Praxis & Tipps | FAQ

Urs Mansmann, Dorothee Wiegand

Kinderschutz

Antworten auf die häufigsten Fragen

Volle Kontrolle

Ich habe meiner 9-jährigen Tochter ein gebrauchtes Notebook geschenkt, damit sie ins Internet kann. Das haben gute Freunde heftig kritisiert – dafür sei sie viel zu jung. Was raten Sie mir?

Ihre Tochter ist tatsächlich viel zu jung, um alleine und unbeaufsichtigt im Internet zu surfen. Als Erstes sollten Sie einen Kinderfilter installieren, beispielsweise fragFINN (siehe c’t-Link am Ende dieser Seite). Der verhindert, dass Ihre Tochter für ihr Alter ungeeignete Seiten aufruft. Außerdem sollten Sie das Betriebssystem des Notebooks mit einem Kennwort sichern und das BIOS mit einem Boot-Passwort versehen. Dann kann Ihre Tochter es nicht heimlich in Betrieb nehmen.

Wenn sie im Internet surft, sollte das nur unter Ihrer Aufsicht geschehen. Suchen Sie dafür einen geeigneten, gut einsehbaren Platz, zum Beispiel im Wohnzimmer. Entdecken Sie das Internet gemeinsam mit Ihrer Tochter, dann profitiert sie von Ihrer Erfahrung im Umgang mit dem Medium.

Black- und Whitelists

Ich habe mir einige Filterprogramme für Kinder angeschaut. Da gibt es Blacklists und Whitelists. Was ist der Unterschied und welche Variante ist sicherer für mein Kind?

Beide Filterarten arbeiten genau entgegengesetzt. Eine Blacklist gleicht jeden Webseitenaufruf mit einer Sperrliste ab und lässt Aufrufe nicht durch, falls die Abfrage einen Treffer ergibt – also eine in der Blacklist verzeichnete Seite aufgerufen wurde; alle anderen Webseiten sind bei dieser Lösung erreichbar. Bei der Whitelist ist es genau umgekehrt: Die erlaubt nur den Aufruf von Webseiten, die in der Liste eingetragen sind.

Black- und Whitelist-Verfahren lassen sich nicht sinnvoll kombinieren. Für jüngere Kinder empfiehlt sich das sicherere Whitelist-Verfahren. Es fordert aber von Eltern einen hohen Pflegeaufwand, denn jede Seite muss von Hand in die Liste eingetragen werden, damit die Kinder sie besuchen können. Spätestens, wenn die Kinder 12 oder 13 Jahre alt sind, sollte man daher auf ein Blacklist-Verfahren umstellen. Teenager fühlen sich von einer Whitelist stark gegängelt und brauchen auch ein wenig Intimsphäre, beispielsweise um Aufklärungsseiten besuchen zu können. Eine Blacklist sortiert dann den gröbsten Schmutz aus.

Ausweichmöglichkeiten

Ich habe den PC meines Sohns (11) im Wohnzimmer platziert und mit Zeitkontroll- und Filterprogrammen ausgestattet. Als ich neulich früher nach Hause kam, habe ich ihn beim Surfen mit seiner Spielekonsole erwischt. Es war mir nicht klar, dass die einen Browser hat. Kann ich die absichern?

Heutzutage finden Sie Web-Browser in praktisch jedem Gerät, das eine Internetverbindung aufbauen kann und ein Display hat, etwa in MP3-Spielern oder auch Einfach-Telefonen unterhalb der Smartphone-Klasse.

Sichern können Sie diese Geräte nicht, meist gibt es dafür keine passenden Tools. Selbst bei leistungsfähigen Smartphones steckt der Kinderschutz noch in den Kinderschuhen. Falls das Gerät keine Einstellmöglichkeit zum Sperren der Browsernutzung bietet, bleibt Ihnen nur die Möglichkeit, das Gerät physisch wegzusperren oder den Internetzugang durch Sperren im Router, das Kappen von LAN-Kabeln oder WLAN-Zugangsbeschränkungen zu unterbinden. Viele Geräte lassen sich dann aber nicht mehr oder nur noch mit erheblichen Einschränkungen verwenden, da sie dauerhaft eine Internetverbindung benötigen, beispielsweise zum Nachladen von Schlüsseln oder Inhalten.

