Veranstaltungsberichte 14.06.2011 - 12:06
Schlagwörter: Konferenz
IBMs Rational-Konferenz Innovate 2011 stand im Zeichen kooperativer Softwareentwicklung. Darunter versteht Big Blue eine bessere Zusammenarbeit innerhalb globaler Entwicklungsteams sowie die Kooperation mit Fachbereichen und späteren Anwendern.
"Software-Innovationen schaffen wichtige Unternehmenswerte, aber sie verursachen auch eine höhere Komplexität. Zu ihrer Reduzierung ist ein besonderer Fokus auf die Integration, Kollaboration und Optimierung erforderlich", sagte in der Eröffnungs-Keynote der neue Rational-Chef Kristof Kloeckner. Hierbei verwies er auf IBMs Erfahrungen, deren offene Plattformen und die Produkte in den Bereichen Softwareentwicklung und Collaboration. Zur Untermauerung hatte Kloeckner beeindruckende Zahlen zur Hand: Bei 62 Prozent der Unternehmen, die agile Entwicklungsprojekte betreiben, sei eine Integration mit Legacy-Systemen erforderlich; die Hälfte aller ausgelagerten Entwicklungsprojekte erbringe nicht die erhoffte Leistung; 62 Prozent aller Softwareprojekte überschritten den vorgegebenen Terminrahmen, und 37 Prozent überstiegen das Budget.
Der neue Rational-Chef Kristof Kloeckner
Besonders ärgerlich ist für ihn, dass rund ein Drittel aller Entwicklungskosten für späte Nachbesserungen aufzuwenden sind. "Das sind Milliarden, die zum Fenster hinausgeworfen werden, denn mit einer rechtzeitigen Einbindung der späteren Softwarenutzer lässt sich dieser Kostenblock gewaltig reduzieren", so Kloeckner weiter.
Mit seiner Problembeschreibung war klar, dass es in IBMs meisten Neuvorstellungen um Integration, Kollaboration und System-Lifecycle-Management ging. Allen voran das Werkzeug Collaborative Design Management, das laut Gina Poole, IBMs neuer Marketingmanagerin für Rational, eine wesentlich verbesserte teamübergreifende Kollaboration beim Software- und Systemdesign sowie eine tiefe Integration aller Beteiligten über den gesamten Produktlebenszyklus hinweg schaffe.
Gina Poole, nun verantwortlich für das Marketiung bei IBM Rational
IBM spricht in dem Zusammenhang von "allen, die in irgendeiner Form Interesse an einem Softwareprojekt haben müssen" – und meint damit insbesondere die Fachbereiche und die späteren Anwender. Sie können mit dem neuen Tool über einen Web-Client den gesamten Designprozess verfolgen, Änderungswünsche eintragen oder auf die Wünsche anderer reagieren. Der zentrale Design-Hub basiert entweder auf Rational Rhapsody oder auf Rational Software Architect. Das Ganze ist eine auf Jazz einsetzende Technik, über die die Anbindung an die Anforderungsplanung und das Verfolgen der Arbeitsschritte in anderen Tools möglich ist.
Auch bei den Erweiterungen an den bestehenden Rational-Produkten geht es überwiegend um die Teamarbeit und eine verbesserte Kooperation. So wurden im Collaborative Lifecycle Management die bisher getrennten Produkte Rational Requirements Composer, Rational Team Concert und Rational Quality Manager unter einer neuen einheitlichen Plattform zusammengefasst. Laut Poole verbessert die Integration die Auslieferungszeit, die Produktqualität und die Berechenbarkeit von Softwareprojekten erheblich. Zur neuen Plattform gehört eine Anbindung zu IBMs Social-Media-Software IBM Connections, sodass sich darüber Experten aus dem gesamten Unternehmen schnell ins Team einbinden lassen.
