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c’t-Steam-Box – Spielkonsolen-PC selbst gebaut

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Klein, leise, effizient und günstig: So stellt sich Valve die kommende Steam Box vor, mit der PC-Spiele auf großen Fernsehern laufen und sich kinderleicht vom Sofa aus per Gamepad bedienen lassen. Mit den richtigen Komponenten lässt sich schon jetzt ein solcher Konsolen-PC zusammenbauen.

Die Gräben zwischen PC- und Konsolenspielern sind noch immer tief. Während die einen die Leistungsfähigkeit und Flexibilität ihres Systems beschwören, loben die anderen die einfachere Bedienung und höhere Funktionalität. Viele Konsolenspiele zeigen zwar nicht ganz so viele Details und Effekte wie ihre PC-Pendants, laufen dafür aber flüssig und bereiten keine Probleme mit Bugs oder inkompatibler Hardware.

Valve Software hat sich mit seinem Online-Vertrieb Steam nun aufgemacht, diese Gräben zuzuschütten. Von Anfang an sollte Steam Spielern nicht nur Software verkaufen, sondern auch die lästige Suche nach Patches abnehmen und Spiele automatisch auf dem neuesten Stand halten. Seit Kurzem ist nun auch eine neue Bedienoberfläche namens Big Picture hinzugekommen, die eine einfache Navigation per Gamepad erlaubt, wie man sie von Konsolen gewohnt ist. Mit ihr soll ein Spiele-PC wohnzimmertauglich werden.

Der hat schon heute Zugriff auf ein riesiges Angebot: Etwa 1800 Spiele sind derzeit im Download-Shop von Steam für Windows-PCs verfügbar. Rund ein Viertel davon lässt sich auch bequem von der Couch mit dem Gamepad bedienen – Tendenz steigend. Valve unterteilt die Titel in Spiele mit „voller Gamepad-Unterstützung“ und „teilweiser Gamepad-Unterstützung“. Letztere benötigen meistens zum Setup oder bei der erstmaligen Einrichtung noch den Maus-Einsatz, lassen sich im Spiel aber mit einem Gamepad steuern. Und wer sich nicht nur auf das Angebot von Steam beschränken will, kann auch fremde Titel einbinden und über den Big-Picture-Modus aufrufen.

Was zum Spaß bis dato fehlte, war die passende Hardware: Sie soll kompakt und schick sein, ins Regal unter dem Fernseher passen und genügend Grafikleistung bieten, ohne mit rauschenden Lüftern zu nerven. Vom Betriebssystem bekommt man, wie bei Konsolen üblich, möglichst nichts mit – direkt nach dem Einschalten soll die Box die Spieleauswahl anzeigen. Bezahlbar muss das Ganze natürlich auch noch sein, also möglichst nicht mehr als 400 Euro kosten.

Bislang ließen sich diese Ansprüche kaum miteinander vereinbaren. Für das nötige Tempo brauchte man leistungsfähige Grafikkarten, die nicht nur Lüfter, sondern auch heimische Finanzvorstände aufheulen ließen. Doch aktuelle Kombiprozessoren mit starker GPU spielen selbst anspruchsvolle Spiele-Hits flüssig ab – zwar vielleicht nicht immer mit allen grafischen Details, für die Qualität einer Xbox 360 oder PS3 reicht es aber locker.

Valve Software und mehrere PC-Hersteller feilen allerdings noch an der Hardware einer solchen Steam Box. Sie soll zum Ende des Jahres in den Handel kommen. Wir haben schon jetzt einen Selbstbau-PC zusammengestellt, der alle nötigen Voraussetzungen erfüllt und auch im Wohnzimmer eine gute Figur macht.

AMDs Alleskönner

AMD hat einen CPU-GPU-Kombiprozessor im Angebot, der für Steam ausreicht: A10-5700 (Codename: Trinity). In ihm arbeiten vier Prozessorkerne im 3,4 GHz Basistakt, unterstützt durch eine flinke DirectX-11-GPU Radeon HD 7660D mit 760 MHz. 384 Rechenkerne stellen auch die neuesten Effekte moderner Spiele dar und spielen HD-Videos mühelos ab. Dabei liegt die maximale Leistungsaufnahme (TDP) des Kombiprozessors laut AMD bei lediglich 65 Watt – das führt sogar der mitgelieferte Boxed-Kühler in einem kompakten Gehäuse zuverlässig und vergleichsweise leise ab.

