Fernsehfreiheit

Weltweit TV- und Video-Dienste uneingeschränkt nutzen

Praxis & Tipps | Tipps & Tricks

Ob auf dem Videoportal, in der Mediathek oder bei Video on Demand: Als deutscher Anwender bekommt man vorgeschrieben, was man wann sehen kann. Streiten sich YouTube und GEMA, ist die „7-Tage-Abruf-Phase“ abgelaufen oder haben Studio und Provider irrwitzige Lizenzvereinbarungen, bleibt der Bildschirm schwarz. Kein Wunder, dass Anwender da nach Schleichwegen suchen.

Videos im Internet sind ein Hit – abgerufen über Videoplattformen, Mediatheken und immer häufiger auch über Video-on-Demand-Dienste (VoD). Wer daran zweifelt, muss nur einen Blick auf die Statistiken zum Online-Videokonsum werfen: Aktuell sehen sich auf YouTube jeden Monat mehr als 800 Millionen User über 4 Milliarden Stunden Videomaterial an, 30 Prozent der Online-Nutzer schauen zumindest gelegentlich zeitversetzt fern. Und die ProSiebenSat.1-Videoseiten, zu denen auch Deutschlands größte Online-Videothek Maxdome zählt, kamen im März 2012 alleine auf 14 Millionen Besucher.

Wobei Online-Videos heute nicht mehr nur auf dem Rechner angeschaut werden müssen: Praktisch alle neuen Smart-TVs und andere Unterhaltungselektronik mit Internetzugang haben Video-Clients mit an Bord – und zwar gleich für mehrere Dienste, darunter standardmäßig YouTube, Maxdome und die öffentlich-rechtlichen Mediatheken. Eine Reihe deutscher TV-Sender bieten mittlerweile Apps für Tablets an, mit denen sich Videos aus ihren Mediatheken und – seltener – Streams des laufenden Programms via WLAN oder über UMTS anschauen lassen [1]. Über Lösungen wie die Settop-Box Apple TV lassen sich Videos zudem bequem vom Tablet und Desktop-Rechner auf den Fernseher streamen.

Also alles Friede, Freude, Eierkuchen? Nicht ganz, denn eine ganze Reihe kleiner und großer Fallstricke verderben oder mindern zumindest den Videospaß.

Videoportale

Praktisch jeder deutsche YouTube-Nutzer dürfte mittlerweile den bekannten GEMA-Sperrvermerk zu sehen bekommen haben, wenn er einem Link folgte, der User in den USA, Großbritannien oder anderswo ganz problemlos zu einem Musikvideo führt. Nach einer Erhebung von OpenDataCity [2] ließen sich im Januar wegen des andauernden Streits zwischen der Google-Tochter und dem Rechteverwerter 615 Musikvideos der Top 1000, also 61,5 Prozent, nicht auf YouTube in Deutschland wiedergeben.

Realisiert wird die Abspielsperre über ein vergleichsweise einfaches Verfahren, das man unter dem Begriff „Geoblocking“ oder „Geo-Sperre“ kennt: YouTube ermittelt die IP-Adresse des Rechners des Anwenders und blockiert die Wiedergabe, wenn diese aus dem deutschen Adressraum stammt. Viele Anwender, die nicht länger auf eine Einigung zwischen Google und GEMA warten wollen, gaukeln dem Videodienst daher über Browser-Erweiterungen und VPN-Dienste (Virtual Private Network) vor, er habe es mit einem Nutzer aus einem anderen Land zu tun. Und schon spielt YouTube auch die in Deutschland offiziell gesperrten Videos ohne Murren ab. Wir gehen im Artikel ab Seite 126 genauer auf die verschiedenen Lösungen zur Umgehung von Geoblocking ein. Wem das nicht reicht, der erfährt im Bericht ab Seite 130, wie er sich selbst einen VPN-Server im Ausland einrichten kann.

