Der optimale PC

Kaufberatung für Desktop- und Mobilcomputer

Test & Kaufberatung | Kaufberatung

Der PC ist tot, lang lebe der PC: Klassische Notebooks und Desktops spielen ihre Vorteile aus, wenn hohe Rechenleistung nötig ist, wenn es eine bestimmte (PC-)Software sein muss oder wenn Peripheriegeräte und spezielle Steckkarten Anschluss suchen. Die Alternativen sind auch attraktiv: Windows-Tablets gibt es schon ab 100 Euro, Notebook-Hybride bringen neue Nutzungsweisen und Mini-PCs machen sich nahezu unsichtbar.

Desktop- und Mobilrechner mit Windows, OS X oder Linux bleiben allgegenwärtig, obwohl sich Smartphones und Tablets gut verkaufen. Letztere können längst nicht alle Aufgaben erledigen: Wer schnelle 3D-Spiele zockt, mehrere Displays anschließt, hohe CPU-Leistung für Videoschnitt oder Fotobearbeitung wünscht oder auf bestimmte Software angewiesen ist, braucht weiter einen klassischen PC oder ein Notebook. Außerdem funktionieren viele Windows-Programme auch heute noch nur mit Maus und Tastatur, andere Software gibt es ausschließlich für Mac OS X oder Linux. Die stationären und mobilen Rechner zeigen sich wandlungsfähig und sind inklusive „Windows 8.1 mit Bing“ schon ab 200 Euro zu haben, 7-Zoll-Tablets sogar ab 100 Euro. Welche Nachteile solche Billigheimer mit der von Microsoft fast verschenkten, aber funktional nicht eingeschränkten Windows-Version besitzen, erklären wir auf den folgenden Seiten. Außerdem erfahren Sie, welche Komponenten für Ihre individuelle Wunschkonfiguration derzeit besonders attraktiv sind.

Der eine wünscht ein möglichst leises Gerät, die andere ein möglichst schnelles, der dritte braucht den Computer unterwegs. Auf Mobilgeräte – Notebooks, Tablets und Mischwesen aus beidem – geht der Artikel ab Seite 92 näher ein. Es folgen Tipps für Desktop-Rechner und schließlich drei unterschiedliche Konfigurationsvorschläge für PC-Bastler. Auf Seite 110 finden Sie eine Kaufberatung für Grafikkarten.

Bauformen

Mobilrechner haben Desktops in der Käufergunst längst abgelöst, unter anderem, weil schon ein 400-Euro-Notebook locker ausreicht für alltägliche Büroarbeiten. Viele nehmen dann lieber das kompaktere und transportable Gerät. Die beliebten 15-Zöller und 17-Zöller dienen oft als Desktop-Ersatz, kurze Akkulaufzeit und hohes Gewicht stören dann nicht. Ein schlechtes Display lässt sich zumindest am Hauptarbeitsplatz verschmerzen, weil ein besseres via HDMI oder DisplayPort andocken kann.

Wer ein Notebook hauptsächlich für den Desktop-Einsatz kaufen möchte, sollte auch einen Mini- oder All-in-One-PC erwägen: Erstere verschwinden fast unsichtbar hinter dem Display, letztere verstecken den Rechner im Monitorgehäuse. In Verbindung mit drahtloser Tastatur und Maus bleibt der Schreibtisch kabelfrei.

Mancher möchte aber auch ein Notebook, weil er bestimmte Daten an verschiedenen Orten braucht. Dazu muss man aber nicht unbedingt den Rechner selbst transportieren, denn Cloud- und Netzwerkspeicher (NAS) erleichtern den Datenaustausch: So lassen sich Dateien auf mehreren Rechnern synchron halten, Backup inklusive. Auch die Grenzen zwischen Betriebssystemen sind leichter zu überwinden als früher. Diese Trends erlauben es, für unterschiedliche Nutzungen das jeweils optimale Gerät zu wählen: den kräftigen, leicht aufrüstbaren Gaming-PC für daheim, ein billiges Tablet für unterwegs. Oder einen All-in-One-PC im Büro und ein flaches Notebook für Kundenbesuche und Heimarbeit.

Achtung, Spaßbremsen!

