Entgoogelt

Android ohne Google nutzen

Praxis & Tipps | Tipps & Tricks

Google ist der Haupt-Entwickler von Android und lässt sich das mit den Daten der Nutzer bezahlen, die es für gezielte Werbung auswertet. Der Konzern hat seine Dienste an Dutzenden von Stellen in Smartphones und Tablets eingenistet. Wir zeigen Ihnen, wie man den datenhungrigen Untermieter los wird.

Wie eng ein Android-Gerät mit Google verknüpft ist, enttarnen seine Verbindungsdaten. Im Selbstversuch haben wir den gesamten Internetverkehr eines Smartphones mit aktivierten Google-Diensten über mehrere Tage mitgeschnitten. Das Ergebnis: In 24 Stunden hatte sich unser Testgerät im Alltagsgebrauch über 2000 Mal mit dem Internet verbunden; rund ein Drittel dieser Netzkontakte führte zu einem Google-Server. 22 Prozent der transferierten Bits gingen oder kamen von Google.

Die meisten dieser Datenübertragungen waren erwünscht: Wir haben Mails per GMail empfangen, Kartenausschnitte für Google Maps geladen und neue Apps heruntergeladen. Doch dazwischen mischten sich schnell persönliche Daten, die wir eigentlich gar nicht teilen wollten. Da wird das Adressbuch mit GMail abgeglichen, Chrome synchronisiert die Surf-Historie und der Smartphone-Standort zur Verbesserung der Ortungsdienste wird an Google weitergegeben. Selbst die erwünschten Daten haben einen unerwünschten Nebeneffekt: Mit der Zeit entsteht ein extrem detailliertes Nutzerprofil inklusive Mail-Verkehr, Bewegungsdaten und persönlichen Fotos.

Android und Google sind aber nicht untrennbar verknüpft. Zwar hat fast jedes Android-Smartphone und -Tablet die Google-Apps vorinstalliert. Anders als Microsoft oder Apple hat der Suchmaschinenriese sein mobiles Betriebssystem aber so konstruiert, dass man auch ohne die Dienste des Unternehmens leben kann, wenn man dafür einen gewissen Komfortverlust in Kauf nimmt.

Wir zeigen in diesem Artikel vier Schritte, mit denen Sie sich aus dem Google-Griff befreien können. Der erste kostet so gut wie keinen Komfort, hat in unserem Fall die Verbindungen mit Google aber schon auf ein Drittel reduziert. Schritt zwei und Schritt drei verlangen, dass Sie einige Gewohnheiten auf Ihrem Android-Smartphone aufgeben. Nur der vierte Schritt löst Ihr Smartphone komplett von Google: Er macht den Austausch des Betriebssystems erforderlich und ist ziemlich aufwendig.

Aber Vorsicht: Auch nach Entfernen der Google-Dienste sollten Sie aufmerksam mit Ihren Daten umgehen, denn Google ist nicht der einzige Datensammler im System. Wer Android nutzt, gerät auch schnell in die Fänge von Amazon, Facebook oder von unsichtbar agierenden Werbenetzwerken, mit denen viele Android-Apps zusammenarbeiten [1].

Schritt 1: Unnötiges entfernen

Zeitaufwand: 10 Minuten

Google-Verknüpfung: etwas geringer

Komfortverlust: kaum

Root-Rechte: nein

Auch wenn Sie Google-Dienste wie GMail und Maps weiter benutzen möchten, können Sie den Datenstrom zu Google effektiv reduzieren. Denn auf einem Android-Smartphone mit Google-Konto sind viele Dienste standardmäßig aktiviert, die Sie gar nicht nutzen. Einstellungen für Google-Dienste sind seit einigen Android-Versionen in einer eigenen App ausgelagert, wo Sie zuerst nach unnötigen Verknüpfungen sehen sollten. In der App Google-Einstellungen können Sie folgende Punkte deaktivieren, wenn Sie diese nicht wirklich brauchen:

 die automatische Übertragung von Fotos und Videos an Google+ (Google+ – Automatische Sicherung),

 das Aufzeichnen des Standortverlaufs von Google (Standort – Standortbericht – Standortverlauf),

 das Weitergeben des Standorts an Google-Dienste (Standort – Standortbericht von Google),

 den Informations-Assistenten Google Now, der persönliche Daten des Nutzers sammelt (Suche & Google Now),

 den Android Geräte-Manager, über den man sein Smartphone oder Tablet aus der Ferne tracken oder löschen kann (Android Geräte-Manager),

 interessensbezogene Anzeigen deaktivieren (Anzeigen).

Wirklich anonym gegenüber Werbebetreibern ist man allerdings durch das Ausschalten der Werbe-ID nicht: Viele Android-Apps und deren Werbepartner speichern außer der Werbe-ID auch die Geräte-IMEI und andere klar identifizierbare IDs.

Der zweite Ort, an dem man schnell ein paar Google-Verknüpfungen lösen kann, ist die Kontenansicht Ihres Google-Accounts, die Sie in den Einstellungen des Handys finden. Tippen Sie auf Ihr Google-Konto, schauen Sie die Synchronisationsliste genau durch und entfernen Sie alles, was Sie nicht brauchen. ...

Sie möchten wissen, wie es weitergeht?

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c't 13/2014, Seite 114 (ca. 4 redaktionelle Seiten)
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Artikel-Vorschau
  1. Schritt 1: Unnötiges entfernen
  2. Schritt 2: Google-Griff lösen
  3. Schritt 3: falscher Google-Account
  4. Schritt 4: Leben ohne Play Store
  5. Zum Schluss
  6. Kommentar: Kleine Schritte weg von Google
  7. Kommentar: Android ohne Google ist wie Pommes ohne Majo

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Infos zum Artikel

Kapitel
  1. Schritt 1: Unnötiges entfernen
  2. Schritt 2: Google-Griff lösen
  3. Schritt 3: falscher Google-Account
  4. Schritt 4: Leben ohne Play Store
  5. Zum Schluss
  6. Kommentar: Kleine Schritte weg von Google
  7. Kommentar: Android ohne Google ist wie Pommes ohne Majo
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