Wer YouTube gerne ohne Geoblocking auf seinem Fernsehen anschauen möchte, kann etwa Apples iPad nutzen, das VPN unterstützt: In Verbindung mit der offizielle iOS-App des Videoportals lassen sich die Clips auf aktuelle Smart-TVs und Blu-ray-Player, auf die Spielkonsolen Playstation 3, Xbox 360 und Wii sowie das Apple TV streamen. Möchte man direkt einen YouTube-Client auf einem Unterhaltungselektronikgerät nutzen, kommt man mit gewöhnlichen VPN-Diensten allerdings nicht weiter, da dies in der Regel nicht vorgesehen ist. Abhilfe schaffen hier spezielle Router oder ein sogenanntes DNS-Redirecting, auf die wir ebenfalls ab Seite 126 eingehen. Bei letzteren trägt man lediglich manuell eine vorgegebene DNS-Serveradresse eines Umleitungsdienstes ein, was praktisch bei allen Geräten problemlos möglich ist. Um nicht jedes Mal jede Methode aufzählen zu müssen, sprechen wir nachfolgend allgemein von VPN-Verbindungen und verweisen im Übrigen auf den Artikel auf Seite 126.

Auch VPN-Zugänge und DNS-Redirecting können nicht verhindern, dass ein Video wieder von einem Portal verschwindet. Die beste Lösung wäre auch hier fraglos, wenn die Videoportale dem Anwender die Möglichkeit einräumen würden, die Inhalte auf die Festplatte herunterzuladen. Dies ist aber nur sehr selten der Fall, etwa bei ausgewählten Videos auf der Vimeo-Plattform. In der Regel besteht das Geschäftsmodell der Videoportale (und Podcasts) jedoch darin, dem eigentlichen Video einen bezahlten Werbeclip vorzuschalten oder über dieses Werbebanner zu legen. Zudem hat der Urheber eines Videos nach dem deutschen Gesetz das Recht, frei darüber zu bestimmen, was mit seinem Werk geschieht.

Das ändert freilich nichts daran, dass die Videos auch in bester Qualität unverschlüsselt gestreamt werden und sich daher im Netz unzählige Seiten, Browser-Plug-ins und Desktop-Anwendungen finden, um Videos von den Portalen auf der heimischen Festplatte zu sichern (siehe S. 122). Solche Privatkopien sind gemäß § 53 Urheberrechtsgesetz (UrhG) auch zulässig.

Mediatheken

Für die große Freiheit beim Fernsehgucken sollen eigentlich die Mediatheken der TV-Sender sorgen. Im Idealfall holt sich der Zuschauer zu einem beliebigen Zeitpunkt eine bereits ausgestrahlte Sendung auf den Fernseher. Doch davon sind wir noch ein gutes Stück entfernt. Das ist teilweise mit rechtlichen Problemen rund um das Thema Zweitverwertung zu erklären: Wenn es sich nicht um Eigenproduktionen handelt, fehlen den Sendern oft die Rechte, um Inhalte nach der TV-Ausstrahlung im Internet bereitzustellen. Generell sind Mediatheken daher eine gute Fundstelle für Serien, Shows und Dokumentationen, während man sich für Spielfilme besser bei VoD-Diensten umschaut.

Die größte Hürde ist bei den öffentlich-rechtlichen Sendern jedoch die mit dem 12. Rundfunkstaatsvertrag eingeführte 7-Tage-Regelung [3], nach der ältere Beiträge aus dem Netz zu nehmen sind. Wer nicht schnell genug ist, findet die verpasste Tatort-Folge demnach schon nicht mehr in der Mediathek vor. Und da nicht nur Das Erste als Hauptprogramm der ARD mit einer Mediathek im Netz vertreten ist, sondern auch die verschiedenen Regionalsender, verliert man als Anwender schnell die Übersicht, wann welche interessante Sendung wo gelaufen ist.

Abhilfe schafft hier etwa die Seite Fernsehsuche.de, über die man die verschiedenen Mediatheken durchforsten kann. Als „Online-Video-Verzeichnis“ dient auch myTVLink.tv, das über Rechner, iPad, Smartphones, Smart-TVs und Settop-Boxen aufrufbar ist und neben den Mediatheken unter anderem auch YouTube auf einer Oberfläche zusammenbringt.

Zwar planen ARD und ZDF schon länger ein gemeinsames Videoportal namens „Germany’s Gold“, über die die Öffentlich-Rechtlichen Anwendern Videos werbefinanziert oder gegen Gebühr anbieten wollen – und so ihr Archivmaterial zeitlich unbegrenzt vermarkten können, was ihnen in ihren eigenen Mediatheken bisher aufgrund der 7-Tage-Regel unmöglich ist. Doch das Bundeskartellamt, das bereits Anfang 2011 den Privatsender-Gruppen ProSiebenSat.1 und RTL Deutschland die Gründung einer gemeinsamen Videoplattform verboten hatte, meldete dagegen Bedenken an.

