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Firefox OS erhält breite Unterstützung

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Firefox OS ist marktreif, die ersten Smartphones mit Mozillas Mobil-Betriebssystem ebenso, der App-Market füllt sich. Mobilfunkunternehmen aus der ganzen Welt wollen schon im Sommer die ersten Geräte vertreiben. Kurzum: Firefox OS hat das Zeug zu einer ernstzunehmenden Alternative zu Android und iOS.

Bereits 18 Mobilfunkunternehmen haben beim Mobile World Congress angekündigt, Firefox OS zu unterstützen. Mit der Deutschen Telekom und dem spanischen Mobilfunkunternehmen Telefónica stehen zwei der größten europäischen Netzbetreiber hinter dem Open-Source-Betriebssystem. Darüber hinaus sind Sprint aus den USA, Lateinamerikas größter Netzbetreiber America Movil und China Unicom mit an Bord.

Ab Sommer 2013 wird man die ersten Smartphones unter anderem in Brasilien, Kolumbien, Ungarn, Mexiko, Montenegro, Serbien, Spanien und Venezuela kaufen können. Die Telekom will ab Mitte des Jahres in Polen das erste Firefox-Smartphone in Europa auf den Markt bringen. Derzeit plant die Telekom aber nicht, das Gerät nach Deutschland zu bringen. Offenbar sind für die Netzbetreiber zunächst Schwellenländer und kleinere Märkte interessanter.

Das hat auch damit zu tun, dass Firefox OS sehr niedrige Ansprüche an die Hardware stellt und sich mit entsprechend günstigen Geräten vertreiben lässt. Firefox OS laufe auch auf Geräten flüssig, die für Android nicht in Frage kämen, betonte Andreas Gal, Vice President für Mobile Engineering bei Mozilla.

Einsteiger-Hardware

Im Alcatel One Touch Fire zum Beispiel – das die Telekom in Polen vertreiben wird – arbeitet eine Einkern-CPU von Qualcomm mit einem Gigahertz. Es hat nur 256 MByte RAM und 512 MByte internen Speicher. Der Nutzer kann davon etwa 180 MByte benutzen, über den MicroSD-Slot lässt sich der Speicher erweitern. Das One Touch Fire hat ein 3,5-Zoll-HVGA-Display (480 × 320 Pixel) und eine 3,2-Megapixel-Kamera.

Video: Firefox OS auf dem ZTE Open

Das ZTE Open hat die gleichen technischen Daten, ließ sich aber bei einem kurzen Hands-on noch flüssiger bedienen, egal ob es darum ging, zwischen mehreren Seiten in der App-Bibliothek hin- und herzuwischen oder eine Anwendung zu starten.

Huawei und LG haben ebenfalls ihre Unterstützung für Firefox OS angekündigt, aber noch keine Geräte gezeigt. Sony hat ein experimentelles ROM für das Xperia E bereitgestellt, mit dem Entwickler erste Gehversuche mit Firefox OS machen können. Fertige Geräte sollen 2014 folgen.

An Entwickler richten sich auch die Geräte des spanischen Herstellers Geeksphone, die in den nächsten Wochen in dessen Webshop zu kaufen sein werden. Das Geeksphone Peak etwa mit einer 1,2 Gigahertz getakteten Dual-Core-CPU, einem 4,3-Zoll-Display mit QHD-Auflösung (540 × 960 Pixel), einer 8-Megapixel-Kamera, 512 MByte RAM und 4 GByte Flash soll ungefähr 200 Euro kosten.

Die Geeksphones sollen ohne PC-Unterstützung die tagesaktuellen Nightly Builds von Mozilla herunterladen können. Der Entwickler erhält so das „pure“ Firefox OS statt eine von den Mobilfunkunternehmen angepasste Version mit eigenem App-Shop, vorinstallierten Anwendungen und möglicherweise Einschränkungen.

Beim Firefox Marketplace, dem App-Markplatz, konnte Mozilla ebenfalls viele Mitstreiter vermelden: Airbnb, Box.net, Disney Mobile Games, EA games, Facebook, Nokia, Pulse News, SoundCloud und Twitter.

Der Firefox OS Marketplace bietet eine offene Plattform für Anwendungen, die auf Standards wie HTML5 und JavaScript aufsetzen. Jeder, der bereits Web-Anwendungen entwickelt, kann diese mit wenig Aufwand für Firefox-OS-Geräte anpassen – und erhält dabei über Mozillas Programmierschnittstellen Zugriff auf die Fähigkeiten des Smartphones, also etwa auf den Beschleunigungssensor oder GPS-Daten. Mozilla hat in den letzten Monaten eine Reihe von Entwickler-Treffen veranstaltet, die Programmierer und Unternehmen für Firefox OS begeistern sollten.

Offen – für die Carrier

Firefox OS kann im von Android und iOS kontrollierten Smartphone-Markt für mehr Wettbewerb bei Betriebssystemen und App-Stores sorgen. „Das ist ein kaputtes Modell, das geändert werden muss“, beschrieb Mozilla-CEO Gary Kovacz das Duopol aus Apple und Google. „Wir wollen das Spiel öffnen.”

Geöffnet wird das Spiel allerdings weniger für die Käufer, sondern vor allem für die Carrier. Bei Android und iOS gehen die Geldströme an den Providern vorbei. Zudem verursachen beliebte Apps wie WhatsApp oder Facebook Umsatzeinbußen in traditionellen Geschäftsfeldern der Mobilfunker wie SMS. Mobilfunkunternehmen werden so mehr und mehr zu reinen Zugangs-Providern – ein stark umkämpftes Geschäftsfeld, auf dem sich wenig Geld verdienen lässt.

Mit Firefox OS erhalten Mobilfunkunternehmen einen Market unter eigener Regie und damit wieder mehr Einfluss darauf, welche Anwendungen den Kunden zur Verfügung stehen. Und da sie die Bezahlung von kostenpflichtigen Apps und Inhalten abwickeln, verdienen sie mit.

Neben Firefox OS wurden mit Ubuntu für Smartphones und Sailfish OS zwei weitere Open-Source-Betriebssysteme für Smartphones präsentiert – wenngleich mit wesentlich weniger Unterstützung von Providern und Herstellern. Canonical hatte die Entwickler-Vorabversion von Ubuntu für Smartphones bereits im Vorfeld des MWC zur Installation auf ausgewählten Nexus-Geräten bereitgestellt (siehe auch S. 74).

Sailfish OS stammt ursprünglich von Nokias MeeGo ab. Das finnische Start-up Jolla will noch im zweiten Quartal 2013 die ersten Geräte mit Sailfish OS ausliefern. Von Samsungs und Intels Tizen war auf dem MWC dagegen noch nichts zu sehen. (jo)

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  2. Offen – für die Carrier
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