Platz da!

4K-TV als Monitor

Praxis & Tipps | Tipps & Tricks

Ein großes 4K-Display für nur 400 Euro – das geht mit ultrahochauflösenden Flachbildfernsehern. Auf deren Schirmfläche passen ohne Ende Fenster, man muss weder skalieren noch externe Lautsprecher anschließen und der Medienplayer zur autarken Anzeige von Fotos und Videos ist auch gleich eingebaut. Wer ultrahochauflösende Flachbildfernseher zum PC-Monitor umfunktionieren will, muss aber ein paar Dinge beachten.

Riesige Schirmfläche mit ultrahoher Auflösung für kleines Geld – das möchte man vielleicht nicht nur im Wohnzimmer, sondern auch auf dem Schreibtisch haben. Ein Blick auf die Preise für Displays mit ultrahoher Auflösung holt die meisten Nutzer schnell auf den Boden der Tatsachen zurück: Große 4K-Monitore mit 32 Zoll Diagonale und blickwinkelstabilem VA-Panel gibt es derzeit ab etwa 900 Euro, bessere Geräte kosten gern auch das Doppelte.

Doch wer weitersucht, entdeckt den einen oder anderen günstigen 4K-Fernseher: 40-Zoll-Modelle mit gut einem Meter Diagonale und blickwinkelstabilem Display mit 3840 × 2160 Pixeln Auflösung gibt es bereits ab 400 Euro. Wir fragten uns, unter welchen Bedingungen sich diese großen Flachbildfernseher als PC-Monitor eignen. Kann man daran ernsthaft arbeiten? An fünf preiswerten 4K-TVs haben wir die Probe aufs Exempel gemacht.

HDMI 2.0 ist Pflicht

Wünschenswert für den Betrieb am PC ist ein Videoausgang, der digitale Signale mit 60 Hz übermittelt. Fernseher haben üblicherweise ausschließlich HDMI-Anschlüsse, den im PC-Bereich verbreiteten DisplayPort findet man hier nicht oder nur sehr selten (Panasonic hat einige wenige teure Fernseher mit DP-Anschluss im Programm). Der notwendige HDMI-2.0-Eingang schränkt die Geräteauswahl deutlich ein: Wir haben fünf preiswerte 4K-TVs mit einem Meter Diagonale gefunden – zwei von LG (40UB800V und 42UB820V), ein Samsung-Modell (UE40HU6900), eines von Panasonic (TX-40AXW634) und ein 4K-TV des taiwanischen Displayherstellers TCL (U40S7606DS). Kleinere TV-Schirme mit 4K-Auflösung und HDMI 2.0 gibt es derzeit nicht, größere wollten wir uns dann doch nicht auf den Schreibtisch stellen.

Die für den Betrieb nötigen Grafikkarten mit HDMI-2.0-Ausgang haben wir auf Seite 114 zusammengestellt. Dort erklären wir auch, welche Adapterlösungen es für den DisplayPort gibt und ob man spezielle HDMI-Kabel braucht. Außerdem haben wir die fünf TVs im Labor auf Herz und Nieren geprüft, den Testbericht finden Sie ab Seite 110. Zur schnellen Übersicht beantworten wir zudem auf Seite 116 die häufigsten Fragen zum Thema in einer FAQ.

Maximale Arbeitsfläche

Der Vorteil eines 40-zölligen 4K-Displays gegenüber kleineren UHD-Monitoren: Man kann die Darstellung weitgehend unskaliert belassen und Programme trotzdem komfortabel bedienen. So umgeht man Probleme, die häufig bei stark vergrößerter Darstellung auftreten. Wenn man beispielsweise die bei 27-zölligen 4K-Monitoren übliche 200-Prozent-Skalierung aktiviert, werden Systemschriften nicht ordentlich skaliert – prominentes Beispiel ist der Windows-Dateimanager – und teilweise Schriften, Icons und Schaltflächen verpixelt oder gar nicht mit vergrößert. Zuweilen rutschen sogar ganze Buttons von der skalierten Oberfläche ins Nirwana. Das macht die jeweilige Anwendung zumindest unansehnlich, wenn nicht unbedienbar [1].

