Veranstaltungsberichte 14.05.2009 - 15:55
Bereits zum 30. Mal fand die Veranstaltung der Deutschen Notes User Group rund um IBMs Collaboration-Techniken statt. Das diesjährige Motto war: The Innovative Enterprise: Generating value in a smarter world. IBM legte deutlich den Schwerpunkt der Neuentwicklungen auf das Web 2.0 und die Integration mit externen Systemen.
Aus Sicht von Roswitha Boldt von der DNUG war die diesjährige Frühjahrskonferenz ein voller Erfolg. Trotz Wirtschaftskrise habe die Besucherzahl mit 470 nur "hauchdünn" unter der des Vorjahres in Bremen gelegen. "Das ist angesichts der Reiserestriktionen in vielen Unternehmen eine sehr beachtliche Leistung", ergänzt Stefan Pfeiffer, Marketing Manager ECM und Lotus bei IBM. Die Veranstalter waren zudem froh, dass IBM ein deutliches Signal zur Wichtigkeit der Konferenz dadurch setzte, dass die Firma neben Kevin Cavanaugh, Lotus VP Messaging & Collaboration, sowohl den Vorsitzender der Geschäftsleitung IBM Deutschland, Martin Jetter, als auch den General Manager Lotus Software, Bob Picciano, für jeweils einen Vortrag entsendete. Außerdem hielten Maja Kumme, Direktor Lotus Software, und Sean Poulley, Lotus VP Online Collaboration Services, Hauptvorträge.
IBM kündigte auf der Konferenz die Freigabe der Beta-Version von Notes 8.5.1 an. Besonders die iPhone-Unterstützung via ActiveSync und dass XPages nun direkt im Notes-Client anzulegen und auf den Server zu replizieren sind, begrüßte das Auditorium mit Applaus. Die Entwickler haben zudem die Suchfunktionen überarbeitet: Alle Suchergebnisse lassen sich als Bookmarks speichern, die Suchfenster verwenden intelligente Suchen. Neu ist, vCards direkt an E-Mails anhängen zu können. Der Lotus Designer bietet nun eine Hilfefunktion, die die Hilfetexte direkt als "Hover-over" anzeigt, sobald der Mauszeiger über einem Begriff steht. und kann aus XPages Notes-Komponenten erzeugen.
Des Weiteren gibt es neue Plug-ins: Das Alloy-Plug-in kümmert sich um die Anbindung an SAP und leitet sogar SAP-Workflow-Anfragen direkt auf BlackBerry-Geräte weiter, wo sie direkt zu bearbeiten sind. Ein anderes Plug-in ermöglicht es, über den Tungle-Dienst Termine mit externen Systemen zu vereinbaren. Ein LinkedIn-Plug-in blendet Informationen der Online-Plattform in der Sidebar ein. Hervorzuheben ist ein Plug-in von OpenSpan, das nicht nur ermöglicht, beliebige Windows-Anwendungen in Notes einzubinden, sondern sie auch zu steuern und die Ergebnisse wieder in andere Notes-Komponenten einzuspeisen.
Eine wichtige Neuerung für Entwickler ist sicherlich, dass XPages, mit denen man "alte" Notes-Anwendungen ins Web bringen kann, nun nativ im Notes-Client auszuführen sind. Damit brauchen Entwickler nicht mehr die gleiche Anwendung zweimal zu entwickeln. XPages für BlackBerry sind zwar in Arbeit, aber noch nicht freigegeben.
Alloy ist weit mehr als ein fertiges Plug-in, das die mitgelieferten Standard-Prozesse auf den BlackBerry bringt. Entwickler können SAP-Business-Workflows "mobil machen": Im SAP Workflow muss ein "Export" stattfinden, das Ergebnis ist dann in Notes oder eben auf dem BlackBerry zu visualisieren. Eine integrierte Entwicklungsumgebung gibt es laut Christian Holsing, Product Manager Alloy bei IBM, nicht, da es in der Praxis fast nie vorkommt, dass derselbe Entwickler sowohl im SAP Workflow als auch in Notes programmiert.
