Virenjagd mit System

Schädlingssuche mit Desinfec’t 2014

Praxis & Tipps | Praxis

tl;dr: Von DVD oder USB-Stick booten, Netzwerk aktivieren, Virenscan starten, Kaffee trinken und danach bei Bedarf aufräumen. So einfach kann man mit Desinfec’t sein Windows mit bis zu vier Scannern auf Viren und anderen Unrat prüfen – und es danach natürlich auch davon befreien. Wenn Sie vorsorgen, können Sie sogar weit entfernten Rechnern auf den Zahn fühlen.

Desinfec’t erklärt sich weitgehend selbst. Man startet das garantiert saubere Live-System von DVD oder USB-Stick. Dann aktualisieren die bewährten Viren-Scanner von Avira, Bitdefender und Avast ihre Signaturen, damit sie auch die allerneuesten Gefahren aufspüren können. Sie selbst entscheiden, welche Datenträger überprüft werden sollen und dann schicken Sie die Scanner auf die Jagd. Dabei ist das System so konzipiert, dass es maximale Sicherheit für Ihre Daten gewährleistet. So werden die Windows-Laufwerke zunächst nur im Lesemodus eingehängt, um sicherzustellen, dass dort keine Daten beschädigt werden.

Wird Desinfec’t fündig, bietet es diverse Zusatzfunktionen, mit denen Sie den Virenverdacht erhärten oder entkräften können. Unter anderem können Sie mit der 2014er-Version verdächtige Dateien direkt zu Virustotal hochladen. Wenn Sie sich für eine Reinigung des Systems entschieden haben, bietet Desinfec’t an, in den Schreibmodus zu wechseln und hilft Ihnen dabei, Schädlinge aus dem Verkehr zu ziehen.

Unserer Erfahrung nach läuft Desinfec’t auf weit mehr als 90 Prozent aller Windows-Rechner völlig problemlos. Wenn bei Ihrem Rechner etwas klemmt und dieser Artikel Ihre Fragen nicht beantwortet: Auf der Desinfec’t-Webseite und in den dazugehörigen Foren gibt es weitere Hilfe – unter anderem eine FAQ. Sie finden all das über den c’t-Link am Ende dieses Artikels.

Es gibt nur einen Fall, in dem Sie Desinfec’t auf keinen Fall auf Ihre Festplatte schreiben lassen dürfen: Das gilt für Systeme, die eine SSD nicht als richtiges Laufwerk, sondern lediglich als Cache verwenden. Unter anderem Dell verkauft solche Systeme mit Intels Smart Response Technology (SRT). Desinfec’t warnt deshalb, wenn es eine Partition mit einer SRT-Signatur erkennt. Nehmen Sie diese Warnung nicht auf die leichte Schulter! Schalten Sie die Caching-Funktion im Rapid-Storage-Technology-Treiber (RST) oder im BIOS-Setup des Options-ROM unbedingt ab, bevor Sie schreibend auf die Festplatte zugreifen.

Da SRT sich kaum lohnt und deshalb wenig Verbreitung gefunden hat, können die meisten Benutzer aber unbesorgt von der DVD oder dem USB-Stick mit Desinfec’t booten. Es genügt nämlich nicht, die DVD unter Windows ins Laufwerk zu legen. Um sicherzustellen, dass sich kein Virus quasi unsichtbar machen kann, indem er Windows-Systemfunktionen manipuliert, verwendet Desinfec’t sein eigenes, garantiert sauberes Betriebssystem. Dabei handelt es sich um ein Linux, genauer gesagt ein Ubuntu. Aber das muss Sie als Desinfec’t-Nutzer gar nicht kümmern.

Starthilfe

Normalerweise sind Computer so eingestellt, dass sie direkt von der Festplatte das dort installierte Windows starten. Um mit Desinfec’t zu arbeiten, müssen Sie ihrem PC jedoch sagen, dass er jetzt ausnahmsweise ein Betriebssystem von DVD – oder später dann auch USB – laden soll. Unter Windows 8(.1) geht das recht einfach, wenn man weiß wie. Hält man beim Anwählen der Ausschaltoption „Neustart“ die Umschalttaste gedrückt, erscheint ein Menü, in dem man unter „ein Gerät verwenden“ das DVD-Laufwerk oder den eingestöpselten USB-Stick anwählen kann.

