Weichzeichner

Test & Kaufberatung | Test

Ein ultrahochauflösender Flachbildfernseher mit 1,40 Meter Diagonale für 700 Euro – diesen Preiskracher mussten wir uns genauer ansehen.

Samsungs 55-Zöller UE55JU6050U zeigt Ultra-HD-Auflösung, bietet eine Bildschirmdiagonale von 1,40 Meter und wird aktuell für 700 bis 750 Euro angeboten. Mit 3840 × 2160 Pixeln erzielt er bestechend scharfe Bilder – solange sich nichts bewegt. Sobald Bewegung ins Spiel kommt, wird die Darstellung weich. Im Fernseher steckt ein eher lahmes 50-Hz-Panel, dem auch die angebotenen Bildoptimierungen nicht auf die Sprünge helfen können.

Einige dieser Optimierungen sollte man dennoch nutzen: Ohne Judder-Minderung wird die Darstellung unruhig und ruckelt schon bei kleinsten Kameraschwenks. Für den Test haben wir im Bildmenü unter den Bildoptionen bei „Auto Motion Plus“ die Option „Benutzerdef.“ gewählt und dort Judder auf 7 gestellt (LED Clear Motion: Aus). Nutzt man hier den Modus „Glätten“ oder „Standard“, glättet das schnelle Bewegungen zwar ebenfalls, Kameraschwenks ruckeln dann aber häufig kurz, was ziemlich stört. Wer ab und an spielt, kann die Darstellung durch den „Sport-Modus“ verbessern. Diesen findet man nicht im Bildmenü, sondern im Hauptmenü unter System. Ambitionierte Gamer werden mit dem Display aber nicht glücklich.

Im Film-Preset ist die Darstellung farblich ausgewogen, in den anderen Presets wirkt sie unnatürlich. Die Farben erwiesen sich als recht blickwinkelstabil, Gesichter bleiben auch sehr schräg von der Seite betrachtet neutral. Aber: Das Display ist miserabel ausgeleuchtet und Schwarz bleicht unübersehbar aus, sobald man nicht mehr frontal auf den Schirm schaut. Selbst von vorn sieht ein schwarzes Bild nicht wirklich schwarz aus, sondern sehr bunt: Rechts wirds lila und links grünlich. Zusätzlich liegen auf der gesamten Fläche gelbe Flecken, die sich von der Seite besehen weiter ausbreiten. Bei Fernsehsendungen besitzen die Bilder meistens genug helle respektive bunte Anteile, dass sich das miserable Schwarz nur durch die etwas flaue Darstellung bemerkbar macht: Im Film-Preset liegt der mittlere Kontrast bei 400:1. Wer häufiger Videos und Filme mit vielen dunklen Szenen schaut, sollte vom UE55JU6050U unbedingt die Finger lassen.

Smarte Funktionen

Nervig: Auf die Fernbedienung reagiert der Fernseher stark verzögert. Das führt häufig zu Fehleingaben, weil eine Rückmeldung fehlt und man deshalb gern ein zweites Mal drückt. Außerdem muss man sehr genau auf die rechte untere Display-Kante zielen, damit die IR-Signale der Fernbedienung den Fernseher auch erreichen – einfach Richtung TV halten genügt nicht.

Auf Knopfdruck legt sich über das TV-Bild unten eine Leiste mit den zuletzt genutzten Anwendungen, die man mit wenigen Klicks erneut aufrufen kann. Leider hat Samsung dem 55-Zöller wenig internen Speicher für seinen SmartHub spendiert: Von den 1,01 GByte sind von Anfang an 689 MByte belegt – da bleibt wenig Platz für eigene Apps.

Einige Apps sind fest vorinstalliert, darunter VoD-Dienste wie Maxdome, Amazon und Netflix, ebenso YouTube und Mediatheken. Selbst wenn man diese Apps nicht nutzt, belegen sie wertvollen Speicherplatz; entfernen lassen sie sich nicht. So etwas kennt man bereits von Smartphones.

Wie von Samsung gewohnt spielte der Fernseher zuverlässig alle gängigen Videoformate von unserer USB-Festplatte ab. Lediglich unsere WMV-asf-Datei gab er nur tonlos wieder. Als wir versuchten, ihn zur Audio-Wiedergabe zu überreden und dazu den Equalizer bemühten, ging nichts mehr – Systemabsturz. Es half nur noch Stecker ziehen.

Auch die vorinstallierten Video-in-Demand-Dienste Amazon Instant Video und Netflix bereiteten im Test Probleme: Netfix ließ sich zunächst gar nicht starten; die Amazon-App verweigerte die Wiedergabe von 4K-Inhalten. Nach dem erwähnten Komplettabsturz funktionierte Netflix dann plötzlich; die 4K-Videos von Amazon liefen aber weiterhin nicht.

Insgesamt erschienen uns die VoD-Anwendungen etwas wackelig, was auch an dem knapp bemessenen Speicherplatz liegen könnte. Im Netz gibt es etliche Berichte über Inkompatibilitäten der Netflix-App (nicht nur) mit dem hier getesteten Modell. Zusätzlich erfuhren wir von Netflix, dass es mit diesem Samsung-TV Probleme geben könnte. Selbst ein Mitarbeiter in Samsungs Support wies auf mögliche Schwierigkeiten hin. Im Test lief die App aber stabil, nach dem Absturz jedenfalls …

Fazit

700 Euro für ein 55-zölliges UHD-TV – das dürfte manch einen Schnäppchenjäger locken. Aber auch hier gilt: You get what you pay for. Wer einfach nur fernsehen will, ist mit dem UE55JU6050 nicht schlecht bedient. Wer höhere Ansprüche hat, beispielsweise gern Action genießt, häufig VoD und andere Internet-Funktionen nutzt oder gar am großen TV rasante Games spielen will, sollte lieber etwas mehr Geld in die Hand nehmen. (uk@ct.de)

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