Mehr Pixel, mehr Probleme

Ultrahochauflösende Fernseher: Preise fallen, Inhalte, Anschlüsse und Ausgabegeräte fehlen.

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Nach Full HD ist jetzt Ultra HD angesagt. Fernsehgeräte mit der auch 4K genannten Auflösung von 3840 × 2160 Pixeln zählten zu den Highlights der diesjährigen CES. Die ersten TVs sollen schon bald in den Handel kommen – allerdings mit kleinen Schwächen.

Auf der CES präsentierten alle großen TV-Hersteller hochauflösenden Fernsehgeräte mit 4K-Display in neuen Diagonalen: Die auf der IFA gezeigten 84-Zoll-Boliden werden um kleinere Geräte mit 50 bis 65 Zoll Diagonale und um deutlich größere Schirme ergänzt. Unabhängig von der Größe sind die Preise erstmal noch gesalzen.

So verlangt Samsung für seinen 85-zölligen 4K-Fernseher (2,16 m Bilddiagonale) in Korea 40 Millionen Won, rund 28 000 Euro. Zum Vergleich: Ein 80-zölliges LCD-TV mit Full-HD-Auflösung gibt es ab 4200 Euro. Im Grunde ist die Fertigung der 4K-Panels nicht viel schwieriger als die von Full-HD-Displays. Der Preisaufschlag ist eher den Panel-Herstellern geschuldet, die endlich wieder Geld mit ihren Panels verdienen wollen.

Toshiba gibt sich wohl auch deshalb deutlich moderater: Das Unternehmen will die 58- und 65-Zoll-Modelle (1,47 m und 1,65 m Diagonale) seiner 4K-Fernseher in Japan für rund 100 Euro pro Zoll anbieten. Sony gab zu erkennen, dass sich dies mit den eigenen Preisvorstellungen deckt. In den USA munkelt man dagegen schon von 4K-TVs für nur 50 Dollar pro Zoll.

Das erscheint beinah zu billig um wahr zu sein, doch Fachleute sind sich sicher, dass die Preise schnell fallen werden. So sollen 2014 bereits über 20 Prozent der in Deutschland verkauften Fernseher mit Diagonalen über 50 Zoll die höhere 4K-Auflösung haben.

Den Unterschied zu Full HD erkennt man am 4K-TV nur aus kürzerer Distanz. Für kleine Displaygrößen ist die hohe Auflösung deshalb unbrauchbar, findet Ronald Williams von The Landmark. Erst ab 65 Zoll beziehungsweise 1,65 Metern Bilddiagonale und einem maximalen Sitzabstand von etwa 2,50 Metern brächte die 4K-Auflösung einen echten Gewinn, glaubt der unter anderem für Steven Spielberg tätige Farbspezialist. Der optimale Betrachtungsabstand zum 4K-Display beträgt etwa das 1,5-fache der Bildhöhe, bei aktuellen Full-HD-TVs ist es die dreifache Bildhöhe. Darum muss entweder der Zuschauer näher ans 4K-Gerät heranrücken, oder aber die Diagonale zunehmen. Auf Letzteres setzen die Displayhersteller.

Inhalte Mangelware

Es mangelt derzeit vor allem an Inhalten für die hochauflösenden Displays: Blu-Ray kennt keine höheren Auflösungen als 1920 × 1080 und bei Fernsehen siehts auch mau aus.

Eutelsat Communications hat zwar Anfang Januar einen Ultra-HD-Demokanal in 4K-Auflösung mit 3840 × 2160 Bildpunkten in Betrieb genommen. Doch es ist unklar, welche Inhalte dort in Zukunft gesendet werden sollen. Sony will künftig Filme in 4K-Auflösung auf einer eigenen Distributionsplattform anbieten – online statt per Satellit. Ab Sommer soll in den USA gestreamt werden; ob und wann der Service nach Deutschland kommt, ist offen.

Sky hat am 1. Dezember den Bundesliga-Kracher Bayern gegen Dortmund in 4K aufgezeichnet. Laut Stefan Heimbecher, Entwicklungsleiter bei Sky Deutschland, war das aber lediglich ein Testlauf. Er sollte zeigen, welche Schwierigkeiten die 4K-Aufzeichnung aufwerfen könnte. Ergebnis: Die Fokussierung und schnelle Kamerabewegungen bereiten Probleme. Die riesigen Datenmengen erfordern zudem eine Menge neue Hard- und Software. So musste ein „Speicherbeauftragter“ während des Spiels fortlaufend SR-Speicherkarten von der Kamera zur Sicherung zu einem Thunderbolt-Raid und zurück zum Kameramann tragen – 24 Aufnahmeminuten mit 50 fps belegen etwa 1 TByte. Dennoch sei der Wechsel von HD zu 4K weit weniger dramatisch als der von SD zu HD, erklärte der Entwicklungschef.

