Stoff fürs Brett

Medien-Angebot für Tablets

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Mit dem Kauf eines Tablets erwirbt man sich auch Zugang zu Musik, Filmen, Büchern und anderen Medien – und bindet sich an die Plattform. Nicht überall bekommt man dieselbe Auswahl, doch viele Lücken lassen sich mit spannenden Apps oder über andere Quellen stopfen.

Tablets sind Fenster. Beim einen ist der Rahmen schwarz, beim anderen weiß, mal ist das Gehäuse aus Alu, mal aus Plastik. Aber irgendwie sind sich alle ziemlich gleich, und auch das Innenleben der meisten High-End-Geräte mit Android, iOS und Windows unterscheidet sich mit jeder Generation weniger.

Deshalb zählt bei Tablets vor allem, was man durch die Glasscheibe zu sehen bekommt: Filme, Bücher, Musik, Apps. Wenn die richtigen Inhalte fehlen, dann macht ein Tablet keinen Spaß: ein Fenster ohne Aussicht.

Hier sind die Unterschiede zwischen den drei Plattformbetreibern Apple, Google und Microsoft groß: Nicht nur bei Qualität und Quantität der Apps, sondern noch mehr bei Medien wie Filmen, Büchern und Musik. Beim Tablet-Kauf entscheidet man sich mit Android, iOS und Windows auch für ein Ökosystem an Inhalten – und kann diese in der Regel nach dem Kauf nicht zu einer anderen Plattform mitnehmen.

Lockvogel Inhalte

Apple, Google und Microsoft wissen, dass sie nur mit dem passenden Content Nutzer auf ihre Tablet-Plattformen locken können. Deshalb bauen sie ihr Angebot ständig aus. Apple hat erst für sein iPhone, dann für sein iPad im iTunes Store ein komfortables Shopsystem aufgebaut, peu à peu wächst es. Über 5000 Magazine und Tageszeitungen, 45 000 Filme und 26 Millionen Songs stehen in den virtuellen Regalen von iTunes, ein großer Teil davon auch im deutschen Store.

Dem strebt Google nach: Der Play Store führt inzwischen ebenfalls Tausende Filme, Millionen Musikstücke und Bücher, und dank App-Shop trudeln langsam, aber stetig auch Zeitungen und Magazine auf den Android-Tablets ein. Tablet-Neuling Microsoft steht dagegen ganz am Anfang. Ein halbes Jahr nach dem Startschuss für Windows 8 und der Tablet-Variante Windows RT gibt es aber keine Ausreden mehr: Die Plattform muss auch Inhalte bieten. Zumindest bei Musik und Filmen kann Microsoft auf die Vorarbeit mit Zune, Xbox und Windows Phone zurückgreifen: Im Xbox Shop, den man auf Tablets mit Windows 8 und Windows RT erreicht, gibt es auch einiges an Videos und Musik.

Komfort im goldenen Käfig

Wer beim Content-Kauf auf die bestehende Shop-Infrastruktur der Hersteller zurückgreift, hat wenig Sorgen bei der Verwaltung der Inhalte. Ist auf dem Tablet erst einmal ein Nutzerkonto angemeldet, lädt man kostenlose Daten aus den Shops per Fingertipp, für Bezahlinhalte hinterlegt man seine Zahlungsinformationen zentral. Bei iTunes dürfen das Kreditkarten und über Click & Buy auch Girokonten sein. Auch kann man Guthaben mit iTunes-Gutscheinkarten von der Tankstelle auf den iTunes-Account übertragen, was Android- und Windows-Nutzer vermissen. Unter Android klappt der Einkauf per Kreditkarte, zusätzlich kann man mit UMTS-fähigen Geräten bei O2, Vodafone und Telekom auch per Mobilfunkrechnung zahlen. Geschenkkarten hat Google jüngst in einigen europäischen Ländern auf den Markt gebracht, Deutschland dürfte in Kürze folgen. Microsoft akzeptiert Kreditkarte oder Paypal.

