Ausgegoogelt

Android ohne Google betreiben

Praxis & Tipps | Praxis

Android bekommt man im Doppelpack mit Google. Das Betriebssystem lässt sich aber auch ohne die datenhungrigen Google-Dienste betreiben. Man muss nur wissen, mit welchen Alternativen.

Google entwickelt Android – und verschenkt sein Betriebssystem an Hersteller und Entwickler. Der Suchmaschinenriese handelt dabei nicht gemeinnützig, sondern mit Kalkül: Auf den Android-Geräten sehen sich Anwender in den Google-Apps Werbung an und kaufen Filme, Musik und Apps im Google Play-Store.

Kein Wunder also, dass Google seine Schäfchen mit jeder Android-Version stärker zu seinen Diensten führt und mehr Daten zu Werbezwecken sammelt. Deshalb ist es nicht einfach, mit einem Android-Gerät ganz ohne Google zu leben. Aber es geht, weil Google in seinem Betriebssystem Alternativen zulässt – anders als Apple.

Wie leicht oder schwer es ohne Google geht, hängt maßgeblich vom Smartphone oder Tablet ab. Besonders eng ist die Verzahnung auf Geräten der Nexus-Serie, den Play-Edition-Smartphones und dem Motorola Moto G. Bei Samsung, LG und Co. geht es schon deswegen leichter, weil die Hersteller ihre Geräte von Haus aus mit Google-Alternativen ausstatten. Allerdings sammeln dann halt die Hersteller fleißig Daten.

Google ist mit Android-Geräten auf drei Ebenen verknüpft: Auf der Systemebene liefert das Unternehmen System-Updates aus und wertet Standortdaten für seine Ortsdienste aus. Auf der App-Ebene sind werkseitig eine Handvoll Google-Programme installiert. Auf der Konten-Ebene ermöglicht Google die Synchronisation mit seinen Cloud-Diensten wie GMail (Mails, Adressbuch und Kontakte) oder Google Drive (Dateien, Dokumente).

Google-Konto entfernen

Am einfachsten ist es, die Synchronisation mit der Google-Cloud zu stoppen. Im Prinzip können Sie Ihr Smartphone komplett ohne Google-Konto betreiben.

Am besten richten Sie Ihr Smartphone dazu von Anfang an ohne Google-Konto ein. Tippen Sie auf „Nein“, wenn Android Sie fragt, ob Sie ein Google-Konto haben, und danach auf „Nicht jetzt“, um auch kein neues einzurichten.

Haben Sie bereits ein Google-Konto auf dem Smartphone aktiviert, können Sie es im Nachhinein entfernen. Suchen Sie dazu in den Einstellungen nach dem Benutzerkonto, tippen Sie darauf und wählen Sie im Menü „Konto entfernen“.

Vergewissern Sie sich vor dem Löschen unbedingt, dass alle wichtigen Daten unabhängig von der Google-Cloud hinterlegt sind, ansonsten sind sie danach nicht mehr auf dem Smartphone verfügbar. Am besten exportieren Sie Ihre Kontakte über das Menü im Adressbuch auf den USB-Speicher und importieren Sie diese nach Entfernen des Kontos wieder. Wenn Sie Ihre Daten bei Google komplett löschen möchten, müssen Sie darüber hinaus Ihr Google-Konto über google.com/dashboard schließen. Alternative Cloud-Dienste gibt es zuhauf, wie der Kasten auf S. 81 zeigt.

Damit Google Ihre Standortdaten nicht anonymisiert auswertet, entfernen Sie in den Einstellungen zu den Standortdiensten das Häkchen bei den drahtlosen Netzwerken.

Sync ausschalten

Wenn Sie Ihr Google-Konto behalten wollen, um beispielsweise Apps im Play-Store zu kaufen, können Sie der Datengier Googles wenigstens etwas Einhalt gebieten. In diesem Fall sollten Sie den Punkt „Meine Daten sichern“ unter „Einstellungen / Sichern & Zurücksetzen“ immer deaktiviert lassen – Android fragt Sie beim Einrichten danach, sobald Sie ein Google-Konto auf dem Gerät angemeldet haben. Ist die Sicherung aktiv, hinterlegt Google nämlich nicht nur Ihre Android-Einstellungen, sondern auch WLAN-Passwörter und andere persönliche Informationen in der Cloud.

Suchen Sie Ihr Google-Konto in den Einstellungen auf und entfernen Sie bei allen Einträgen die Synchronisations-Häkchen. Nun ist der App Store weiter zugänglich und auch die bei Google hinterlegten Kontakte und Termine bleiben auf dem Handy bestehen, sie werden bloß nicht mehr synchronisiert. Deaktivieren Sie außerdem im Konto unter „Standorteinstellungen“ die Nutzung des Standorts in Google-Apps und unter „Anzeigen“ die personenbezogene Werbung.

Apps deaktivieren

Auch ohne Google-Konto bleiben die Standard-Apps von Google auf dem Smartphone. Komplett deinstallieren können Sie diese nicht, aber immerhin deaktivieren (siehe S. 88). Beim Deaktivieren muss man vorsichtig vorgehen. Zum einen gibt es Abhängigkeiten: Einige Anwendungen funktionieren beispielsweise ohne Maps nicht. Zum anderen sollten Sie den Chrome-Browser und die Google-Tastatur erst löschen, nachdem Sie Alternativen installiert haben – sonst ist Android nicht mehr funktionsfähig.

Alternativen installieren

Ohne Google-Konto und -Apps kommt man an keine neuen Apps heran, kann unter Umständen seine Mails nicht mehr lesen und nicht mehr auf den Google-Karten navigieren. Glücklicherweise gibt es Alternativen, zum Beispiel die App-Shops von Amazon, SlideMe oder Yandex. Dort muss man allerdings mit einer deutlich kleineren Auswahl leben. Die Installationspakete dieser Stores lädt man direkt beim Anbieter (siehe c’t-Link). Um sie auf dem Handy entpacken zu können, muss auf dem Smartphone das Installieren von Apps aus unbekannter Herkunft unter „Einstellungen/Sicherheit“ erlaubt sein.

Den Browser Chrome ersetzen Sie am besten mit den Mobil-Browsern Opera, Firefox oder Dolphin. Als alternative Tastaturen empfehlen sich Swype und Swiftkey: Beide kosten zwar ein paar Euro, bringen aber interessante Bedienkonzepte mit. E-Books liest man mit der Kindle-App von Amazon oder dem Bluefire Reader, Musik spielen Poweramp und n7player wunderbar ab. Einen richtig guten Maps-Ersatz gibt es nicht: Die Karten-App OsmAnd kommt dem Funktionsumfang nahe, nicht aber dem Bedienkomfort.

Android austauschen

Selbst ohne Konto und Apps kommuniziert ein Android-Handy immer noch mit Google, um beispielsweise Updates anzufordern. Ob und welche weiteren Daten verschlüsselt im Hintergrund übermittelt werden, ist nicht zu durchschauen.

Wer wirklich ganz ohne Google leben möchte, muss das Betriebssystem auswechseln. Alternative Firmwares gibt es für fast alle bekannteren Smartphone-Modelle. Das populärste und ausgereifteste Projekt heißt CyanogenMod. Wie man sie installiert, haben wir in c’t 18/2013 beschrieben [1]. (acb)

Literatur
  1. [1] Dr. Oliver Diedrich, Runderneuert und aufpoliert, Android-Update mit CyanogenMod, c’t 18/13, S. 148

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  1. Google-Konto entfernen
  2. Sync ausschalten
  3. Apps deaktivieren
  4. Alternativen installieren
  5. Android austauschen
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