Doch integrierte Grafikeinheiten bringen keinen eigenen Videospeicher mit und müssen sich den Hauptspeicher mit den CPU-Kernen teilen. Standardmäßig reserviert sich die Grafikabteilung 512 MByte RAM, genehmigt sich bei Bedarf aber mehr. Daher sollte man nicht knauserig sein und der Steam Box gleich 8 GByte RAM spendieren – genauso viel, wie die Playstation und Xbox der nächsten Generation mitbringen.

Für die 3D-Leistung der integrierten GPU ist dabei die Transfergeschwindigkeit des Hauptspeichers entscheidend. Während separate Grafikkarten ihren Speicher über eigene Datenleitungen blitzschnell anbinden, bremst das Dual-Channel-Interface des Hauptspeichers die Shader-Kerne integrierter GPUs häufig aus. Um dieses Nadelöhr zu weiten, nutzen wir nicht den herkömmlichen DDR3-1333-Speicher, sondern DDR3-1866. Dadurch steigt die Transferrate von 21,3 GByte/s auf knapp 30 GByte/s an. Spiele laufen bis zu 20 Prozent schneller. Das hievt die integrierte Grafikeinheit auf das Leistungsniveau von 60-Euro-Grafikkarten. Das ist nicht sensationell, aber es versetzt sie in die Lage, viele aktuelle Spiele in Full HD (1080p, 1920 × 1080 Pixel) bei mittlerer Detailstufe flüssig abzuspielen.

Nur wenige besonders anspruchsvolle Kandidaten wie The Witcher 2 oder Far Cry 3 rutschen bei dieser Auflösung unter eine Rate von 30 Bildern pro Sekunde. Verringert man bei ihnen jedoch die Auflösung auf 720p (1280 × 720 Pixel) und schaltet die Grafik-Details auf ein Minimum, laufen selbst sie flüssig. Aus einem üblichen Betrachtungsabstand von zwei bis drei Metern vom Fernseher sieht man kaum einen Unterschied. Aktuelle Konsolen rendern ebenfalls meist nur in 720p und begnügen sich mit vergleichsweise geringen Details und Texturauflösungen – da hält der AMD-Prozessor locker mit.

Kerngehäuse

Als Mainboard bietet sich das FM2-A75IA-E53 (Mini-ITX) von MSI mit A75-Chipsatz an. Es kostet 75 Euro und besticht durch seine geringe Größe und großzügige Ausstattung. Fernseher finden am hinteren HDMI-Ausgang Anschluss. Auf Wunsch lässt sich hier ein AV-Receiver für den Surround-Sound zwischenschalten. Die Verbindung zum Internet stellt man entweder per Ethernet-Kabel her oder über das auf dem Mainboard integrierte WLAN-Modul. Als Massenspeicher reicht eine 3,5-Zoll-Festplatte mit 1 TByte (Western Digital WD10EZEX). Auf ein optisches Laufwerk kann man verzichten, da Steam sämtliche Spiele eh über den Netzanschluss lädt.

Die Auswahl an erschwinglichen PC-Gehäusen im kompakten Mini-ITX-Format ist sehr begrenzt. Wir griffen zum LC-1400mi von der Firma LC-Power: Für 32 Euro bringt es sogar ein internes 200-Watt-Netzteil mit. Mit einer Bauhöhe von knapp neun Zentimetern passt es selbst in ein Fernseh-Rack und fällt mit seiner schlichten schwarzen Hülle neben den anderen Unterhaltungsgeräten nicht weiter auf. Über den mitgelieferten Ständer lässt es sich auch hochkant aufstellen. Hinter einer Front-Klappe verbergen sich Audio- und zwei USB-2.0-Anschlüsse. Vier weitere USB-Buchsen nebst E-SATA und Bluetooth findet man direkt am Mainboard auf der Rückseite.

Dort schließt man beispielsweise Funkempfänger für Gamepads und Funktastatur an. Idealerweise bieten sich die Gamepads für die Xbox 360 an, die Microsoft auch mit einem Funkempfänger für Windows (oder batterielos mit langem USB-Kabel) verkauft. Sie sind nicht nur robust verarbeitet und erlauben präzise Steuermanöver, sondern werden von Windows auch automatisch erkannt. Als kompakte Einheit von Funktastatur und Touchpad hat zudem Logitech die günstige K400 für knapp 32 Euro im Programm, die für gelegentliche Eingaben ausreicht.

