Defekte Platte wiederbeleben

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Mein Netzwerkspeicher beschwert sich darüber, dass eine der Festplatten defekt ist, und blendet sie aus dem RAID-Verbund aus. Die Platte läuft aber noch und laut SMART ist alles in Ordnung. Muss ich die Platte wirklich tauschen?

Nicht unbedingt. Mit dem Selbstdiagnosemechanismus SMART (Self-Monitoring, Analysis and Reporting Technology) führen Festplatten Buch über die Zahl der Betriebsstunden, Schreib- und Lesefehler oder die Temperatur. Eine Warnung geben sie aber erst bei der Überschreitung von Grenzwerten aus – also wenn bestimmte Ereignisse gehäuft aufgetreten sind. Es könnte aber beispielsweise sein, dass auf Ihrer Platte nur einzelne Sektoren defekt sind. Dies wird in den SMART-Rohwerten zwar erfasst, führt aber nicht zwangsläufig zu einer SMART-Warnung.

Um die Platte auf defekte Sektoren zu überprüfen, bauen Sie sie am besten aus. RAID 1 und RAID 5 speichern Daten redundant und können so den Ausfall einer Platte vorübergehend verkraften, ohne dass Datenverlust entsteht. Erstellen Sie dennoch vorsorglich ein Backup. Häufiger als einem lieb sein kann, will es das Schicksal so, dass während man an dem einem Patienten rumdoktert, auch noch ein anderes Laufwerk aus dem RAID-Verbund den Geist aufgibt. Am PC können Sie die defekte Platte anschließend einer eingehenden Untersuchung unterziehen. Verwenden Sie dafür die Tools der Festplattenhersteller, etwa den Hitachi Drive Fitness Test (DFT), die Seagate SeaTools oder Western Digital Data Lifeguard Diagnostics (siehe c’t-Link).

Wichtig ist, dass Sie dort einen der erweiterten („Advanced“, „Extended“) oder Langzeittests („Long“) wählen – je nach Plattenkapazität kann das leider mehrere Stunden dauern. Dabei bewerten die Tools nicht nur wie der Netzwerkspeicher die SMART-Parameter, sondern analysieren auch die Oberfläche des Speichermediums. Finden sich dabei defekte Sektoren, können die genannten Tools die Fehler beheben, müssen dazu aber auf die Platte schreiben – die gespeicherten Daten gehen also verloren. Die SeaTools von Seagate können auch gezielt einzelne Sektoren reparieren, was das zeitraubende Überschreiben der gesamten Festplatte erspart.

Bitte verwenden Sie auf jeden Fall die DOS-Versionen der Tools, denn nur sie können auch Sektoren überschreiben. Die DOS-Versionen erkennen die Platten allerdings mitunter nicht, wenn der Serial-ATA-Host-Adapter im AHCI-Modus läuft. Stellen Sie daher für die Untersuchung den Modus auf IDE um. Vergessen Sie aber nicht, ihn anschließend wieder zurückzustellen, denn sonst startet Windows nicht.

Mit etwas Glück funktioniert die Platte anschließend wieder fehlerfrei – auch im RAID –, weil sie die defekten Sektoren durch Reserveblöcke ersetzt hat. Ob das Glück von Dauer ist, hängt allerdings davon ab, was die ursprüngliche Ursache des Problems war: Sektoren könnten durch plötzlichen Ausfall der Stromversorgung während Schreibzugriffen beschädigt worden sein. Es könnte allerdings auch auf einen schleichenden Hardwaredefekt im Innern der Platte hindeuten. Beobachten Sie die SMART-Parameter künftig also sehr genau. Ein rapides Zunehmen ausgelagerter Sektoren (Reallocated Sector Count) oder ein Ansteigen der Schreib-/Lesefehlerrate deutet auf ein baldiges Ableben hin. Dann hilft nur noch der Austausch der Platte. (boi)

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