Alles nur gefälscht

Amazon verkauft nachgebaute Akkus als Originalware

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Zwölf angebliche Samsung-Akkus haben wir von Amazon und kleinen Händlern gekauft – alle zwölf erwiesen sich als gefälscht.

Adam L. ist kein typischer Käufer von Smartphone-Akkus: Er benötigt regelmäßig mehrere Dutzend Stück für seine Firma, die damit Beleuchtungen für hochwertige Tischuhren fertigt. Für L. kommen nur Original-Akkus in Betracht. Diese sind seiner Erfahrung nach langlebiger als Nachbauten.

Doch L. muss immer wieder feststellen, dass „Original“ nicht gleich „Original“ ist. „Ich habe über Amazon bei insgesamt vier Online-Händlern ‚Original-Samsung-Akkus’ bestellt, und alle waren gefälscht“, schreibt er Ende Februar an c’t. Er gehe davon aus, dass 80 Prozent aller auf Amazon.de angebotenen Samsung-Akkus gefälscht seien.

Also bestellen wir selbst zwölf Samsung-Akkus auf Amazon.de. Wir wollen wissen, ob Fälschungen wirklich die Regel sind oder eher die Ausnahme. Außerdem interessiert uns, ob nur kleine Händler Fälschungen verkaufen – oder auch Amazon selbst.

Deswegen kaufen wir vier der zwölf Akkus direkt von Amazon („Verkauf und Versand durch Amazon“). Die restlichen ordern wir über Amazon.de bei kleinen Händlern. Einige davon werden ebenfalls aus Amazons Lagerhallen verschickt („Verkauf durch xy, Versand durch Amazon“).

Nach Erhalt vergleichen wir die gekauften Akkus mit einigen anderen, die in unseren Samsung-Testgeräten stecken und die wir in Samsungs Online-Shop gekauft haben – die also höchstwahrscheinlich echt sind. Einige Kleinigkeiten fallen auf: Mal unterscheidet sich die Schriftart auf den Akkus ein wenig, mal die Strichstärke der Logos, obwohl die Modellnummer dieselbe ist. Auch abweichende Herkunftsbezeichnungen gibt es, zum Beispiel „Made in China“ statt „Cell Made in Korea, Assembled in China“. Zwei der gekauften Akkus wiegen jeweils ein Gramm weniger als der Akku, den wir direkt von Samsung haben.

Doch diese Unterschiede müssen nicht unbedingt heißen, dass die bei Amazon gekauften Akkus gefälscht sind. Theoretisch kann man sie auch mit Änderungen in Samsungs Lieferkette erklären: Vielleicht hat der Hersteller in letzter Zeit Kleinigkeiten in der Produktion geändert oder Lieferanten von Komponenten gewechselt.

Zwölf von zwölf sind laut Samsung gefälscht

Deshalb schicken wir die Akkus an Samsung. Die Experten des Herstellers können uns mit Sicherheit sagen, was wir geliefert bekommen haben. Nach einigen Tagen erhalten wir die Akkus zurück, zusammen mit dem Prüfungsergebnis: Alle zwölf sind gefälscht, sagt Samsung.

Das Ergebnis überrascht uns aus zwei Gründen: Erstens haben wir nicht nur billige Akkus für 8 bis 10 Euro pro Stück bestellt, sondern auch einige für 15 bis 18 Euro. Zweitens waren wir davon ausgegangen, dass Amazon zumindest seine eigene Ware von seriösen Lieferanten bezieht und auf Fälschungen prüft.

Doch wenn vier von vier der direkt bei Amazon gekauften Akkus gefälscht sind, heißt das: Amazon kontrolliert offenbar nur nachlässig, wenn überhaupt.

Wir fragen bei Amazon nach: Was passiert nun mit der als gefälscht identifizierten Ware? Und wie schützt Amazon seine Kunden generell vor Fälschungen? Amazon antwortet ausweichend: Man werde alle genannten Produkte prüfen und sicherstellen, „dass die Angebote für die jeweiligen Produkte geltendem Recht genügen“. Anschließend verteuert sich einer der vier beanstandeten Akkus von 15 auf 40 Euro – vielleicht hat Amazon den Lieferanten gewechselt. Die Preise der anderen drei Akkus ändern sich nur um maximal einen Euro.

Händler geben Vor-Lieferanten die Schuld

Von den insgesamt sechs kleinen Händlern antworten drei auf unsere Anfragen. Die drei sagen allesamt, dass sie durchaus schon einmal Fälschungen geliefert bekommen hätten. Aber diese Akkus hätten sie zurückgegeben, und sie hätten den Lieferanten gewechselt. Einer sagt, dass er auch heute für nichts garantieren kann: „Leider lassen sich Plagiate nicht immer vermeiden, da Lieferanten Originale mit Plagiaten vermischen.“ Die Verantwortung übernimmt keiner. Alle geben ihren Vor- oder Vor-Vor-Lieferanten die Schuld.

Das ist nachvollziehbar, denn Samsung mahnt Händler, die gefälschte Akkus verkaufen, ab. Aber glaubwürdig ist es nicht. Denn Samsung liefert Original-Akkus stets in Blister-Verpackung in den Handel. Das dürfte auch den Händlern bewusst sein. Von den zwölf Fälschungen, die wir gekauft haben, waren zehn jedoch nur in einer Plastiktüte oder einem weißen Karton verpackt – also für Branchenkenner auf den ersten Blick als Fälschungen oder zumindest als Verdachtsfälle identifizierbar.