Schnelle Montage

Die eigentliche Montage des Systems ist auch für nicht allzu versierte Bastler innerhalb einer Stunde getan – wer sich das nicht zutraut, lässt sich von einem Bekannten helfen. Die Schritte sind einfach: zunächst die beim Mainboard mitgelieferte ATX-Blende in die passende Gehäuseöffnung drücken und einen Gehäuselüfter (be quiet! Shadow Wings SW1 BL050) mit Blasrichtung nach außen in die passende Aussparung setzen. Schließlich den Prozessor aufs Board stecken, Kühler drauf und das Ganze ins Gehäuse schrauben. Wenn man auf ein optisches Laufwerk verzichtet, kann man in den dafür vorgesehenen Schacht einen Vibrationsdämpfer (Sharkoon HDD VibeFixer III) einbauen, der die Geräusche der Festplatte wirkungsvoll entkoppelt. Der Laufwerkskäfig lässt sich dazu nach dem Lösen zweier Schrauben komplett herausnehmen. Mit dem Mainboard verbinden Sie nach und nach das Laufwerk (SATA-Kabel), die Frontanschlüsse (USB 2.0, Audio, Power-LEDs etc.) und schließlich das Netzteil (ATX 24-pol. und 4-pol.). Vor dem Zuschrauben prüfen Sie, ob alle Verbindungen sitzen und das System startet.

Los geht’s

Video: c’t-Steam-Box zusammenbauen

Durch wiederholtes Drücken der Entf-Taste geht es ins BIOS-Setup für die erste Konfiguration. Dort stellen Sie zunächst die Lüftersteuerung auf eine Minimaldrehzahl von 12,5 Prozent und eine zu haltende CPU-Temperatur von 60 °C ein (Settings/Advanced/Hardware Monitor) und aktivieren die C6 States, damit die Stromsparmechanismen des Hauptprozessors im Leerlauf greifen (OC/CPU Features/Core C6 State). Schließlich setzen Sie die Arbeitsspeicher-Geschwindigkeit noch auf DDR3-1866 (OC/DRAM Frequency), das XMP-Profil bleibt „disabled“. Ein Tastendruck auf F10 speichert die Konfiguration und der Rechner startet neu.

Die Hardware-Bastelei ist geschafft, nun muss das Betriebssystem auf die Festplatte. Ideal ist hier ein Windows 7. Nehmen Sie unbedingt die 64-Bit-Version, weil Windows sonst nur rund 3 der 8 GByte RAM nutzen kann. Windows 7 lässt sich mit dem Touchpad der Funktastatur einfacher bedienen als das neue Windows 8 und benötigt keine Zusatz-Tools, um gleich mit Steam im Big-Picture-Modus zu starten.

Sowohl Windows 7 als auch Windows 8 lassen sich von einem USB-Stick installieren, auf den man an einem zweiten Rechner den Inhalt der Windows-Installations-DVD mit dem Windows 7 USB/DVD Download transferiert [1]. Alternativ tut’s ein günstiges USB-2.0-DVD-Laufwerk für 25 Euro, das man extern anschließt.

Mit Hilfe des Windows-Setups partitioniert man die Festplatte am besten in einen Systembereich (C, 100 GByte) und einen Datenbereich (D) für Steam und die Spiele-Installationen. Nachdem Windows läuft und alle Updates aus dem Internet eingespielt hat, installieren Sie den neuesten AMD-Grafiktreiber (siehe c’t-Link).

Trauerrand

Mit einem Rechtsklick auf den Desktop müssen sie nun im AMD Vision Engine Control Center noch die richtigen Einstellungen für eine randlose, bildschirmfüllende Ausgabe vornehmen. Dazu muss man zunächst im Setup des Fernsehers einen eventuell voreingestellten Overscan-Modus abschalten, der die äußeren Bildschirmränder ausblenden würde. Oft findet man im Menü passende Vorgaben wie Spiele- oder PC-Modus. Diese schalten zudem etwaige Bildverbesserungsmaßnahmen ab, die die Bildausgabe unnötig verzögern.

Lässt sich der Overscan im Fernseher nicht abschalten, können die AMD-Grafikkarten-Treiber dies durch einen Underscan ausgleichen – allerdings sehen Schriften dann unscharf aus, weil sie nicht pixelgenau angezeigt werden. Besser ist es daher, völlig ohne Over- und Underscan zu arbeiten.

