Home, smart Home!

Bequeme Steck- und Funklösungen im Einsatz

Praxis & Tipps | Praxis

Mit leicht nachrüstbaren Komponenten lassen sich Licht und Heizung daheim komfortabel über Smartphone und Tablet steuern – sogar von unterwegs. Wir haben sechs Lösungen in der Praxis getestet.

Heimautomation, vernetztes Heim, Smart Home: Egal wie man das Kind auch nennt, in der breiten Masse blieb es bislang unbeliebt. Meist assoziierte man mit den Begriffen maximal invasive Eingriffe in Haus und Wohnung: Lichtschalter austauschen, Steckdosen wechseln, Steuergeräte im Stromkasten einbauen und womöglich sogar die Wände aufstemmen, um zusätzliche Kabel zu verlegen. Doch keine Bange, der Einstieg ins Smart Home ist mittlerweile ohne Bohrmeißel leicht und günstig möglich. Netzwerkfähige Funksysteme mit intelligenter Zentrale und App-Steuerung von nah und fern machen Spaß und ebnen auch dem Laien den Weg.

Auch wenn es der Begriff Smart Home suggeriert: Richtig intelligent wird eine Wohnung oder ein Haus durch Heimautomation nur in wenigen Fällen. Noch muss der Bewohner in der Regel selbst steuern. Im Vordergrund stehen eher Komfort, also etwa eine zentrale Lichtsteuerung mit einem Tablet, Sicherheit und Energiesparen. Da sich die Hersteller bei letzterem mit ihren Versprechungen nicht mehr so ganz sicher sind, fällt immer häufiger der Begriff Energiemanagement. Die meiste Energie verbrät der Durchschnittsbürger mit Heizen, was programmierbare Thermostate zeitabhängig steuern können. Per bidirektionalem Funk kontrollierbare Thermostate erleichtern das Einstellen der Heiz- und Absenktemperaturen sowie der dazugehörigen Zeitprofile. Ob das in der Praxis einen messbaren Einspareffekt bringt, ist umstritten. Einige Experten halten die Absenkung in gut gedämmten Häusern für unnötig, weil die Temperaturen im Haus gehalten werden. Ihrer Meinung nach würde auch ohne Nachtabsenkung (oder tagsüber beim Arbeiten im Büro) nur wenig zusätzliche Heizenergie verbraucht. Für Bewohner schnell auskühlender Räume kann das allerdings sehr wohl Vorteile bringen.

Stromsparen erzeugt hingegen zweifellos einen positiven Effekt. Ob das aber unter Berücksichtigung der Investitionskosten für die Steuerungskomponenten zu einem Plus auf dem Konto führt, ist nicht gesichert. Aber seien wir mal ehrlich, für viele ist allein schon die Möglichkeit, alles überwachen, steuern und automatisieren zu können, Grund genug, sich mit Automatisierung zu befassen.

Wir haben sechs Systeme der Anbieter AVM, Belkin, ELV, Geo, Philips und RWE in der Praxis getestet, die sich ohne große Umbauarbeiten daheim integrieren lassen und den Zugriff über das Netzwerk erlauben. Abgesehen von einer Rundum-Lösung des Anbieters RWE haben die Systeme unterschiedliche Schwerpunkte: Heizungskontrolle, Lichtsteuerung oder verbrauchsabhängige Stromsteuerung. Bei allen handelt es sich um Insellösungen, die leider untereinander nicht kompatibel sind – und damit auch schwer vergleichbar sind. Ob die Hersteller ihre Lösungen durch zusätzliche Komponenten erweitern, ist nicht gesichert. Wer auf den Geschmack gekommen ist, kann diese Systeme nicht so ohne Weiteres ausbauen. Da lohnt dann ein Blick auf Systeme wie HomeMatic, das eine Vielzahl von Aktoren und Sensoren für innen und außen bietet. Da endet dann aber die Einsteigerfreundlichkeit: derartige System verlangen dem Anwender einiges an Wissen und Bastelkönnen ab. Einen Einblick in HomeMatic und ähnliche Systeme liefern wir ab Seite 90.