Außerdem bietet so ein ultrahochauflösender TV-Schirm enorm viel Platz für jede Menge Fenster. Anders bei vergleichbar teuren 27-Zoll-4K-Monitoren: Hier hat man zwar den Schärfegewinn durch die superkleinen Pixel, erhält aber wegen der zwingend notwendigen Vergrößerung kaum zusätzliche Arbeitsfläche. Und: Kleine 4K-Monitor nutzen meist blickwinkelabhängige TN-Panels.

Die Pixeldichte eines 40-zölligen 4K-TVs mit gut einem Meter Diagonale und 3840 × 2160 Bildpunkten beträgt 110 dpi. Das entspricht ungefähr einem 27-Zoll-Monitor mit 2560 × 1440 Bildpunkten. Die ultrahochaufgelöste Darstellung am 4K-TV wirkt entsprechend fein – und die Icons auf dem riesigen Desktop beim ersten Anschalten überraschend klein. Manch ein Tester in der Redaktion neigte deshalb dazu, die systemweite Skalierung zu aktivieren: 110 bis 125 Prozent waren beliebt. Außerdem wollten alle das TV-Display angesichts der schieren Größe etwas weiter wegrücken als den herkömmlichen Monitor. Dann sind Schriften wiederum einfacher zu lesen, wenn sie ein klein wenig vergrößert werden – hier muss letztlich jeder selbst abwägen.

Angesichts der Displaybreite von 86 Zentimetern muss man den Kopf bei kurzem Sitzabstand ziemlich weit hin- und herbewegen, um alle Inhalte auf dem Desktop zu erfassen. Deshalb wünschten sich fast alle Tester eine Display-Krümmung – da wäre ein Curved-TV also tatsächlich mal sinnvoll.

Arbeiten im sonnendurchfluteten Büro ist an den Riesenmonitoren eher schwierig – zu sehr spiegeln sich entweder die Sonne selbst oder von der Sonne beschienene Gegenstände im Display. Dann hilft nur runter mit der Jalousie. Andere Probleme lassen sich eleganter lösen.

Fenster anordnen

Für Vollbild-Anwendungen sind die TV-Schirme zu breit – den vielen Platz auf dem Desktop füllt man stattdessen mit diversen Fenstern. Diese wollen sinnvoll auf der Fläche verteilt werden. Bei zwei Fenstern hilft „Windows Snap“ weiter: Die Tastenkombination Windows+Pfeil links/rechts ordnet das aktive Fenster in der kompletten linken oder rechten Hälfte an.

Zum Anordnen mehrerer Fenster kann man das Kontextmenü bemühen: Ein Klick auf die rechte Maustaste im leeren Bereich der Taskleiste ruft den Menüpunkt „Fenster nebeneinander anzeigen“ auf. Bei vier Fenstern werden die Quadranten damit nach ihrer Aktivierungsreihenfolge angeordnet: Das zuletzt aktive Fenster erscheint oben links, das folgende unten links, danach wird der Quadrant oben rechts befüllt und das am längsten nicht mehr genutzte Fenster landet unten rechts. Soll heißen: Wer seine Fenster gezielt anordnen möchte, muss sie zunächst in der passenden Reihenfolge anklicken – intuitiv geht anders.

Die geordnete Fenster-Maximierung wird man erst mit Windows 10 komfortabel erreichen: Passende Tastenkombinationen schubsen die Fenster darin zurecht, etwa erst Windows+Pfeil links, dann Windows+Pfeil oben zum Anordnen im linken oberen Quadranten.

Unter den aktuellen Windows-Versionen lassen sich ähnliche Tastenkombinationen nachrüsten, etwa mit AquaSnap. Kleiner Haken solcher Nachrüst-Programme: Wenn man sie einfach per Doppelklick startet, laufen sie wie jedes Programm seit Vista erst mal nur mit eingeschränkten Rechten und es lassen sich nur Fenster mit ebenfalls eingeschränkten Rechten anordnen. Mit Admin-Rechten geöffnete Fenster werden nur verschoben, wenn man das Nachrüst-Programm ebenfalls „Als Administrator“ startet. Die Fenster virtueller Hyper-V-Maschinen blieben im Test von der gesamten Anordnungsautomatik unbeeindruckt.

Alternativ kann man seine Fenster natürlich auch manuell nach eigenem Gusto auf der großen Schirmfläche verteilen. Um den Wechsel zwischen übereinanderliegenden Fenstern komfortabler zu gestalten, sollte man den Quadranten mit den meisten Fenstern in die Nähe des Startknopfs legen. Andernfalls muss man zum Umschalten zu weite Wege zu den Einträgen in der Taskleiste zurücklegen.