Je nach Typ erscheinen die Medien in der Liste der gekauften Artikel, aus der man sie auf sein Tablet lädt. Steigt man auf ein neues Gerät mit demselben Betriebssystem um, hat man so mit wenigen Schritten seine Bibliothek wieder zusammengestellt. Bei Apple funktioniert das mit Büchern, Musik und Apps, bei Google außerdem mit Videos. Microsoft listet erworbene Musik und Videos auf jedem Gerät auf. Bei Google lassen sich die Medien auch vom PC aus in der Cloud abrufen und abspielen.

Wer seine Kids gelegentlich ans Tablet lassen will, fühlt sich bei Apple am wohlsten. Für alle Inhalte, die man bei iTunes kostenlos oder kostenpflichtig lädt, kann man einen detaillierten Filter setzen, der beispielsweise die Altersfreigaben bei Filmen berücksichtigt und wahlweise Musik mit anstößigen Inhalten sperrt. Das gilt sowohl beim Kauf als auch beim Abspielen. Google blendet zwar nach einem eigenen Filtersystem anstößige Apps im Store aus, nicht aber Medieninhalte.

Der Komfort der Shops geht mit einigen schmerzlichen Einschränkungen einher. Bei Microsoft sind Medien auf fünf Geräte beschränkt. Bei Apple darf man sie auf beliebig vielen iOS-Geräten benutzen, aber nur auf zehn per iCloud synchronisieren und nur mit bis zu fünf PCs herunterladen. Auch Google schränkt die Synchronisation übers Web auf bis zu zehn Mobilgeräte ein, Filme darf man auf maximal fünf Geräte (PCs oder Mobilgeräte) herunterladen. Filme sind auf allen drei Plattformen ebenso mit einem proprietären Kopierschutz versehen wie der Großteil der E-Books. Wer sich bei Apple ein E-Book kauft, kann es nur auf iOS-Geräten lesen, Videos aus dem Play Store laufen nur unter Android oder im Web-Browser. Allein bei Musik ist man freier: Bei Google lassen sich gekaufte Songs bis zu zweimal aus dem Cloud-Speicher Google Music als MP3 herunterladen, bei Microsoft und Apple beliebig oft.

Viel hilft nicht viel

Millionen Songs und Tausende Filme bringen nichts, wenn nicht die dabei sind, die man haben möchte. Deshalb haben wir die Shops untersucht und Warenkörbe aus jeweils 50 Titeln zusammengestellt. Für jeden Medientyp flossen dazu aktuelle Bestseller, erfolgreiche Titel der vergangenen Jahrzehnte und Nutzer-Charts ein. Dazu kamen noch redaktionell aufbereitete Toplisten und ein kleines Sortiment an Lieblings-Filmen, -Alben und -Büchern der c’t-Redakteure. Eine detaillierte Auflistung der Inhalte und der Ergebnisse haben wir unter dem c’t-Link zusammengestellt.

Berücksichtigt haben wir dabei die größten drei Tablet-Plattformen und ihr Ökosystem: Android mitsamt Google Play Store, iOS und iTunes sowie Microsoft Windows und dessen integrierte Shops für Apps und Medien. Dazu kommen Apps wie Amazon Kindle oder Spotify, die sich sehr einfach in die Plattform integrieren lassen. Windows nimmt einen Sonderfall ein: Geräte mit der Tablet-Version Windows RT kommen in der Touch-optimierten Kacheloberfläche nur an solche Shops, die Microsoft gleich mitliefert oder die man per App nachrüsten kann. Genau diese sind für Auswertung und die Diagramme berücksichtigt worden. Tablets mit Windows 8 können sich zusätzlich der ganz normalen Desktop-Anwendungen für Windows bedienen: Beispielsweise bekommt man auch iTunes auf sein Windows-8-Gerät, ebenso Google Music und hier gar nicht aufgeführte Dienste wie Maxdome.

