Das LSL-Skript ist funktionsfähig und kann einem iX-Glückskeks eine Stimme verleihen. Dazu sind nur wenige Handgriffe nötig, die sich am besten schrittweise mit SL-Screenshots erläutern lassen. Der erste Schritt besteht im Anlegen eines neuen Objekts. Dazu wählt man in einer Gegend, die das Erschaffen von Objekten erlaubt (etwa in einer Sandbox), mit der rechten Maustaste Create. Die äußere Gestalt ist für das Skriptbeispiel unwichtig, da es sowieso nur auf Berührungen reagiert. Es genügt eines der angebotenen primitiven Objekte (vordefiniert ist "Würfel"), etwa eine Kugel. Abbildung 1 zeigt den schöpferischen Akt. Der Glückskeks bekommt den Namen FortuneCookiX.
Objekterschaffung in Second Life auf der grünen Wiese, links im dunkelgrauen Kasten geht es um die Details (Abb. 1).
Im Reiter Content kann der Benutzer den Glückskeks mit einem neuen Skript ausstatten (siehe Abbildung 2). Wenn der Skripteditor beim Speichern keinen Syntaxfehler findet und das Skript als "Running" markiert ist, ist FortuneCookiX startklar. Der Avatar kann ihn jetzt anklicken. Das Skript funktioniert wie erwartet und liefert brav bei jedem Klick eine neue Nachricht aus.
Mit einem Skript unter "Content" wird das Objekt lebendig (Abb. 2).
Im bisherigen Zustand ist der FortuneCookiX ein gutes Beispiel auf Hello-World-Niveau. Wer es etwas interessanter gestalten möchte, kann das Skript auf verschiedenerlei Art erweitern. Verzichtet man auf die Berührung als auslösendes Moment für die Ajax-Kommunikation und setzt an deren Stelle die automatische Abfrage einer neuen Botschaft nach einer zufälligen Wartezeit (beispielsweise einer Stunde, einem Tag oder Ähnliches), erscheint das Objekt gleich ein wenig interessanter, weil es selbstständiger wird. Die persönliche Ansprache des Avatars mit seinem Namen verbessert die Wirkung ebenfalls. Angereichert um einige grafische Effekte, wenn eine neue Glücksbotschaft bereitsteht, verliert das Objekt mehr und mehr seine schlichte Natur. Mit der Ajax-Kommunikation hat das alles nichts zu tun. Vielmehr handelt es sich um Ausnutzung der LSL-Optionen. Auf entsprechende Listings sei deshalb hier verzichtet. Wer den einfachen oder erweiterten SL-Glückskeks haben möchte, wende sich bitte im RL unter Angabe seines SL-Namens an den Autor des Artikels.
FortuneCookie spricht zum Avatar. Der Text wurde per Ajax geladen (Abb. 3).
Unabhängig vom Sinn oder Unsinn von Second Life unterstreicht das gezeigte Skript die Nützlichkeit des Ajax-Konzepts. Selbst wenn es hier nur um den Austausch einfacher Nachrichten geht und Asynchronität keine Rolle spielt, gibt es eine Gemeinsamkeit mit Ajax-Anwendungen im Webbrowser: Die Kommunikation erfolgt ohne explizite Anweisung und daher ohne Wahrnehmung des Anwenders. Der Glückskeks könnte im Prinzip eine lange Liste von schlauen Sprüchen enthalten, von denen er einen zufällig wählt – dem Benutzer wäre es gleich. Für den Entwickler ist die Auslagerung der Daten auf einen Webserver jedoch eine große Hilfe und Erleichterung für die zukünftige Erweiterung. Das Spruchrepertoire lässt sich beliebig ergänzen und steht umgehend in den schon im Umlauf befindlichen Glückskeksen zur Verfügung.
Erheblich größer wäre der Nutzen, handelte es sich nicht nur um die Auslieferung von Textnachrichten, sondern um die Bereitstellung einer komplexen Programmlogik. Sie kann auf dem Webserver mit einer beliebigen Technik implementiert werden, unabhängig von LSL. Da der Glückskeks die Asynchronität nicht braucht, kann das Skript durchaus unter der Flagge "Webservices in Second Life" oder "SOA-Scripting in Second Life" segeln. Allerdings soll man es mit den Buzzwords nicht übertreiben.
Stefan Mintert
ist Berater und Geschäftsführer von Linkwerk.com.
Christoph Leisegang, Stefan Mintert, Bastian Spanneberg; Web 2.0; Äpfel und Birnen; Fünf clientseitige Ajax-Frameworks; iX 8/2006, S. 54
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