Auch wenn die Grenzen zwischen den Bauformen verschwimmen: Rechenleistung bleibt wichtig. Vor allem, wenn man neu gekaufte Rechner möglichst lange nutzen möchte, sollte man die in Zukunft nötige Leistung abschätzen – denn die Bandbreite der Rechenleistung aktueller PC-Prozessoren ist gigantisch. Der 950-Euro-Kracher Core i7-5960X mit acht Haswell-Kernen leistet mit Multi-Threading-Software ungefähr das 17-Fache eines Netbook-Chips. Im Single-Thread-Vergleich liegt der schnellste Core i7-4790 um den Faktor 4 vorne. Selbstverständlich muss es nicht immer der schnellste Chip sein, aber eine zu lahme Möhre sortiert man früher aus. Ein nachträglicher Austausch der CPU lohnt sich selten.

Die derzeit billigsten Windows-Tablets, Netbooks und Mini-PCs sind mit Prozessoren bestückt, die AMD und Intel eigentlich für Tablets entwickelt haben: Atom Z3000, Celeron N2000 und A4-5000. Sie sind extrem sparsam und enthalten auch die Chipsatzfunktionen. Durch vereinfachte Rechenwerke leisten sie aber bei gleicher Taktfrequenz pro Kern deutlich weniger als etwa ein Core i3-4000. Kommen noch knappes RAM und lahmer Massenspeicher hinzu, bleibt der Komfort auf der Strecke. Videos im Full-HD-Format ruckeln manchmal, Web-Browser und sogar manche Office-Programme reagieren zäh: Derlei Software benutzt oft bloß einen einzigen Thread, profitiert also nicht von vielen CPU-Kernen. Wegen der vielen Hintergrund-Tasks ist ein Dual-Core dennoch immer sinnvoll. Aber ein lahmer Quad kann einen Doppelkerner mit höherer Single-Thread-Leistung nicht immer schlagen.

Intel hat Ultra-Low-Voltage-Mobilprozessoren für flache Notebooks beziehungsweise Ultrabooks im Programm. Diese CPU-Typen erkennt man an einem nachgestellten „U“ in der Typennummer, ihre nominelle Leistungsaufnahme unter Last beträgt je nach Generation 13 bis 17 Watt – die höher taktenden 28-Watt-Varianten kommen selten zum Einsatz. In manchen flachen Tablets, die sogar ohne Lüfter auskommen können, stecken noch sparsamere, aber auch noch langsamere Y-Typen. Die billigeren U- und Y-Prozessoren (Celeron, Pentium, Core i3) bleiben unter 2 GHz und kennen keinen Turbo: Hier muss man sich auf gemächliches Rechnen einstellen. Erst die als Core i5 und Core i7 verkauften U-Typen liefern per Turbo ähnlich viel Single-Thread-Rechenleistung, wie man sie bei Desktop-Prozessoren ab 35 Euro bekommt: Der Celeron G1840 erreicht nämlich 2,8 GHz und arbeitet mit der effizienten und potenten Haswell-Technik.

Hohe Rechenleistung für Notebooks lässt sich Intel also sehr gut bezahlen. Fürs gleiche Geld bekommt man bei Desktop-Technik oft viel höhere Performance. Ein Paradebeispiel sind PC-Spiele, denn auch Desktop-Grafikkarten sind deutlich billiger als vergleichbar starke Mobil-GPUs – und letztere lassen sich nicht einmal austauschen, wenn sie veraltet sind.

Im Akkubetrieb sinkt die Rechenleistung von Notebooks oft noch weiter. Selbst im Netzbetrieb limitiert knappe Kühlung bei manchen Notebooks nach wenigen Minuten die Leistung. Für lange andauernde CPU-Last wie beim Umrechnen von HD- oder gar 4K-Videos ist ein Desktop-PC besser geeignet.

Dank modularem Aufbau können Sie RAM, Festplatte und Grafikkarte bei ATX-Desktops leicht austauschen. All-in-One- und Mini-PCs gleichen in dieser Hinsicht Mobilgeräten. Bei manchen flachen Notebooks und Tablets sind RAM und sogar Massenspeicher fest aufgelötet und nicht wechselbar, CPU und GPU sowieso. Auch beim jüngsten Mac mini und dem billigsten iMac von Apple lässt sich das RAM nachträglich nicht erweitern.

Bei derartigen Rechnern sollte man gründlich über die geplante Nutzung nachdenken. Nur wenn es weniger auf die Performance ankommt, etwa bei Büroarbeiten, spielen Notebooks und Mini-PCs ihre Vorteile wie Mobilität und geringen Platzbedarf aus.

Besondere Anforderungen stellen derzeit 4K-Displays mit Auflösungen von 3840 × 2160 Bildpunkten, die schon für weniger als 500 Euro zu haben sind. Damit sie ruckelfreie Bilder mit 60 Hz Bildwiederholrate zeigen, ist ein Grafikprozessor mit DisplayPort nötig, der einige Mindestanforderungen erfüllen muss [1] – an manchen Notebooks klappt es gar nicht oder nur mit 30 Hz.