Zwei der gefälschten Akkus steckten in Blister-Verpackungen. Doch diese sind so schlecht gefälscht, dass ein kurzer Blick ausreicht, um sie von den Original-Verpackungen zu unterscheiden: Auf den Originalen ist die Schrift anthrazit, auf den Fälschungen schwarz. Außerdem unterscheiden sich die Beschriftungen der Akkus, ihre äußeren Hüllen sowie die darin eingewickelten Akkuzellen. Wenn die Händler sich wirklich bemühen würden, Fälschungen zu vermeiden, müssten die Unterschiede auffallen.

Woher vermutlich viele der gefälschten Akkus ursprünglich kommen, zeigt ein Blick auf die Handelsplattform Alibaba.com. Dort bieten Dutzende chinesische Hersteller angebliche Samsung-Akkus an. Zum Beispiel verkauft eine Firma den B600BE für das Galaxy S4 für 0,73 bis 1,38 Euro pro Stück, je nach Stückzahl. Inklusive Fracht, Zoll und Einfuhr-Umsatzsteuer zahlt man ein bis zwei Euro pro Akku. In Deutschland liegt der Verkaufspreis dann bei etwa sieben bis zehn Euro. Ein lukratives Geschäft, selbst wenn noch ein Zwischenhändler sowie Amazon oder Ebay die Hand aufhalten.

Der Zoll beschlagnahmt immer mehr Fake-Akkus

Attraktiv ist das Geschäft mit den Fake-Akkus auch deshalb, weil nur wenigen Nutzern ein Unterschied zu den Original-Akkus auffällt. Die Laufzeit ist am Anfang in der Regel nur ein bisschen kürzer: In unserem Vergleich von vier gefälschten Akkus mit zwei Original-Akkus im Galaxy S3 und S4 war es im Schnitt eine halbe Stunde. Länger als ein ausgelutschter Alt-Akku hält ein Nachbau durchaus.

Der Unterschied liegt vor allem im Alterungsprozess: Die meisten Original-Akkus liefern nach zwei Jahren normaler Nutzung noch 80 Prozent der Nominalkapazität oder mehr, die meisten Fake-Akkus machen schon nach 6 oder 12 Monaten schlapp. Aber dann macht sich kaum noch jemand die Mühe, den Akku zu reklamieren oder eine Amazon-Rezension zu verfassen.

Eine Statistik der Zollbehörden legt nahe, dass der illegale Akku-Handel regelrecht boomt. Die für Markenpiraterie zuständige Zoll-Abteilung, die Zentralstelle für gewerblichen Rechtsschutz, zählt auf: 2011 wurden 7000 gefälschte Handy-Akkus von deutschen Zöllnern beschlagnahmt, 2013 waren es 37 000 und 2014 über 45 000.

Auch Apple-Akkus werden kopiert

Das Problem betrifft nicht nur Samsung: Auf Amazon.de und Ebay.de finden sich auch Hunderte Angebote für angebliche „Original-Apple-Akkus“ für iPhones. Doch Apple verkauft (anders als Samsung) überhaupt keine Akkus im Handel, sondern beliefert ausschließlich seine eigenen Werkstätten. Die angeblichen Apple-Akkus sind Kopien, die in der Regel kürzer laufen und schneller altern (siehe c’t 24/14, S. 130).

Adam L. hat für sich zwei Konsequenzen gezogen: Erstens kauft er über Amazon keine Akkus mehr. Von zwei anderen Händlern hat er inzwischen insgesamt 50 Akkus bezogen und keine einzige Fälschung entdeckt.

Zweitens will er sich nicht damit abfinden, dass die Fake-Akkus auf Amazon weiterhin als Originale beworben werden. Doch es ist nicht einfach, andere Käufer zu warnen: Als L. einen der kleinen Händler schlecht bewertete, sperrte Amazon den Beitrag. (cwo@ct.de)

So erkennen Sie gefälschte Samsung-Akkus

Samsung sagt, dass Konsumenten „nur Ware in Originalverpackung von Samsung akzeptieren sollten“, also in Blistern statt in Plastiktüten oder Kartons. „Eine minderwertige Qualität der Verpackung wie eine unscharfe Beschriftung oder ein vom Original abweichendes Samsung-Logo ist ebenfalls ein Negativ-Indikator.“ Konkretere Tipps zur Identifizierung von Fälschungen gibt Samsung nicht. Man wolle den Fälschern das Handwerk nicht erleichtern, lautet die Begründung.

AMD zeigt, dass es auch anders geht: Eine Webseite erklärt die diversen Sicherheitsmerkmale von Prozessoren. Auch ein Webformular zur Überprüfung von Seriennummern könnte Käufern Gewissheit geben.

Aus unseren Testkäufen lassen sich aber immerhin einige konkretere Tipps ableiten: Das einfachste Erkennungsmerkmal ist der Preis. Samsungs Online-Shop und viele andere Händler verkaufen Akkus für Samsung-Smartphones für 20 bis 30 Euro pro Stück. Wenn Akkus mit derselben Modellnummer bei anderen Händlern nur die Hälfte oder sogar noch weniger kosten, kann etwas nicht in Ordnung sein.

Falls Sie schon einen Akku gekauft haben, und sich nicht sicher sind, ob es sich um ein Original handelt, sollten Sie auf die folgenden Details achten. Leider gelten diese Tipps nur eingeschränkt: Sowohl Samsung als auch die Fälscher können Details jederzeit ändern.

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