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Tipps für mehr WLAN-Geschwindigkeit

Praxis & Tipps | Praxis

Neben dem Router im Arbeitszimmer ist die Welt in Ordnung: Windows-Updates rauschen mit den vom Provider gelieferten 50 MBit/s übers WLAN auf die Notebook-Platte. Doch im Wohnzimmer tröpfeln sie mit einem Zehntel der Geschwindigkeit dahin. Oft wird aber schon mit wenigen, kostenlosen Handgriffen aus dem Datenrinnsal wieder ein Bach, mit etwas zusätzlicher Hardware sogar ein Strom.

WLAN wurde ursprünglich als drahtlose Erweiterung eines vorhandenen Ethernet-Kabelnetzwerks (LAN) für das Unternehmensumfeld entwickelt. Weil man sich damit das lästige Kabelziehen ersparen kann, hat es in vielen kleinen Netzen inzwischen die Hauptrolle übernommen.

Erste Wahl zum Vernetzen ist WLAN aber trotzdem nicht, denn selbst die schnellste heute erhältliche Funktechnik nach dem IEEE-Standard 802.11ac schafft auf Anwendungsebene über Distanz typischerweise 250 MBit/s [1]. Über ein LAN-Kabel geht mit Gigabit-Ethernet dagegen das Vierfache. Das Kabel bleibt deshalb nach wie vor das ideale Medium, wenn Sie häufig große Backups aufs NAS machen oder Videos übers LAN bearbeiten. Und mit 10GBaseT kommt bei Firmennetzwerken schon eine Technik zum Einsatz, die den Durchsatz im Kabel nochmals verzehnfacht. Bis allerdings erschwingliche 10GBaseT-Switches und Adapter für kleine Netze erscheinen, dürfte es noch einige Zeit dauern.

Das WLAN in Ihrem Internet-Verteiler (DSL- oder Breitband-Router) wird sehr wahrscheinlich deutlich langsamer funken (siehe Tabelle „Vernetzungstechniken“). Das genügt auch, solange Sie darüber vorwiegend zum Surfen, Mailen oder Chatten ins Internet gehen, denn diese Anwendungen kommen mit wenig Geschwindigkeit aus (siehe Tabelle „Typische Datenraten“ auf Seite 88). Aber schon Videostreaming in Standardauflösung klappt oft nicht störungsfrei, von HD- oder gar Ultra-HD-Videos ganz zu schweigen.

Und können Sie mit dem Notebook den schnellen Internet-Anschluss am bevorzugten Aufenthaltsort nicht mal zur Hälfte ausreizen, ist der Ärger verständlich und der Wunsch nach Beschleunigung naheliegend. Der lässt sich beim WLAN schon durch das Verbessern des Signals erfüllen.

Allein mit Verlagern um einige 10 Zentimeter oder Drehen von Router und Client kann sich der Durchsatz schon verdoppeln – oder halbieren. Hilft das nichts, müssen die Kommunikationspartner näher zusammenrücken, damit die unvermeidliche Streckendämpfung kleiner wird.

Apropos Dämpfung: WLAN hat bei 5 GHz zwar prinzipiell eine geringere Reichweite als bei 2,4 GHz. Trotzdem kann 5-GHz-WLAN besser funktionieren, weil das alternative 2,4-GHz-Band in Städten schlichtweg überlaufen ist. Denn Funk ist ein „Shared Medium“, das sich alle auf demselben Kanal arbeitenden Geräte teilen müssen, die zueinander in Funkreichweite liegen. So beeinträchtigen die WLANs der lieben Nachbarn unweigerlich den Verkehr im eigenen Netz. Auf 5 GHz können sie sich wegen mehr verfügbarer Kanäle aber besser ausweichen. Weitere Tipps zu Positionierung, Kanalwahl und Umgebungseinflüssen finden Sie in zwei c’t-Artikeln aus dem vergangenen Jahr [2, 3].

Lässt sich der WLAN-Router nicht näher an den Client bringen, bleibt nur der Griff zu weiterer Hardware. Welche sinnvoll ist und wie man sie einsetzt, klären wir hier und in den folgenden Beiträgen.