Dazu stellen Sie zunächst im Menü Desktop-Management/Desktop-Eigenschaften die maximal unterstützte Auflösung Ihres Fernsehers (zum Beispiel 1920 × 1080) ein. Anschließend navigieren Sie zu den Skalierungsoptionen im Menü „Meine digitalen Flachbildschirme“, ziehen den Underscan-Overscan-Regler so weit nach rechts, bis der schwarze Rahmen verschwindet, und übernehmen die Einstellungen. Idealerweise steht er auf 0 %, wenn der Fernseher keinen Overscan betreibt. Leider passt der AMD-Treiber dies nicht für alle möglichen Auflösungen und Bildwiederholraten an, sondern verlangt für jede einzelne Einstellung eine manuelle Wahl des Underscan-Wertes. Also führen Sie das gleiche Prozedere für die 720p-Auflösung (1280 × 720) und jede weitere Auflösung und Bildwiederholfrequenz durch, die in einem Spiel auftauchen.

Gleich unter Dampf

Nun fehlt nur noch die Steam-Software, die sich über die Hersteller-Webseite auf die Spiele-Partition installieren lässt (siehe c’t-Link). Beim ersten Start fordert Steam üblicherweise, den neuen Rechner freizuschalten (Steam Guard). Dazu schicken Valves Server an die hinterlegte E-Mail-Adresse eine Buchstabenkombination, die man einmalig eingeben muss. In den Steam-Einstellungen (Registerkarte Oberfläche) setzt man schließlich die passenden Häkchen, damit Steam künftig gleich nach dem Hochfahren selbstständig in der Vollbildansicht des Big-Picture-Modus startet. Damit unter Windows 8 die Metro-Oberfläche nicht dazwischenfunkt, überspringt man sie mit Hilfe des Tools Skip Metro Suite (siehe c’t-Link). Windows 7 kann darauf verzichten.

Zu guter Letzt muss man noch das Flash-Plug-in für den Steam-Browser installieren, damit dieser die Vorschaufilmchen im Shop wiedergeben kann. Dazu folgt man den Anweisungen von Steam und installiert Adobe Flash 11 für „andere Browser“.

Im großen Bild

Die Navigation im Big-Picture-Modus gelingt mit dem Gamepad schon recht gut. Man kann in seiner eigenen Account-Bibliothek bereits gekaufte Spiele nach Gamepad-Unterstützung filtern, laden und starten oder im Shop nach neuen Spielen stöbern.

Video: Steam mit dem Gamepad bedienen

Allerdings funktioniert im Big-Picture-Modus noch nicht alles einwandfrei. So ließen sich Downloads von Spielen zuweilen nur im Desktop-Modus abschließen oder Käufe von Spielen misslangen wegen Warenkorbfehlern. Behelfen kann man sich über den integrierten Web-Browser, den man im Big-Picture-Modus mit dem linken Trigger des Gamepad startet. Wenn man hier die Steam-Webseite http://store.steampowered.com aufruft (in den Steam-Einstellungen als Startseite festlegen), lassen sich Spiele auch per Gamepad kaufen. Die Navigation funktioniert über ein einfaches Zielkreuz, das man mit dem analogen Stick bewegt. Selbst kurze Texte lassen sich über ein cleveres Onscreen-Menü verhältnismäßig einfach eingeben.

Die Webseite bietet darüber hinaus auch erweiterte Suchfunktionen, die das Aufstöbern von Spielen erleichtern, die sich per Gamepad steuern lassen. Dazu klickt man oben rechts auf der Webseite auf das Lupensymbol und anschließend, ebenfalls oben rechts, auf „Erweiterte Suche“. Hier lassen sich Spiele nun nach Betriebssystemen, Kritiker-Wertungen auf Metascore und der Steuerungsmethode (in der Kategorie oben rechts) filtern. Valve unterscheidet dabei zwischen einer vollen (derzeit rund 80 Titel) und einer teilweisen Gamepad-Unterstützung (376 Titel). Erstere sollen sich komplett ohne Maus nur mit dem Gamepad einrichten und spielen lassen, während letztere einige Mausklicks zur Konfiguration benötigen. Viele Spiele blenden gleich auch noch die richtigen Knöpfe für das Xbox-360-Gamepad ein, die zur Steuerung nötig sind.

