HDTV-Bildstörungen im Windows Media Center

Praxis & Tipps | Tipps & Tricks

Nachdem ich endlich eine DVB-S2-Tunerkarte gefunden habe, die den Empfang unverschlüsselter HDTV-Programme auch im Media Center von Windows 7 ermöglicht, kämpfe ich mit einem neuen Problem: Auf meinem Mainboard mit dem Chipsatz AMD 785G, also mit integrierter Radeon-HD-4200-Grafik, ist die HDTV-Wiedergabe sehr oft durch starke Blockartefakte gestört. Gibt es Abhilfe?
Bisher scheint es nur zu helfen, die Hardware-Beschleunigung des AMD-Grafikprozessors für das Dekodieren von HD-Videos abzuschalten. Microsoft hat bereits im November 2009 angekündigt, mit AMD an einer Lösung des Problems zu arbeiten, was AMD bestätigt hat. Nach Berichten in unterschiedlichen Internetforen sind sämtliche Radeon-HD-Grafikchips von AMD (ehemals ATI) betroffen. Doch auch der jüngste „Catalyst“-Grafiktreiber (Version 10.7) bringt keine Besserung. Bei Nvidia-Grafikkarten mit HD-Video-Beschleuniger tritt das Problem mit aktuellen Treibern nicht auf.
Das in Windows 7 (ab Home Premium) integrierte Media Center nutzt standardmäßig den von DirectX vorgesehenen Rendering-Pfad für HD-Video und deshalb die über den Grafiktreiber ins Betriebssystem „eingeklinkte“ DirectX Video Acceleration (DXVA beziehungsweise DXVA 2.0). Microsofts Media-Center-Software sieht keine Änderungsmöglichkeit vor, weshalb man in der Windows-7-Registry eingreifen muss. Weist man dem DWord-Wert DXVA2 im Schlüssel
HKEY_CURRENT_USER\Software\Microsoft\Scrunch\
CodecPack\MSDVD
den Wert 00000000 zu und startet anschließend die Media-Center-Software neu, so übernimmt statt der GPU nun die CPU die Entschlüsselung der HD-Videos. Der Wert 00000001 schaltet zurück auf die GPU-Dekodierung für HD-Video.
Leider steigt dadurch die CPU-Last deutlich an, nämlich auf unserem Test-PC mit Windows 7 x64 sowie einem Phenom II X2 550 von zuvor 20 bis 50 auf etwa 30 bis 70 Prozent. Beim Einsatz eines schwächeren Prozessors mit bloß einem Kern oder weniger als etwa 2,5 GHz Taktfrequenz ruckelt das Bild eventuell.
Weniger CPU-Last verursacht möglicherweise ein höher optimierter Codec wie ffdshow-tryouts, je nach Betriebssystem in der 32- oder 64-Bit-Version. Zwingt man das Media Center zur Nutzung eines anderen Codec, kann das störende Nebenwirkungen bei der Wiedergabe anderer Videodaten nach sich ziehen. Wer es trotzdem ausprobieren möchte: Nach der Installation einer aktuellen Version von ffdshow-tryouts kann man beispielsweise mit dem Media Center Decoder Utility (MCDU, siehe Link) den Video-Codec auswählen, den das Windows 7 Media Center künftig verwenden soll. Ist der verwendete Prozessor trotzdem zu schwach, kann man statt eines stärkeren Prozessors auch eine Nvidia-Grafikkarte nachrüsten. (ciw)

Infos zum Artikel

0Kommentare
Kommentieren
Kommentar verfassen
Anzeige

Anzeige

Anzeige