Durch Betriebstechniken wie Cloud Computing und Workload-Optimierung entsteht eine neue Abhängigkeit zwischen Entwicklung und Betrieb. Darauf zielt das neue Tool Deployment Planning & Automation ab. Es reduziert die Nachbesserungen durch standardisierte Prozesse und ein automatisches Deployment. Es lässt sich vor allem gut in Verbindung mit Cloud-Entwicklungen einsetzen, da es bei den Software-Assets nicht zwischen Cloud- oder lokalen Services unterscheidet.
Als letztes Collaboration-Thema ist auf die Version 2 der Open Services for Lifecycle Collaboration (OSLC) hinzuweisen. Die Überarbeitung der Spezifikation sieht unter anderem eine bessere Angleichung an die W3C-Arbeiten vor. Laut IBM gibt es derzeit 426 registrierte Community-Mitglieder aus 127 Organisationen, die an der Plattform mitarbeiten.
Etwas außerhalb des Kollaborations-Hypes war IBMs Ankündigung eines integrierten Systems zum Lifecycle-Management von SAP in Verbindung mit anderen In-House-Anwendungen. "Es besteht ein großer Bedarf an integrierten Betrachtungsweisen aller Applikationen in einem Unternehmen, vor allem in Verbindung mit SAP, dem tragen wir jetzt mit dem Rational System Architect Rechnung", beschrieb Kloeckner das neue Feature, über das sich vor allem die SAP-Anwender freuen dürften. Denn laut IBM lässt sich damit die SAP-Software optimal mit anderen Softwarepaketen und Geschäftsprozessen verbinden. Basis für das neue integrierte Anwendungsmanagement sind System Architect und Quality Manager.
IBMs oberster Softwarechef Steve Mills
Neben den Neuheiten waren vor allem Einschätzungen und Erfahrungen aus IBMs Top-Etage von Interesse. So berichtete IBMs oberster Softwarechef Steve Mills in seiner Keynote über IBMs Erfahrungen mit der Einführung von SOA und dem Aufbau einer Repository-Datenbank: "Mit der Wiederverwendbarkeit von Software haben wir mehr Geld eingespart als mit allen Auslagerungen von Softwareentwicklungen nach Indien oder China." Dabei würden sich die Einsparungen nicht nur auf neue SOA-Projekte beziehen, sondern vor allem auf die Konsolidierung bei den Anwendungen und den Services. "Ein Programm, das man nicht mehr benötigt, ist auch nicht mehr zu warten", lautete seine plausible Erklärung für die Einsparungen an den Betriebs- und Wartungskosten.
Rational-Vordenker und Software-Guru Grady Booch hat sich inzwischen vom Tagesgeschäft zurückgezogen. "Ich habe nichts Neues zu erzählen", gab er als Grund dafür an, dass er in diesem Jahr erstmals keine Keynote gab. In einem Gespräch mit heise Developer erläuterte er seine neue Funktion im Watson-Team. Watson ist der Supercomputer, der die US-Quizshow Jeopardy gegen zwei frühere Gewinner gewonnen hat. Boochs Aufgabe ist es dort, die darin entwickelten Techniken kommerziell nutzbar zu machen. "Es ist kaum vorstellbar, mit welcher Cleverness die Programmierer von Watson vorgegangen sind. Das gesamte System ist eine selbstlernende, probabilistische Maschine, die das Zeug dazu hat, in ein paar Jahren den Turing-Test zu gewinnen", schwärmte er über den Quiz-Sieger. Laut Booch plant IBM in einem ersten Schritt ein Watson nutzendes Cloud-Angebot für Ärzte in Krankenhäusern einzurichten. Dabei soll das System vor allem die Diagnose seltener Krankheiten verbessern.
(ane)
Harald Weiss
ist seit über zehn Jahren freier Fachjournalist in New York und berichtet regelmäßig von vielen bedeutenden IT-Events in den USA. Er begann seine Berufslaufbahn als Softwareentwickler und System-Ingenieur, bevor er über die Stationen Marketing und PR zur schreibenden Zunft kam.
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