Bei neueren PCs hat es sich eingebürgert, dass das Drücken von F10, F11 oder F12 direkt nach dem Einschalten – also deutlich bevor Windows die ersten Lebenszeichen von sich gibt – einen Auswahldialog aller möglichen Startmedien anzeigt. Das richtige Timing ist dabei manchmal etwas diffizil; probieren Sie es ruhig mit mehrfachem Drücken im Sekundenabstand.

Manchmal kommen dafür auch andere Tasten zum Einsatz, etwa F1, F2, Entf oder Esc. Welche Ihr System verwendet, zeigt es oft nur für einen Sekundenbruchteil auf dem allerersten Bild beim Start an. Die Pause-Taste rechts oben auf der Tastatur friert den Bildschirm lange genug ein, dass Sie es entziffern können. Nur bei ganz alten Systemen muss man mit einer dieser magischen Tasten das BIOS-Setup selbst starten. Dort findet sich dann irgendwo eine Auswahl für die Boot-Reihenfolge. In der müssen Sie das DVD-Laufwerk oder den USB-Stick ganz nach oben befördern.

Desinfec’t beherrscht zwei Boot-Modi: den klassischen nach BIOS-Konvention und das moderne UEFI. Sie erkennen den Unterschied am Desinfec’t-Boot-Menü. Erscheint ein bunter Bildschirm mit Desinfec’t-Logo, hat das BIOS die Kontrolle übernommen; ein schlichter weißer Kasten mit Textauswahlmenü signalisiert hingegen UEFI. Für Experten: Wir hätten natürlich auch hier gerne ein buntes Hintergrundbild eingebaut; aber das scheiterte am digital signierten Bootloader, der für UEFI Secure Boot erforderlich ist und solchen Manipulationen einen Riegel vorschiebt.

Auf den allermeisten Rechnern klappt der Start von Desinfec’t also, ganz egal, wie der Computer eingestellt ist. Aber es passiert auch gelegentlich, dass er sich dann doch verschluckt, insbesondere wenn der Rechner bereits auf „UEFI Secure Boot“ eingestellt ist. Das Schlachtfeld UEFI versus Linux ist leider riesig und außerdem vermint, sodass wir hier nicht alle Eventualitäten abdecken können. Oft hilft es, in der ersten Stufe nur das „Secure Boot“ im BIOS temporär abzuschalten. Das macht nichts kaputt und Sie können es nach der Arbeit mit Desinfec’t auch wieder aktivieren. Alternativ können Sie den Boot-Modus auf „klassisch“ oder „Legacy“ festnageln.

Startet Desinfec’t immer noch nicht, lesen Sie bitte den Beitrag „Modern eingerichtet“ in c’t 9/2014, der viele Tricks und Kniffe zur friedlichen Koexistenz von UEFI und Linux aufzeigt oder sehen Sie auf der Desinfec’t-Webseite nach, ob es dort eine Lösung für Ihr Startproblem gibt.

Ein Tipp noch: Wer das Laufwerk vor dem Einsatz von Desinfec’t über die Datenträgerbereinigung von Windows (zu erreichen über die Laufwerkseigenschaften im Explorer) ausmistet und dort etwa die temporären Internetdateien beseitigt, erspart sich später Arbeit unter anderem durch mögliche Fehlalarme. Allerdings kann das natürlich auch Spuren vernichten, die eventuell bei der Ursachenforschung geholfen hätten.

Es werde Netz

Nach einem erfolgreichen Boot-Vorgang begrüßt Sie der renovierte Desinfec’t-Desktop. Jetzt prüft das System, ob bereits eine Netzwerkverbindung vorhanden ist. Denn um zuverlässige Ergebnisse zu liefern, benötigen die Scanner aktuelle Informationen. Die Signaturen auf der DVD sind jedoch schon mindestens zwei Wochen alt, wenn Sie das Heft in Händen halten – und damit für alle akuten Fälle praktisch unbrauchbar.

Ist der PC nicht kabelgebunden vernetzt, meckert Desinfec’t. Doch auch mit den meisten WLAN-Chips kann Ubuntu sprechen. Sie müssen dann lediglich rechts oben in der Symbol-Leiste auf das dreieckige WLAN-Symbol klicken, Ihr Funknetz aus der dort erscheinenden Liste auswählen und dessen Kennwort eingeben.