Viele Anwender empfänden es als beste Lösung, wenn sie Sendungen aus den Mediatheken erst einmal sichern könnten, um sie später zu einem beliebigen Zeitpunkt anzuschauen. Die öffentlich-rechtlichen Sender bieten eine solche Funktion selbst nicht an, doch auch hier sind Privatkopien erlaubt. Bei den Mediatheken der Privatsender wie RTL-Now sieht es hingegen ganz anders aus: Sie schützen ihre Inhalte aktiv, sodass ein direkter Download auf dem Rechner des Anwenders die in Deutschland verbotene Umgehung einer Sperre nötig macht (siehe S. 122).

Interessanterweise kann selbst für deutsche Anwender bei der Nutzung deutscher Mediatheken VPN zum wichtigen Thema werden – dann nämlich, wenn man versucht, aus dem Ausland auf diese Angebote zuzugreifen. Schließlich haben die Sender von Inhaltelieferanten lediglich die Streaming-Rechte für Deutschland erworben; bei den Öffentlich-Rechtlichen kommt zudem hinzu, dass ihr Programm von deutschen Gebührengeldern finanziert wird und daher nur Einheimischen zugute kommen soll. Um im Ferienhaus in Finnland auf die Mediatheken in der Heimat zugreifen zu können, benötigt man dann ebenfalls eine verschleierte IP-Adresse. Im Artikel ab Seite 126 haben wir daher auch überprüft, welcher VPN-Dienst einen Tunnel nach Deutschland bietet.

VoD-Dienste

Die über Video on Demand gegen Bezahlung angebotenen Filme sind werbefrei und lassen sich innerhalb der Mietdauer (gewöhnlich 48 Stunden) beliebig oft wiedergeben, anhalten, zurückspulen und so weiter. Möglich macht dies ein digitales Rechtemanagement (DRM), das andererseits verhindert, dass sich die gemieteten wie auch die gekauften Filme frei weitergegeben lassen. Doch selbst wenn man noch einmal bezahlen wollen würde, könnte man einen einmal gemieteten Filme nicht zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal anschauen: Viele Titel verschwinden aus den VoD-Angeboten aufgrund von Vereinbarungen zwischen Dienst und Studios nach einiger Zeit wieder. Ob und wann ein Film in ein VoD-Angebot zurückkehrt, lässt sich nicht generell sagen.

Mit dem Siegeszug von Video on Demand im Wohnzimmer ist der PC, auf dem mal alles begann, als Abspielgerät ins Abseits geraten: Einige Dienste wie Videociety unterstützen diese Plattform überhaupt nicht, andere bieten darüber keine HD-Fassungen bestimmter Filme an – wohl aber am TV. Das ist ein klares Zeichen, dass Hollywood den Rechner trotz aller Sicherungen mittels DRM immer noch als unsichere Plattform einstuft – und das auch nicht ganz zu Unrecht, wie der Artikel ab Seite 122 zeigt.

Ausländische Mediatheken

Warum nicht einfach der deutschen Bürokratie entfliehen und ausländische TV- und Video-Angebote nutzen? Die meisten Anwender dürften dabei aufgrund der Sprachkenntnisse vor allem an Dienste denken, die in Großbritannien und den USA beheimatet sind.

Offiziell ist die Nutzung von Deutschland aus nur in den seltesten Fällen möglich – etwa beim britischen Sender BBC, der auch international beliebte Serien wie „Dr. Who“ produziert. Die BBC gewährt deutschen Anwendern über den „BBC iPlayer Global“ für Apples iPad Zugriff auf über 3000 Stunden Inhalte aus ihrer Mediathek, einschließlich Download-Funktion – verlangt dafür aber auch knapp 8 Euro pro Monat beziehungsweise rund 75 Euro pro Jahr. Nur wenige Sendungen sind als Appetithäppchen kostenfrei zu sehen.