Kabellos

Die eingesetzte Funktechnik erspart einem zwar das Verlegen von Kabeln, dafür muss man aber gerade in dichter besiedelten Gebieten unter Umständen Störungen bei der Datenübertragung und Probleme bei der Reichweite in Kauf nehmen. Weit verbreitet ist die Funkerei im sogenannten SRD-Band mit 868 MHz (ELV und RWE) und im ISM-Band mit 2,4 GHz. Auf letzterer Frequenz arbeiten der bekannte Wi-Fi-Standard (Belkin) und der Sensor-Funkstandard ZigBee (Philips und Geo). AVM nutzt DECT (bei knapp 1900 MHz). Grundsätzlich gilt, je niedriger die Frequenz, desto geringer die Dämpfung durch Wände. Bei WLAN muss man im Einfamilienhaus eventuell schon mit Repeatern arbeiten. In Anbetracht des zunehmenden Gedränges in allen Funkkanälen ist nicht garantiert, dass eine jetzt funktionierende Heimautomationslösung auch noch in fünf Jahren problemlos arbeitet.

Auch die Datensicherheit spielt eine wichtige Rolle, will man verhindern dass der Nachbar sich Späße mit der Heizung oder dem Licht erlaubt. Alle hier vorgestellten Lösungen sind aber hinreichend sicher: In ein WPA-gesichertes WLAN kommt keiner rein, AVM hat bei DECT die Verschlüsselung angeschaltet. Die ZigBee-Lösungen chiffrieren die Datenpakete zwar, allerdings lassen sich die Schlüssel unter Umständen mitlesen, um manipulierte Paket einzuschleusen – wie US-Forscher gezeigt haben. Praxisrelevant sind derartige Angriff aber noch nicht.

ELV setzt mit seiner MAX!-Lösung auf den Bidirectional Communication Standard (BidCos), bei dem die Funkbefehle signiert werden. Damit kann man zwar beispielsweise Befehle mitlesen, dass ein Gerät stellen soll, aber manipulieren lässt sich der Befehl nicht so leicht. Allerdings nutzen die Komponenten einen Standardschlüssel, sodass man mit einigen Tricks und durch Ausspähen der vorherigen Pakete dennoch gefälschte Befehle bauen und an die Komponenten senden kann. Die Authentifizierung ist zudem nur bei sicherheitsrelevanten Geräten ab Werk aktiviert. Bei MAX! ist sie leider ausgeschaltet. Die RWE-Lösung setzt hingegen auf die sichere Variante Control over Secure IPv6 (CosIP), die allerdings noch nicht offengelegt ist. CosIP verschlüsselt durchgehend und verteilt individuelle Schlüssel an alle Geräte.

AVM Smart-Home

Wer eine Fritzbox nutzt, findet mit dem Update auf FritzOS 5.5 im Heimnetzbereich der Web-Oberfläche den neuen Punkt „Smart Home“. Um die neue Funktion zu nutzen, benötigt man eine von AVMs Smart-Home-Komponenten, den FritzDect 200 oder den FritzPowerline 546E. Was das Schalten und Messen angeht, gleicht Letzterer seinem kleinen Bruder, verfügt aber über zusätzliche Netzwerkfunktionen. Für unseren Test nahmen wir ein Set aus drei FritzDect 200 unter die Lupe, die allerdings im freien Handel aufgrund von Lieferproblemen des Herstellers bis mindestens Ende April nur schwer verfügbar sind. Die Geräte verbanden wir mit einer Fritzbox 7390.

AVMs Zwischenstecker sind nicht gerade schick und schauen wie ein Stück Netzwerktechnik aus, im Regelfall werden sie aber ohnehin hinter Möbeln oder Elektrogeräten verschwinden. Außer der Kopplungstaste findet sich noch eine Taste zum direkten Ein- und Ausschalten. Hinter beiden leuchten recht kräftige LEDs – im Schlafzimmer wird man sich daran stören, sie aber im Flur vielleicht als Gratisnachtlicht zu schätzen wissen.

