Drängler 2.0

Microsoft verschärft Upgrade-Angebot auf Windows 10

Trends & News | News

Das kostenlose Windows-10-Upgrade soll den Anwendern von Windows 7 und 8.1 bald dichter auf die Pelle rücken – aber immerhin endlich die Möglichkeit bieten, es auszuschlagen. Zudem will Microsoft in einem Jahr nur noch ein Desktop-System ausliefern: Windows 10.

Microsoft-Manager Terry Myerson hat angekündigt, beim Gratis-Upgrade auf Windows 10 einen Gang höher zu schalten. Die Änderung dürfte in den Ohren vieler Windows-7- und 8.1-Fans wie eine Drohung klingen. Bislang sieht es so aus: Anwender der Vorgängersysteme Windows 7 und 8.1 werden über das Update-Tool „GWX“ in der Taskleiste mehr oder minder penetrant erinnert, bitte endlich das Gratis-Upgrade auf Windows 10 zu reservieren, was einen rund 3 GByte großen Download auslöst. Unserer Redaktion sind zudem diverse Berichte bekannt, nach denen das Upgrade-Paket unter bestimmten Bedingungen ohne Reservierung oder anderes Zutun heruntergeladen worden sein soll – selbst nachstellen konnten wir das allerdings nicht. So oder so: Einmal auf „Reservieren“ geklickt, und sei es aus Versehen, lädt das Upgrade-Paket im Hintergrund herunter und versucht dann konsequent, vom Anwender die Zustimmung zur Installation einzuholen.

Zwang mit Opt-Out

Das bisher zweistufige Verfahren – erst Reservierung via GWX und Download, dann Anstoßen der Installation – soll 2016 einstufig werden: Dann soll das Installationspaket für Windows 10 unter Windows 7 und 8.1 als sogenanntes „empfohlenes Update“ bereitstehen. Das bedeutet: Sofern der Anwender nicht einschreitet, wird es automatisch heruntergeladen und belastet die Internetanbindung mit dem Download des Batzens. Dann muss er nur noch die Lizenzbedingungen akzeptieren, um den Umstieg auf Windows 10 zu vollziehen.

Immerhin dürfte sich das Ganze mit dem passenden Handgriff verhindern lassen – nämlich, indem man Windows Update beibringt, die „empfohlenen Updates“ nicht mehr automatisch herunterzuladen. Um das umzustellen, klicken Sie in Windows Update auf „Einstellungen ändern“ und entfernen dort das Häkchen bei „Empfohlene Updates auf die gleiche Weise wie wichtige Updates bereitstellen“.

Zugleich soll das Upgrade-Angebot handzahmer werden: Wer am Upgrade nicht interessiert ist, soll die bislang von manchen als penetrant empfundene Werbung dauerhaft abschalten können. Ob die Veränderung tatsächlich fruchtet, wird man erst sehen, wenn sie im kommenden Jahr aktiv wird – bleibt also zu hoffen, dass Microsoft die Beschwerden über nervige Upgrade-Werbung ernst nimmt und endlich eine komfortable Möglichkeit zum dauerhaften Opt-Out schafft.

Legalize it

Wenn eine Windows-10-Installation als nicht korrekt lizenziert angesehen wird, im Microsoft-Sprech also „non-genuine“ ist, zeigt der Menüpunkt „Aktivierung“ in den Einstellungen bislang nur an, dass der Anwender einen gültigen Lizenzschlüssel eingeben muss. Alternativ kann er den Store öffnen und dort eine Lizenz kaufen oder eine bereits darüber erworbene für die Aktivierung verwenden. Die Kauf-Option will der Hersteller laut Myerson künftig besser in Szene setzen. Die Erfahrung zeige, dass die Option gerne genutzt werde, um ein unlizenziertes System auf bequeme Weise „genuine“ zu machen. So plant Microsoft, auf Windows-10-Installationen ohne gültige Lizenz einen prominenten Hinweis einzubauen, der mehr Anwender motivieren soll, mit ein paar Klicks im Store an eine Lizenz zu kommen.

Der Weg über den Store mag bequem sein, ist aber eine sehr teure Methode der Legalisierung. Windows 10 Pro etwa ist hierzulande als „System Builder“-Produkt um mehr als 100 Euro günstiger als die Lizenz im Store. Wer die Chance nutzen und eine vormals illegale Installation legalisieren möchte, wählt also besser den unbequemen Weg und kauft das Produkt beim Fachhändler. Der darin enthaltene Lizenzschlüssel eignet sich für die Aktivierung einer bestehenden Installation.