Britische Bürger mit passendem iTunes-UK-Benutzerkonto (siehe dazu auch den Kasten „Kartentricks“ auf Seite 120), die aus ihrem Heimatland (oder aus dem Ausland über VPN) auf den Dienst zugreifen, bekommen das gesamte Angebot über die „BBC iPlayer“ genannte App natürlich kostenlos. Ebenso können Sie eine Desktop-Variante des iPlayer auf Windows-PC, Linux-Rechner und Mac nutzen, die ebenfalls eine Download-Funktion (mit DRM-Schutz und offenbar nur für die SD-Fassung) bietet und zudem auf Wunsch Untertitel einblendet.

Als Beispiel für eine gelungene ausländische Mediathek dient meist das US-amerikanische Angebot „Hulu“, da es Produktionen mehrerer Sender unter einem Dach vereint – darunter ABC, AMC, Comedy Central, The CW Network, FX, National Geographic Channel, NBC und ScyFy. Serien einiger anderer Sender listet Hulu immerhin auf und leitet den Nutzer bei Bedarf auf deren Seiten um – etwa bei „The Big Bang Theory“ von CBS. Aktuelle Serien-Episoden stehen bei Hulu in der Regel am nächsten Tag zum Abruf bereit, bei passender Bandbreite prinzipiell in HD-Auflösung und meist mit zuschaltbaren Untertiteln (Closed Captioning, kurz CC).

Der Zugriff auf Hulu mittels VPN ist für deutsche Anwender unproblematisch über den Rechner möglich, weitere Hürden gibt es nicht. Jedoch muss man sich auf amerikanische TV-Verhältnisse einlassen: So serviert Hulu mittlerweile massiv Werbung, eine rund 20-minütige Sendung wird gut und gerne viermal für insgesamt 15 Clips unterbrochen. Daneben gibt es ab und an Werbeeinblendungen im Browser, die dafür sorgen, dass nachfolgend das mittels AirPlay von einem Mac an ein Apple TV übertragene Bild nicht mehr bildschirmfüllend auf dem Fernseher zu sehen ist. Letzteres Problem taucht bei der Desktop-Applikation von Hulu für die Windows 7 Media Center Edition nicht auf. Die Bildqualität passt sich dynamisch der zur Verfügung stehenden Bandbreite an und schwankte bei einem 32-MBit-Internetzugang ständig zwischen VHS- und HD-Niveau.

Die US-Sender ABC und NBC bieten darüber hinaus im amerikanischen iTunes Store eigene iPad-Apps an, über die man Zugriff auf die Inhalte ihrer Mediatheken bekommt – inklusive Vollbildmodus und Untertitel, aber ohne AirPlay-Funktion, sodass man für die Wiedergabe auf dem Fernseher einen HDMI-Adapter fürs iPad benötigt.

Rechtlich erscheint das reine Betrachten von Videos aus ausländischen Mediatheken via VPN als unproblematisch: Die Umgehung der Ländersperre verstößt nach allgemeiner Juristenmeinung erst einmal gegen kein Gesetz; so greife der §95a Urheberrechtsgesetz aus mehreren Gründen nicht [4]. Zum Anschauen des Videostreams selbst fehlt es nach unserem Kenntnisstand bislang an einer Klärung durch ein Gericht. Eine Reihe von Juristen vertritt im Kern die Ansicht, dass zumindest dies gemäß § 44 UrhG zulässig ist, da das urheberrechtlich geschützte Material nur aus technischen Gründen und vorübergehend zwischengespeichert wird [5]. Unklar ist, ob beziehungsweise wann diese Grenze überschritten wird, wenn man eine Download-Funktion des Dienstes nutzt, um etwa eine schlechte Verbindung auszugleichen.

Hulu Plus

Immer wieder liest man, dass Hulu auch über Tablets und Unterhaltungselektronikgeräte erreichbar sei. Tatsächlich handelt es sich dabei aber um den Ableger „Hulu Plus“, der 8 US-Dollar pro Monat kostet – und dennoch nicht werbefrei ist. Vielmehr bekommt man pro Unterbrechung lediglich einen oder zwei statt bis zu fünf Spots vorgespielt. Zudem hat man (wie früher auch beim gewöhnlichen Hulu) häufiger Zugriff auf komplette Serienstaffeln und nicht nur auf die letzten Episoden. Allerdings gibt es auch hier Folgen, die nur kurze Zeit verfügbar sind, auf CBS muss man zudem verzichten. Die Bildqualität war bei unseren Versuchen sehr gut, bei einigen Endgeräten wie dem Apple TV vermissten wir allerdings Untertitel.