Flash ist Trumpf

Wenn irgend möglich, sollte man zu einem System mit Solid-State Disk (SSD) greifen: Die Flash-Speichermedien sorgen für Spritzigkeit und schnellen Start. Nur vereinzelt gibt es noch Pannen mit der vergleichsweise jungen Technik – Samsung musste kürzlich Firmware-Updates liefern. Ist mehr Speicherplatz nötig, packt man zusätzlich eine Magnetfestplatte ins System. Auch Hybrid-Festplatten und Apples FusionDrive machen ihre Sache recht gut.

Auf den Hauptplatinen vieler Tablets und Netbooks sitzen aufgelötete Flash-Chips, sogenannte eMMC-Module. Sie funktionieren ähnlich wie SSDs, sind aber nicht per SATA oder PCIe, sondern über eine spezielle Version der SD-Schnittstelle mit dem Prozessor verbunden. Moderne eMMC-Typen liegen bei Latenz und Lese-Datentransferrate zwischen Festplatten und SATA-6G-SSDs, arbeiten beim sequenziellen Schreiben aber langsamer als Platten.

Laut Vorgaben von Microsoft sollen Komplettrechner mit vorinstalliertem Windows 8 oder 8.1 nicht mehr im altbewährten BIOS-Modus booten, sondern im UEFI-Modus mit Secure-Boot-Signaturprüfung. Das ist als Schutz gegen Malware gedacht. Ältere Linuxe und Windows 7 sind inkompatibel zu Secure Boot und teilweise auch UEFI. Wer unbedingt noch Windows 7 nutzen will, muss vor dem Hardware-Kauf klären, ob es sich parallel oder alternativ zu Windows 8 installieren lässt. Wir können Windows 7 nicht mehr empfehlen, weil der normale Support-Zyklus im Januar 2015 endet: Microsoft liefert zwar bis Januar 2020 noch Sicherheits-Updates, aber keine neuen Funktionen wie DirectX 12. PC-Spieler sollten schon deshalb auf Windows 8.1 beziehungsweise später auf Windows 10 setzen. Bisher taugen weder Android noch iOS als vollwertiger Ersatz für Windows, OS X oder Linux: Einerseits ist die Software-Auswahl auf Apps beschränkt, andererseits fehlen Treiber für Peripheriegeräte.

Ohne Lüfter

Achten Sie unbedingt beim Kauf auf leisen Betrieb, weil sich laute Rechner nachträglich nur mit viel Aufwand oder gar nicht leiser machen lassen. Bei Mini-, All-in-One-PCs und Notebooks kann man am Kühlsystem praktisch nichts verändern. Wer einen besonders leisen Rechner sucht, wird ausgerechnet bei den Billigprodukten fündig: Netbooks wie das Asus EeeBook X205-TA und 130-Euro-Barebones wie die Zbox CI320 Nano von Zotac kommen ohne Lüfter aus. Dank Flash-Modul oder SSD hört man auch keine Festplattengeräusche. Doch wie schon erwähnt, stecken in solchen Mini- und Billigrechnern sehr langsame Prozessoren.

Die sparsamsten Mini-Rechner kommen mit deutlich weniger als 10 Watt Leistungsaufnahme im Leerlauf aus. Ob sich der Einsatz eines besonders genügsamen Computers lohnt, hängt aber vor allem von der jährlichen Nutzungsdauer ab: Läuft ein PC im Schnitt täglich bloß zwei Stunden, darf er mehr schlucken als ein ständig laufender Server. Wer auf Ökologie Wert legt, sollte seinen Rechner vor allem möglichst lange nutzen und auf den Materialeinsatz achten: Das kompaktere System belastet meistens auch die Umwelt weniger. Als einer von wenigen Herstellern veröffentlicht Apple zu allen Systemen „ökologische Fußabdrücke“. Geht es um faire Produktion, steht Fujitsu besser da: Viele Komponenten kommen zwar ebenfalls aus Asien, werden aber in Deutschland zu PCs montiert. Hier darf man von besseren Arbeitsbedingungen ausgehen als in China. (ciw)

Literatur
  1. [1] Stefan Porteck, Scharfmacher, 4K-Monitore ab 500 Euro, c’t 20/14, S. 106

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Kapitel
  1. Bauformen
  2. Achtung, Spaßbremsen!
  3. Flash ist Trumpf
  4. Ohne Lüfter
  5. PC-Kaufberatung
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