FAQ: Handy-Ortung

Praxis & Tipps | FAQ

Kann mich mein Mobilfunkbetreiber orten?
Ja, wenn das Smartphone im Netz des Betreibers registriert ist, und zwar über Zuordnung zu den Funkzellen und über ihre Signalstärke. Allerdings ist diese Ortung nicht besonders genau: In Städten kann die ermittelte Position um einige hundert Meter, im ländlichen Bereich sogar mehrere Kilometer von der tatsächlichen Position abweichen.
Die Provider geben diese Daten in anonymisierter Form auch an Dritte weiter. TomTom wertet beispielsweise die Bewegungsprofile von Vodafone-SIM-Karten für sein Verkehrssystem HD Traffic aus, der Navigationskartenhersteller Navteq nutzt dazu Daten der Telekom.
Die Ortung einer bestimmten Person und Weitergabe dieser Daten seitens der Netzbetreiber ist dagegen stark reglementiert. In Notfällen können Polizei und Rettungsdienste sie einfordern, um beispielsweise vermisste Personen aufzuspüren. Auch an Behörden müssen die Mobilfunk-Provider solche Daten herausgeben, sofern ein richterlicher Beschluss vorliegt oder Gefahr im Verzug ist.
Stimmt der Handynutzer vorab zu, kann er sein Gerät auch selbst aus der Ferne per Mobilfunk orten lassen, es gibt inzwischen zahlreiche solcher Ortungsdienste in den meisten Netzen. Laut Telekommunikationsgesetz muss dazu aber eine „ausdrücklich, gesondert und schriftlich erteilte Einwilligung des Teilnehmers“ vorliegen und der Nutzer muss spätestens nach jedem fünften Ortungsvorgang darüber per SMS informiert werden. Nicht jeder Mobilfunk-Provider erlaubt die Ortung über solche und ähnliche Dienste: E-Plus gibt die per Funkzellen ermittelten Ortsdaten seit Anfang vergangenen Jahres nur noch an Behörden und Rettungskräfte weiter.
Ich habe mein Handy verloren. Kann ich es über meinen Mobilfunk-Provider orten lassen?
Sofern Sie keinen der hier erwähnten Dienste oder die Ortungsfunktionen einiger Hersteller wie Apple, Microsoft (Windows Phone 7), Motorola oder HTC vorab aktiviert haben, lautet die schlichte Antwort: Nein.
Was ist an den Berichten dran, dass iPhones, Android- und Windows-Smartphones ihre Position regelmäßig an den Hersteller weitergeben?
Die Berichte stimmen. Wenn man es nicht abschaltet (siehe nächste Frage), bekommen Apple, Google und Microsoft Positionsdaten des Handys inklusive der Mobilfunk- und WLAN-Knoten in der Nähe zugeschickt. Diese Daten dienen hauptsächlich der Pflege der Hersteller-Datenbanken für die Ortung per Mobilfunk und WLAN. Sie sind laut Hersteller anonymisiert, sodass sich daraus kein Bewegungsprofil des Smartphones erstellen lässt. Ganz unproblematisch ist das allerdings nicht.
Apple geriet in die Schlagzeilen, weil diese Daten vor dem Versenden auf iPhones und iPads zugänglich waren und auch bei abgeschalteter Lokalisierung ermittelt wurden. Wer Zugriff aufs Gerät oder den PC des Besitzers hatte, konnte so ein eingeschränktes Bewegungsprofil bekommen (siehe c’t 11/11, S. 18). Inzwischen hat Apple das Problem entschärft: Die Geräte sammeln weniger Daten und geben diese nur noch per Jailbreak preis, beim nächsten iOS-Update soll der lokale Cache verschlüsselt werden.
Bei Google ließ sich bis vor kurzem noch über eine Schnittstelle zur WLAN-Datenbank mit etwas Glück ein ehemaliger Standort von Geräten über ihre MAC-Adresse abfragen. Denn die Datenbank enthält nicht wie vorgesehen ausschließlich die Positionen von WLAN-Routern, sondern auch die von einigen wenigen fälschlicherweise nicht ausgefilterten Notebooks und Smartphones. Inzwischen funktioniert der Zugriff über die Schnittstelle allerdings nicht mehr.
Wie kann ich bei meinem Smartphone abstellen, dass es meine Position weitergibt?
Die Ortung über Mobilfunk durch den Provider kann nicht abgestellt werden – sobald ein Smartphone in einem Mobilfunknetz eingeloggt ist, ist es auch für den Netzbetreiber ortbar. Für die Weitergabe von Positionsdaten an Hersteller oder Diensteanbieter gilt: Wer die Positionsbestimmung per WLAN oder ortsbezogene Dienste wie Google Maps, Foursquare oder Accuweather benutzt, gibt bei Abruf von Daten seine Position automatisch an den Dienst weiter.
In Android können Sie die WLAN-Ortsbestimmung unter „Einstellungen > Standort & Sicherheit > Wireless verwenden“ deaktivieren. Um die Standortweitergabe an ortsbezogene Dienste generell zu verhindern, müssen Sie im selben Menü zusätzlich das Häkchen bei „GPS-Satelliten verwenden“ entfernen. Bei Symbian 3 lassen sich die verschiedenen Ortungsverfahren von GPS bis WLAN einzeln deaktivieren, und zwar unter „Einstellungen > Programmeinstellungen > Standortinfo > Bestimmungsmethoden“. Außerdem kann man im selben Untermenü unter „Standortinfo-Server“ festlegen, dass das Smartphone bei jeder Standortbestimmung via WLAN-Ortung vorher das Okay des Nutzers einholen muss.
Beim iPhone gibt es keine Trennung der einzelnen Verfahren. Hier muss man alle Methoden zur Standortbestimmung pauschal über „Einstellungen > Ortungsdienste“ abschalten, um die Weitergabe sowohl an Apple als auch an Diensteanbieter zu verhindern. Dann ist allerdings auch der GPS-Empfänger aus und man kann seinen Ort nicht mehr per Handy bestimmen. Im selben Menü kann man auch per Ein-/Ausschalter regeln, welche Apps Zugriff auf den Standort haben und welche nicht. In Windows Phone 7 funktioniert es ganz ähnlich: Entweder schaltet man unter „Einstellungen > System > Ortung“ die Standortbestimmung komplett aus oder deaktiviert sie in einzelnen Anwendungen. Dazu muss man allerdings umständlich unter „Einstellungen > Anwendungen“ in den Einstellungen der einzelnen Apps danach suchen.
Man hört immer wieder, dass Behörden wie die Polizei auch abgeschaltete Smartphones lokalisieren können. Stimmt das?
Ein Handy muss zur Ortung im Mobilfunknetz des Anbieters eingeloggt sein. Das ist es allerdings nicht nur beim Telefonieren, sondern auch im Standby-Modus. Wenn es aber komplett ausgeschaltet ist (in der Regel über langes Drücken des Ein-/Ausschalters), lässt es sich nicht mehr orten; zumindest ist uns kein Handy bekannt, das im ausgeschalteten Zustand die Verbindung mit dem Netz aufrechterhält. (acb)

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