Die Installation ist denkbar einfach: Ein Drücken der DECT-Taste auf Router und Zwischenstecker genügt, um die Geräte zu koppeln. AVM nutzt den DECT-Standard, mit dem sich auch Schnurlos-Telefone an die kombinierten Router/Telefonanlagen anschließen lassen. Einziger Pferdefuß: Der Betrieb dieser Zwischenstecker blockiert die Verwendung des Eco-DECT-Modus der Fritzbox – wer es hier bisher besonders strahlungsarm mochte, muss für die Wandstecker einen Gang höher schalten. Das von den Smart-Home-Komponenten genutzte DECT-ULE-Protokoll verträgt sich nicht mit dem Eco-DECT-Modus, sodass dieser nach Installation eines FritzDect 200 im Konfigurationsmenü der Fritzbox klammheimlich ausgegraut wird.

Nach problemloser Installation lassen sich die Steckdosen über das Menü eines angeschlossenen FritzFon-DECT-Telefons oder über die Bedienoberfläche der Fritzbox im Browser steuern. Hier finden sich auch zahlreiche grafische Auswertungen, die den Stromverbrauch nach Tagen, Wochen oder Jahren hin abbilden und Durchschnittswerte von Verbrauch, Kosten und CO2-Ausstoß vorhalten. Über die Fritzbox kann man die Zwischenstecker bequem programmieren: Neben einfachen Timer-Einstellungen (leider nur im 15-Minuten-Raster) findet sich in der Liste auch die „astronomische“ Schaltung und die nach „Kalender“. Erstere kann man nutzen, um zum Beispiel die Außenbeleuchtung jeweils mit dem Sonnenuntergang einzuschalten, für letztere muss man einen Google-Kalender bemühen. Findet die Fritzbox im Kalender den Termin „an“ oder „aus“, setzt sie diese in entsprechende Schaltimpulse für die Aktoren um.

Das Schalten von unterwegs erledigt man über den MyFritz-Dienst im Browser. Nur für Android existiert momentan die passende MyFritz-App – die allerdings auch nur einen Link auf die mobile Version der entsprechenden Webseite ist.

Im Laufe des Jahres will AVM mit dem FritzDect 210 einen kleineren Adapter mit zusätzlicher Dimm-Funktion herausbringen. Insgesamt kann man nach Aussagen des Herstellers maximal 10 Smart-Home-Komponenten mit einer Fritzbox betreiben. Wer bereits eine Fritzbox hat, kann dank des Funksteckers mit wenig Aufwand die ein oder andere Automationsaufgabe lösen oder sich gezielt auf die Suche nach Energiefressern machen.

Belkin WeMo

Belkins Heimautomations-Set „WeMo Switch+Motion“ besteht aus einer Funksteckdose und einem Bewegungssensor. Beide werden ins WLAN eingebunden und lassen sich anschließend über die WeMo-App vom Smartphone oder Tablet aus steuern – ein Webinterface gibt es nicht.

Die Ersteinrichtung des Bewegungssensors läuft problemlos – alle WeMo-Komponenten spannen zunächst ein eigenes Funknetz auf, in das man sich mit dem Smartphone einklinken muss. Nach Eingabe der Netzwerkparameter klinken sie sich dann ins heimische WLAN ein. Unser WeMo-Switch wollte zunächst nicht spuren, tauchte nach einigem Suchen und einem Reset des Routers dann schließlich doch noch in der App auf.

Recht empfindlich reagierten die WeMos, wenn ihnen die WLAN-Verbindung einmal abhanden kam: Wiederholt hatten sie Probleme mit der automatischen Wiederanmeldung, sodass man sie kurz vom Netz trennen musste. Wenn man wirklich mehrere WeMos im Haus verteilt hätte, wäre das eine wenig praktikable Lösung. Zickig reagierte das System auch, wenn man es in einem anderen WLAN neu installieren wollte. Die WeMo-Adapter mussten auf Werkseinstellung gesetzt werden, auf dem iOS-Gerät tauchten sie jedoch erst nach einem kompletten Neustart wieder auf.