Auch von Windows 7 und 8.1 aus will Microsoft versuchen, mehr Anwender illegaler Installationen zum Kauf zu überreden: Anders als bislang soll auch auf nicht aktivierten Systemen ein Upgrade auf Windows 10 beworben werden. Das Kalkül dahinter ist naheliegend: Weil die Beschaffung einer Lizenz über den Store so komfortabel von der Hand geht, hofft Microsoft, dass nach einem solchen Upgrade wenigstens ein paar Anwender die Gelegenheit nutzen und ihre Installation mit ein paar Klicks legalisieren.

Bislang hat Microsoft auf nicht aktivierten Systemen das Upgrade nicht beworben. Eine Aktualisierung auf Windows 10 war auf solchen PCs aber dennoch von Anfang an machbar: Wer mithilfe des „Media Creation Tool“ etwa einen Setup-USB-Stick erstellt und diesen aus dem laufenden Alt-Windows heraus gestartet hat, konnte auf Windows 10 umsteigen. An der fehlenden Lizenz hat das freilich nichts geändert: Ein Gratis-Upgrade auf eine Raubkopie zu installieren, führt eben nicht zu einer Legalisierung der Windows-Installation.

Die Uhr tickt

Am 31. Oktober 2016 will Microsoft die letzten Lizenzen für Windows 7 Professional an Gerätehersteller (OEMs) liefern. Nicht nur das: Auch Windows 8.1 (Core und Pro) soll zu diesem Stichtag zum letzten Mal in den OEM-Verkauf gehen. Die Termine hat Microsoft bis Redaktionsschluss nur auf der englischen Support-Seite veröffentlicht.

Für die Verfügbarkeit von PCs mit vorinstalliertem Windows 7 bedeutet das nicht unbedingt ein sofortiges Ende. Wenn Hersteller im großen Stil OEM-Lizenzen einkaufen und auf Halde legen, könnten sich Rechner mit Windows 7 Professional noch Jahre später im Handel finden.

In der Praxis hat das Datum eine eher theoretische Bedeutung: Geschäftskunden, die Windows 7 Professional einsetzen wollen oder müssen, investieren besser in die Zukunft. Sie kaufen Lizenzen für Windows 10 Pro, machen dann aber vom Downgrade-Recht Gebrauch und nutzen zunächst Windows 7.

Auch Endverbraucher, die sich für Windows 7 interessieren, dürften keine Veränderung spüren: OEM-Lizenzen für Heimanwender-Editionen wie Windows 7 Home und Ultimate liefert Microsoft seit November 2014 nicht mehr aus. Die Retail-Produkte, wie Vollversionen und Upgrades, verkauft Microsoft schon seit zwei Jahren nicht mehr – auch die Professional-Edition nicht. Doch wie bei OEM-Produkten gilt: Ein Verkaufsstopp durch Microsoft heißt nicht, dass die Produkte nicht noch Jahre später in den Regalen der Einzelhändler liegen können.

Das Verkaufsende hat nichts mit dem Support-Ende zu tun: Auch wenn zum Ende des kommenden Oktobers die letzten Exemplare von Windows 7 und 8.1 in den Handel fließen, werden die Betriebssysteme bis zum Jahr 2020 (Windows 7) beziehungsweise 2023 (Windows 8.1) mit Sicherheits-Updates versorgt.

Media Center schon weg

Windows 10 bringt gar kein Media Center mehr mit, in Windows 8.1 ließ es sich immerhin noch bequem hinzufügen: Für die Basisversion von Windows 8.1 („Core“) brauchte man eine Erweiterungs-Lizenz namens „Pro Pack“, welche den Funktionsumfang gleichzeitig auf Windows 8.1 Pro hievte; für Installationen von Windows 8.1 Pro genügte das günstigere „Media Pack“.

Doch nun macht Microsoft Ernst mit der Einstellung des Media Center: Die Erweiterungs-Lizenzen wurden Anfang November 2015 aus dem Lieferprogramm gestrichen. Bei der Neueinrichtung eines Media-Center-PCs werden Alternativen wie Kodi nun also unausweichlich, wenn noch keine Lizenz für ein Windows Media Center vorliegt. Bestandskunden müssen sich um die Produktpflege noch keine Sorgen machen: Sie ist an die Support-Fristen des Betriebssystems gekoppelt, auf dem das Media Center läuft – unter Windows 8.1 bekommt also auch das Media Center noch bis zum Jahr 2023 eventuelle Sicherheits-Updates. (jss@ct.de)

Artikel kostenlos herunterladen

Kommentare

Anzeige