Besser surfen Update

Web-Browser im Vergleich

Test & Kaufberatung | Test

Welcher Browser browst am flottesten, welcher meistert Routineaufgaben am besten: der Windows-10-Neuling Edge, der Newcomer Vivaldi – oder doch einer der vertrauten? Wir haben sieben Exemplare für Windows, OS X und Linux auf den Prüfstand gestellt.

Der Browser ist auf den meisten Rechnern die wichtigste Software – und auch die vielseitigste. Er verrichtet viele Arbeiten, für die man vor gar nicht langer Zeit noch die verschiedensten Anwendungen installieren musste – von der Textverarbeitung über Musikstreaming, Videotelefonie, Gaming bis hin zu Bildbearbeitung und vielem mehr. Wir vergleichen in diesem Artikel die aktuellen Versionen von Chrome, Edge, Firefox, Internet Explorer, Opera, Safari und Vivaldi.

Bei den Marktanteilen zeigen sich große Unterschiede zwischen der Nutzung hierzulande und weltweit – siehe Grafik rechts. Weltweit liegt Chrome deutlich an erster Stelle, hierzulande hat Firefox die Nase vorn. Die Anteile der Newcomer Edge und Vivaldi sind so klein, dass sie noch nicht einmal explizit ausgewiesen werden. Dabei haben gerade die neuen Browser das Potenzial, den Markt aufzumischen. Microsoft verabschiedet sich von seinem alten Flaggschiff Internet Explorer und wagt mit Edge einen Neuanfang. Hinter Vivaldi steht der Unternehmer Jon von Tetzchner, der Gründer von Opera, der immer für frischen Wind in der Szene gut ist.

Vivaldi wie Opera setzen auf Chromium, den Open-Source-Kern von Googles Browser Chrome. Damit steht Entwicklern ein leistungsfähiger Browser zur Verfügung, den sie um eigene Funktionen erweitern können. Neben diesen beiden gibt es noch etliche weitere Chromium-Ableger, die wir hier aber nicht berücksichtigen.

Performance-Faktoren

Flott muss ein Browser sein und die oft mit viel JavaScript versehenen Online-Anwendungen flüssig ausführen. Hier haben alle Hersteller ihre Hausaufgaben gemacht, nur der Internet Explorer hinkt hinterher. Die Tabelle auf Seite 125 listet die Ergebnisse des Octane-Benchmarks auf; die Peacekeeper-Suite testet die Browser-Performace generell. Wir haben alle Windows-Browser auf einem HP ProBook 4730s mit einem aktuellen Windows 10 getestet. Safari haben wir auf einem Mac mini untersucht. Die Tabelle führt in Klammern hinter den Safari-Ergebnissen zum Vergleich die Werte von Chrome auf dem Mac auf, sodass man die Ergebnisse der beiden unterschiedlichen Systeme zumindest grob vergleichen kann.

Die nackten Ergebnisse geben eine grobe Orientierung; man sollte sie aber nicht überbewerten. Die Browser-Performance ist nur ein Aspekt von vielen, der sich auf die Geschwindigkeit auswirkt. In der Praxis können zum Beispiel Schwankungen in der Netzwerkgeschwindigkeit die Ladegeschwindigkeit von Webseiten beeinflussen. Moderne Web-Anwendungen betten zudem oft dutzende Inhalte und Bibliotheken von fremden Servern ein. Schwächelt einer dieser Zulieferer, so lahmt mitunter der Ladeprozess der gesamten Seite. Der Kasten rechts beschreibt weitere Faktoren, die das Surfen bremsen können – und wie Sie sie abstellen.

Zielführend und sicher

Wichtiger als Labor-Messergebnisse ist es, dass der Browser den Surfer bei den vielen kleinen Schritten unterstützt, die zu den täglichen Online-Sitzungen gehören: Eine leistungsfähige Bookmarkverwaltung etwa ist ein Muss. Benutzerdefinierbare Kurzbefehle und individuelle Skins geben dem Browser einen individuellen Touch. Alle getesteten Browser unterstützen den Benutzer mit einem Passwortmanager, alle außer Vivaldi stellen einen Formularmanager bereit. Auch eine Rechtschreibprüfung ist Standard.

Es hilft ungemein, wenn sich der Browser häufig besuchte Seiten merkt und beim Start anbietet und wenn das Eingabefeld den Verlauf und die Bookmarks berücksichtigt. Wenn man auf mehreren Rechnern surft, ist Synchronisation Pflicht, die wichtige Einstellungen und Daten auf allen Browser-Instanzen abgleicht: Lesezeichen, geöffnete Tabs, Verlauf, Passwörter, Einstellungen – und idealerweise die Erweiterungen ebenfalls. Dabei zählt auch, ob sich die Einstellungen mit Mobilbrowsern abgleichen lassen – und für welche Plattformen diese verfügbar sind.

Erweiterungen (bei Firefox heißen sie Add-ons) machen einen Browser zu einem vielseitigen Werkzeug für die verschiedensten Zwecke [1]. Wohl dem, der auf ein reichhaltiges Arsenal davon zugreifen kann. Per Erweiterung lässt sich bei vielen Browsern Werbung ausblenden – die zunehmend penetranter wird und Webseiten unnötig aufbläht – siehe Kasten unten.