Über die WeMo-App lassen sich die angemeldeten Komponenten per WLAN oder eine mobile Datenverbindung ansprechen. Zudem lassen sich einfache Regeln definieren – etwa ein zeitgesteuertes Ein- und Ausschalten des Switches. Genauso einfach kann man den Bewegungssensor einbinden: Sobald man sich in seinem Sichtfeld aufhält, lässt sich zum Beispiel das Licht anschalten.

Richtig spannend wird das WeMo-System erst durch die in die App integrierte Verbindung mit dem Webdienst „If this than that“ (IFTTT). Hier lassen sich einfache Regeln nach dem Wenn-X-dann-Y-Prinzip generieren. Hierzu muss man zunächst einen kostenlosen IFTTT-Account anlegen und Sensor nebst Switch über die App für die Remote-Steuerung durch den Dienst freigeben. Auf der Website von IFTTT kann man nun Regeln erstellen, bei denen man rund 60 andere Web-Dienste einbinden kann.

So lassen sich zum Beispiel Schaltvorgänge abhängig von der Wettervorhersage generieren, um vor der Hitzewelle rechtzeitig den Rasen zu sprengen. Andersherum lässt sich auch der WeMo-Bewegungsmelder einspannen, um Tweets, Mails oder Facebook-Einträge auszulösen.

Nachdem sich WeMo zunächst nur per iOS bedienen ließ, gibt es inzwischen auch eine Beta-App für Android, die nach Angaben von Belkin eigentlich nur für Samsungs Galaxy SIII bestimmt ist. Im Test lief sie auch mit anderen Systemen, selbst unter Android 2.3. In Kürze soll es auch eine WeMo-WLAN-Kamera geben, bisher sind nur das beschriebene Starterset (ca. 100 Euro) und zusätzliche Erweiterungssteckdosen (je 50 Euro) erhältlich.

ELV MAX!

Das System des Herstellers ELV respektive eq-3 ist auf die Steuerung der Heizkörper in Haus und Wohnung fokussiert. Der MAX! Cube ist Zentrale und die Schnittstelle zwischen dem LAN und Funk (BidCos) zugleich. Er wird an den DSL-Router angeschlossen; auf einem PC installiert man die Software für Windows oder Mac OS X. Die Java-Software läuft in Web-Browser und findet den Cube im Netz automagisch.

Per Web-Browser konfiguriert man die Heizprofile und gewünschten Temperaturen auf dem Cube. Der schickt sie per Funk (868 MHz) an die einzelnen batteriebetriebenen Thermostate (Akkus gehen auch). Dank des bidirektionalen BidCos-Protokolls stellt der Cube sicher, dass das Thermostat ihn auch verstanden hat. Im Gegenzug übermittelt das Thermostat seinen Zustand an den Cube, etwa den Batteriestand. Alle zwei Minuten tauschen die Geräte untereinander Daten aus.

Die Montage der Thermostate ist simpel: alte Thermostate ab, neue dran. Da diese nur den Stößel der Ventile im Heizkörper betätigen, muss niemand Heißwasserfluten in seinen Räumen befürchten. Zum Koppeln der Thermostate mit dem Cube bringt man sie in den „Anlern“-Modus und startet die Suche in der PC-Software. Da die Suche nur maximal 30 Sekunden dauert, sollte man die Thermostate erst nach dem Anlernen montieren. Andernfalls muss man sich sputen, um vom Thermostat auf dem Dachboden zum PC im Erdgeschoss zu kommen. Apropos Dachboden: In unserem Test im Einfamilienhaus funktionierte die Funkverbindung vom Cube durch eine Stahlbetondecke und eine Holzdecke tadellos – das muss aber nicht überall so sein.

Neu gefundene MAX!-Geräte lassen sich einem Raum zuweisen. Die Software nimmt einem dabei viel Arbeit ab: Für alle Wochentage sind bereits für die meisten Berufstätigen sinnvolle Heizprofile hinterlegt, die man einfach abnicken kann. Änderungen sind aber schnell erledigt und aufgrund der übersichtlichen und einfach gehaltenen Oberfläche schafft das auch der Laie ohne Handbuch. Laut ELV lassen sich insgesamt 50 Geräte in 10 Räumen mit dem Cube verwalten. Die Thermostate übernehmen die Profile dauerhaft in ihren eigenen Speicher. Ein Ausfall des Cube endet also nicht in einer außer Kontrolle geratenen Heizung.

