Pflichtfach Informatik

Bildungsexperten fordern verpflichtenden Unterricht an allgemeinbildenden Schulen

Wissen | Reportage

Schüler und Lehrer wünschen sich mehrheitlich, dass Informatik Pflichtfach wird. Bisher haben aber erst drei Bundesländer in Deutschland das Fach für alle Schüler verbindlich im Lehrplan verankert. Gerade werden in Baden-Württemberg, Berlin und Brandenburg neue Bildungspläne erprobt. Doch es zeichnet sich ab, dass die Politiker die informatische Bildung der Schüler dort auch weiterhin dem Zufall überlassen wollen.

Etwa 70 Minuten Unterricht braucht der Informatiklehrer Urs Lautebach für die Einführung ins Thema IP-Adressen, Domains und DNS-System. Als praktisches Beispiel baut er für Schüler der Klasse 8 die Internetsperre nach, die von der Bundesregierung für das 2009 geplante und 2011 wieder gekippte Zugangserschwerungsgesetz zum Schutz vor Kinderpornografie gedacht war. Die Schüler beginnen zu tüfteln – nach ein paar Minuten haben die ersten die Sperre umgangen. „Wenn dann noch Zeit ist, stellen Schüler auch in diesem Alter sofort gesellschaftlich relevante Fragen, wie etwa: ,Wer berät denn die Politiker?’“, sagt der Gymnasiallehrer für Informatik, Mathematik und Physik aus Baden-Württemberg.

Urs Lautebach ist Diplom-Informatiker und Lehrer am Faust-Gymnasium in Staufen. Als zweiter Sprecher der Informatiklehrerinnen und -lehrer in Baden-Württemberg (ILL-BW) setzt er sich für ein Pflichtfach Informatik ein. Das gibt es im Tüftler-Ländle bisher nicht. So sind Umfang und Qualität der informatischen Ausbildung hier stark vom Einsatz einzelner Lehrer abhängig. Lautebach bietet seit 7 Jahren eine Informatik-AG für die 10. Klasse an. „Obwohl die Stunden für die AGs zusammengestrichen wurden und die Schulleiter kaum Reserven haben, läuft es bei uns im Haus erfreulich“ berichtet er. Das sei aber an jeder Schule anders – ob ein Schüler in Baden-Württemberg Zugang zu informatischer Bildung hat, ist damit letztlich Glückssache.

Die Informatik-AG ist freiwillig und passt für die Schüler kaum noch in den ohnehin randvollen Stundenplan. „Trotzdem sitzen hier teilweise 30 bis 40 Prozent des Jahrgangs in der AG, auch wenn nicht alle bis zum Schuljahresende durchhalten.“ Für Klasse 11 und 12 bietet seine Schule auch „Informatik als Kernfach“ an. Mittlerweile kann jedes Gymnasium in Baden-Württemberg das beantragen, die Entscheidung trifft die Schulleitung.

Eine AG-Teilnahme ist Voraussetzung dafür, dass ein Schüler Informatik als Abiturprüfungsfach belegen kann. Ab 2017 werden Gymnasiasten an der Modellschule eine schriftliche Abiturprüfung in Informatik ablegen können. Im ersten Jahr haben sich zwölf Schüler angemeldet, berichtet Lautebach. ...

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c't 23/2015, Seite 84 (ca. 5 redaktionelle Seiten)
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  1. Unterm Strich weniger
  2. Beherrschen statt bedienen
  3. In Europa unterdurchschnittlich
  4. Vorreiter Bayern
  5. Computational Thinking
  6. Föderalistische Vielfalt
  7. Fehlende Fachlehrer
  8. Bewegung auf Bundesebene?

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  1. Unterm Strich weniger
  2. Beherrschen statt bedienen
  3. In Europa unterdurchschnittlich
  4. Vorreiter Bayern
  5. Computational Thinking
  6. Föderalistische Vielfalt
  7. Fehlende Fachlehrer
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