Stromspar-Prozessoren

Praxis & Tipps | Tipps & Tricks

Ich möchte einen sparsamen und leisen PC bauen. Lohnt es sich, dafür einen von Intels-Stromsparprozessoren zu kaufen, etwa den Core i5-3470T oder i5-3470S?

Ganz klar: Nein! Das sind Spezialprozessoren, die nur unter bestimmten Randbedingungen Vorteile bieten – eine Tatsache, die im Marketing des Herstellers untergeht.

Die S- und T-Prozessoren von Intel wirken erst einmal verlockend, weil das Datenblatt für sie eine geringere Thermal Design Power (kurz TDP) ausweist: So stehen dort für die S-Typen nur 65 Watt und für die mit einem T im Namen sogar nur 35 oder 45 Watt. Die regulären Chips bringen es auf bis zu 77 Watt. Allerdings sagt die TDP nichts über die reale Leistungsaufnahme eines Prozessors aus, sondern ist ein Richtwert für den Hersteller des Kühlsystems.

Weil ein typischer Desktop-PC die meiste Zeit im Leerlauf verbringt, kommt es für dessen Sparsamkeit primär auf die sogenannte Idle-Power an. Die ist aber bei allen Prozessoren nahezu identisch. Steht indes Effizienz – sprich Rechenleistung pro Watt – ganz oben auf dem Wunschzettel, sehen die Spar-CPUs fast immer schlecht aus, denn sie rechnen viel langsamer. Sie brauchen für dieselbe Aufgabe länger als normale Prozessoren und kehren damit später in einen der tiefen Schlafmodi (C3 oder C6) zurück. Das fällt doppelt ins Gewicht, denn während der Prozessor arbeitet, verbraten auch die übrigen Komponenten wie RAM, Mainboard, Chipsatz und Spannungswandler Energie.

Wer das Datenblatt und die in den Specification Updates versteckten Zusatzinformationen aufmerksam liest, findet auch den Grund für dieses Phänomen: Obwohl der Prozessorname anderes suggeriert, laufen die Spar-CPUs mit niedrigerer Taktfrequenz oder haben sogar weniger Kerne als die fast gleichnamigen Standardmodelle oder die für Übertakter gedachten K-Varianten. Intel versucht, diese Tatsache mit Hyper-Threading und einer hohen Turbo-Frequenz zu kaschieren, doch die kommt nur für den Sonderfall zum Tragen, dass lediglich ein Kern ackert, während die anderen ruhen. Die Tabelle zeigt am Beispiel der diversen Varianten des Core i5-3470, wie weit die Sparversionen zurückfallen, wenn Arbeit für mehr Kerne anliegt.

Gedacht sind diese CPUs für OEM-Hersteller, die in sehr speziellen Gehäusen nicht viel Wärme abführen können und deshalb die geringe Performance in Kauf nehmen müssen. Für den Selbstbau mit einem großen Gehäuse taugen diese vermeintlichen Sparprozessoren nicht, weil sie mehr kosten, langsamer rechnen und das Gesamtsystem weniger effizient arbeitet. Einzig und allein wenn die Wärmeabfuhr in einem sehr kleinen Gehäuse das Hauptproblem darstellt, kann man sie in Erwägung ziehen, fährt dann aber womöglich mit Mobiltechnik besser. (bbe)

Artikel kostenlos herunterladen

Anzeige