Verbotene Früchte

Windows 8.1 sauber neu installieren

Praxis & Tipps | Praxis

Windows funktioniert am besten, wenn man es nicht über ein bereits vermurkstes Windows drüberbrezelt, sondern sauber neu installiert, und das gilt auch für Windows 8.1. Allerdings sorgt Microsofts Hang zur kreativen Kundenschikane dafür, dass eine Neuinstallation für Privatkunden oft nur mit viel Mühe möglich ist – wenn überhaupt.

E igentlich ist das Installieren von Windows kinderleicht: vom Installationsmedium booten, einige Male auf Weiter klicken, zwischendurch noch den Product Key eintippen, fertig. Daran ändert sich im Wesentlichen auch mit Windows 8.1 nichts (abgesehen vom Gedränge zum Microsoft-Konto [1]). Soweit die Theorie. In der Praxis jedoch wird ein Privatkunde beim Versuch einer sauberen Neuinstallation von 8.1 nur allzu oft scheitern. Das liegt nicht etwa daran, dass die Installation schwieriger geworden wäre, sondern schlicht am fehlenden Installationsmedium.

Die OEM-Falle

Wer schon mal mit einem OEM-PC mit vorinstalliertem Windows zu tun hatte, kennt das schon: Die PC-Hersteller bescheren der zahlenden Kundschaft zwar gern reichlich lästige Software-Dreingaben, aber kein sauberes Installationsmedium. Und Microsoft will ebenfalls nichts zur Verfügung stellen, obwohl es dem Konzern problemlos möglich wäre. Stattdessen verweist man sämtliche Anfragen der Käufer solcher Geräte an die PC-Verkäufer. Wir erleben es zwar täglich wieder neu an der c’t-Hotline, dass Microsofts Verweigerungshaltung für Fassungslosigkeit sorgt, doch ist sie juristisch leider einwandfrei: Der Konzern darf ganz legal dem PC-Käufer gegenüber jeglichen Support verweigern.

Bei Windows 7 behalf sich so mancher in seiner Not mit dem Download eines Windows-7-ISO-Abbilds von den Servern des Microsoft-Partners Digital River. Doch obwohl diese Empfehlung mitunter sogar von mitleidigen Microsoft-Support-Mitarbeitern zu hören sein soll, ist das lizenzrechtlich nicht gestattet, weil es eine „unzulässige Vermischung von Lizenzbestandteilen“ darstellt. Darüber mag man den Kopf schütteln, Juristen haben bei solchen Sachen aber nun mal eine eigene Sicht der Dinge.

Bei Windows 8.1 kommt man gar nicht erst in Versuchung, sich ein passendes ISO herunterzuladen, denn nach unserem Kenntnisstand ist so eines weder auf Microsofts eigenen Servern noch auf solchen von Partnern zu finden. Außerdem fehlt nun der Aufkleber mit dem Product Key, denn der steckt bei solchen Geräten in der Firmware des Mainboards, und das Auslesen halten Juristen mit Verweis auf den unseligen „Hackerparagrafen“ für illegal [2].

Das Ergebnis für Käufer eines OEM-Geräts mit vorinstalliertem Windows ist letztlich also immer gleich: Sie dürfen zwar den Auslieferungszustand des Geräts wiederherstellen (also inklusive Software-Dreingaben), aber nicht sauber neu installieren.

System-Builder war gestern

Der einzige Ausweg für Privatkunden besteht darin, Windows nicht vorinstalliert auf einem neuen PC, sondern einzeln als separate Lizenz zu erwerben. Denn nur dann bekommt man alles mitgeliefert, was man für eine juristisch einwandfreie Neuinstallation braucht: den Product Key und das Installationsmedium. Das bedeutet aber auch, dass man sich außer mit den Fragen, ob man Home Premium, Core, Pro oder sonst was haben will und ob es 32 oder 64 Bit sein sollen, nun auch noch mit der Frage herumschlagen muss, welche Lizenz denn die richtige ist. Es wäre ja auch zu einfach, wenn es für Privatkunden nur einen Lizenztyp gäbe. Bis Windows 7 konnte man die Frage immerhin pauschal mit „System Builder“ beantworten, denn das war am billigsten, doch bei 8.1 sieht das anders aus.

Windows 8.1 gibt es zwar ebenfalls als System-Builder-Lizenz, bei der alles Nötige dabei ist, doch ist das nicht mehr der billigste Weg [3]. Das liegt an den Sonderangeboten zur Markteinführung von Windows 8.0. Seinerzeit konnte man das neue Windows 8 Pro als Upgrade-Lizenz für gerade mal 30 Euro herunterladen, und noch heute sind bei manchen Händlern Restbestände dieser Upgrade-Lizenz auf DVD ab 50 oder 60 Euro erhältlich. Und weil man 8.1 als kostenloses Update für 8.0 erhält, erwirbt man mit dem Kauf dieser Upgrade-Lizenz zugleich eine Lizenz für 8.1. Damit ist die 8.0-Upgrade-Lizenz auch heute noch der billigste Weg zu 8.1. Bloß steht man dann wie ein OEM-Kunde ohne passendes Installationsmedium da – man darf zwar ein ISO-Abbild für eine Neuinstallation herunterladen, doch darauf ist eben nur 8.0 und nicht 8.1 enthalten. Die gute Nachricht: Mit einigen Tricksereien können Besitzer einer solchen Lizenz trotzdem sauber neu installieren.

Upgrade-Scherereien

Wenn ein Besitzer einer 8.0-Upgrade-Lizenz seinen PC mit 8.1 neu aufsetzen will, soll das nach Microsofts Vorstellungen folgendermaßen passieren: erstens als Berechtigungsnachweis ein altes XP, Vista oder Windows 7 installieren, zweitens Windows 8.0 als Upgrade drüberinstallieren, drittens alle Updates installieren, bis der Store das Update auf 8.1 anbietet (bei Redaktionsschluss waren das schon weit über 70 Stück) und viertens dann endlich 8.1 installieren. Es wären also nicht nur reichlich GByte runterzuladen, sondern es würde auch viele Stunden dauern, bis diese Schikane durchlaufen ist. Die Installation des Berechtigungsnachweis-Windows kann man zwar mit einem Trick umgehen [3], doch selbst dann würde man immer noch die Upgrade-Orgie vor sich haben. Zum Vergleich: Eine saubere 8.1-Installation von einem USB-Stick auf eine handelsübliche SSD dauert keine zehn Minuten. ...

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c't 04/2014, Seite 134 (ca. 5 redaktionelle Seiten)
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Artikel-Vorschau
  1. Die OEM-Falle
  2. System-Builder war gestern
  3. Upgrade-Scherereien
  4. Von DVD
  5. Vom Stick
  6. Aktivieren
  7. Telefonisch aktivieren
  8. Media Center
  9. Und was ist mit uns?
  10. Windows sauber installieren
  11. Auch das noch
  12. Generische Keys für Windows 8.1
  13. Versionschaos

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Kapitel
  1. Die OEM-Falle
  2. System-Builder war gestern
  3. Upgrade-Scherereien
  4. Von DVD
  5. Vom Stick
  6. Aktivieren
  7. Telefonisch aktivieren
  8. Media Center
  9. Und was ist mit uns?
  10. Windows sauber installieren
  11. Auch das noch
  12. Generische Keys für Windows 8.1
  13. Versionschaos
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