Neben den Heizkörperthermostaten gibt es im MAX!-Portfolio noch Wandthermostate sowie Funk-Fensterkontakte – beide batteriebetrieben. Letztere sorgen dafür, dass beim Öffnen eines Fensters die im Raum befindlichen HK-Thermostate die Ventile sofort zufahren. Schließt man das Fenster, fahren die Thermostate wieder hoch. Die Verknüpfung der Elemente und der Aktionen übernimmt die MAX!-Software praktischerweise selbst. Ähnlich arbeitet der Eco-Taster, der jedoch keinem einzelnen Raum zugeordnet ist. Betätigt man ihn beim Verlassen der Wohnung, stellt er abweichend von den programmierten Heizprofilen alle Thermostate auf die Absenktemperatur – bis zur Heimkehr.

Wer unverhofft mal früher nach Hause kommt, kann seine Räume aber auch von unterwegs vorheizen. Über den Internetportalservice greift man auf den eigenen MAX! Cube von außen zu – ein Eingriff in die Firewall des DSL-Routers ist nicht nötig. Voraussetzung ist allerdings ein Konto auf den Servern von ELV, mit denen sich der Cube verbindet. Der Portalservice ist in den ersten zwei Jahren kostenlos, danach fallen für weitere drei Jahre 5 Euro an.

Wahlweise greift man aus der Ferne via Web-Browser auf die Portalseite zu oder mit den kostenlosen Apps für iPhone und Android. Die Apps unterstützen jedoch nicht die Konfiguration von Heizprofilen. Sie sind eher für das außerplanmäßige Hoch- oder Runterregeln der Temperaturen aus der Ferne oder die Kontrolle der Fenstersensoren geeignet. Im Test verband sich unser Cube nicht immer mit dem Portal, was einen Fernzugriff vereitelte. Schuld war ein noch offenes Konfigurationsfenster im Web-Browser auf dem heimischen Server. Offenbar nimmt der Cube keine Verbindung mit dem Portal mehr auf, während er über einen Rechner im LAN konfiguriert wird. Das war in unserem zweiwöchigen Test aber auch die einzige Auffälligkeit, Ausfälle der Funkverbindungen oder „spinnende“ Thermostate registrierten wir nicht. Mit den sehr moderaten Preisen von Cube (50 Euro), HK-Thermostat (30 Euro), Fensterkontakt (20 Euro) und Eco-Taster (20 Euro) bietet MAX! einen leichten und gut funktionierenden Einstieg in das intelligente Heim.

Geo

Die britische Firma Geo (green energy options) beschäftigt sich hauptsächlich mit Geräten zur Darstellung des Stromverbrauchs und – für Besitzer einer Solaranlage – der Rückeinspeisung ins Netz. In unserem Testset findet sich daher neben den üblichen Zwischensteckern für den Leistungs-Check einzelner Verbraucher eine kleine Anzeigetafel ähnlich einer Wetterstation namens „Ensemble“. Mit dabei ist ein Kistchen zur Abnahme des Stromdurchflusses und ein weiteres Kistchen – das Web-Pack –, mit dem das Ganze mit dem Internet verbunden wird.

Uns ging es zwar in erster Linie um die Fernschaltung und Verwaltung von Verbrauchern, der „Drehzahlmesser für den Strom“ machte trotzdem neugierig. Das Gerät ist mit einer LCD-Segmentanzeige ausgestattet, wobei die Segmente verschiedene Farben haben. Damit das Täfelchen den aktuellen Stromverbrauch ermittelt, muss man zunächst den Transmitter in Stellung bringen: Er wird über drei Stromklammern mit den Phasen des Hausanschlusses verbunden und misst per Induktion den Gesamtdurchfluss. Sind die Phasen leicht zugänglich, hat man die Klammern in einer Minute auch als Laie angebracht – wenn nicht, hilft nur ein Anruf beim Elektriker. Um korrekte Ergebnisse zu liefern, müssen die Klammern direkt am Zähler beziehungsweise vor der Hauptsicherung sitzen.