Apropos Zugriff: Für Hulu Plus reicht ein VPN-Tunnel in die USA nicht, man muss auch eine Kreditkarte samt US-amerikanischer Adresse vorweisen können. Natürlich kann man auf die Idee kommen, einfach eine real existierende Anschrift anzugeben. Allerdings erwiesen sich die vom Dienst durchgeführten Prüfungen als streng: Alle unsere Kreditkarten, sowohl gewöhnliche als auch Prepaid-Varianten, wurden mit dem Hinweis auf Fehler beim Abgleich der Adresse zurückgewiesen. Im Internet findet man aber US-Prepaid-Kreditkarten extra für die Nutzung von Hulu Plus von außerhalb der USA, die sich auf amerikanische Adressen registrieren lassen.

Ein anderer Weg führt über die Hulu-Plus-App auf dem Apple TV, die im US-Netz sichtbar ist (siehe Kasten). Hier übernimmt Apple die Zahlungsabwicklung, der Zugang erfolgt also über den passenden US-iTunes-Account. Hulu Plus kann man eine Woche kostenlos testen, die Trialphase lässt sich bei Nichtgefallen über das US-iTunes-Konto vor der ersten Abbuchung kündigen. Nach kurzer Zeit schickte Hulu sogar einen Link an die bei Apple hinterlegte Mailadresse, um den Plus-Dienst auch für weitere Geräte freizuschalten. Das klappte problemlos – allerdings sollte man beachten, dass damit die stornierte Trialphase wieder zu laufen beginnt.

Für das Anschauen der Streams kann es rechtlich keine andere Wertung geben als bei den Mediatheken. Natürlich verstößt man als Nicht-US-Amerikaner gegen die Nutzungsbedingungen von Hulu Plus, aber dies ist nur insoweit problematisch, als dass der Dienst auf dieser Grundlage das Konto kündigen kann. Beim Umweg über Apple ist natürlich auch eine Sperrung des US-amerikanischen iTunes-Account denkbar.

US-Flatrate-Provider

In Deutschland sind derzeit Flatrate-Angebote wie Lovefilm oder Watchever im Kommen, bei denen man gegen einen monatlichen Pauschalbetrag aus einer großen Auswahl an Filmen und Serienepisoden so viel anschauen kann, wie man möchte. Als Vorbild gilt hier stets der US-amerikanische Dienst Netflix, der dieses Geschäftsmodell seit 2007 betreibt, mittlerweile für rund ein Drittel des gesamten nordamerikanischen Web Traffic sorgt und auf etlichen Endgeräten zu finden ist – darunter Windows-PC und Mac, Tablets, Apple TV, PS3, Xbox 360 und Wii. Der Dienst schrieb im Februar 2013 Fernsehgeschichte, als er auf einen Schlag alle 13 Folgen der ersten Staffel seiner eigenproduzierten Serie „House Of Cards“ anbot.

Kritiker bemängeln wiederum, dass Netflix sich finanziell verhoben hat und daher sein Grundangebot immer mehr zusammenkürze, um als werbefreies Angebot mit den rund 8 US-Dollar Monatsgebühr pro Kunde über die Runden zu kommen. Böse Zungen könnten nun behaupten, dass Netflix daher nicht mehr ganz so genau hinschaut, woher die Kunden kommen: Verlangte der Dienst vor einigen Jahren noch genaue Angaben zum Wohnort, konnte man dieses Feld bei unserem neuerlichen Besuch (über VPN) einfach überspringen. Auch unsere gewöhnliche deutsche Kreditkarte akzeptierte er ohne Murren. Dass diese danach dennoch von der deutschen Bank vorübergehend gesperrt wurde (siehe Kasten), muss man also unter „dumm gelaufen“ verbuchen. Eine Kündigung war mit Monatsfrist problemlos möglich, ebenso die spätere Fortsetzung des Abos.