Musik

Fast alles, was es auf CD gibt, führt auch der iTunes Store: Aus unserer Stichprobe von 50 Alben hatte er als einziger Shop alle 50 im Programm, darunter auch unbekanntere Bands von kleineren Labels. Doch nicht nur diese machen den Unterschied zu Androids Play Store (44) und Xbox Music unter Windows (39) aus: Die in vielen Toplisten geführten Alben der Beatles beispielsweise sind derzeit digital exklusiv bei Apple zu haben.

Dennoch muss man sich über diesen Nachteil nicht allzu sehr grämen. Die Player von allen Plattformen mixen ohne Murren Kauf-Musik aus dem eigenen Store mit händisch eingepflegtem Material. Insofern kann man sich auch als Android- oder Microsoft-Nutzer bei iTunes oder den zahlreichen Alternativen eindecken und muss sein Tablet dann eben über den Umweg PC versorgen. Bei Windows-8-Tablets geht das sogar direkt, weil sich darauf iTunes installieren lässt.

iTunes ist allerdings am teuersten: Die Alben unserer Stichprobe, die es in allen drei Shops gibt, kosten in iTunes im Schnitt 9,89, in Xbox Music 9,80 und im Play Store 8,04 Euro.

Eine Musik-Flatrate gibt es derzeit nur im Xbox Shop, sie kostet 10 Euro im Monat. Die Dienste von Spotify, Simfy und Napster schließen diese Lücke für einen vergleichbaren Preis auf Android und iOS und bieten mit um die 40 Alben aus unserer Stichprobe in etwa dasselbe Angebot wie der Google Play Store.

Filme und Serien

Auch bei Filmen und Serien hat iTunes klar die Nase vorn. 33 Titel aus unserer Stichprobe kann man auf iOS-Geräten kaufen, 29 davon ließen sich für einen Preis zwischen 3 und 4 Euro außerdem ausleihen. Die meisten gibt es in SD-Qualiät, viele für einen Aufschlag auch in HD, teilweise sogar in Full HD (1080p). Bei einigen sind englische Tonspur und Untertitel dabei, aber gerade bei älteren Filmen liefern die Anbieter anders als bei DVDs meist nur die deutsche Tonspur mit.

In Xbox Movies gibt es immerhin noch 22 der 50 Videos, 15 davon auch als Leihvideo; hier wählt man ebenfalls in vielen Fällen zwischen SD und teurerem HD. Wenige Filme gibt es auch mit der Original-Tonspur, beim Kauf muss man sich aber zwischen den beiden Sprachen entscheiden. Windows-8-Tablets können sich zumindest auf der nicht Touch-optimierten Oberfläche über die Windows-Version von iTunes mit Filmen eindecken, allerdings nur in maximal 720p-Qualität – Full-HD-Content gibt es nur fürs iPad.

Weit abgeschlagen dahinter kommt Google: Nur 11 Titel sind im Play Store verfügbar. Auch hier kann man teilweise leihen und wählt in der Regel zwischen SD und HD, Filme mit englischen Tonspuren fanden wir im Store keine.

Am stärksten macht sich der Apple-Vorsprung bei TV-Serien bemerkbar. Nur bei iTunes bekommt man ein umfassendes Angebot (40 aus 50 Titeln), bei Windows sind es deutlich weniger (13) und bei Android gibt es keine einzige. Und nur in iTunes gibt es Serien in der Regel in Deutsch und Englisch, und fast immer sind anders als bei Windows auch alle Staffeln verfügbar.

Bei den Preisen von Filmen und Serien unterscheiden sich die drei Plattformen kaum, wenn es auch gelegentlich Sonderangebote gibt.

Bücher und Magazine

E-Books nehmen eine Sonderrolle ein. An sich sind die Unterschiede der Ökosysteme auch hier gewaltig: Microsoft führt in seinem Shop gar keine E-Books, Google nur eine kleine Auswahl (15) und iTunes kommt auf 90 Prozent der Stichprobe (45). Diese Einschränkung lässt sich aber leicht überwinden, denn die E-Books des größten Anbieters Amazon bekommt man über die Kindle-App auf allen Plattformen. Wer lieber das bei deutschen Shops gebräuchliche Epub mit Adobe DRM verwendet, installiert unter Android und iOS einfach die passenden Apps von ebook.de oder Pubbles. Die Drittanbieter-Apps haben den Nachteil, dass sie abseits des Tablet-Nutzerkontos separat eingerichtet werden müssen, aber den Vorteil, dass die Inhalte in mehr oder minder plattformunabhängigen Formaten gespeichert sind: Bei Kindle gekaufte Bücher kann man auch mit iPad, Android- und Windows-Tablet synchronisieren.

