Defekter RAID-Controller

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Wir betreiben einen älteren Server, in dem ein RAID-Hostadapter vier Festplatten als RAID 5 anbindet. Nun ist der Hostadapter anscheinend defekt – wie kommen wir an die gespeicherten Daten heran? Wäre ein Software-RAID die bessere Wahl gewesen?
Eine Standardlösung für den Zugriff auf ein beliebiges RAID kennen wir nicht. Vielleicht können Sie eine Adapterkarte gleichen Typs gebraucht kaufen. Möglicherweise erkennt ein jüngerer, noch lieferbarer Hostadapter derselben Firma – eventuell mit älterer Firmware – das mit der defekten Karte eingerichtete RAID. Diesbezügliche Informationen sollte Ihnen der Hersteller des Servers oder des Hostadapters liefern können. Notfalls müssen Sie sich an ein Datenrettungsunternehmen wenden.
Ob die Daten eines sogenannten Hardware-RAID zuverlässiger erreichbar sind als jene eines Software-RAID, welches mit den Mitteln des Betriebssystems (Windows Server, Linux, Solaris, Mac OS X) eingerichtet wurde, hängt von vielen Faktoren ab.
Früher wurden RAID-Hostadapter mit eigenem Mikrocontroller eingesetzt, um den Hauptprozessor bei RAID-Zugriffen zu entlasten. Das ist heute dank leistungsfähiger Multi-Core-CPUs nicht mehr so wichtig, viele Hardware-RAIDs sind mittlerweile sogar langsamer als ein Software-RAID. Teure RAID-Hostadapter mit ECC-geschütztem und batteriegepuffertem RAM erzielen aber auch bei abgeschaltetem Schreib-Cache der Festplatten hohe Datentransferraten beim Schreiben. Der spezielle Cache soll sicherstellen, dass selbst bei einem Stromausfall keine Daten verlorengehen.
Ein Software-RAID lässt sich zwar mit einer unterbrechungsfreien Stromversorgung (USV) schützen, aber Programmabstürze können trotzdem verhindern, dass vermeintlich geschriebene Daten aus dem Hauptspeicher tatsächlich auf die Magnetscheiben gelangen. Software-RAID ist aber ziemlich unempfindlich gegen Controller-Ausfälle: Man kann es nach einem Hardware-Defekt grundsätzlich an einem anderen PC in Betrieb nehmen, sofern das Betriebssystem darauf bootet.
Die bei vielen Mainboards vorhandenen „Host-RAID“-Adapter, bei denen eine Kombination aus Firmware und Treibern die vorhandenen IDE- oder SATA-Ports in einen RAID-Adapter verwandelt, vereinen – böse gesagt – die Nachteile beider RAID-Varianten: Daten eines solchen RAID sind möglicherweise nicht einmal an einem Mainboard mit demselben Chipsatz, aber anderem BIOS lesbar. Mit Hilfe des Linux-Programms „dmraid“ lassen sich manche Host-RAIDs zwar über (S)ATA-Adapter anderer Hersteller ansprechen, das erfordert jedoch fortgeschrittene Linux-Kenntnisse.
Alle RAID-Spielarten haben Vor- und Nachteile, vertrauenswürdige statistische Daten zur tatsächlichen Häufigkeit der unterschiedlichen RAID-Fehlerquellen kennen wir nicht. Wer mit einem RAID die Verfügbarkeit eines Servers steigern möchte, sollte jedenfalls die Wartung des Systems durch Service-Verträge oder das Vorhalten von Austauschteilen sicherstellen und sich vor der RAID-Einrichtung genau informieren, was im Falle einer Havarie zu tun ist. Für alle RAID-Varianten gilt, dass sie ein Backup nicht ersetzen können. (ciw)

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