Apropos Meckern: In manchen Fällen weist Desinfec’t auch auf ein nicht korrekt heruntergefahrenes Windows hin. Dann hat es im Windows-Laufwerk eine aktive Ruhezustandsdatei (hiberfil.sys) entdeckt. Das sollte eigentlich nicht passieren, wenn Sie Windows 8 über Umschalt-Neustart beendet haben. Mit dem Skript „shutdown.bat“ auf der Desinfec’t-DVD können Sie Windows so beenden, dass die Warnung verschwindet. Wenn das auch nicht hilft, müssen Sie den Schnellstart-Modus von Windows temporär abschalten; dabei helfen „hiber-off“ und „hiber-on“ im DVD-Ordner „Windows-8-Hilfe“.

Desinfec’t vom Stick

Wenn Sie nicht unter akutem Zeitdruck stehen oder der zu untersuchende Rechner gar kein DVD-Laufwerk mehr hat, empfiehlt sich als erster Schritt die Erstellung eines bootfähigen USB-Sticks. So gut wie alle aktuellen Systeme können direkt davon starten und laufen mit dem Flash-Speicher dann deutlich schneller als von einer rotierenden Scheibe.

Aber selbst wenn Ihr System nicht vom passend eingerichteten Stick booten kann, erkennt und benutzt Desinfec’t ihn. Es bindet ihn dann ebenfalls automatisch ein. Dann hilft der auf dem Stick angelegte Swap-Space etwa Rechnern mit wenig RAM auf die Sprünge. Hinzu kommt, dass der Stick auch gleich die einmal geladenen Signaturen speichert und somit künftige Downloads verkürzt.

Und schließlich sichert Desinfec’t eine Reihe von nützlichen Daten auf dem beschreibbaren Flash-Speicher. Damit bleiben etwa die Scan-Einstellungen und Ihre Browser-Bookmarks erhalten. Im Prinzip wäre es durchaus möglich gewesen, dass Desinfec’t das WLAN-Kennwort ebenfalls auf dem Stick speichert und damit die zugehörige Netzwerkverbindung das nächste Mal automatisch herstellt. Doch das würde bedeuten, dass tausende Desinfec’t-Nutzer einen USB-Stick mit ungeschützten WLAN-Passwörtern in der Hosentasche spazieren tragen. Da ging uns dann doch Sicherheit vor Komfort.

Immerhin sind mit dem Desinfec’t-Stick die Ergebnisse der bereits abgeschlossenen Viren-Scans nicht verloren, wenn sich ein Programm mal aufhängen sollte: Einfach Desinfec’t neu starten und das auf dem Desktop verlinkte Verzeichnis „Log-Dateien“ öffnen. Die Logs werden dort allerdings aus Platzgründen beim nächsten Lauf des Scanners überschrieben. Dauerhaft erhalten bleibt die Zusammenfassung der Scan-Ergebnisse, die in der Windows-Partition „desinfDATA“ des Sticks unter einem Dateinamen wie Scan-Ergebnis-201440505-1349.html zu finden ist.

Voraussetzung ist ein Stick mit mindestens 4 GByte, den Sie Desinfec’t komplett zur Verfügung stellen. Alle darauf befindlichen Daten werden beim Einrichten gelöscht. Kontrollieren Sie vor dem Bestätigen der diesbezüglichen Warnung bitte explizit die angezeigte Größe des Sticks, um sicherzugehen, dass Sie auch das richtige Speichermedium ausgewählt haben und nicht gerade im Begriff sind, ihre externe Festplatte mit dem letzten nicht verseuchten Backup zu formatieren.

Das Script übernimmt die Partitionierung und alle anderen Aufgaben zur Erstellung des fertigen Sticks. Standardmäßig kann der genau wie die DVD sowohl im BIOS- als auch im UEFI-Modus starten. Für letzteres muss allerdings eine GUID-Partitionstabelle (GPT) zum Einsatz kommen, die Windows XP nicht lesen kann; dort erscheint der Stick deshalb als unformatiert. Wenn Sie den Stick also unter Windows XP benutzen wollen, müssen Sie diese Kompatibilitätsoption abschalten und ein reines BIOS-System erstellen. Sie können dann allerdings Desinfec’t auf Systemen ohne eine sogenannte Legacy-Boot-Option nicht mehr starten; doch die sind zum Glück noch recht selten.

