Editorial: Dies ist keine Übung

@ctmagazin | Editorial

Stellen Sie sich vor, Ihr Rechner sei jetzt, wirklich unmittelbar jetzt, von einem Verschlüsselungs-Trojaner befallen worden. Jetzt. Nicht irgendwann in einer möglichen Zukunft, sondern jetzt.

Ignorieren Sie kurz, dass sich einige Daten eventuell noch retten lassen - selbst wenn das klappt, kostet es viel Glück und Zeit und Schweiß und Flüche. Sie erleben gerade Ihren persönlichen größten anzunehmenden Datenunfall.

Statt Ihrer unersetzlichen privaten und beruflichen Dokumente sehen Sie nur noch die Aufforderung, Geld an einen Unbekannten zu zahlen. Im besten Fall gibt er Ihre Daten wieder frei, womöglich verkrümelt er sich aber mit dem Lösegeld, unverfolgbar. Dann bleiben Ihre Urlaubsfotos, die medizinischen Gutachten, die Seminararbeiten, die fast fertige Steuererklärung auf Dauer verschlüsselt, verloren, futsch.

Wenn Sie ähnlich ticken wie ich, dann haben Sie jetzt kalte Finger und heiße Ohren. Eigentlich bleiben nur zwei Optionen: Entweder betrachten Sie den Trojaner-Befall wie einen fatalen Festplattendefekt, als technisches Versagen ohne Weg zurück. Dann sind die Daten halt hinüber und Sie müssen die Konsequenzen tragen. Oder Sie zahlen den geforderten Betrag und hoffen inständig, dass der anonyme Verbrecher am anderen Ende des Internet sein Wort hält.

Natürlich sollten Sie auf jeden Fall versuchen, lokal zu retten, was zu retten ist. Aber wie gesagt: Glück, Zeit, Schweiß, Flüche.

Außerdem gibt es einen viel besseren Weg. Da dies nur ein Gedankenspiel ist, können Sie die Zeit zurückdrehen: vor den GAU. Alle Ihre Daten sind wieder da. Holen Sie jetzt tief Luft und lesen Sie die Artikel ab Seite 76.

Investieren Sie lieber in eine oder mehrere externe Festplatten, statt einem ungewaschenen Erpresser mindestens doppelt so viel Geld in den Rachen werfen zu müssen. Planen Sie eine gangbare Backup-Strategie für sich - und für alle, die Ihnen lieb sind. Nur das kann der Bedrohung den Schrecken nehmen. Nicht aufschieben, sondern sofort erledigen; die Zeit rennt.

Schon bei Ihrem nächsten Besuch einer kompromittierten Webseite, beim unbedarften Klick auf eine verdammt gut gemachte Spam-Mail kann ein Erpressungs-Trojaner zuschlagen - bei Ihnen oder Ihren Lieben. Sie wissen jetzt, wie es sich anfühlt, wenn der Ernstfall eintritt. Stellen Sie also sicher, dass es nicht so weit kommt. Jetzt.

Alles Gute,

Gerald Himmelein Gerald Himmelein

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