Alterskennzeichnung oder Empfehlung?

Meine Tochter, gerade 6 Jahre, wünscht sich ein Computerspiel, nachdem sie bei einer Freundin einige ausprobiert hat. Sind grundsätzlich alle mit dem Aufdruck „ab 6 freigegeben“ geeignet? Oft gibt es auch zwei unterschiedliche Altersangaben auf der Verpackung – welche gilt denn dann überhaupt?

In Deutschland vergibt die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) Alterskennzeichnungen (ab 0, ab 6, ab 12, ab 16, ab 18) für Videospiele. Die Gutachter entscheiden nach verbindlichen Regeln. Spiele, die ab 6 Jahren freigegeben sind, dürfen nach diesen Regeln beispielsweise Kampfdarstellungen enthalten, die jedoch „märchenhaft oder abstrakt-symbolisch präsentiert“ werden, sodass sie nicht mit der Wirklichkeit verwechselt werden können. Daneben gibt es das europaweit gültige PEGI-System (Pan-European Game Information). Hier sind die Kriterien und die Altersstufen (3, 7, 12, 16, 18) etwas andere, daher kann ein Spiel beispielsweise gleichzeitig die USK-Einstufung „ab 0“ und die PEGI-Einstufung „ab 7“ haben.

Das alles darf man nicht mit einer Altersempfehlung verwechseln. Auch ein Spiel mit der USK-Kennzeichnung „ab 0“ kann Sechsjährige völlig überfordern, wenn es schwierige Rätsel enthält oder insgesamt sehr komplex aufgebaut ist. Die USK-Einstufung ersetzt keinesfalls die kritische Auseinandersetzung mit Spielinhalten durch die Eltern. Sie sollten sich vor dem Kauf informieren, worum es in einem Spiel geht. Rezensionen im Web oder in Zeitschriften beleuchten bei Kindertiteln meist auch pädagogische Aspekte. Bei Internet-Händlern kann man die Beschreibung anderer Eltern nachlesen. Mitunter gibt es kostenlose Demoversionen oder Videos auf der Herstellerseite. Viele Spiele für Kinder und Familien kann man auch in Stadtbibliotheken ausleihen.

Nicht mit der Stoppuhr

Unsere Kinder (6 und 9) spielen gern am Computer, sollen aber auch andere Hobbys nicht vernachlässigen. Wir möchten deshalb eine tägliche Zeitbegrenzung für Computerspiele vereinbaren – welche Zeitlimits sind für welches Alter angemessen?

Es gibt tatsächlich Zeitempfehlungen. Die EU-Initiative „Klicksafe“ nennt beispielsweise folgende Richtwerte: Für 4- bis 6-Jährige etwa 20 bis 30 Minuten pro Tag in Begleitung der Eltern, für 7- bis 10-Jährige etwa 45 Minuten und für 11- bis 13-Jährige eine Stunde am Tag. Damit ist die Summe aller Zeiten gemeint, die das Kind an einem Bildschirm verbringt, also die Zeit für Fernsehen, Computerspielen und Internet zusammengerechnet. Andere Ratgeber nennen etwas längere Zeiten. Der c’t-Link zu dieser Seite weist den Weg zu ausführlichen Infoseiten und -materialien für Eltern.

Bedenken Sie aber: Oft fehlen nach Ablauf des vereinbarten Zeitraums nur noch ganz wenige Klicks, um das nächste Spielziel zu erreichen. Wenn Sie Ihr Kind in diesem Moment zum Beenden zwingen, geht der Spielfortschritt verloren – das verursacht unnötigen Frust. Zeitlimits sind wichtig, sie sollten aber nicht allzu starr angewandt, sondern mit Augenmaß umgesetzt werden. So kann der Rechner an einem regnerischen Tag vielleicht einmal etwas länger laufen und wird dafür am nächsten Tag gar nicht angemacht. (uma/dwi)

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