News-Meldung vom 30.11.2006 - 10:32
AMD Quad FX Platform: So heißt die unter dem Namen 4x4 oder QuadFather angekündigte Highend-PC- oder auch Personal-Workstation-Architektur, die auf Mainboards mit zwei Fassungen für Prozessoren aus der neuen Baureihe Athlon 64 FX 70 besteht. Laut AMD soll zunächst einzig der US-Distributor Newegg die Prozessor-Pärchen verkaufen, es existiert auch nur ein einziges passendes Mainboard, nämlich das Asus L1N64-SLI WS mit dem Chipsatz Nvidia nForce 680a SLI.
Die drei neuen Athlon-64-FX-70-Prozessoren stecken in den LGA1207-Gehäusen, die AMD auch bei den Opterons für Server und Workstations mit mehr als einer CPU-Fassung verwendet. Anders als die Profi-Prozessoren sind die FX-70-Prozessoren aber für ungepufferte PC2-6400U-Speichermodule (DDR2-800) ausgelegt, während die Opterons offiziell bisher maximal PC2-5300R (DDR2-667 auf Registered DIMMs) unterstützen, allerdings auch mit dem noch seltenen PC2-6400R laufen.
Als erster AMD64-Doppelkern-Prozessor erreicht der Athlon 64 FX 74 volle 3 GHz Taktfrequenz; dabei scheint AMD allerdings die Grenzen der aktuellen 90-Nanometer-Kerne zu erreichen, denn bei 3 GHz darf der Prozessor höchstens noch 56 Grad Celsius warm werden (TCasegemessen oben auf dem metallischen Heat Spreader). Bei 125 Watt nomineller Maximalleistung (Thermal Design Power, TDP) benötigt man deshalb sehr leistungsfähige und typischerweise laute Kühler.
Um leisen oder engergiesparenden Betrieb geht es bei AMD Quad FX allerdings auch nicht: Mit zwei Nvidia-nForce-680a-Chips, die an den zwei freien HyperTransport-Links eines der beiden FX-70-Prozessoren angebunden sind, lassen sich im Verbund mit den zwei Prozessoren bis zu vier PCI-Express-Grafikkarten betreiben; das Asus-Board bietet auch vier PEG-Slots an (zwei mit 16, zwei mit acht Lanes). Würde man beispielsweise zwei GeForce 8800 GTX im SLI-Verbund zusammen mit zwei Athlon 64 FX-74 betreiben, käme man auf eine theoretisch maximale Leistungsaufnahme von über 600 Watt – ohne den Bedarf von Speicher, Chipsatz und Festplatten sowie die Wandler- und Netzteilverluste zu berücksichtigen.
[Update:] Mittlerweile hat Nvidia auch genauere Daten des neuen Chipsatzes veröffentlicht, der zunächst der einzige Vertreter der "nforce 600 Series for AMD" ist. Die beiden offenbar identischen Komponenten des nForce 680a SLI stellen demnach insgesamt 56 PCIe-Lanes bereit, die sich auf 12 Ports verteilen lassen, etwa je zweimal PCIe x16 und zweimal PCIe x8 sowie acht weitere PCIe-x1-Slots. Zudem sind theoretisch 10 konventionelle PCI-Steckplätze, 20 USB-2.0-Ports, 12 SATA-Anschlüsse und 4 Gigabit-LAN-Ports realisierbar.
AMD veröffentlicht zwar einige Quad-FX-Benchmarks (PDF-Datei hier), aber keinen direkten Performance-Vergleich mit Intels Vierkern Core 2 Extreme QX6700; die deutsche AMD-Niederlassung konnte der c't bisher auch kein Quad-FX-Testsystem zur Verfügung stellen. Zwar sollen schon ab heute einige der im Vergleich zu den Opteron-2000- und bisherigen Athlon-64-FX-Prozessoren recht günstigen FX-70-Pärchen in den USA zu haben sein, den Rest der Welt will AMD aber erst "früh im Jahr 2007" beliefern. Game-PC-Spezialfirmen wie die Dell-Tochter Alienware und die HP-Tochter VoodooPC wollen ebenso wie Vigor schnellstmöglich Quad-FX-Rechner verkaufen.
AMD betont, dass sich Quad-FX-Rechner im nächsten Jahr auf die dann erwarteten 65-Nanometer-Vierkerne (angeblicher Codename Altair FX) aufrüsten lassen sollen. Andererseits ist AMD deutlich bemüht, die Quad-FX-Plattform gegen die wesentlich teurere Profi-Produktreihe abzugrenzen – immerhin bekommt man laut Preisliste zwei Athlon 64 FX 72 zum Preis eines einzelnen Opteron 2220SE, der zumindest im deutschen Einzelhandel immer noch kaum zu beschaffen sein scheint. Die FX-70-Prozessoren unterstützen anders als die Opterons keinen ECC-Speicher und nur ein DIMM pro Speicherkanal.
Wegen der unklaren Lieferbarkeit, der hohen Anforderungen an die Kühlung, der Betonung zukünftiger Funktionen und der gewollten Beschneidung des Funktionsumfangs wirkt die Quad-FX-Vorstellung wie ein übereilter Schnellschuss – das weckt Erinnerungen an die hektische Einführung des Pentium 4 Extreme Edition mit Xeon-Kern vor drei Jahren, den Intel gegen den Athlon 64 aus dem Ärmel zog.
| Prozessor | Takt- frequenz | Leistungs- aufnahme [TDP] | maximale Temperatur | OEM-Preis [US-Dollar] |
|---|---|---|---|---|
| Athlon 64 FX-70 | 2,60 GHz | 125 Watt | 63 Grad Celsius | Paar: 599 |
| Athlon 64 FX-72 | 2,80 GHz | 125 Watt | 63 Grad Celsius | Paar: 799 |
| Athlon 64 FX-74 | 3,00 GHz | 125 Watt | 56 Grad Celsius | Paar: 999 |
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