Mauszeiger und Schriften optimieren

Den Mauszeiger auf einem riesigen 4K-Display zu entdecken, kann zu einer Herausforderung werden – während der Tests haben durchaus mal lachende Kollegen von der Tür aus beobachtet, wie zwei c’t-Redakteure gemeinsam den Mauszeiger auf dem Bildschirm gesucht haben. Die Funktion „Zeiger beim Drücken der STRG-Taste anzeigen“ unter Zeigeroptionen im Anzeige-Menü kann das Auffinden erleichtern.

Ein Problem, dass wir nicht wirklich erklären können: Auf Windows-PCs wurde auf allen fünf 4K-TVs aus dem Mauszeiger stets quasi die Mitte herausoperiert. Sofern der Mauszeiger gerade als Pfeil dargestellt wird, machte das nicht viel aus. Anders beim Schreiben von Texten: Dann ändert sich der Zeiger in den „Textauswahl“-Modus mit einem schmalen Strich in der Mitte – doch genau der fehlte nun. So war der Zeiger kaum noch zu sehen.

Die Abhilfe ist aber einfach: Wählen Sie in der Systemsteuerung unter „Maus/Zeiger“ als Schema „Windows Schwarz (sehr groß) (Systemschema)“, unter Windows 7 hilft das Aero-Zeigerdesign. Den Mauszeiger „Textauswahl“ können Sie unter „Zeiger“ zudem durch einen besser sichtbaren ersetzen: Windows 8.1 bringt beispielsweise „beam_rm.cur“ mit, dessen Achse so breit ist, dass bei 60 Hz noch ein schmaler Strich übrig blieb. Zusätzlich sollten Sie in den „Zeigeroptionen“ die Mausspur aktivieren; die Länge der Mausspur darf dabei per Schieberegler auf ganz kurz stehen. Anschließend erscheint der Mauszeiger in normaler Fülle beziehungsweise mit schwarzem Rand und auch der Auswahlstrich im Textfenster ist wieder da.

Reduziert man die Bildwiederhol-Frequenz von 60 auf 30 Hz, sind die Mauszeiger ganz ohne solche Maßnahmen heile. Allerdings bewegt sich der Mauszeiger dann langsamer über den Schirm, und Fenster ruckeln ein wenig beim Verschieben. Wenn das Display zusätzlich die Grafikkartensignale verzögert ausgibt – wie dies bei den LG-TVs und dem TCL-Fernseher der Fall war –, wird eine schnelle, zielgenaue Mausbewegung fast unmöglich.

Ob man am PC mit 30 Hertz Bildwiederholfrequenz arbeiten kann, hängt vom Einsatzgebiet und von den persönlichen Befindlichkeiten ab: Für Konsolenfenster reichen 30 Hz aus, Egoshooter spielen geht gar nicht. Zwischen diesen beiden Polen spannt sich das Anwendungsspektrum auf und manch ein Nutzer stört sich sofort am ruckelnden Mauszeiger, während andere keinerlei Probleme damit haben.

Alle fünf TVs gaben Schriften im 4K-Betrieb mit 60 Hz leicht unscharf oder bunt wieder. Um das zu verbessern, kann man Cleartype nutzen – je nach TV und PC verschlechterte sich mit Cleartype allerdings die Darstellung; dann sollte man die Funktion explizit deaktivieren, den Cleartype-Dialog aber trotzdem durchführen. Auch die bunten und teilweise ungleichmäßigen Schriften verschwanden, als wir die Bildwiederholfrequenz auf 30 Hz reduzierten. In unseren Tests übernahm Windows einige Einstellung übrigens erst nach einem Neustart; manchmal half es auch, den Fernseher aus- und wieder anzuschalten.

Anwendungssache

Für die Arbeit mit vielen Fenstern sind die riesigen 4K-Displays klasse – den vielen Platz will man schnell nicht wieder hergeben. Die etwas unsaubere Schriftdarstellung ist gewöhnungsbedürftig: Einige Tester konnten damit gut leben, für andere sind bunte Systemschriften untragbar und ungeglättete Buchstaben nicht mehr zeitgemäß. Warum Buchstaben und Mauszeiger im 60-Hz-Betrieb so verunziert wurden, ist uns unklar – es sieht fast so aus, als würden die Fernseher die interne Skalierung nicht komplett deaktivieren.

