Booten von USB-Speichermedien

Praxis & Tipps | Tipps & Tricks

Mir gelingt es einfach nicht, meinen PC von einem USB-Stick zu starten. Sollte das nicht problemlos funktionieren?
Eigentlich ist die Funktion seit Jahren in fast allen BIOS-Typen für Desktop-PC-Mainboards eingebaut, auch viele Notebooks können von USB-Sticks starten. Es gibt aber leider viele Inkompatibilitäten und die Konfiguration ist voller Tücken.

Zumindest für die ersten Tests sollte man den USB-Stick direkt am Rechner einstöpseln und nicht per Hub. Auch sollte man andere USB-Geräte abziehen, die als Speichermedium erkannt werden können, denn einige Rechner erkennen nur genau ein bootfähiges USB-Gerät. Zu den Verdächtigen gehören nicht nur andere Sticks, Festplatten und Speicherkartenleser, sondern auch ein paar spezielle TV-Sticks, UMTS-Modems oder sogar Monitore, die sich zusätzlich zur eigentlichen Funktion als Wechseldatenträger anmelden, auf dem ihre Treiber liegen.

Damit der Rechner überhaupt von etwas anderem als der Festplatte startet, muss man die Bootreihenfolge im BIOS-Setup explizit vorgeben: Bei manchem BIOS-Setup kann man generell USB-Geräte vor Festplatte und CD-ROM stellen, bei anderen tauchen die USB-Sticks aber nur auf, wenn sie auch tatsächlich eingesteckt sind. Einige BIOS-Setups verwalten pro Geräteart eine weitere Reihenfolge; USB-Festplatten und HDD-formatierte USB-Sticks muss man dort dann explizit vor die interne Festplatte sortieren.

Viele Rechner bieten die Möglichkeit, nach dem Einschalten ein Menü mit den potenziell bootfähigen Startgeräten auszugeben, oft per Taste ESC, F9 oder F12 - praktisch, muss man doch die Bootreihenfolge im BIOS-Setup nicht ändern. Bei einigen Rechnern tauchen die USB-Geräte dort allerdings nicht auf. Bei anderen wiederum sind sie sogar nur in diesem Menü zu finden.

Das Booten kann ausschließlich dann gelingen, wenn das BIOS eine USB-Emulation durchführt, die dem startenden Betriebssystem vorgaukelt, es würde von einem normalen Laufwerk starten. Einige Rechner aktivieren diese Emulation immer, anderen muss man mit der meist „USB Legacy“ genannten BIOS-Option unter die Arme greifen, die ursprünglich nur für USB-Tastaturen und -Mäuse zuständig war.

Diese Emulation benötigt Speicherplatz im knappen Adressraum zwischen 640 und 1024 KByte, und manchmal hilft es, mit den BIOS-Optionen herumzuspielen, die diesen Bereich beeinflussen. Altbewährte Tricks funktionieren aber nicht immer, weil so manches aktuelle BIOS fehlerhaft implementiert ist. Es mag also beispielsweise sein, dass das Einschalten des Shadow Memory hilft oder auch das Ausschalten, oder dass diese Option gar keinen Einfluss aufs Booten per USB hat.

Zudem können Schwierigkeiten auftreten, wenn Steckkarten oder Onboard-Chips ebenfalls Boot-Funktionen anbieten, besonders SCSI-, RAID- oder SAS-Hostadapter, aber auch Netzwerkkarten mit Boot-ROM. Falls möglich, sollte man deren Bootfunktion abschalten.

Will der USB-Stick trotz aller Tipps partout nicht starten, mag man mehr Erfolg damit haben, eine USB-Festplatte oder ein USB-Diskettenlaufwerk als Notfall-Startmedium zu nutzen. Einige Rechner starten sogar von Speicherkärtchen à la SD/MMC, hingegen beherrschen nur wenige x86-Rechner das Booten per FireWire.

Wie ein USB-Laufwerk mit DOS bootfähig gemacht wird, haben wir in c't 13/03, S. 208, beschrieben, siehe dazu auch die Hotline-Frage auf Seite 165 in c't 15/07. Windows kann man nur unter Schwierigkeiten von USB booten, siehe dazu c't 2/06, S. 188. Etwas einfacher geht das mit Linux, wie c't 3/06, S. 212, zeigt. (ciw)

Infos zum Artikel

Anzeige

Anzeige

Anzeige