14,5 TByte Hauptspeicher den größten gemeinsamen Speicher innerhalb der europäischen Supercomputerszene aufbietet.

Anderswo hat SGI in Europa allerdings wieder Supercomputerkunden verloren, etwa beim Norddeutschen Verbund für Hoch- und Höchstleistungsrechnen in Berlin und Hannover. Hier hatte man kurz vor Weihnachten angekündigt, für die nächste Generation auf Cray Cascades mit „Next Generation Xeon E5“, also mit Ivy Bridge EP zu wechseln. Letzterer mit dem offiziellen Namen Xeon E5 2600 v2 ist von Intel mit zehn oder gar zwölf Kernen fürs dritte Quartal 2013 geplant und so soll auch der Aufbau des HLRN-III im Herbst beginnen. Im Endausbau etwa ein Jahr später – dafür ist vielleicht auch schon der Haswell-EP (Xeon E5 2600 v3) mit zunächst 14 Kernen im Socket R3 eingeplant – sollen die beiden Rechner des Verbundes 2,6 PFlops Spitzenleistung erzielen. (as)

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