Antiquitäten entsorgen

Sollten Sie noch einen Router mit veraltetem WLAN nach IEEE 802.11g einsetzen, das maximal 54 MBit/s schafft, dann reicht vielleicht schon der Austausch gegen ein aktuelles Modell mit 300 oder 450 MBit/s. Dafür müssen aber die Clients mitziehen können: Schafft das Notebook bestenfalls 300 MBit/s nach IEEE 802.11n im 2,4-GHz-Band, können Sie sich den Griff zu einem 450er-Router sparen. Ein 11ac-Modell wäre dabei sogar rausgeschmissenes Geld, denn 11ac arbeitet auf einer anderen Frequenz (5 GHz), sodass das Notebook dazu gar keine Verbindung bekommt.

Falls Sie dualbandfähige WLAN-Geräte besitzen, kann die Investition in einen Simultan-Dualband-Router lohnen, der mit zwei Funkmodulen parallel auf 2,4 und 5 GHz arbeitet. Denn damit können Sie den Datenverkehr auf zwei Bänder verteilen, sodass im Schnitt für jedes Gerät mehr Bandbreite zur Verfügung steht. Außerdem lassen sich die extrabreiten Funkkanäle der neueren WLAN-Techniken im 5-GHz-Band leichter unterbringen, sodass Sie dort die Maximaldatenraten von 300, 450, 867 oder 1333 MBit/s überhaupt erst ausreizen können.

Der schnelle Griff geht zum WLAN-Repeater aus dem Elektronikmarktregal, doch er geht in der Regel daneben. Denn herkömmliche Repeater sorgen zwar für Funkabdeckung in bisher unversorgten Ecken der Wohnung, garantieren aber keinen hohen Durchsatz. Erst jüngst erschienene Modelle schaffen hohe Datenraten (siehe Seite 96), setzen für optimalen Betrieb aber einen Simultan-Dualband-Router voraus.

Netz ausbauen

Sinnvoller ist es in den meisten Fällen, eine zusätzliche WLAN-Basis (Access Point, AP) nah am bevorzugten Aufenthaltsort zu positionieren und sie über Kabel mit dem Router zu verbinden. Meiden Sie dabei Dualband-APs, die auf 5 GHz nur die Kanäle 36 bis 48 nutzen, was wir seit Längerem bei jedem Test von WLAN-Geräten überprüfen und in der Ergebnistabelle verzeichnen. Solche Sparmodelle lassen 15 von 19 möglichen Kanälen brachliegen. Damit droht im 5-GHz-Band die gleiche drangvolle Enge, wie sie bei 2,4 GHz jetzt schon herrscht. Insbesondere 11ac-Netze belegen mit ihrem extrabreiten 80-MHz-Signal gleich einen kompletten Block von vier Kanälen.

Wenn aber am Aufstellungsort der neuen Basis kein Netzwerkkabel liegt, das zum Router führt, brauchen Sie eine Alternative. Hier bieten sich andere Kabelsysteme als Brückenmedium an: Das Stromnetz ist in jedem Zimmer mehrfach vorhanden. Daneben gibt es oft eine TV-Kabel-Verteilung. Selbst eine dünne Telefonleitung ist dem Repeater überlegen und reicht meistens weiter. Mit passenden Adaptern kann man auch über solche Wege Datenvernetzung betreiben. Wie das geht und was es bringt, schildern wir auf den folgenden Seiten. (ea)

Literatur
  1. [1] Ernst Ahlers, Gigabit-Funker, Router der nächsten WLAN-Generation auf dem Weg zum Ethernet-Tempo, c’t 19/12, S. 86
  2. [2] Ernst Ahlers, Dušan Živadinović, Funk-Vorbereitung, Handreichungen für optimalen WLAN-Betrieb, c’t 4/12, S. 100
  3. [3] Dǔsan Živadinovíc, Gehüpft und gesprungen, Wie die Umgebung den WLAN-Empfang beeinflusst, c’t 4/12, S. 104

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