Bleiben noch Zeitungen und Magazine: Immerhin 60 Prozent der Stichprobe gibt es bei iTunes fürs iPad, 30 aus 50 Titeln. Darunter fallen überregionale Zeitungen und Regionalblätter ebenso wie Politik-Magazine und seichtere Kost. Apple führt dazu eine extra Kiosk-App, in der die Blätter als aufbereitete Digitalausgaben liegen. Einige verkaufen ihre Hefte auch in eigenen Apps und bieten multimedial erweiterte Kost, c’t und Wired beispielsweise. Im Play Store bekommt man mit 16 nur etwas mehr als die Hälfte, und fast immer sind es hier in Apps gekippte PDFs. Im Windows Shop fanden wir gar nur zwei, die Süddeutsche und den Spiegel.

In Android und iOS lassen sich eine ganze Reihe an Medien über die Kiosk-Apps von Pubbles, Zinio und iKiosk ergänzen. Kombiniert man ihr Zeitschriftenangebot mit dem der jeweiligen Plattformen, so kommt Android auf 35 und iOS auf 40.

Wie bei den Filmen haben die Hersteller ihr Leseangebot eingezäunt: Apple, Android und Amazon verwenden für das Gros der Kaufbücher jeweils einen anderen proprietären Kopierschutz, sodass man für ewig an dem Anbieter angekettet bleibt, wenn man nicht den Kopierschutz entfernen möchte. Google bietet immerhin für viele Kaufbücher an, sie als Epub oder PDF mit Adobe DRM herunterzuladen, sodass man sie auch auf kompatiblen Lesegeräten lesen kann.

Fazit

Eindeutiges Ergebnis in puncto Medienangebot: In allen Bereichen gewinnt Apples iPad mit der besten Versorgung durch iTunes. Wer mit seinem Tablet gekaufte Medien liest, schaut und hört, den erwartet hier der größte Komfort. An einigen Stellen können die anderen Plattformen das zumindest durch die Apps von Dritten wettmachen: über Kindle, iKiosk und Pubbles ist ausreichend Lesestoff auch auf Android-Tablets und Windows verfügbar. Und Musik bekommt man MP3 sei Dank zumindest per Umweg PC ohne Probleme auf alle Tablets.

Android hat aber aufgeholt: Der Shop-Komfort ist mittlerweile fast genauso hoch, das Angebot aber nur an einigen Stellen vergleichbar. Der Tablet-Neuling Windows RT hat es nach einem halben Jahr noch nicht einmal ansatzweise geschafft, auf Augenhöhe zu kommen. Nur auf Tablets mit dem „echten“ Windows 8 bekommt man einen interessanten Kompromiss hin: Auf der Touch-optimierten Tablet-Oberfläche bleibt man zwar auf ein kleines Sortiment eingeschränkt, doch auf der Desktop-Oberfläche kann man mit iTunes aufstocken, das sich zumindest mit einer angedockten Tastatur und Maus gut bedienen lässt.

Eines haben alle drei Plattformen gemein: Sie sind gründlich eingezäunt. Egal ob Android, iOS oder Windows, wer im integrierten Shopsystem einkauft, bindet sich nachhaltig an die Hersteller. (acb)

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Infos zum Artikel

Artikelstrecke
Kapitel
  1. Lockvogel Inhalte
  2. Komfort im goldenen Käfig
  3. Viel hilft nicht viel
  4. Musik
  5. Filme und Serien
  6. Bücher und Magazine
  7. Fazit
  8. Das richtige Tablet
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