Erweiterungen setzen, grob gesprochen, auf HTML, CSS und JavaScript auf und manipulieren die Bedienoberfläche des Browsers. Daneben können Browser auch über eine NPAPI genannte Schnittstelle auf Programmbibliotheken zugreifen, die das System bereitstellt, sogenannte Plug-ins. Das bekannteste Plug-in dieser Art ist der Flash Player. Plug-ins waren in der Vergangenheit aber oft Einfallstore für Schädlinge. Die Hersteller tragen dem Rechnung, indem sie ihre Browser automatisch aktualisieren und sich teilweise auch gleich um die Plug-ins kümmern: Bei Firefox ist ein Großteil der Plug-ins standardmäßig deaktiviert, Chrome hat die altmodische NPAPI-Schnittstelle komplett abgeschafft.

Darüber hinaus bieten alle Browser einen auf Blacklists basierenden Schutz, der den Surfer warnt, wenn er eine potenziell gefährliche Site aufsuchen will. Unterstützt der Browser HSTS, sorgt er dafür, dass die verschlüsselte Version einer Site angesteuert wird, wann immer das möglich ist. Zertifikats-Pinning wiederum sorgt für wirksamen Schutz gegen Man-in-the-middle-Attacken [2].

Die Tabelle auf Seite 127 zeigt, wie weit welche Browser bei der Unterstützung von HTML5 und CSS3 sind. Damit Entwickler Anwendungen bauen können, die möglichst robust funktionieren, benötigen sie leistungsfähige Entwicklerwerkzeuge. Auch hierbei liefern sich die Hersteller ein Wettrennen: Chrome und Safari etwa helfen bei der Entwicklung von Designs, die auf Desktop-PCs und mobilen Geräten gut aussehen. Mozilla hat sogar eine Entwicklerversion seines Browsers herausgebracht. ...

Performance-Bremsen

Sie haben das Gefühl, dass Ihr Browser immer träger reagiert oder sogar Ihr System langsamer macht? Mit den folgenden Tipps machen Sie Ihren Browser wieder flott.

Erweiterungen zum Beispiel können den Browser unnötig aufblähen. Wer mit Firefox Performance-Probleme hat, sollte einfach einmal alle Add-ons deaktivieren und nach und nach wieder aktivieren. So lässt sich meist der Verursacher von Problemen ausmachen. In Chrome lassen sich unter dem Menüpunkt „Weitere Tools/Task Manager“ besonders Ressourcen-hungrige Erweiterungen aufspüren.

Für Plug-ins ist es mittlerweile eher unwahrscheinlich, dass sie den Browser ausbremsen. Wenn es aber einmal hakt, geben Sie bei Firefox about:addons in die Adresszeile ein und klicken dort auf „Plugins“. Firefox listet dann die Plug-ins auf; deaktivieren Sie die Plug-ins, die Sie nicht benötigen.

Chromes Taskmanager zeigt auch den Ressourcenbedarf einzelner Tabs an – einer weiteren potenziellen Systembremse. Ein Facebook-Tab im Hintergrund zum Beispiel belegt nach und nach immer mehr Platz. Schließen sie daher gelegentlich nicht benutzte Tabs. Das gilt auch für Firefox, der allerdings keinen Taskmanager enthält, weil der ganze Browser in einem Prozess läuft. Bei beiden Browsern hilft die Erweiterung OneTab: Sie schließt alle Tabs und konvertiert dabei die URLs in eine Liste, sodass man keine Adresse verliert.

Sicherheitssuiten helfen, den PC virenfrei zu halten, indem sie beim Surfen die übertragenen Dateien scannen und Schädlinge blockieren. Ein Test der Firma AV-Test von Security-Suiten unter OS X zeigte aber große Unterschiede beim Ressourcenbedarf (siehe c’t-Link am Ende des Artikels). Wer feststellt, dass seine Anti-Viren-Software den Browser ausbremst, der sollte über einen Wechsel nachdenken. Das kostenlose Panda Security lag im Spitzenfeld des besagten Tests.

Online-Werbung sammelt mit eingebetteten Tracking-Mechanismen nicht nur Informationen über den Benutzer – sie kostet auch Zeit und Geld, und zwar nicht zu knapp. In einer Untersuchung der New York Times luden Browser auf den mobilen Homepages von 50 Top-News-Sites mehr Werbe- als redaktionelle Inhalte aus dem Netz, was zu einer deutlich längeren Ladezeit führte. Mit einem Ad-Blocker wären viele Sites deutlich schneller zu laden gewesen.

Ergänzungen & Berichtigungen

Der Artikel entspricht dem Stand der gedruckten c't. Folgende Änderung hat sich seitdem ergeben:

UPDATE

Der Internet Explorer hat mit seinem Trackingschutz eine Art Werbeblocker, ähnlich wie der Firefox. Wer die Tracking-Schutzlisten "Easy-List" und "Easy-List Germany" benutzt, bekommt fast keine Werbung mehr zu sehen.

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Besser surfen

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c't 26/2015, Seite 120 (ca. 7 redaktionelle Seiten)
Direkt nach dem Kauf steht Ihnen der Artikel als PDF zum Download zur Verfügung.

Artikel-Vorschau
  1. Performance-Faktoren
  2. Zielführend und sicher
  3. Chrome
  4. Edge
  5. Firefox
  6. Internet Explorer
  7. Opera
  8. Safari
  9. Vivaldi
  10. Fazit
  11. Performance-Bremsen

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Infos zum Artikel

Kapitel
  1. Performance-Faktoren
  2. Zielführend und sicher
  3. Chrome
  4. Edge
  5. Firefox
  6. Internet Explorer
  7. Opera
  8. Safari
  9. Vivaldi
  10. Fazit
  11. Performance-Bremsen
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