Apples Kampf gegen die Windmühlen

@ctmagazin | Editorial

Apple bietet dem FBI die Stirn! Die unkonventionellen IT-Pioniere kämpfen für unsere Privatsphäre! So oder so ähnlich schallt es im Moment durch die Medien und ich find es schon etwas peinlich. Lieber Tim Cook, es ist ja äußerst ehrenhaft, ja sogar irgendwie lieb, dass du dich so für meine Daten einsetzt, aber auch ein bisschen naiv, oder? Denn mehr als eine großangelegte PR-Aktion kann es doch auf Dauer gar nicht sein.

Wie du selbst gesagt hast, hat deine Firma nach dem Attentat in San Bernadino den Strafverfolgungsbehörden alle Daten der beteiligten iPhone-Nutzer gegeben, an die ihr rangekommen seid. Jetzt eine große Geschichte daraus zu machen, dass ihr euch lauthals weigert, den Lockscreen von iOS zu umgehen, klingt natürlich klasse. Wenn aber die Behörden beim nächsten Terror-Angriff in Echtzeit in die iPhones von Verdächtigen gucken wollen, werden sie das tun. Da kannst du auch nichts dran ändern. Das können nur die amerikanischen Wähler bei den anstehenden Präsidentschaftswahlen.

Apple ist eine US-Firma und muss sich an US-Gesetze halten. Falls die Behörden eine Hintertür haben oder Ende-zu-Ende-Verschlüsselung verbieten wollen, müssen sie nur ein entsprechendes Gesetz auf den Weg bringen. Wenn das verabschiedet ist, bleibt auch dir gar keine andere Wahl als zu gehorchen, Tim. Ob der San-Bernadino-Fall Präzedenzqualität hat oder nicht, ist dann komplett egal. Gesetz ist nun mal Gesetz; auch in Amerika. Zumal ein Großteil der US-Bürger durchaus dafür zu sein scheint, dass Apple Hintertüren in die Handys von Terroristen - und nebenbei auch in die von allen anderen Bürgern - einbaut.

Einen Ausweg habt ihr natürlich, Tim: Wenn Euer neues UFO-förmiges Hauptquartier wirklich fliegen kann und kurzerhand abhebt, seid ihr fein raus. Allerdings bezweifele ich, dass Apple seinen Firmensitz wirklich dauerhaft in den internationalen Luftraum verlegen will.

Und ich möchte hier deine Firma auch eigentlich gar nicht besonders hervorheben. Alle anderen US-Firmen sitzen im selben Boot. Ob diese sich nun gerade publikumswirksam winden und gegen das FBI zetern oder nicht, ist komplett egal. Und wenn dann noch Donald Trump Präsident wird ...

Fabian A. Scherschel Fabian A. Scherschel

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