Der Transmitter ist mit drei AA-Batterien bestückt, Geo nutzt ZigBee zur Kommunikation zwischen den Komponenten. Sobald der Transmitter aktiv ist, signalisiert das Display eine funktionierende Verbindung – sitzen die Klammern, erscheint der aktuelle Stromverbrauch in Kilo-Watt, in Euro pro Stunde oder der korrespondierende CO2-Ausstoß. Viel spannender ist der Segmentring, der ähnlich einem Drehzahlmesser den aktuellen Verbrauch im gesamten Haus anzeigt. Das schafft Bewusstsein für den Stromverbrauch und Einsicht ist ja bekanntlich der erste Weg zur Besserung.

Zusätzlich lassen sich bis zu sechs Funkzwischenstecker koppeln, deren Verbrauch man ebenfalls über das Display ablesen kann. Mit dem Webpack hievt man die Gesamtinstallation schließlich ins Internet. Die schwarze Kiste wird per Ethernet mit dem Router verbunden und drahtlos via ZigBee über die Ensemble-Station mit dem System gekoppelt. Danach muss man sich und das Gerät auf der Seite von Geo zwangsregistrieren – aus Sicherheitsgründen ist das Webpack fest mit dem Konto verknüpft.

Danach sendet das System alle gesammelten Daten regelmäßig an Geos Online-Dienst Energynote. Hier lassen sich alle Verbrauchsdaten als schick aufbereitete Grafiken anschauen. Gleichzeitig dient das Portal zu Fernschaltung aller verbundenen Zwischenstecker. Das Aufrufen der Webseite ist dabei deutlich umständlicher als das Schalten mit einer App.

Das Ensemble Color inklusive des Transmitters kostet beim deutschen Vertrieb Stromgraf 190 Euro, etwas günstiger ist die Version mit einem herkömmlichen Monochrom-LCD. Für die Web-Anbindung bezahlt man noch einmal 50 Euro, ein Zwischenstecker ist für 30 zu haben. Schon die „Offline-Version“ hat einen hohen Spaßfaktor. In Kombination mit den Zwischensteckern kann das System vielleicht sogar den Stromverbrauch absenken – durch bewussteres Verhalten aller Familienmitglieder und das gezielte Einkreisen und Tilgen von Stromfressern.

Philips Hue

Wer sein Domizil mit flexiblen Lichtszenarien in Szene setzen will, kommt um Philips’ LED-Leuchten kaum herum. Seit längerem liefern die Niederländer mit den Living Colors und den Living Whites Leuchtmittel und fertige Lampen aus. Sie kommunizieren per ZigBee und ließen sich schon bisher über kompakte Funkfernbedienungen steuern und zu ganzen Lichtszenarien gruppieren.

Philips’ jüngste Lichtlösung hört auf den Namen „Hue“ – das Starterset besteht aus drei LED-Leuchtmitteln für E27-Fassungen und der sogenannten „Hue-Bridge“, die per Ethernet mit dem Router verbunden wird und so die Steuerung über Smartphones per WLAN oder übers Internet ermöglicht. Sie bildet die Brücke zwischen dem IP- und ZigBee-Protokoll und kann bis zu 50 Geräte verwalten. Alle Komponenten bilden dabei ein Mesh-Netzwerk und leiten Steuerbefehle automatisch an die nächstgelegene Empfangsstation weiter.

Das Starterset lässt sich kinderleicht in Betrieb nehmen. Die alten Glühbirnen tauscht man gegen die Hue-Leuchtmittel aus. Zunächst verhalten sie sich wie eine „normale“ Glühbirne – beim Betätigen des Lichtschalters geben sie ein angenehm warmweißes Licht ab, dessen Helligkeit etwa einer 50-Watt-Glühbirne entspricht.