Ob sich der Aufwand lohnt, blieb in der Redaktion etwas umstritten: Zwar sind beliebte Serien wie „How I Met Your Mother“ oder „The Walking Dead“ im Angebot, es fehlt aber meist die aktuelle (laufende) Staffel. Beim HBO-Hit „Game Of Thrones“ wird man darauf hingewiesen, dass man sich die Serie auf DVD zuschicken lassen könne. Auch die Auswahl an Filmen ist eher mau. Andererseits findet man immer wieder Serien, die in Deutschland noch gar nicht oder nur im Pay-TV laufen oder Comedy-Shows, die nie den Weg zu uns finden dürften. Am Test-Mac bekamen wir auch bei guter Verbindung nur eine mäßige Bildqualität geboten, an der Playstation 3 (mit US-Account, siehe Kasten) und am Apple TV erfreute uns Netflix hingegen über dieselbe 32-MBit-Leitung mit „Super HD“ in 1080p mit optionalen Untertiteln.

Der heilige Gral ist für viele deutsche Fernsehfans der US-Pay-TV-Sender HBO („Game Of Thrones“, „Boardwalk Empire“), den man in etlichen amerikanischen TV-Netzen findet und der unter dem Namen „HBO Go“ eine kostenpflichtige Mediathek betreibt – so wie Sky hierzulande mit Sky Go. Für den Zugriff reicht ein VPN-Zugang allerdings nicht aus: Bei der Anmeldung wird man aufgefordert, sich mit den Daten seines (natürlich US-amerikanischen) Providers anzumelden. Denn HBO Go ist eine Zusatzleistung, die nur Kunden des Pay-TV-Angebots nutzen können. Und auch der Comedy-Spartenkanal TBS verlangt beim Zugriff auf eine Seite eine Identifizierung mit den Daten des Netz-Providers. Für einen Zugang müsste man folglich einen US-Amerikaner kennen, der auf seinen Namen ein passendes HBO-Abo abschließt und seine Daten weitergibt.

Ausländische VoD-Dienste

Nun möchte nicht jeder gleich ein Flatrate-Angebot für eine monatliche Grundgebühr buchen. Viele dürften eher daran interessiert sein, ab und an einen noch nicht in Deutschland erhältlichen Film oder eine nagelneue ausländische Serie in Originalfassung anzuschauen. Für sie lohnt sich ein Blick auf die ausländischen VoD-Dienste – für die natürlich jeweils der passende VPN-Zugang nötig ist, weshalb wir nachfolgend darauf nicht mehr explizit eingehen. Keine Sorgen muss man sich dabei über irgendwelche Freischalt- oder Monatsgebühren machen; die aufgeführten Dienste berechnen nur die Inhalte, die man auch tatsächlich mietet oder kauft.

Wer sowieso schon einen US-amerikanischen oder britischen iTunes-Account hat (siehe Kasten), der kann am einfachsten über sein Apple-Gerät den jeweiligen Store nutzen. Anders als in Deutschland sind dort auch über das Apple TV Serien (inklusive Angebote für jeweils eine komplette Staffel als sogenannter „Season Pass“) verfügbar – und zwar auch von HBO. HD-Qualität und Mehrkanalton sind bei iTunes ebenso Standard wie zuschaltbare Untertitel.

Wer nach einer Alternative zu iTunes sucht, stößt schnell auf den US-Dienst Vudu, der unter anderem auf PCs und Macs, iOS- und Android-Tablets, Smart-TVs und Blu-ray-Playern sowie Xbox 360 und PS3 läuft. Und nicht nur die Titelauswahl kann sich sehen lassen: Der Dienst streamt im sogenannten „HDX“-Modus an Windows-Rechner und Spielkonsolen Filme in knackig scharfem 1080p und mit Dolby-Digital-Plus-Ton mit bis zu 7.1 Kanälen. Untertitel gibt es jedoch eher selten. Als besonderen Leckerbissen bietet der Dienst am PC über eine Anwendung die Funktion „Vudu-To-Go“, wo man einen in HD geladenen Film DRM-geschützt auf bis zu fünf PCs herunterladen kann. Neue Titel kann man gewöhnlich für rund 4 US-Dollar in SD, für 5 in „HD“ (720p) und für 6 in „HDX“ mieten. TV-Serien gibt es für 2 und 3 US-Dollar in SD beziehungsweise HD, Staffelpässe sind ebenfalls erhältlich.

Die Anmeldung lief zunächst nicht so glatt wie erhofft: Die erste gewöhnliche Kreditkarte wurde abgelehnt, erst mit einer zweiten Karte und einer „angepassten“ Postleitzahl klappte es (siehe dazu den Kasten „Kartentricks“ auf S. 120). Ein anderer Versuch mit einer Prepaid-Karte führte hingegen auf Anhieb zum Erfolg. Für die Wiedergabe einiger Filme ist bei der Vudu-Registrierung zugleich eine Anmeldung bei der Plattform „UltraViolet“ nötig, die aber auch problemlos klappte. Im Gegenzug bekommt man dafür 10 Filme (in SD-Qualität) geschenkt – kein schlechter Deal.