Die Windows-Daten-Partition auf dem Stick ist recht praktisch, um schnell Dateien in Sicherheit zu bringen oder Notizen für eine weitergehende Analyse unter Windows abzulegen. Aber man kann dort auch die wichtigsten Tools wie die SysInternals-Suite vorhalten. Von Haus aus findet sich bereits die portable Version von TeamViewer dort, die man ohne Installation unter Windows starten kann.

Weil der Stick unter anderem als virtuelle Speichererweiterung dient, sollten Sie ihn nicht einfach abziehen, auch wenn Sie von DVD gebootet haben. Fahren Sie das System zunächst geordnet herunter. Diese Funktion verbirgt sich hinter dem Zahnrad-Symbol rechts oben in der Menüleiste.

Der Scan

Dreh- und Angelpunkt des Systems ist natürlich nach wie vor der Virenscan. Wie gewohnt kommen hier die bewährten Scanner von Avira, Bitdefender und Kaspersky zum Einsatz, die sich bei dieser Aufgabe sehr gut ergänzen. Etwas aus der Reihe fällt der Open-Source-Scanner ClamAV, der immer wieder durch Fehlalarme auffällt und eher als Dreingabe zu sehen ist.

Im Prinzip genügt es, „Virenscan starten“ anzuwählen und diesen mit den Standardeinstellungen direkt zu starten. Wir verzichten dabei bewusst auf die Untersuchung von Archiven und Mailboxen. Darin enthaltene Schadprogramme können keine direkten Schäden anrichten; ihr Scan führt aber manchmal zu Problemen, etwa wenn riesige Zip-Archive zunächst im Arbeitsspeicher entpackt werden müssen.

Desinfec’t setzt auch weiterhin konsequent darauf, Gefahren für Ihre Daten so weit wie irgend möglich zu vermeiden. Deshalb bindet es die Windows-Laufwerke für den Scan nur lesbar ein. Das bedeutet, dass keine Schreibzugriffe möglich sind und selbst wenn eines der Programme irgendwie aus dem Ruder laufen sollte, kann es die Windows-Laufwerke nicht beschädigen. Achtung: Das gilt nicht mehr, wenn Sie den File-Manager öffnen und dann eines der dort angezeigten „Geräte“ öffnen. Dabei bindet das Ubuntu-System das Laufwerk sofort und ohne weitere Nachfrage im potenziell gefährlichen Schreib/Lese-Modus ein.

Die Voreinstellung mit dem Scan-Verzeichnis „/media“ untersucht alle an den Rechner angeschlossenen Laufwerke. Um etwas gezielter zu scannen, kann man auch einzelne Geräte und über „andere“ auch deren Unterverzeichnisse auswählen. Die muss man dann aber unter Umständen erst über „Laufwerke jetzt einbinden“ zugänglich machen. Leider zeigt Linux die Windows-Laufwerksbuchstaben nicht an, sondern nur die Partitionsnamen, sodass man sich anhand der vorhandenen Verzeichnisse orientieren muss. Ein Windows-Laufwerk erkennt man am Verzeichnis „Windows\“ auf der untersten Laufwerksebene; die Benutzer haben ihre Ordner unter „Dokumente und Einstellungen“ bei XP und unter „Users“ bei moderneren Windows-Versionen.

Für einen Komplettscan eines großen Systems ist schon etwas Geduld erforderlich; der kann sich nämlich über mehrere Stunden hinziehen. Wer gleich mehrere Scanner an die Arbeit schicken will, lässt das Ganze am besten über Nacht laufen. Während der Scan läuft, bewegt sich der kleine orangefarbene Balken der Fortschrittsanzeige hin und her. Bleibt er stehen, hat sich wahrscheinlich ein Scanner aufgehängt – versuchen Sie es dann ohne diesen Scanner noch einmal. Ebenfalls nützlich bei der Beurteilung, ob sich da noch etwas tut, ist die Last-Anzeige im Infokasten rechts oben, der im übrigen auch die Netzwerkaktivitäten und das Alter der vorhandenen Signaturen anzeigt.

Virenfund – was nun?