Das Spiel wurde in 4K-Auflösung aus drei unterschiedlichen Positionen mitgeschnitten – und mit 16 Kameras in HD sowie in 3D. Offiziell datiert Sky den Start der 4K-Übertragung in Deutschland auf das Jahr 2015. Heimbecher hält das für sehr optimistisch.

So fehlen unter anderem Spezifikationen für 4K bei den Schnittstellen. Ohne eine Standardisierung lasse sich aber weder auf der Hardware-Seite noch bei der Software sinnvoll arbeiten, da ohne sie regelmäßig Übergabeprobleme aufträten, erläuterte Heimbecher. Schon deshalb sei nicht vor 2015 mit der Ausstrahlung von 4K-Inhalten und mit Ultra-HD-Receivern zu rechnen. Möglicherweise wird 4K dann zunächst per IP-TV gesendet und erst später über Satellit ausgestrahlt, mutmaßte Heimbecher. Das sei aber „reine Kristallkugel“, betonte er.

Auch wenn Sky nach dem HD-Desaster – in vielen Ländern wurde bereits in HD gesendet, nur hierzulande nicht – diesmal ganz vorn dabei sein möchte: Bis regelmäßig live in der hohen Auflösung aufgezeichnet wird, dauert es nach Einschätzung Heimbechers noch länger. Das hätten auch die Probeaufnahmen beim Fußballspiel gezeigt.

So gibt es zum Beispiel noch keine echte Broadcast-Kamera mit 4K-Auflösung, weshalb das Sky-TV-Team zur Sony F56 greifen musste. Die zählt zu den wenigen hochauflösenden Filmkameras weltweit – wobei die Kameras unterschiedliche Pixelzahlen haben. Die F65 löst mit 4096 × 2160 auf, Canons C500 hat wie die Fernsehgeräte 3840 × 2160 Pixel und die Red von Epic zeichnet mit 5120 × 2700 Pixeln noch feiner auf. Alle drei Kameras werden auch für HD-Produktionen eingesetzt. Das Skalieren auf die geringere Auflösung ergibt laut Ronald Williams sauberere Bilder als Direkt-Aufnahmen mit einer Full-HD-Kamera.

Umgekehrt skalieren die TV-Geräte-Hersteller wegen der mauen Inhalte-Versorgung die HD-Inhalte in ihren Fernsehern auf 4K hoch. Sie machen um die Umrechnung ordentlich Wirbel, im Grunde ähnelt diese jedoch der Zwischenbildberechnung zur Bewegtbild-Optimierung. Die Bildqualität von Full-HD-Signalen auf 4K-Displays sei ohnehin deutlich besser als die von Standard-PAL auf Full-HD-TVs, erklärte Stephan Heimbecher. Während PAL-Signale auf Full-HD-Fernsehern pixelig wirken, muss man an die 4K-TVs schon recht nah herantreten und genau hinschauen, um den Unterschied zwischen hochgerechnetem und echtem 4K-Material zu bemerken. Der Wechsel von PAL zu Full HD umfasste allerdings nicht nur die Auflösung, sondern auch den Wechsel von analog nach digital, von 4:3 auf 16:9 und vom Röhrenfernseher zum digitalen Flachbildschirm – und war damit ein deutlich größerer Schritt als der von Full HD zu 4K.

Gretchenfrage 60 Hz

Auf der Ausgabeseite, also bei den Fernsehgeräten, gibt es ebenfalls noch Hürden zu überwinden. So kann man die 4K-Bilder über den in der Unterhaltungselektronik üblichen HDMI-Anschluss lediglich mit 30 Bildern pro Sekunde übermitteln. Erst mit HMDI 2.0 wird eine zeitgemäße Datenübertragung mit 50 beziehungsweise 60 Hz möglich sein. Doch die für HDMI zuständige Organisation hatte kurz vor der CES eine größere Veranstaltung abgesagt – man ist offenbar noch nicht so weit mit dem neuen Stecker.

Das hat direkte Folgen für diejenigen, die sich demnächst einen hochauflösenden Fernseher zulegen: Die Geräte könnten ganz schnell veraltet sein, weil sie lediglich HDMI 1.4 mit nur 30 fps unterstützen. Wir haben einige TV-Hersteller zu diesem HDMI-Problem befragt.