Die Farbfunktionen des Systems steuert man über die kostenlose Hue-App, die es für Android und iOS gibt. Nach der Installation verknüpft man sie einmalig mit der Hue-Bridge – durch einen kurzen Druck auf den Sync-Knopf der Bridge wird der Netzwerkzugriff durch die App autorisiert. Danach lassen sich alle drei Farbwechselbirnen per WLAN übers Tablet oder Smartphone steuern.

In der App finden sich 16 vorgefertigte Lichtszenen, die man nach eigenem Gusto verändern kann. Auf einen Druck werden alle verknüpften LED-Leuchten auf die festgelegten Farben eingestellt. Die Lichtszenen haben jeweils ein Foto als Ausgangspunkt, auf dem man die einzelnen Lampen frei positionieren kann, um durch das jeweils markierte Pixel die gewünschte Farbe vorzugeben. Über eigene Fotos lassen sich auch komplett neue Szenarien erstellen. Nur per iOS funktioniert das Steuern der Geräte aus der Ferne – hierzu muss man sich auf myhue.com anmelden.

Das System lässt sich auch mit älteren Philips-Leuchten und den SmartLink-Zwischensteckern kombinieren, hierzu ist allerdings die ZigBee-Systemfernbedienung erforderlich, die Philips’ Stimmungsleuchten der Living-Colors-Serie beiliegt. Über sie lernt man zunächst alle Hue-Birnen, Living Colors und Steckeradapter an, um sie in einem zweiten Schritt an die Hue-Bridge zu überspielen. Danach sind alle Komponenten per App steuerbar. Philips’ Zwischenstecker arbeitet übrigens sowohl im Dimm- als auch im einfachen Ein/Aus-Modus. Die App unterstützt beides, sodass man innerhalb der Lichtszenarien auch andere Geräte ein- oder ausschalten kann.

Die Hue-Bridge nimmt alle Steuerbefehle via HTML entgegen, um sie per ZigBee zu verteilen. Im Web finden sich inzwischen zahlreiche Projekte wie QuickHue, Ambify oder Hue Disco, die das Lichtsystem für ihre Zwecke nutzen. Erst kürzlich hat Philips das Hue-API komplett offengelegt und ein iOS SDK veröffentlicht. Das Starterset – lange Zeit ausverkauft – ist nun wieder für 200 Euro exklusiv über Apple zu haben, ein einzelnes Leuchtmittel kostet 60 Euro. Zwischenstecker zum Dimmen oder Schalten bekommt man schon für 15 Euro.

RWE SmartHome

Technisch gesehen ist das Angebot des rheinisch-westfälischen Energieversorgers dem des MAX!-Systems sehr ähnlich. Das verwundert kaum, da der Hersteller der Hardware in beiden Fällen eq-3 ist, bei der Software sitzt Microsoft mit im Boot. Auch die SmartHome-Zentrale (SHC, 190 Euro) sowie die Aktoren und Sensoren der RWE-SmartHome-Serie benutzen für die Funkübertragung das Sendemodul TRX868 (868 MHz), allerdings läuft darüber das modernere und sicherere CosIP. Anders als ELV mit MAX! macht RWE mit SmartHome den Bauchladen auf: Neben Heizkörperthermostaten (50 Euro) und Fenstersensoren (40 Euro) gibt es Zwischenstecker (ab 20 Euro, dimmbar: 80 Euro) für die Steckdose, Bewegungsmelder (75 Euro) und Rauchmelder (50 Euro). Abgesehen vom Stecker benötigen alle Komponenten zwischen zwei und drei Batterien. Wer auf den Geschmack gekommen ist und sich installationstechnisch mehr zutraut, dem stehen zusätzlich Dimmer, Sender und Rolladensteuerungen für die Unterputzmontage zur Wahl; Batterien sind da überflüssig.

