Werter Innenminister Pistorius,

@ctmagazin | Editorial

erlauben Sie mir, Ihnen in Ihrer Aufgabe als Chef des Niedersächsischen Innenministeriums ein Anliegen zu Gehör zu bringen. Wie ich der Tagespresse entnehmen konnte, hat Ihre Behörde Schwierigkeiten, rechtzeitig das vom Support-Ende betroffene Windows XP zu ersetzen. Sie haben mit Microsoft einen Support-Vertrag geschlossen und wenden jetzt Steuergelder auf - eine konkrete Summe ist nicht bekannt, aber die Rede ist von rund einer Million Euro -, um die Behördenrechner sicher weiter zu betreiben. Ihre Kollegen in anderen Bundesländern und EU-Staaten verfahren ähnlich.

Stellvertretend für andere Bürger richte ich deshalb meine Bitte an Sie: Lassen Sie uns teilhaben an den Früchten, die der Vertrag mit Microsoft einbringt. Jeder Patch, der nicht nur auf den Rechnern Ihrer Behörde läuft, sondern auch auf unseren, macht das Internet ein bisschen sicherer. Behandeln Sie die aus dem Support gewonnenen Informationen nicht als Verschlusssache, lassen Sie die Bürger profitieren. Ich bin sicher, dass Ihre Mitarbeiter so pfiffig waren, in dem Vertrag keine Geheimhaltungsklausel zu dulden. Das wäre fatal.

Andernfalls wird das passieren, was immer mit digitalen Gütern passiert, wenn sie heiß begehrt sind: Sie werden kopiert und schließlich in dubiosen Quellen auftauchen, wo den Bürgern das Fell über die Ohren gezogen wird. Wollen Sie es persönlich verantworten, wenn die Bürger auf der Suche nach den letzten geleakten XP-Patches eine leichte Klickbeute für die Download-Link-Mafia werden? Können Sie es tolerieren, wenn Kinderzimmer-Desktops mit Schmuddelbildchen überschwemmt werden? Wollen Sie zusehen, wie internetaffine Pensionisten ihre Rente in Abofallen pumpen? Wer denn bitte soll die guten, für die Behörden angefertigten Patches von denen unterscheiden, die böse Buben in Umlauf bringen?

Lassen Sie es nicht dazu kommen, dass sich ein Patch-Schwarzmarkt bildet. Praktizieren Sie Patch-Transparenz, lassen Sie uns partizipieren. Wir, die Steuerzahler, haben diese Patches schließlich bezahlt.

Mit freundlichen Grüßen,

Peter Siering

Artikel kostenlos herunterladen

Kommentare

Anzeige