Sony konnte noch nicht sagen, welche HDMI-Version in den neu vorgestellten 4K-Fernsehern mit 55- und 65-Zoll-Diagonale (1,40 m und 1,65 m) stecken wird: Die Geräte kommen erst im Sommer auf den Markt und könnten dann bereits mit dem neuen HDMI-2.0-Anschluss ausgestattet sein. Über den schon auf der IFA gezeigten und im Handel erhältlichen 84-Zöller (2,13 m Diagonale) wollte sich Sony nicht äußern – er dürfte HDMI 1.4 nutzen. Der in Las Vegas präsentierte 4K-OLED-Fernseher ist ein reiner Prototyp, weshalb man sich bei ihm keine Gedanken über die mögliche HDMI-Version machen muss.

LG hatte in Berlin wie Sony ein 84-Zoll-Modell gezeigt und seine Produktpalette zur CES um 4K-Fernseher in 55 und 65 Zoll ergänzt. Toshiba zeigte auf der CES 2013 die neue Version seines 84"-4K-Fernsehers, jetzt mit HDMI-1.4-Anschluss – auf der IFA konnte dieser wie offenbar alle anderen in Berlin gezeigten 4K-TVs keine 4K-Bewegtbilder per HDMI entgegennehmen. Der 84-Zöller wird wie die beiden in Las Vegas vorgestellten 58- und 65-Zoll-Modelle voraussichtlich ab Juni in den Handel kommen. Wie es bei LG und Toshiba um HDMI 2.0 respektive 60 fps steht, haben uns die Unternehmen bis zur Drucklegung nicht gesagt. Es steht aber zu vermuten, dass es sich ähnlich wie bei Sony verhält.

Samsung ist dagegen fein raus: Die Schultafel-ähnlichen 4K-Displays mit Diagonalen von 85 und 110 Zoll (2,16 m und 2,80 m) werden über eine externe Anschlussbox angesteuert. Sie ist über ein optisches Kabel mit dem eigentlichen Display verbunden und bereitet sämtliche Eingangssignale – von HDMI, von analogen Quellen, den DVB-Strom und Daten aus dem LAN – mundgerecht für den digitalen 4K-Schirm auf. Wenn HDMI 2.0 erscheint, können Nutzer einfach die vergleichsweise preiswerte Anschlussbox auswechseln und sich weiter an ihren teuren 4K-Displays erfreuen. Intern arbeiten die LC-Displays ohnehin mit 50 beziehungsweise 60 Hz, Flaschenhals ist der HDMI-Anschluss.

Am PC ist die Übermittlung von 4K-Inhalten deshalb kein Problem: Der in der IT verwendete DisplayPort bewältigt die große Datenmenge sicher. Doch dass die Industrie deshalb beim Fernsehgerät von HDMI auf DisplayPort wechselt, steht wohl nicht zur Debatte. Denn dann wäre das Elektronikequipment in den Wohnzimmern – nicht nur die Hand voll neuer 4K-Fernseher – quasi über Nacht hinfällig. Dafür will die Branche sicher nicht geradestehen. (uk)

Auflösungswirrwarr

Für die 4K-Auflösung kursieren die unterschiedlichsten Bezeichnungen und Pixelzahlen. Bei Fernsehgeräten sind 3840 × 2160 Pixel die Norm. Diese Auflösung wurde von der internationalen Telekommunikationsunion ITU offiziell Ultra High Definition (UHD) getauft. Nicht alle TV-Hersteller folgen deren Vorgaben und bleiben stattdessen bei 4K oder nutzen wie die CEA (Consumer Electronic Association) das verkürzte Ultra HD. Da die ITU auch die 8K-Auflösung mit 7680 × 4320 Pixeln als UHD bezeichnet, unterscheidet die SMPTE zwischen UHDTV1 und UHDTV2, die EBU zwischen UHD-1 und UHD-2.

4K fürs Kino meint traditionell 4096 × 2160 Pixel, dieselbe Pixelzahl nennt AMD für seine aktuellen FirePro-Grafikkarten, während Nvidia es bei den Quadro-Profikarten bei 3840 × 2160 Pixeln belässt. Im PC-Bereich wird 4K zuweilen auch als Quad Full HD bezeichnet – was folgerichtig ist, denn hier sind es wie im TV viermal so viele Pixel gegenüber der Full-HD-Auflösung.

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