Standardmäßig verbindet sich die Zentrale mit der Cloud von RWE; auf dem RWE-Portal stellt man sie über einen Web-Browser ein. Zuvor muss man jedoch ein Konto anlegen und die Seriennummer sowie PIN der Zentrale (steht auf dem Display) eingeben. Der Zugriff auf das Portal ist für zwei Jahre kostenlos. Danach fallen pro Jahr 15 Euro an. Mit einer lokalen (Silverlight-)Anwendung ist aber der Zugriff im LAN auch ohne Portal möglich. Zu Konfiguration daheim empfiehlt sich diese Variante, da die Konfiguration im Browser über das Portal bei uns sehr zäh vonstatten ging.

Nach dem erneuten Anmelden im Portal darf man Funkgeräte anlernen; das funktioniert wie bei MAX! – dank des größeren Zeitlimits von fünf Minuten muss man aber aber nicht wie irre durchs Haus rasen. Ein gefundenes Thermostat ordnet man in der Weboberfläche per Drag & Drop einem Raum zu. Praktisch ist, dass die RWE-Thermostate die gemessene Ist-Temperatur und die Luftfeuchtigkeit an die Zentrale zurückliefern. Unpraktisch ist, dass die Zentrale den Thermostaten kein vordefiniertes Heiz- respektive Zeitprofil automatisch zuordnet. Das muss man leider manuell nachholen. Dabei hatte das Template im Test wahnwitzig vorbelegte Heiz- und Absenktemperaturen: 30 beziehungsweise 6 Grad Celsius.

Brennendes Zeitungspapier versetzte im Test den Rauchmelder erwartungsgemäß in Alarm, was neben einer roten Anzeige im Portal auch eine E-Mail mit dem lakonischen Hinweis „Bitte überprüfen Sie dringend die Situation“ zur Folge hatte. Der Mail-Footer mit Hinweisen zur Service-Hotline und Geschäftsführung war dann alles andere als kurz.

Der Funk-Wandtaster lässt sich als Fernschalter für diverse Geräte einsetzen, womit eigentlich nichts gewonnen ist. Er kann aber auch als Shutdown-Schalter beim Verlassen des Heims dienen und die Heizung runterfahren und Zwischenstecker ausschalten.

Die Bedienoberfläche sieht schick und auf den ersten Blick intuitiv aus. Ein Tippen auf das Zwischenstecker-Icon auf der iPad-App, und schwups geht eine Stehlampe an. Ein Hochschieben des Temperaturreglers, und schon öffnet das Thermostat das Heizungsventil. Wer Ereignissen automatisch Aktionen folgen lassen will, kann in Logikprofilen Geräte, Auslöser, Bedingungen und Zustandsvariablen verknüpfen. Das macht die Heimsteuerung enorm flexibel: Der Bewegungsmelder kann etwa einen Zwischenstecker einschalten. Einer zu hohen Luftfeuchtigkeit im Badezimmer wirkt man automatisch mit einer Temperaturerhöhung entgegen. Damit wird das Haus wirklich intelligent.

Leider dürfte die Terminologie der Oberfläche sowie die Logik der Verknüpfungen so manchen Einsteiger überfordern. Um nämlich Geräte automatisch ein- und auszuschalten, bedarf es der Kombination mehrerer Profile. Die FAQ von RWE und diverse Smart-Home-Foren spiegeln die Fehlerträchtigkeit der Konfiguration wieder. Daneben stolperten wir über weitere kleinere Ungereimtheiten in der Oberfläche, die den Spaß an der RWE-Heimautomation trüben. Eine für Nicht-Informatiker verständlichere Konfiguration könnte dem sonst sehr durchdachten System mehr Käufer bescheren. Witzig ist das Profil „virtueller Bewohner“, das durch zufälliges An- und Ausschalten von Geräten Einbrecher abschrecken soll. Die App zum Steuern per Smartphone oder Tablet gibt es derzeit nur für iOS, Android-Anwender schauen in die Röhre. Die App verbindet sich über das Portal, mit dem eine Fernsteuerung sämtlicher Geräte möglich ist. (dab)

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Kapitel
  1. Kabellos
  2. AVM Smart-Home
  3. Belkin WeMo
  4. ELV MAX!
  5. Geo
  6. Philips Hue
  7. RWE SmartHome
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