Der Online-Versandhändler Amazon bietet mit „Amazon Instant Video“ einen ähnlichen Dienst. Unser Anmeldeversuch mit einer US-amerikanischen Anschrift klappte zunächst, auch die Kopplung mit der Playstation 3 funktionierte auf Anhieb. Der erste Versuch, einen Film zu mieten, endete jedoch mit der (durchaus korrekten) Meldung, dass unsere Kreditkarte nicht von einer Bank in den USA ausgegeben worden sei. Eine Recherche im Internet ergab, dass sich wie bei Hulu Plus auch hier mittlerweile Anbieter auf den Verkauf tauglicher US-amerikanischer Prepaid-Kreditkarten samt passender Anschrift spezialisiert haben.

So kanns gehen

Zu vielen der an sich für Deutsche gesperrten TV- und Videodienste lässt sich mit vergleichsweise wenigen Kniffen Zugang verschaffen. Ein ums andere Mal beschlich uns daher das Gefühl, dass mancher Anbieter ganz gerne unser Geld einstrich und nur gerade so viel Widerstand bot, wie ihm gesetzliche und vertragliche Auflagen abnötigen. Lediglich HBO Go und TBS sperren ausländische Besucher rigoros aus.

Bei manchen Diensten ist es allerdings auch wie bei den Kirschen aus Nachbars Garten, die nur vermeintlich süßer schmecken. Tatsächlich sollte man im Zweifel nachrechnen, ob sich der finanzielle Einsatz tatsächlich lohnt. Dazu kann man dank kostenlosen Testphasen und kurzen Kündigungsfristen erfreulicherweise alle genannten Dienste ohne finanzielles Risiko austesten. (nij)

Literatur
  1. [1] Nico Jurran, Tab-TV, Fernsehen auf dem iPad, c’t 7/11, S. 158
  2. [2] GEMA versus YouTubes Top 1000, http://apps.opendatacity.de/gema-vs-youtube/
  3. [3] Zwölfter Rundfunkänderungsstaatsvertrag, www.rlp.de/fileadmin/staatskanzlei/rlp.de/downloads/medien/12_rundfunkaenderungsstaatsvertrag.pdf
  4. [4] ausführlich dazu: Umgehung von Geo-Sperren – Handeln die Softwareanbieter rechtswidrig?, www.lawbster.de/umgehung-von-geo-sperren/
  5. [5] Thomas Schwenke, Kino.to und Hulu.com – legal oder illegal? Was kann mir passieren?, http://rechtsanwalt-schwenke.de/kino-to-und-hulu-com-legal-oder-illegal-was-kann-mir-passieren/
Kartentricks

Wer sich bei einem ausländischen Videodienst anmelden möchte, kommt in der Regel nicht umhin, eine vor Ort ausgestellte Kreditkarte samt passender Anschrift vorzuweisen. Dies gilt selbst dann, wenn der Anbieter Neukunden zunächst eine kostenfreie Probephase einräumt. Bedenkt man, dass Kartennummern eindeutig der jeweiligen Bank samt Ausgabeland zugeordnet werden können, müsste eigentlich jeder Versuch, sich mit einer deutschen Karte bei einem ausländischen Dienst anzumelden, von vornherein zum Scheitern verurteilt sein. Amazon Instant Video und Hulu ließen sich von uns tatsächlich nicht täuschen. Andererseits stellten wir fest, dass Netflix offenbar lediglich prüft, ob die Kreditkarte gültig ist.

Dazwischen liegen Anbieter wie Vulu, die einen Abgleich zwischen der angegebenen Anschrift und der bei der Bank hinterlegten Adresse des Karteninhabers durchführen. Dies klang zunächst nachvollziehbar, da unsere erste Kreditkarte in Kombination mit einer beliebigen US-Anschrift umgehend abgelehnt wurde. Bei genauerer Überlegung kamen uns jedoch Zweifel an dieser Darstellung: Der Besitzer der Karte wohnt in einer Straße mit einem langen Namen, der immer unterschiedlich abgekürzt wird. Daraufhin entwickelten wir die Theorie, dass lediglich die Postleitzahl (englisch ZIP-Code) abgeglichen wird – und wagten mit einer zweiten Karte und einer zur heimischen Postleitzahl passenden US-Adresse einen erneuten Versuch. Und siehe da: Diesmal gab Vudu grünes Licht.

