Generell genießt die Betrachtung aller Wirkzusammenhänge im Controlling große Relevanz. Erkennt man beispielsweise im Zuge eines Controllingzyklus, dass sich ein Termin nicht einhalten lässt, muss der Projektleiter untersuchen, wie sich eine Steuerungsmaßnahme auf andere Parameter wie Ressourcen, Kosten und Qualität auswirkt. Er hat dann abzuwägen, ob es gegebenenfalls besser ist, eine Vertragsstrafe zu bezahlen, als potenzielle negative Auswirkungen auf die anderen Rahmenbedingungen zu akzeptieren. Projektcontrolling, zwar eigentlich unerlässlich, wird in der Praxis selten praktiziert. Grund ist wieder der erwartete Aufwand.
Die richtigen Werkzeuge können dabei helfen, Letzteren zu minimieren: Mit Meilenstein-Trend-Analysen und Projektampeln, die nach bestimmten Kriterien von grün auf gelb und rot schalten, lassen sich kritische Zustände besser aufspüren. Leider bieten nur wenige für den Mittelstand geeignete Softwarepakete solche Funktionen.
Am Ende einer Ausführungsphase beziehungsweise am Ende eines Iterationsschrittes legt der Verantwortliche nach Abschluss des Controllingzyklus die Strukturen, Pläne und Ziele für die nächste Phase fest. Da in einem iterativen Softwareprozess die genaue Planung des folgenden Schrittes erst nach Abschluss des vorangegangenen möglich ist, gewinnt die Steuerung der Projektparameter an Bedeutung. Auch wenn zu Beginn eines Vorhabens noch einige Fragen offen sind, muss der Leiter bereits den gesamten Projektablauf grob abschätzen.
Entscheidungen in frühen Projektphasen gründen sich meist auf einem geringen Wissensstand. Je später sich herausstellt, dass eine Entscheidung falsch war, desto weniger wird das Projektteam sie revidieren wollen, da es das als Rückschritt empfinden würde. Das heißt, dass man die technisch schwierigsten Anforderungen zu Beginn oder zumindest in einer frühen Phase umsetzen oder zumindest als Prototyp ausführen sollte. Die beliebte Vorgehensweise, die einfachen Dinge zuerst zu erledigen, ist in komplexen IT-Projekten der falsche und überaus gefährliche Weg.
Bruno Reisinger
ist Leiter der Softwareentwicklungsabteilung bei Customer Experts Consulting in Graz.
Gerald Mesaric
ist Gründer und CEO der Onepoint Software GmbH in Graz und Autor eines Weblogs über Projektführung (blog.task1.info).
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