Auf dem Gebiet "Web 2.0" gibt es viele neue Entwicklungen, beispielsweise in der Social-Network-Software LotusLive Engage, die IBM als Software as a Service (SaaS) anbietet. Ein etwas aus dem Rahmen fallendes Beispiel ist die Integration von Lotus-Videokonferenzen in den Service von Salesforce – weitaus öfter findet man externe Dienste wie Tungle oder LinkedIn in Lotus-Software integriert als anders herum.
Der Lotus Designer hat bei vielen Details für Entwickler durchaus wichtige Überarbeitungen erfahren. Maureen Leland, die Chefarchitektin, betonte, dass besonders Usability und Performance im Fokus der Entwicklung standen. Weitere Anpassungen finden sich in den Bereichen Erweiterbarkeit und LotusScript Editor. Der Lotus Designer ist ein Hybrid aus der Eclipse-Plattform und Lotus-Domino-Funktionen. In der neuen Version lässt sich auf wesentlich mehr Eclipse-Ressourcen zugreifen. Im Bereich XPages gab es Überarbeitungen an der Visualisierung im Designer. Auch ist es jetzt möglich, Custom Controls Markups zu nutzen.
Die Performanceanpassungen finden sich in den Bereichen Starten der Anwendung, Öffnen von Datenbanken und Erstellen des Hilfeindex. Letzterer ist nun in fünf Minuten zu erstellen, bei der Vorgängerversion dauerte dass 30 bis 120 Minuten. In den anderen Bereichen gibt es laut Leeland Performancegewinne von über 75 Prozent.
Der neue Eclipse-basierende LotusScript-Editor enthält Skript-Bibliotheken, Agents und Inhalts-Assistenten. Außerdem kann er mit Hyperlinks umgehen und bietet Typeahead im Class Browser – auch für Custom-Klassen. Überarbeitungen im JavaScript- und im Java-Debugger führen dazu, dass jetzt unter anderem XPages-Erweiterungen unterstützt werden.
Erwähnenswert ist noch, dass die Anfang des zweiten Halbjahres 2009 erscheinende Lösung SameTime Unified Telephony nicht nur mit Lotus-Produkten zusammenarbeiten soll, sondern auch eine offene REST/Java API enthält, über die beliebige Anwendungen diese Plattform nutzen können.
Zum Abschluss noch ein Hinweis auf die OpenNTF-Initiative. IBM stellt Entwicklern dort auf konsortialer Basis gemeinsam mit anderen Partnerunternehmen Templates und Anwendungen für Lotus Notes und Lotus Domino zur Verfügung. Fürs Erste findet man auf der Website XPages-Beispiele. Die für die Plattform gewählte Lizenz ist die APL 2 (Apache Public Licence).
Die Konferenz hat gezeigt, dass die Lotus-Software sich aktiv um die Öffnung in Richtung externer Dienste (Web 2.0) bemüht, wobei IBM darauf achtet, dass es sich um inhaltliche Integrationen und nicht nur um URL-Integration im Sinne von unverbundenen Elementen in Portalen handelt. Die konsequente Umstellung auf die Eclipse mit Version 8.5 trägt jetzt Früchte. IBM vergisst aber nicht die "klassischen" Eigenschaften der Domino-Welt, sondern integriert sie voll in die "neue Welt". Es bleibt weiterhin eine Leitlinie, dass auch ältere Notes-Anwendungen unverändert weiterfunktionieren.
(ane)
Dr. Christian Böttger
ist seit über zehn Jahren als Projektmanager und IT-Berater mit Schwerpunkten Linux, Open Source und Groupware tätig. Zusätzlich ist die strategische Unternehmensberatung und das Interims-Management ein Haupttätigskeitsgebiet.
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