FAQ: Fallstricke bei Windows-OEM-Lizenzen

Praxis & Tipps | FAQ

Meinem OEM-PC lag keine Windows-DVD bei. Wie soll ich denn dann Windows im Ernstfall wiederherstellen? Darf der Hersteller die DVD einfach weglassen?
Ja. Einen rechtlichen Zwang gibt es nicht, die Hersteller müssen nur das liefern, was sie auch versprochen haben. Wenn also auf der Packung und in der Produktbeschreibung weder von Installations- noch von Recovery-Medien die Rede ist, werden wohl auch keine beiliegen – das senkt die Kosten. Und die Kunden merken davon im Idealfall ja auch nichts – es sei denn, der Ernstfall tritt ein.
Wie kann ich sicherstellen, dass ich Windows bei Bedarf wiederherstellen kann, wenn keine DVD beilag?
Der einzige Schutz besteht dann darin, selbst vorzusorgen. Viele Hersteller installieren ein Programm zum Brennen von Recovery-DVDs vor. Oft erscheint bei jedem Windows-Start sogar die Aufforderung, das doch bitte jetzt zu erledigen; manche Hersteller liefern sogar DVD-Rohlinge mit. Der Aufforderung sollten Sie unbedingt nachkommen. Fehlt ein solches Programm, sollten Sie zumindest mit einem Imager ein Abbild der Systempartition etwa auf DVD oder USB-Platte anfertigen, etwa mit dem Vista-/Windows-7-eigenen („Sichern und Wiederherstellen/Systemabbild erstellen“).
Ich kann den Product Key meines vorinstallierten Windows nicht finden, wo hat der PC-Hersteller ihn versteckt?
Sie finden ihn auf dem kleinen Aufkleber namens „Certificate of Authenticity“ (COA). Falls er nicht auf der Unter- oder Rückseite des Rechners klebt, ist er vielleicht im Batteriefach oder auf dem Netzteil zu finden. Notfalls fragen Sie den Hersteller, wo er ist. Das Aktivieren klappt mit diesem Key übrigens nicht online, sondern nur telefonisch, den genauen Grund dafür kennt nur Microsoft.
Den COA-Aufkleber finde ich total hässlich, er verschandelt mein Notebook. Kann ich den abknibbeln? Den Key hab ich mir bereits woanders notiert.
Das Abschreiben oder -fotografieren des Keys sorgt zwar dafür, dass Sie Windows damit bei Bedarf neu installieren können, doch reicht das nicht immer aus. Der Aufkleber nennt nämlich nicht nur den Key, sondern dient zudem als Nachweis, dass Sie wirklich eine gültige Windows-Lizenz besitzen. Widerstehen Sie also besser der Versuchung, diesen Nachweis zu entfernen. Sonst kann es passieren, dass der PC-Hersteller zwar problemlos eine defekte Notebook-Platte tauscht, sich aber weigert, darauf wieder ein Windows zu installieren. Und das nicht aus Schikane, sondern weil er mangels Nachweis einer vorhandenen Lizenz Ihnen auf eigene Kosten eine neue spendieren müsste.
Die Freeware CW-Sysinfo, die unter anderem den Product Key meiner Vorinstallation auslesen kann, zeigt einen ganz anderen Schlüssel an als den, der auf dem Aufkleber steht. Stimmt die Anzeige? Und wenn ja: Wo kommt dieser andere Schlüssel her? Drohen mir nun irgendwelche Probleme?
Das ist auf OEM-PCs ganz normal. Der Key, den das Programm ausliest, ist auf allen PCs einer Baureihe identisch. Den Herstellern ist nämlich durchaus klar, dass ihre Kunden das Aktivieren von Windows als lästig empfinden, und wollen ihnen die Mühe deshalb ersparen. Weil die Hersteller das selbst aber genauso lästig finden, hat Microsoft die sogenannte OEM-Preactivation erfunden: Die OEM-Hersteller bekommen von Microsoft einen speziellen Key sowie ein dazu passendes Zertifikat, und sofern beides zusätzlich zu bestimmten Informationen im BIOS passt, hält Windows 7 sich für aktiviert, ohne jemals mit Microsofts Aktivierungsservern Kontakt aufgenommen zu haben. Das lässt sich unter Umständen ausnutzen, um Windows ohne Neuaktivierung frisch zu installieren (siehe c’t 3/10, S. 78), ist aber beispielsweise nach Hardware-Änderungen lästig, weil Sie Windows mit diesem Key eben nicht erneut aktivieren können – dann brauchen Sie den vom Aufkleber.
Ich musste meine Festplatte tauschen, habe aber versäumt, mir vor dem Totalausfall der alten Platte rechtzeitig eine Wiederherstellungs-DVD zu brennen. Was nun?
Rein technisch gesehen könnten Sie sich eine Windows-DVD vom Nachbarn ausleihen oder sich bei Digital River, einem Partner von Microsoft USA, ein passendes ISO-Abbild herunterladen, um damit sowie mit dem Schlüssel vom Aufkleber Windows einfach neu zu installieren. Eine solche Installation ließe sich auch problemlos aktivieren und dauerhaft mit Updates versorgen. Doch das ist nach gängiger Rechtsprechung leider nicht legal, unter anderem weil das dann eine Vermischung von Bestandteilen verschiedener Windows-Exemplare darstellen würde. Die fatale Folge: Obwohl Sie in Besitz eines regulär erworbenen Schlüssels sind, sieht Microsoft Ihre Lizenz als erloschen an. Diese für die Kunden durchaus ärgerliche Interpretation hat sich der Konzern mittlerweile von Gerichten mehrfach bestätigen lassen.
In diesem Fall bleibt Ihnen allenfalls noch, auf Kulanz zu hoffen. Allerdings nicht bei Microsoft, denn die haben mit Ihrem PC-Kauf nichts zu tun und dürfen daher den Support verweigern. Ansprechpartner ist stattdessen derjenige, der Ihnen den PC verkauft hat. Und auch wenn Sie ob des erlittenen Ärgers gerade stinkesauer sind: Versuchen Sie, die Ansprache möglichst freundlich zu halten, das steigert erfahrungsgemäß die Hilfsbereitschaft … (axv)

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Infos zum Artikel

Kapitel
  1. Dürfen die das?
  2. Schutz vor dem Ernstfall
  3. Installationsschlüssel
  4. Hässlicher Aufkleber
  5. Zwei Schlüssel
  6. Schutzlos im Ernstfall
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