Die leidige Beweislastumkehr

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Ich bin an einen Händler geraten, der meine Reklamation abzuwimmeln versucht: Bevor er überhaupt mit der Arbeit beginnt, soll ich nachweisen, dass die Ursache des Defekts meines nicht einmal zwei Jahre alten Netzteils schon bei der Auslieferung bestand. Wie soll ich das denn anstellen?

Nach Ansicht von Verbraucherschützern (siehe c’t-Link) ist Privatleuten eine solche Beweisführung bloß in begrenztem Umfang zumutbar. Wie soll ein Laie die technische Ursache eines Defekts beurteilen können – vor allem, wenn Bauteile im Inneren betroffen sind? Sie könnten dem Händler also etwa schriftlich erklären, dass Sie das defekte Gerät stets sachgemäß benutzt haben und deshalb davon auszugehen sei, dass die Quelle des Fehlers bereits bei der Auslieferung vorgelegen haben muss.

Einen rechtssicheren Beweis für eine Fehlerquelle kann nur ein vereidigter (EDV-)Gutachter liefern, der nicht ohne Bezahlung arbeitet. Falls sich in einem – oft langwierigen – Rechtsstreit letztlich herausstellt, dass Ihre Forderungen unbegründet waren, bleiben Sie auf diesen Kosten sitzen. Wir empfehlen daher, sich an einen erfahrenen Anwalt oder eine Verbraucherberatung zu wenden.

Bei Produkten mit zusätzlichen Garantieleistungen kann man Streit mit dem Händler manchmal umgehen, indem man die Reklamation ausdrücklich als Garantiefall und nicht als Gewährleistungsfall geltend macht (siehe c’t-Link) – doch Vorsicht: Damit unterwirft man sich den Garantiebedingungen, die unter Umständen weniger Rechte einräumen als die gesetzliche Gewährleistung. Einige Händler verlangen sogar Gebühren für die Abwicklung von Garantieleistungen oder verkaufen Produkte ohne Herstellergarantie; das sollte man vor jeder Kaufentscheidung abklären.

Wer die Gewährleistungspflicht für ein Gerät einfordert, muss im Grunde stets nachweisen, dass der Defekt auf einen Sachmangel zurückzuführen ist, der schon zum Zeitpunkt des Kaufs vorlag oder angelegt war. Der Gesetzgeber hat jedoch in § 476 BGB eine Beweislastumkehr formuliert, wonach bei Defekten innerhalb der ersten sechs Monate nach dem Kauf automatisch „vermutet“ wird, dass der Mangel bereits zum Kaufzeitpunkt vorlag. Der BGB-Paragraf ist aber auf juristische Auseinandersetzungen gemünzt und nicht auf die normale Abwicklung von Reparaturen. Ein seriöser Händler wird zumindest innerhalb der gesetzlichen Gewährleistungsdauer von 24 Monaten jede Reklamation prüfen, die nicht offensichtlich unbegründet ist, und das Ergebnis mit dem Kunden besprechen. (ciw)

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