Doch leider stimmen Valves Angaben nicht immer. So fanden wir teilweise unterstützte Spiele, die allein mit dem Gamepad auskamen (The Darkness 2) sowie angeblich nicht mit Gamepad spielbare Titel, die – meist sowieso auch für Konsolen entwickelt – problemlos auf das Xbox-360-Gamepad reagierten, wie Quantum Conundrum oder Closure. Offenbar hängt es von den (derzeit zum Teil noch fehlerhaften) Angaben der Spiele-Entwickler ab, ob Valve einen Titel als Gamepad-tauglich einstuft oder nicht. Mitunter kann man sich im Steam-Spielerforum Klarheit verschaffen.

Eine nervige doppelte Registrierung erfordern Spiele des französischen Publishers Ubisoft, der Spiele wie Far Cry 3 oder die Assassin’s-Creed-Reihe zusätzlich an einen Uplay-Account bindet, dessen Bedienoberfläche sich nur mit der Maus steuern lässt. Hier könnten Tools helfen, die eine Steuerung des Mauszeigers mit einem Gamepad erlauben (beispielsweise das kostenlose Joystick Mouse Tool 1.8, siehe c’t-Link). Allerdings bereiten diese wiederum der Steam-Navigation Probleme, weil der Big-Picture-Modus doppelt auf Maus und Gamepad reagiert und durcheinanderkommt.

Weitere Spiele, die nicht aus dem Steam-Store stammen, lassen sich in der Desktop-Ansicht von Steam über den Menüpunkt „Spiele/Steam-fremdes Spiel meiner Bibliothek hinzufügen“ mit in die Big-Picture-Auswahl integrieren. Steam ruft dann schlicht die Programmdatei auf und kehrt nach Spielende wieder in den Big-Picture-Modus zurück.

Spielstärke

Die integrierte Grafik des AMD-Chips ist schnell genug, um ältere Spiele wie auch Indie-Titel mit allen Schikanen in 1080p flüssig wiederzugeben. Also warfen wir einen Blick auf acht aktuelle, die Hardware fordernde Spiele mit Gamepad-Steuerung. Fünf davon unterstützen aufwendige Grafik-Effekte von DirectX 11: die beiden Ego-Shooter Borderlands 2 und Far Cry 3, das Rennspiel Dirt Showdown sowie die Rollenspiele Skyrim und The Witcher 2. Den Agenten-Thriller Max Payne 3 ließen wir unter DirectX 10.1 laufen, das Schleich-Abenteuer Dishonored begnügt sich mit DirectX 9. Anders als bei unseren Benchmarks sollte man im Spiel die vertikale Synchronisation aktivieren, um ein Zerreißen des Bildaufbaus bei hohen Frameraten zu verhindern. Flüssig spielbar sind die Titel, wenn ihre Framerate bei mehr als 30 fps liegt (siehe Tabelle). Dishonored, Dirt Showdown und Skyrim haben sogar noch Luft für eine zusätzliche Kantenglättung [2].

Wenn grafisch anspruchsvolle Spiele in Full-HD (1080p) zu langsam laufen, schaltet man die Auflösung am besten auf 720p herunter und setzt die Detailstufe auf „mittel“. Bei den beiden derzeit wohl anspruchsvollsten Titeln Far Cry 3 und The Witcher 2 wählt man besser noch die kleinste Detailstufe. Selbst dann sehen die Spiele aber noch hübscher aus als auf Xbox 360 oder PS3.

Aufrüstoptionen

Unsere Steam Box ist derzeit mit seiner integrierten Grafik-Einheit für alle erhältlichen Spiele schnell genug. Wer jedoch Far Cry 3 und The Witcher 2 mit höheren Auflösungen und mehr Details spielen will, kann die Steam-Box mit einer Grafikkarte aufrüsten. Allerdings passen in unser Gehäuse nur Varianten in geringer Bauhöhe. Die schnellste Low-Profile-Grafikkarte mit sparsamem 28-nm-Grafikchip ist derzeit die Radeon HD 7750 LP von Club 3D für 100 Euro. Mit ihr laufen Spiele im Vergleich zur integrierten Grafik doppelt so schnell, Skyrim läuft dann sogar in hohen Detaileinstellungen ruckelfrei.

Empfehlenswert ist der Betrieb einer Grafikkarte in unserem kompakten Gehäuse allerdings nicht, denn die Leistungsaufnahme klettert beim Spielen um 40 auf 136 Watt. Dadurch steigt die Wärmeentwicklung im Gehäuse, die Lüfter müssen sich schneller drehen und rauschen dann mit 2,6 Sone fast dreimal so laut wie ohne Grafikkarte (0,9 Sone). Unter der extremen Last eines Furmark-Benchmarks maßen wir sogar bis zu 3,8 Sone, was selbst abgebrühte Zocker stört. Zudem verringern dauerhaft hohe Temperaturen die Lebenserwartung der Komponenten.

