Harter Return

@ctmagazin | Editorial

Unerwünschte Werbeanrufe sind die Pest. Sie kommen immer im denkbar ungünstigsten Moment. Endlich zu Hause, die Beine hochgelegt, klingelt das Telefon. Und natürlich kann ich auf dem Sofa nicht sehen, wer anruft. Dazu muss ich aufstehen und zur Ladeschale des Mobilteils schlurfen.

Ich hasse es, diese freudig erregten Stimmen zu hören, wenn ich drangehe. Der Himmel auf Erden zum Quasi-Nulltarif. Was haben Sie ein Glück, dass wir Sie anrufen. Ich winke stets direkt ab. Nein, ich brauche keine neue Versicherung. Nein, mein Stromtarif ist genau der, den ich haben will. Nein, ich will keine weitere Zeitschrift abonnieren und, nein, meine Reisen plane und buche ich selbst. Für so etwas habe ich meinen Internet-Anschluss, den ich derzeit übrigens auch nicht wechseln möchte, nein.

Diese Anrufe dauern nicht lange. Mir geht da Verständlichkeit vor Höflichkeit und was ich von Cold Calls halte, ist schnell erklärt. Anschließend kommt das jeweilige Unternehmen auf meine private schwarze Liste, und zwar für immer. Im nächsten Schritt sorge ich meinerseits für ein bisschen Ärger. Beschwerden bei der Bundesnetzagentur sind per Web-Formular schnell erledigt.

Leider hat das für solche Firmen kaum Konsequenzen, obwohl theoretisch saftige Bußgelder drohen. Der Gewinn ist immer noch größer als das Risiko; immer noch beschweren sich zu wenige Verbraucher. Der Telefonterror ist so verbreitet, dass sich daraus ein eigener Geschäftszweig entwickelt hat. Es gibt Dienstleister, die ständig aktualisierte Sperrlisten für Telefonanlagen und VoIP-Router verkaufen: Spam-Filter fürs Telefon.

Für einen ungewöhnlich hartnäckigen Werber habe ich mir etwas Besonderes einfallen lassen. Das Meldeformular der Bundesnetzagentur bot kaum ausreichend Platz, um alle Anrufe dieser Nervbratzen binnen einer Woche aufzulisten. Meine Frau hatte den ersten Anruf versehentlich entgegengenommen und sich weitere verbeten. Quelle der Anruflawine war, wie einschlägige Web-Dienste und die Ansage bei einem Testanruf auf die angezeigte Nummer bestätigten, ein Unternehmen mit Sitz in Köln, nennen wir es mal "L wie Lästig".

Ich gab "L wie Lästig" seine eigene Medizin zu schmecken: Ich schaltete eine Rufumleitung für die Rostocker Nummer des Callcenters zur Kunden-Hotline des Mutterhauses in Köln. Dank deren 0800-Rufnummer kostet mich dieser Spaß keinen Cent. Jeder Anruf von dieser Firma landet nun wieder bei dieser Firma. Und für die aus- und eingehenden Anrufe und die Mitarbeiter, die diese führen und entgegennehmen, zahlen sie auch noch. Zurück an den Absender, Porto zahlt Empfänger.

Urs Mansmann Urs Mansmann

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