c't 20/08
Der Schraubzwingen-Trick eignet sich auf jeden Fall, um zu überprüfen, ob der Grafikfehler auf der Hauptplatine durch Druck zu neutralisieren ist und nicht vielleicht von einem kaputten Inverter-Board im Gehäusedeckel herrührt. Zumindest können Sie sich mit diesem Notbehelf im Erfolgsfall im iTunes-Store abmelden und Ihre Daten retten oder sicher löschen.
Um nicht ständig mit der Schraubzwinge arbeiten zu müssen, kann man mit relativ geringem Aufwand einen ähnlichen Effekt durch unauffällig im Gehäuse angebrachte „Druckmittel“ erzielen. Dazu entfernt man den Akku und die zwei Schrauben neben der Akkuverriegelung ebenso wie die drei Torx-Schrauben zwischen und die drei Kreuzschlitzschrauben unter den Gummifüßen. Nun ist die Gehäuse-Unterschale nur noch eingeschnappt und lässt sich mit einem kleinen Schraubenzieher und einem scharfen Spachtel lösen.
Unter der quadratischen Erhöhung der Blechschale befindet sich der Grafikchip, auf den man Druck aufbringen muss. Dazu kann man zum Beispiel ein bis zwei große Unterlegscheiben nehmen und sie mit robustem Klebeband auf der Stelle fixieren. Nach dem Zusammenschrauben hat das Gehäuse unten eine kleine Beule, kippelt aber hoffentlich nicht.
Unser auf diese Weise behandeltes G3-iBook funktionierte nach der Rosskur wieder wie zuvor, das ist aber keineswegs garantiert. Man sollte auf jeden Fall nicht zu sehr am Gerät wackeln und, falls weiter sporadisch Abstürze auftreten, eine externe Tastatur und Maus anschließen. Für den mobilen Einsatz eignet sich so ein iBook zwar nicht mehr, aber immerhin kann man es noch als Tischrechner benutzen.
Da der Grafikchip mit seinen vielen feinsten Beinchen in einem Lötofen bei konstanter Temperatur auf der Platine festgelötet wurde (Ball Grid Array), besteht praktisch keine Chance, ihn nachträglich wieder festzulöten. Von bei YouTube zu sehenden Versuchen, die GPU mit Teelichten oder Lötlampen zu erhitzen, können wir nur abraten. (jes)
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