Wer trotzdem eine Grafikkarte möchte, sollte ein anderes Mini-ITX-Gehäuse wählen, etwa das schicke würfelförmige Coolcube von Cooltek. Es kostet 50 Euro und bietet Platz für ein normalgroßes ATX-Netzteil. Wir haben ein be quiet! Pure Power L7 (37 Euro) reingeschraubt, welches durch seinen großen Lüfter die Wärme abführt. Außerdem hat das Netzteil einen besseren Wirkungsgrad als die LC-Power-Variante, was zu einer geringeren Leistungsaufnahme unter Last führt. Dadurch erhitzt sich das Gehäuse nicht so stark und der Grafikkartenlüfter wird beim Spielen nicht lauter als 2 Sone (Furmark: 2,5 Sone).

In diesem lassen sich Grafikkarten mit normaler Bauhöhe und einer Länge von bis zu 18 cm einbauen. Dual-Slot-Varianten kommen sich dabei leider mit der im Boden verschraubten Festplatte ins Gehege. Letztere versetzt das Gehäuse trotz flexibler Abstandshalter in leichte Schwingungen. Herkömmliche Entkoppler lassen sich nicht einsetzen. Abhilfe schaffen hier entweder eine leisere 2,5-Zoll-Platte oder eine SSD. Die garantiert einen lautlosen Betrieb und kürzeste Ladezeiten, bietet aber trotz deutlich höherer Preise weniger Speicherplatz.

Resümee

Unser Spiele-PC für den Big-Picture-Modus von Steam erfüllt viele Ansprüche, die Anwender an eine Konsole stellen. Er arbeitet vergleichsweise leise und ist trotzdem schnell genug für aktuelle Spiele. Mit einer Grafikkarte lässt er sich aufrüsten, sollte er für kommende Spiele einmal zu langsam werden. Steam selbst bietet eine riesige Auswahl an PC-Spielen, lockt immer wieder mit Sonderangeboten und vereinfacht die Installation und Suche nach Patches. Zudem muss man keine Angst vor einem „Medienbruch“ haben. Während beim Wechsel von einer Konsolengeneration zur nächsten alte Spiele häufig auf der Strecke bleiben, funktionieren selbst Jahre alte PC-Spiele noch immer auf aktuellen Rechnern.

Doch leider läuft auf der Software-Seite noch nicht alles so rund wie auf einer Konsole. Man findet noch immer Spiele, bei denen die Konfiguration hakt oder die mitunter abstürzen. Ab und zu muss man Popup-Fenster mit Mausklicks bestätigen oder in den Desktop-Modus wechseln, weil gerade die eine Einstellung sich doch nicht per Gamepad vornehmen lässt. Windows ist eben – anders als eine Playstation oder Xbox – nicht auf die exklusive Bedienung per Gamepad ausgelegt.

Bis Valve seine offizielle Steam Box veröffentlicht, bleibt also noch einiges zu tun. Nicht zuletzt müssen Sie Ihre Spiele-Bibliothek durchkämmen, welche Titel denn nun tatsächlich Gamepads unterstützen und welche nicht. (mfi/hag)

Literatur
  1. [1] Axel Vahldieck, Christof Windeck, FAQ: Windows 7 vom USB-Stick installieren, ct.de/-1634378
  2. [2] Martin Fischer, Florian Klan, Kantenbügler, Schnelle Kantenglättung für 3D-Spiele, c’t 4/13, S. 154
Projektseite

Auf unserer Projektseite, die Sie am schnellsten über ct.de/-1812446 erreichen, finden Sie weiterführende Informationen:

 Videos zeigen u. a. die Montage der Steam-Box.

 Im Leserforum können Sie über die Artikelstrecke diskutieren sowie Fragen, Anregungen und Tipps loswerden.

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weiterführende Links

Infos zum Artikel

Kapitel
  1. AMDs Alleskönner
  2. Kerngehäuse
  3. Schnelle Montage
  4. Los geht’s
  5. Trauerrand
  6. Gleich unter Dampf
  7. Im großen Bild
  8. Spielstärke
  9. Aufrüstoptionen
  10. Resümee
  11. Projektseite
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