Wenn keiner der drei Haupt-Scanner etwas am System auszusetzen hat, kann man sich schon recht sicher sein, dass es wirklich sauber ist. Doch was, wenn einer oder gar mehrere fündig werden und eine Gefahr melden? Das wichtigste Gebot ist dann: Ruhe bewahren. Nicht jede Virenmeldung bedeutet auch wirklich eine Gefahr. Zunächst einmal liefern alle Virenscanner bekanntermaßen auch Fehlalarme. Und wenn man drei davon auf die Suche schickt, hat man das Risiko eines sogenannten „False Positive“ auch (nahezu) verdreifacht.

Darüber hinaus bedeutet etwa ein „HEUR:Trojan.Script.iframer“ im Browser-Cache („Temporary Internet Files“) noch lange nicht, dass da Schadcode aktiv wurde. Das kann auch einfach wie auf unserem Testsystem eine überkritische Heuristik sein, die sich am merkwürdigen JavaScript-Code einer Anzeige aus dem Web stört. Überhaupt sind Alarmmeldungen mit Kurzformen von „Heuristik“ im Namen mit Vorsicht zu genießen. Denn frei übersetzt bedeutet das immer: „Wir vermuten mal, aber was Genaues wissen wir nicht.“ Wichtig sind heuristische Scans dennoch, da sie am ehesten geeignet sind, noch unbekannte Schädlinge zu entdecken.

Um die Gefahr realistisch zu beurteilen, können Sie eine im Desinfec’t-Befund aufgeführte Datei auch zusätzlich von Virustotal beurteilen lassen. Der jeweilige Link lädt die Datei zu diesem Online-Scan-Service hoch und liefert Ihnen die Einschätzung von über 40 AV-Programmen und einige zusätzliche Informationen. Darüber hinaus enthält die Lesezeichenleiste von Firefox auch diverse Links zu weiteren Online-Ressourcen. Darunter sind auch Sandbox-Dienste, bei denen Sie Programme sogar testweise ausführen lassen können.

Ist ein System definitiv infiziert, sollte man die wichtigen Daten in Sicherheit bringen – etwa auf ein zusätzlich angeschlossenes USB-Laufwerk – und dann Windows komplett neu installieren. Nur das garantiert danach wieder ein sauberes, stabiles System. Doch in der Praxis gibt es tausend Gründe, warum das in genau diesem Fall gerade nicht geht. Und so finden sich gerade c’t-Leser immer wieder in der Situation wieder, die Rechner von Verwandten und Freunden reinigen anstatt neu aufsetzen zu müssen. Unser Tipp: Stellen Sie dabei wenigstens klar, dass das gegen Ihren expliziten Ratschlag geschieht.

Trotzdem lässt Sie Desinfec’t dabei nicht im Stich. Es bietet eine ebenso einfache wie effiziente Reinigungsfunktion: Über den Link „umbenennen“ können Sie an den Namen einer verdächtigten Datei ein „.VIRUS“ anhängen. Zuvor fragt jedoch Desinfec’t um Erlaubnis, die Laufwerke schreibend einzubinden – ab da wird es also ernst und Sie arbeiten auf eigene Gefahr ohne Netz und doppelten Boden. Die neue Dateiendung zieht die Datei vorläufig aus dem Verkehr. Alle Verweise in der Windows-Registry oder anderen Konfigurationsdateien, die den Schädling beim Systemstart aktivieren, zeigen damit ins Leere und man kann ihn unter Windows auch nicht mehr versehentlich ausführen.

Der Vorteil gegenüber dem Löschen oder dem Verschieben in einen Quarantäne-Ordner ist, dass sämtliche Dateieigenschaften und auch die damit verbundenen Rechte erhalten bleiben. Stellt sich die Datei doch als harmlos und vielleicht sogar als wichtig für das System heraus, kann man die Dateiendung einfach wieder entfernen und alles ist wieder genau wie zuvor. Ein kleines Skript im Ordner Experten-Tools erledigt das in einem Rutsch für alle .VIRUS-Dateien. Der Nachteil soll auch nicht verschwiegen werden: Bei weiteren Scans provoziert die Datei unter Umständen erneut einen Alarm. Man sollte sie also nach einer gewissen Karenzzeit, in der man das System ausgiebig testet, dann doch entsorgen.