Die Versuche mit Netflix und die Ablehnung der Anfrage seitens Vudu rief letztlich die Betrugsabteilung unserer Bank auf den Plan, die eine Manipulation durch Datendiebe witterte und daraufhin zur Sicherheit vorübergehend unsere Kreditkarte sperrte. Erst nachdem wir dem zuständigen Sachbearbeiter telefonisch versicherten, dass wir die Abbuchungen genehmigt hatten, gab die Bank unsere Karte wieder frei.

Bei Vudu gelang die Freischaltung aber auch mit einer ein Jahr gültigen Prepaid-Visakarte, die man für 10 Euro an vielen Tankstellen bekommt. Eine richtige Registrierung mit Name, Anschrift und so weiter wird erst verlangt, wenn man über 100 Euro pro Monat auflädt. Vielmehr kann man die Karte über eine deutsche Handynummer ohne weitere Angaben freischalten. Ein deutsches Facebook-Account, verknüpft mit einer beliebigen US-Adresse, reichte, um vom Dienst als Amerikaner akzeptiert zu werden.

Bäumchen, wechsel Dich

Möchte man über sein Apple TV oder iPad auf einen ausländischen Videodienst zugreifen oder etwa über seinen Mac bei iTunes UK einen Film ausleihen, reicht eine VPN-Verbindung beziehungsweise ein DNS-Redirecting zum Zielland alleine ebenfalls nicht aus. Ohne gültiges iTunes-Benutzerkonto kann man weder Apps herunterladen noch irgendwelche Transaktionen durchführen, mit deutschem Account wirft einen Apple aber schnell wieder aus dem Store. Man benötigt also für jedes Land ein passendes Konto. Um ein solches anzulegen, reicht eine Fake-Adresse alleine nicht aus, Apple möchte bei der Einrichtung des Kontos auch eine Zahlungsmethode genannt bekommen. Allerdings muss es sich hierbei nicht um eine Kreditkarte handeln, auch iTunes-Geschenkkarten werden akzeptiert. Sie müssen allerdings für den jeweiligen Ableger ausgestellt worden sein und sind auch nur für diesen gültig. Man kann also beispielsweise nicht sein Guthaben im britischen iTunes Store mit einer US-Gutscheinkarte auffüllen.

Tatsächlich ist es überhaupt kein Problem an die passende Ausführung zu kommen: Auf eBay.de findet man haufenweise Geschenkkarte für die verschiedenen iTunes-Ableger in diversen Stückelungen – etwa für 10, 15, 25, 50 und 100 US-Dollar beziehungsweise britische Pfund. Wir erwarben testweise zwei Karten für iTunes US und UK und erhielten nach wenigen Minuten jeweils ein gescanntes Bild zugemailt, auf dem der Gutschein-Code zu lesen war. Diesen gaben wir dann einfach bei der Erstellung des jeweiligen Kontos ein. Apple schaltete daraufhin die Accounts mit den gutgeschriebenen Summen problemlos frei.

Schließlich sollte man bei der Nutzung von Unterhaltungselektronik wie Smart-TVs, Streaming-Client und dem Apple TV noch darauf achten, dass man auch bei bestehender VPN-Verbindung häufig über das Setup explizit festlegen muss, dass sich das Gerät in dem jeweiligen Land befindet. Andernfalls werden in der Regel auf der Bedienoberfläche die gewünschten Dienste nicht aufgelistet. Bei der Playstation 3 reicht wiederum die Anmeldung mit dem passenden ausländischen Fake-Account, damit die Spielkonsole umschaltet. Man findet die Apps der Videodienste dann meist im Bereich „My Channels“ („Meine Kanäle“).

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Infos zum Artikel

Kapitel
  1. Videoportale
  2. Mediatheken
  3. VoD-Dienste
  4. Ausländische Mediatheken
  5. Hulu Plus
  6. US-Flatrate-Provider
  7. Ausländische VoD-Dienste
  8. So kanns gehen
  9. Kartentricks
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