Babel-Bulletin 15.02.12
Gestern gegen 22 Uhr starb Tim Towtidi (alias Tim Toady) einsam, allein und unverstanden in seinem Heim in Copan. Der Ende der 80er-Jahre geborene Tim hatte sich schnell in allen Bereichen der Informatik im Zusammenhang mit der Programmiersprache Perl einen Namen gemacht. Trotz seines viel zitierten Erfolgs wählte er gestern den Freitod durch Einnahme zu vieler Leerzeichen und schrieb in seinem Abschiedsbrief: "Die Wahrheit ist, dass mir auf Erden nicht zu helfen war."
In der letzten Zeit litt Tim stark darunter, nicht uneingeschränkt seinem eigenen Motto folgen zu können. Sein Familienname, der sich bereits Mitte des 19. Jahrhunderts bei der Transkription von TOWTDI – wohl wegen der besseren Artikulation – in Towtidi umgewandelt hatte, enthielt nunmehr angeblich ein "i" zu viel. Deswegen vielfach ausgelacht musste er sich zudem bereits zwei Tage nach seinem Erscheinen in einem Heise-Blog, auf Grund des Drucks der Leserschaft auf den Redakteur, von Towtidi in Toady umbenennen, weil das angeblich der einzig richtige Weg wäre, seinen Namen zu schreiben – ausgerechnet im Zusammenhang mit dem Thema, dass es mehr als einen Weg gibt, Dinge zu tun.
Seine Versuche, das Bindungs-"i" damit zu erklären, dass auch in diversen im Internet zu findenden Wörterlisten mit über 900.000 verschieden englischen Wörtern kein vernünftiges zu finden wäre, das die Buchstabenfolge "wtd" enthielt, konnte seine Gegner nicht überzeugen. Dabei wollte er doch, so sein Abschiedsbrief, nur seinen gefälligeren Nachnamen behalten: Wer wolle schon, dass der wie ein "unausprechliches, deutlich zu langes Akronym klinge, das unverkennbar eine Abkürzung sei, die auch mit der größten Fantasie einfach nichts bedeute" oder noch schlimmer "in amerikanischer Manier zum krötenhaften Kriecher kastriert würde".
Mit seinem Freitod, so schreibt er, hoffe er zu zeigen, dass auch die Freiheitsliebenden erkennen müssen, dass die verschiedenen Wege ihre Grenzen haben. So wäre eben etwas, nur weil es beim Sprechen dieselbe Melodie habe, nicht unbedingt das Gleiche: Die tief gemauert in der Erde stehende Form aus Ton habe eben nicht ganz dieselbe Semantik wie die fest gemauerte aus Lehm – auch dann nicht, wenn einem dies beim Lesen suggeriert würde. Manchmal gäbe es halt nur einen einzigen Weg, etwas wirklich richtig zu machen.
So müsse es sehr wohl Regeln geben, die natürlich auch im Laufe der Zeit den sich ändernden Bedürfnissen angepasst werden dürften. Aber sich allein auf den gesunden Menschenverstand zu verlassen, der entweder an Individualitätsliebe nicht zu überbieten sei oder schlichtweg nicht existiere, wäre einfach töricht. Benimmregeln beispielsweise seien auch nicht intuitiv, sondern willkürliche Festlegungen, an die zu halten man gebunden sei, so man nicht seinen gesellschaftlichen Status verlieren möchte.
Mit Tim verlässt ein vielversprechendes Motto die Bühne des Lebens, zum Glück ohne eine Leere zu hinterlassen. Er hinterlässt eine einzige, ehrgeizige Tochter Bicarbonate (angeblich eine Transkription von BSCINABTE), die sein Lebenswerk fortführen will – allerdings mit ein bisschen mehr Konsistenz.
PS: Vielen herzlichen Dank für die Beantwortung meiner Fragen, was mir sehr weitergeholfen hat.
Michael Wiedeking ist Java-Programmierer der ersten Stunde, schreibt regelmäßig Artikel und spricht auf Konferenzen im In- und Ausland. Am liebsten aber "sammelt" er Programmiersprachen und beschäftigt sich mit ihrem Design und ihrer Implementierung.