Zur professionellen Bearbeitung von Fotos oder Videos müssen kalibrierbare Displays mit großem Farbraum und homogener Schirmausleuchtung her. Das können unsere fünf Kandidaten nicht leisten. Wer aber Fotos editieren und sortieren will oder Videoclips für YouTube schneidet, wird mit der Bildqualität der 4K-TVs gut klarkommen. Zumal die Displays hochauflösendes Material in Originalgröße anzeigen und dadurch Effekte wie Moiré oder wabernde Schlieren schneller sichtbar werden.

In der Praxis erwies sich die Blickwinkelabhängigkeit als Problem: Sitzt man relativ dicht vor dem großen TV-Display und verschiebt Fenster, werden diese von der Seite sichtbar matter. Deshalb sollte man das Hauptfenster zur Text-, Foto- oder Videobearbeitung möglichst mittig platzieren. Auf der Arbeitsfläche drum herum kann man dann jede Menge weiterer Fenster anordnen.

Insgesamt lassen sich die 4K-TVs also nicht ohne Einbußen als Monitor nutzen – sie spendieren aber extrem viel Platz und kosten nur halb so viel wie große 4K-Monitore. (uk@ct.de)

Literatur
  1. [1] Ulrike Kuhlmann, Jan Schüssler, Platz da!, Blickwinkelstabile 4K-Monitore von 24 bis 32 Zoll, c’t 8/15, S. 104
4K-TV-Monitore unter Linux

Ein 4K-Display unter Linux? Einige (Windows nutzende) Kollegen spotteten im Vorfeld, das könne doch nix werden. Und tatsächlich ließ sich der Start mühsam an: Nach dem Einbau der relativ neuen Nvidia Geforce GTX 970 in den PC startete Ubuntu 14.04 ohne 3D-Beschleunigung, sodass der Unity-Desktop kaum benutzbar war – der standardmäßig verwendete freie Nouveau-Treiber des Kernel 3.13 von Anfang letzten Jahres ist mit solch aktueller Hardware überfordert.

Auch die Installation des proprietären Nvidia-Treibers aus den Ubuntu-Repositories machte die Situation nicht besser. Erst nach Installation der aktuellen Treiberversion 349.16 von der Nvidia-Homepage lief das alte Full-HD-Display am DVI-Anschluss endlich, wie es sollte.

Der zusätzlich per HDMI angeschlossene 4K-Fernseher konfigurierte sich auf Anhieb als Erweiterung des Desktops – leider nur in Full HD. Das Konfigurationstool von Nvidia bot zwar die korrekte Auflösung für das 4K-Display an, aber auf 3840 × 2160 Pixel umgestellt blieb der Fernseher mit Dual-Monitor-Betrieb dunkel.

Erst nachdem wir das alte Display abgeklemmt und den Rechner neu gestartet hatten, erschien der Unity-Desktop auf dem TV-Display in großzügiger 4K-Auflösung mit 60 Hz – und mit blauen Farbrändern an starken Kontrasten wie schwarzer Schrift auf hellem Grund. Bei 30 Hz Bildwiederholfrequenz erhielten wir dagegen ein sauberes Bild, an dem sich mit den latenzarmen TVs gut arbeiten ließ.

Ein paar Tricks erleichtern den Umgang mit dem großen Display. Wer so wie ich immer ein Terminalfenster in einer Bildschirmecke ablegt, um bei Bedarf schnell eine Textkonsole zur Hand zu haben, wird merken, dass der Weg in die Bildschirmecken ganz schön weit ist. Eine Alternative sind Tools wie Tilda, die auf Tastendruck ein Terminal an beliebiger Position auf dem Schirm einblenden. Lästig ist auch, dass die intelligente Fensterpositionierung schon mal dafür sorgt, dass sich das Fenster zum Beantworten einer Mail rechts unten öffnet, auch wenn das Mail-Programm in der linken oberen Ecke läuft. Einfache Lösung: Im Compiz Config Settings Manager (ccsm) in der Fensterverwaltung unter „Fenster platzieren“ den Platzierungsmodus auf „Pointer“ umstellen, dann öffnen sich neue Fenster dort, wo sich gerade der Mauszeiger befindet. (odi@ct.de)

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