Vergessen Sie jedoch nicht, dass das Entfernen der Schadprogramme nur einen Teil der Reinigung ausmacht – oft den kleineren. Viele Trojaner nehmen Veränderungen am System vor, die ihre Entdeckung verhindern oder ihre Spionage-Aktivitäten erleichtern sollen. Da werden neue Benutzer angelegt, Firewall- oder Netzwerk-Einstellungen verbogen, Updates abgeschaltet und vieles mehr. Derartige Manipulationen kann Desinfec’t nicht aufdecken; um sie aufzuspüren und rückgängig zu machen, sind die Erfahrung eines Experten und viel Geduld erforderlich.

c’t-Leser helfen

c’t-Leser sind oft die erste Anlaufstelle, wenn es irgendwo im Bekanntenkreis mal wieder einen Virenalarm gibt. Wenn Sie diesen Freunden vorausschauend schon mal einen Desinfec’t-Stick in die Hand gedrückt haben, müssen Sie dazu nicht einmal mehr vor Ort sein. Mit dem eingebauten TeamViewer kann Ihnen der Hilfesuchende einfach seine ID und das Kennwort übermitteln. Sie können dann dessen Desinfec’t-Bildschirm übers Internet direkt auf Ihren PC holen.

Dazu können Sie entweder den TeamViewer Portable von der DVD benutzen oder auch eine der installierten Versionen für Windows, Mac OS X oder Linux; selbst eine Desinfec’t-zu-Desinfec’t-Sitzung ist möglich. Eine eventuell bei Ihnen installierte Version 8 wird jedoch nicht funktionieren, da sich die und die aktuelle Version 9 gegenseitig ausschließen. Neben der reinen Fernsteuerung bietet TeamViewer auch Optionen für Chat und Dateiübertragung. Bitte beachten Sie jedoch, dass die kostenlose Nutzung von TeamViewer – anders als der Rest von Desinfec’t – auf die Nutzung im privaten Umfeld beschränkt ist.

Desinfec’t ist mittlerweile durchaus auch für Anwender geeignet, die Computer eigentlich nur als Mittel zum Zweck begreifen und besorgt sind, sich könnten sich etwas eingefangen haben. Doch es wird auch nach wie vor im professionellen Bereich eingesetzt. Für diese Zielgruppe hat das System unter der Haube noch einiges an Spezialitäten zu bieten, die der folgende Artikel auf Seite 94 erläutert.

Übrigens: Falls Sie sich gefragt haben, was das „tl;dr“ am Anfang bedeutet: Das hat sich im Internet als Bezeichner für eine ultrakurze Zusammenfassung etabliert und mokiert sich dabei ein wenig über die oft geäußerte Beschwerde über zu lange Texte: „Too long; didn’t read“ – die auf Sie ganz sicher nicht zutrifft. (ju)

Das ist neu in Desinfec’t 2014

Im Großen und Ganzen setzt Desinfec’t auf Bewährtes, das wir in vielen kleinen Details verbessert haben; Modellpflege nennt man das wohl. Augenfälligste Neuerung ist der Info-Kasten rechts oben, der auf einen Blick zeigt, ob ein bereitgestellter USB-Stick tatsächlich genutzt wird, wie alt die aktuellen Viren-Signaturen sind und wie stark die wichtigen Systemressourcen gerade ausgelastet sind.

Aus unseren Erfahrungen an der c’t-Hotline wissen wir, dass viele Desinfec’t-Nutzer Probleme haben, einen angeblichen Virenfund zu beurteilen. Deshalb bietet Desinfec’t 2014 erstmals an, eine Datei direkt aus der Ansicht der Scan-Ergebnise an Virustotal zu übergeben. Dieser Dienst liefert neben den Scan-Ergebissen von über 40 AV-Scannern auch diverse Zusatzinformationen. Die Upload-Funktion steht übrigens auch im Datei-Manager über das Kontext-Menü bereit – etwas versteckt erreichbar über die rechte Maustaste und dann „Skripte/Auf Virustotal hochladen“.

Selbstverständlich wurde auch das zugrunde liegende System aktualisiert: Da werkelt jetzt ein Ubuntu Linux 12.0.4.4 LTS mit aktuellen Treibern, das die Hardware-Unterstützung weiter verbessert. Hinzu kommt eine lange Liste von kleineren Optimierungen und Bug-Fixes, die Desinfec’t besser bedienbar machen, sowie ein paar neue Experten-Werkzeuge. Tipps dazu finden sich auch im Artikel „Desinfec’t für Profis“ auf Seite 94.

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