Veranstaltungsberichte 24.06.2009 - 16:38
Veranstaltungen für Entwickler fanden bisher überwiegend im Süden der Republik statt. Mit der Hamburger Seacon verlagert sich der geografische Schwerpunkt nun deutlich nach Norden. Die erstmalig stattgefunden habende Software-Engineering-Konferenz (22. bis 23. Juni) sollte den Besuchern nicht nur einen qualifizierten Blick hinter die Schlagwörter erlauben, sondern auch noch "Buzzword-free" sein. Ob Letzteres gänzlich gelungen ist, sei dahingestellt, zumindest schaffte es der Veranstalter, die SIGS DATACOM GmbH, auf Anhieb, einen neuen Branchentreffpunkt im Norden zu etablieren.
Denn immerhin fanden sich im exklusiven Ambiente des Hotel Atlantic Kempinski, direkt an der Außenalster gelegen, 150 Interessierte ein, und das waren mehr als geplant. Platzprobleme blieben nicht aus, so war es dem Schreiber dieser Zeilen nicht vergönnt, die Keynote von Wolf Lotter vom Wirtschaftsmagazin brand1 über Buzzwords und was sie anrichten, zu verfolgen – der Raum platzte aus allen Nähten.
Der Ausrichter bereicherte das Konferenzprogramm mit einigen guten Ideen und Impulsen, die man in dieser Fülle und Konsequenz bei den oftmals reichlich drögen Programmiererzusammenkünften noch selten findet. Beispielsweise gab es Open-Space-Arbeitsgruppen, deren Themen die Teilnehmer selbst einbrachten und die einen regen Erfahrungsaustausch nach sich zogen, etwa zum Komplex Outsourcing/Offshoring. Auch die sogenannten Fishowls mit wechselnden Diskussionsteilnehmern, die sich aus dem Publikum rekrutierten, brachten Farbtupfer in den Tagesablauf.
Es fiel auf, dass sich neben die üblichen Beiträgen zu typischen Programmiertätigkeiten viele "weiche" Themen gesellt hatten, die früher von den Protagonisten des Ingeniermäßigen in der Softwareproduktion gern als Psychoquatsch eingeordnet wurden. Nun hat sich Kommunikation auf allen Ebenen offensichtlich als relevantes Thema duchgesetzt, denn an ihrem Fehlen oder an ihrer Fehlsteuerung scheitern bekanntermaßen deutlich mehr Projekte als an mangelhafter Technik. Im Zuge dieser Einsicht gewinnen auch die sogenannten Soft Skills an Bedeutung. Autistische Programmierer, früher oft als geniale Freaks angesehen, entsprechen immer weniger dem derzeit gesuchten Berufsbild.
Der Umgang mit Komplexität in Projekten war als Thema ebenfalls äußerst präsent. Alles, was mit agil anfängt, passt, obwohl unter dringendem Buzzword-Verdacht stehend, gut in die Zeit, weil steigende Projektgrößen kleinere Entwicklungsiterationen geradezu erzwingen. Eine allumfassende Planung erscheint zunehmend unrealistisch, ein improvisiertes, leicht chaotisches, dafür aber schnelles und unbürokratisches Programmier- und Projektmanagementverständnis hat sich hingegen in zahlreichen Projekten bewährt. Seine technische Ausprägung findet das Paradigma konkret im Vorgehensmodell Scrum.
Ein Highlight am zweiten Konferenztag setzte Horst Zuse, Sohn von Konrad Zuse, dem Erfinder des ersten funktionsfähigen digitalen Rechners Z1. Die Keynote des Informatikprofessors zur Geschichte des Computers gab viele nette Anekdoten und persönliche Einblicke in das Leben des Erfinders preis. Dafür bekam Zuse lang anhaltenden Applaus.
(jd)
Themenforum: Projektmanagement